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Rudolf Becker hat vor gut 50 Jahren die Kinokultur auf dem Land mitgestaltet

von Tina Mohram 03.03.20091862 mal gelesenkein Kommentar
Mit diesem Auto brachte Rudolf Becker die Kinofilme bis ins kleinste Dorf
Mit diesem Auto brachte Rudolf Becker die Kinofilme bis ins kleinste Dorf
Grünberg | In Zeiten, in denen sich die Kinolandschaft im Landkreis Gießen durch den geplanten Bau des Multiplex-Kinos am Berliner Platz stark zu verändern droht, meldet sich ein Mann zu Wort, der noch genau weiß, was der Besuch eines Kinos für die Menschen auf dem Land vor mehr als 50 Jahren bedeutet hat. Damals waren gerade die Kinos auf dem Land von entscheidender Bedeutung für das kulturelle Leben der Menschen, wie die Geschichte von Rudolf Becker aus Stangenrod bei Grünberg verdeutlicht. „Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort“ – so beschreibt der 84-jährige Rentner den Tag, an dem seine Verbundenheit zum Kino, die schon weit über ein halbes Jahrhundert andauert, ihren Anfang nahm. Eigentlich wollte er an diesem Tag als junger Mann nur Handzettel mit Werbung für das Kino in Grünberg austragen, doch da der damalige Filmvorführer gerade Streit mit seinem Helfer hatte, übernahm Becker dessen Arbeit und engagierte sich mit der Zeit immer mehr im Kino. "Jedoch war es damals bei weitem nicht so einfach, Filme vorzuführen wie heute", betont er. Man musste einen Vorführschein haben, um in einem Kino als Filmvorführer
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arbeiten zu können. Den machte Becker im Jahr 1947 in Frankfurt. Dieser Schein war notwendig, weil die Filme aus Zellulose hergestellt wurden und daher leicht brennbar waren. Daher mussten früher auch bei jeder Vorführung drei Feuerwehrleute im Saal anwesend sein, um die Sicherheit der Zuschauer zu gewährleisten. Der Vorführraum war mit einer Schutzklappe vom Zuschauerraum getrennt, damit bei einem Brand die Zuschauer möglichst sicher waren. Die Filme befanden sich damals auf Rollen. Eine Rolle entsprach einem Akt und dauerte 20 Minuten. Ein Film bestand aus fünf oder sechs Akten. Diese Rollen konnten natürlich auch reißen und wurden dann geklebt. "Dadurch konnte es aber passieren, dass der Film sich im Bildfenster verlangsamte, er sich also weniger schnell drehte." Aus einer solchen Situation heraus entstand dann Brandgefahr und der Vorführer musste den Film Stelle abreißen, um ein Feuer verhindern zu können. Trotzdem waren die Vorstellungen für die Zuschauer sicher und sie besuchten diese sehr gerne. Becker erzählte nämlich, dass es damals für die Leute, die auf dem Land lebten, nur wenige Möglichkeiten gab, kulturell etwas zu erleben. Es fand einmal im Jahr die Kirmes statt, aber sonst war es auf den Dörfern eher ruhig. Das Kino
Dieses Bild zeigt Rudolf Becker damals bei seiner Arbeit als Filmvorführer
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brachte die Menschen näher zusammen. Aus diesem Grund wurde das Programm, das zunächst nur in Gießen, Laubach, Grünberg und später in Heuchelheim lief, aufs Land gebracht. Mit einem Vorführwagen und einem Helfer transportierte Becker die gesamte Ausstattung aus dem Grünberger Kino, die für eine Filmvorführung nötig war - inklusive einer Leinwand - jeden Abend an mindestens zwei Orte im Landkreis. Die Vorführungen fanden auch in den kleinsten Gemeinden bei Wind und Wetter statt. Becker betont, dass dieses Angebot von den Leuten gerne genutzt wurde - die Vorstellungen waren fast immer ausverkauft. Um Werbung für die Vorstellungen zu machen, fuhr das Kino-Team vor den Vorstellungen mit einem Lautsprecherwagen durch den jeweiligen Ort und machte so auf sich aufmerksam. Eine große Hetze entstand für die Vorführer dadurch, dass sie zwischen den einzelnen Kinos im Landkreis neben den Filmen auch immer die Wochenschau hin und her transportieren mussten. Das geschah dann bei Wind und Wetter mit dem Motorrad, was bei einem Gewicht von 17 bis 20 Kilogramm pro Film eine respektable Leistung darstellt. Das fahrende Kino zeigte neben der Wochenschau auch Filme, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges das Harmoniebedürfnis der Menschen widerspiegelten. Aus diesem Grund hatten gerade zu dieser Zeit Heimat- und Naturfilme einen sehr großen Zuspruch.
Da die Bezahlung für diesen Dienst sehr schlecht war, arbeitete Becker unter der Woche noch in Gießen in einem Großhandel. Den Leuten auf dem Land das Kino näher zu bringen, war für ihn mehr eine Berufung, die sehr auf Kosten seines Privatlebens ging. Er war an den meisten Feiertagen nicht daheim, da gerade dann viele Leute die Vorstellungen besuchen wollten.
Becker brachte das Kino bis Mitte der 60er Jahre den Menschen aufs Land. Ab diesem Zeitpunkt ließ das Interesse am Kino nämlich durch das aufkommende Fernsehprogramm langsam nach.

Mit diesem Auto brachte Rudolf Becker die Kinofilme bis ins kleinste Dorf
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