Bürgerreporter berichten aus: Grünberg | Überall | Ort wählen...

Kleine und große Pilger unterwegs auf dem Bonifatiusweg

Grünberg | Text und Fotos: Ingo Berner


„..Steht auf und esst, der Weg ist weit“ unter diesem Motto pilgerten in der Karwoche 25 Kinder und Erwachsene, Eltern, Tanten, Onkel, Omas und Opas ein Stück auf dem Bonifatiusweg auf den Spuren des alten Leichenzuges, auf dem der tote Bonifatius nach Fulda getragen worden war. Bei sonnigen, aber kaltem Wetter trafen sich am Palmsonntag die kleinen und großen Pilger am Grünberger Bahnhof, um unter Leitung von Dekan Norbert Heide von Kriftel (bei Frankfurt) in Richtung Fulda zu pilgern. Weil die Bahnstrecke nach Gießen gesperrt war, musste die Gruppe in einem überfüllten Bus bis Großen-Buseck fahren und dort weiter mit dem Zug über Gießen zum Frankfurter Hauptbahnhof. Vom unterirdischen Bahnhof aus ging es mit der S-Bahn weiter nach Kriftel, dem Ort, bis zu dem die Pilger im letzten Jahr auf dem Bonifatius-Weg von Mainz nach Fulda gekommen waren.

Bereits vor der Abfahrt am Grünberger Bahnhof überreichten Vorstandsvorsitzender Ulrich Zinn und Marketingbeauftragter Josef Hornik von der Sparkasse Grünberg einen Scheck über 1.000 Euro zur Unterstützung der Pilgertour.

Bei „sibirischer“ Kälte machten sich die Pilger in Kriftel auf den gut ausgeschilderten Bonifatiusweg über Zeilsheim, Oberliederbach nach Sulzbach und erreichte den S-Bahnhof Sulzbach Nord nach dreieinhalb Stunden. Von dort fuhren sie mit der S-Bahn direkt bis zur Konstabler Wache in Frankfurt. Aber leider mussten die müden Pilger von dort nochmals gut einen Kilometer bis zum „Haus der Jugend“ am linken Mainufer wandern. Kurz vor sieben kamen sie dort an. Die Zimmer waren schnell zugeteilt, die Koffer bereits von Sarah Speh, der FSJ-lerin, auf dem Flur deponiert und auch die Betten waren zur großen Erleichterung schon bezogen.
Nach dem Abendessen (Schweinbraten, Semmelknödel und Rotkraut) traf sich die Gruppe im Gemeindesaal der benachbarten Dreikönigsgemeinde. Unter Anleitung von Anja Martine, der Dekanatskirchenmusikerin, lernten die kleinen und großen Pilger verschiedene Lieder, mussten sich aber zuvor kurz mit einem Satz vorstellen, in dem als Anfangsbuchstaben jeweils nur der Anfangsbuchstabe des Vornamens gebraucht werden durfte und die Runde das wiederholen musste (dem Spiel „Ich packe meinen Koffer …“ entsprechend). Dekan Norbert Heide etwa stellte sich so vor: „Norbert nörgelt nie!“ An diesem Abend erzählte der Dekan mit Unterstützung der Raben „Nörgel“ und „Nie“ die biblische Geschichte vom, Propheten Elija, den die beiden Raben am Bach Krit Nahrung brachten.
Pilger am Bonifatiusbrunnen
Pilger am Bonifatiusbrunnen
Am nächsten Morgen musste die Gruppe nicht so früh aufstehen wie angedroht; erst um acht Uhr traf man sich zum reichhaltigen Frühstück und schmierte eifrig Brote und Brötchen für das Lunchpaket für unterwegs. Nach einer Andacht im Gemeindesaal und Liedern, deren Text auf unterschiedliche Weise das Thema „Weg“ thematisierten („Geh den Weg…“ - „Zu allen Zeiten …“) fuhr die Gruppe nach Sulzbach. Dort besuchte man die evangelische Kirche, die zunächst verschlossen schien. Aber heftiges Klopfen hatte Erfolg und ein alter Herr öffnete: Es war der Organist, der sich für den Karfreitags-Gottesdienst vorbereitet hatte. Er erzählte von der alten großen Orgel, die früher in einer Frankfurter Kirche gestanden hatte. Auf Bitten der Pilger spielte er auf der barocken Orgel das „Präludium in C-Moll“ von Johann Sebastian Bach.
Bei eisigem Nord-Ost-Wind wanderten die Pilger über Eschborn bis nach Niederursel. Von diesem Frankfurter Stadtteil ging es mit der U-Bahn bis zur Hauptwache in Frankfurt. Ein Teil der Gruppe fuhr weiter zur Konstabler Wache, der andere Teil lief über den Römerberg zur Jugendherberge.
Nach dem Abendessen (Fischfilet „Bordelaise“ und Salzkartoffeln) traf man sich wieder im Gemeindesaal. Dekan Heide erzählte weiter von Elija: Seiner Flucht über Beerscheba zum Berg Horeb; Elija hat in der Wüste Angst zu sterben, aber Gott sorgt für ihn mit Wasser und Brot. Dazu sangen die Pilger passende Lieder („Manchmal ist meine Angst riesengroß…“ – „Er ist das Brot …“). Nach der geistlichen Nahrung spielten die Kinder und Erwachsenen; besonders lustig ging es beim „Kissenfangen“ zu, das jeweils die schnellere Gruppe zwei gewann.
Am dritten Tag – nach Frühstück und Andacht – gratulierten alle dem Geburtstagskind Janna, das acht Jahre alt geworden war und übten mit verteilten Rollen das Anspiel „Bergwanderung“ für den kommenden Gründonnerstag-Gottesdienst in Grünberg.
Bei strahlendem Sonnenschein und weiterhin eisiger Kälte wurde der letzte und längste Abschnitt der Pilgerroute in Angriff genommen. Er führte die Gruppe in knapp fünf Stunden von Niederursel nach Dortelweil. Vorbei an den naturwissenschaftlichen Neubauten der Frankfurter Universität am Niederurseler Hang wurde in Kalbach Rast gemacht. Hier konnten sich die Kinder auf einem großen Spielplatz austoben und die Erwachsenen ausruhen. Am dortigen Bonifatius-Brunnen wurden Erinnerungsfotos geschossen und die – leider verschlossene – Bonifatius-Kirche aufgesucht. Immer in Sichtweite des Frankfurter Fernsehturms und der Wolkenkratzer des Bankenviertels ging es weiter über Bonames, Harheim und Nieder-Erlenbach nach Dortelweil. Ziemlich erschöpft aber bei bester Laune kamen auch die kleinsten Wanderer – zwei achtjährige Kinder – am dortigen Bahnhof an.
In der Jugendherberge erwartete die Gruppe ein leckeres Abendessen (Putengeschnetzeltes „Gärtnerinnen Art“ mit Rigate Nudeln). Danach hörten die Pilger Elijas Geschichte vom Weinberg des Nabob, den der böse König Ahab haben will, aber durch Elija gerettet wird.
Am letzten Tag machte die Gruppe Frankfurt unsicher. Nach der Andacht wurde zunächst die neugotische Dreikönigkirche am linken Mainufer besichtigt. Über den Eisernen Steg, ging es in die Innenstadt. Überrascht waren die jungen Pilger von den unzähligen Bügelschlössern, die Paare an dessen Geländer angeschlossen hatten. Weiter ging es zum mittelalterlichen Kaiserdom und zur Paulskirche, in der die Dauerausstellung zum ersten deutschen Parlament beeindruckte. Ein Teil der Gruppe besichtige weitere Kirchen ein anderer Teil betrachtete das Goethehaus von außen, wieder andere genossen die Frühjahrssonne und tranken Kaffee oder gingen shoppen.
Am frühen Nachmittag trafen sich alle an der Konstabler Wache und fuhren bei bester Laune zurück nach Grünberg – in der Hoffnung, dass Dekan Heide im nächsten Jahr wieder Kleine und Große einlädt, auf dem Bonifatiusweg von Dorteweil weiter Richtung Fulda zu pilgern.
Ingo Berner

 
Pilger am Bonifatiusbrunnen
Pilger am... 
 

Dies könnte Sie zum Thema auch interessieren

Die Teilnehmer in der Speicherstadt
Äktschentage in Hamburg
Die Äktschentage des Dekanats Grünberg führten eine Reisegruppe von...
Unterwegs auf dem Lutherweg 1521
von Okarben nach Dorheim 17 km zurückgelegt Die diesjährigen...
Inheidener See
Unterwegs auf dem Lutherweg 1521
von Berstadt zum Hessenbrückenhammer 20 km zurückgelegt Die...
Die Pilger*innen vor der Ev. Kirche in Södel
Unterwegs auf dem Lutherweg 1521 von Dorheim nach Berstadt 16 km zurückgelegt
Die diesjährigen Pilgertage mit Dekan Norbert Heide führen auf dem...
Pilgern auf dem Rennsteig - Bei der Frühlingstour wurden 50 km zurückgelegt
18 Pilger starteten mit Dekan Norbert Heide nach Oberhof, um den...
vor dem Hotel in Niesky
Radpilgern durch die Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft
Auf dem Froschradweg 300 km geradelt Auch in diesem Jahr folgten...
Pilgern auf dem Lutherweg 1521
Die diesjährigen Pilgertage mit Dekan Norbert Heide führen auf dem...

Kommentare zum Beitrag

Leider gibt es noch keine Kommentare zu diesem Artikel.
Schreiben Sie doch den ersten!

Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Irmgard Dechert

von:  Irmgard Dechert

offline
Interessensgebiet: Grünberg
Irmgard Dechert
1.038
Nachricht senden
Aktuellste Beiträge des Autors:
Die Pilger am Gradierbau in Bad Nauheim
Unterwegs auf dem Lutherweg von Friedberg nach Nieder-Weisel
Von Friedberg bis Nieder-Weisel 16 km gepilgert Die diesjährigen...
Unterwegs auf dem Lutherweg 1521
Die diesjährigen Pilgertage führen samstags auf dem Lutherweg 1521...

Weitere Beiträge aus der Region

Br8tett in Concert
Lich-Kloster Arnsburg (kmp). Das im Januar 2012 unter der...
Gut gefüllt war das kleine Zelt in Beltershain
Weinfest der CDU Beltershain mit Volker Bouffier
Am 24. August luden der CDU Stadtverband Grünberg und der Ortsverband...
Konzert zur Einweihung der neuen Orgel
Wettenberg (kmp/kr). Ein Konzert anlässlich der Einweihung der neuen...

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.