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Stadtrundgang auf der Marburger Märchenroute

Die Pilger in der Universitätskirche in Marburg
Die Pilger in der Universitätskirche in Marburg
Grünberg | 43 Pilger waren mit Dekan Norbert Heide bei winterlichen Temperaturen unterwegs

… Es war einmal eine kleine alte Stadt, die mit ihren engen scheppen Gassen und vielen Treppen an einem Berg lag, auf dem ein herrschaftliches Schloß stand … So könnte ein Märchen über Marburg angefangen haben und es wäre wahr.
Mit einem Rundgang auf der Marburger Märchenroute nach Motiven von Otto Ubbelohde startete die erste Etappe auf den Spuren der Brüder Grimm, deren Erstausgabe der „Kinder und Hausmärchen“ vor 200 Jahren erschien.

Von 1802 bis 1805 lebten Jakob und Wilhelm Grimm in der Universitätsstadt Marburg. Die kurze Zeit in Marburg war prägend für die Brüder, denn hier entstanden die Ideen für die Sammlung ihrer Märchen. Das mittelalterliche Flair Marburgs inspirierte den Zeichner Otto Ubbelohde ein Jahrhundert später dazu, Motive aus Marburg und Umgebung zur Illustration der Grimm’schen Märchen zu nutzen.
Erste Station auf den Stadtrundgang war die Universitätskirche, deren Grundstein im Jahre 1291 gelegt wurde. Sie trägt bis heute den Beinamen „Kirche auf dem Felsen“, da diese auf dem einzig natur gewachsenen Felsen der Stadt, dem „Lahnfels“ erbaut wurde. Küster Stefan Heinisch gab sein Wissen über das Gotteshaus an die Besucher weiter. Das Hohe Chorkreuz ist umgeben von einem Lettner - einer hölzernen Schranke, die den Kirchenraum von der Sakristei trennt -, welcher die Lebensgeschichte Jesus darstellt, von der Ankündigung Mariä, über Taufe, Garten Gethsemane, Auferstehung, Emmaus-Jünger, bis zur Himmelfahrt. Die farbig gehaltene Kassettendecke im Kirchenschiff ist aus aufgeschachtelten Zigarrenkisten hergestellt und nur von der sichtbaren Seite bemalt.

Nun begaben sich die Pilger auf die Spuren der Brüder Grimm bzw. der Motive, die Otto Ubbelohde in Marburg für die Illustrationen der Märchen ausgewählt hat: das gotische Tor mit Klopfer und Fenster aus dem Märchen „Das Eselein“ ist am alten Rathaus zu finden. Ubbelohde hielt mit seinem Zeichenstift auch das damalige Leben in den Dörfern und in Marburg fest. Neben der Tür am Rathaus ist noch die alte Marburger Elle zu sehen. Die heilige Elisabeth, mit Krone, Witwenschleier und ihrer Kirche in der Hand, schaut dem Markttreiben vom Relief aus zu. Die Erker der Häuser auf dem Markt könnten für die Gestaltung der Zeichnung bei den „3 Handwerksburschen“ herangezogen worden sein.
Aschenputtels Schuh vor dem Marburger Schloß
Aschenputtels Schuh vor dem Marburger Schloß
An einem Haus am Markt sitzen die sieben Fliegen in überdimensionaler Größe, welche das tapfere Schneiderlein „erlegt“ hat. „Der Arme und der Reiche“ hat den Eingang zum „Schwanschen Haus“ mit dem Renaissanceportal in der Nicolaistraße zum Vorbild. Dort wo der Schneidersberg in die Barfüßerstraße einmündet, steht ein alter Stadtbrunnen mit dem Namen Bärenbrunnen – der für den „Vogel Greif“ Modell gestanden hat.

Die engen Gassen und die steilen Treppen machen viel von Marburg’s mittelalterlichem Flair aus. In der Wendelgasse hat man beides. Hier wohnten Jakob und Wilhelm Grimm während ihrer Studienzeit in einem kleinen Eckzimmer. Jakob Grimm ärgerte sich über die vielen Treppen – „… zu Marburg muss man seine Beine rühren und Trepp auf,Trepp ab steigen“ (Jakob Grimm 1803). Das nicht einmal 100 Meter lange Gässchen, das auf beiden Seiten von den in Marburg typischen Fachwerkhäusern gesäumt wird erfordert das Steigen einiger weniger Stufen und schon steht man auf dem Lutherischen Kirchhof. Die Lutherische Pfarrkirche oder Marienkirche prägt mit ihrem markanten schiefen Turm die Silhouette der Marburger Oberstadt entscheidend mit. Das massive steinerne Taufbecken, das noch aus dem romanischen Vorgängerbau der Kirche stammt, hat vermutlich schon die Heilige Elisabeth bei ihren Kirchenbesuchen 1228 bis 1231 gesehen.

Blick auf Marburg
Blick auf Marburg
Der Beringbrunnen in der Straße Am Plan passt als Vorlage hervorragend zu den Zeichnungen in den Märchen „Der Teufel mit den goldenen Haaren“ und „Der Froschkönig“.
Auf dem alten Friedhof am Barfüßertor findet sich der zur Illustration „Die drei Brüder“ passende Grabstein. Vom Barfüßertor führte der Weg zur spätgotischen Kugelkirche. Hier hielt Dekan Norbert Heide eine Andacht über das Märchen-Thema „Frau Holle“ – insbesondere die Höhen und Tiefen im Leben.

Bis zum Schloss sind es dann "nur" noch ein paar weitere Treppen - allerdings auch auf kürzestem Wege 175 Stufen. Im Weinberg unterm Schloss leuchtet ein großer, roter Aschenputtelschuh. Hier oben konnten die Pilger wie die Gänsemagd durch das Schloßtor auf Marburg schauen. Der Innenhof des Marburger Schlosses ist bei der Märchenzeichnung „Die Bienenkönigin“ wieder zu erkennen. Vom Schloßberg hatte man einen man einen herrlichen Blick auf die verschneite Stadt. Die Pilger haben viele Eindrücke von Marburg, Informationen über die Brüder Grimm und die Motive der Illustrationen von Otto Ubbelohde gewonnen und außerdem einige Märchen gehört, die Dekan Heide an verschiedenen Stationen vorlas.

Die zweite Etappe auf den Spuren der Brüder Grimm führt am 16. Februar 2013 auf die Otto-Ubbelohde-Route & Goldberg-Route von Wehrda über Goßfelden und Cölbe zurück nach Wehrda (ca. 18 km). In Goßfelden ist eine Führung im Otto-Ubbelohde-Haus vorgesehen. Treffpunkt ist um 8 Uhr auf dem Schloßparkplatz in Grünberg. Ausgangspunkt in Wehrda ist die Bushaltestelle Magdeburger Straße.

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Blick auf Marburg
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