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Dekanats-AG lud zum Jahresempfang nach Laubach

Jugendband Pube mit dem Jugendchor der Kirchengemeinde Laubach (Ausschnitt)
Jugendband Pube mit dem Jugendchor der Kirchengemeinde Laubach (Ausschnitt)
Grünberg | Text und Fotos: Dr. Angela Stender


Herausforderung Kinder- und Jugendarbeit

Kinder und Jugendliche brauchen eine „sensible, flexible und solidarische“ Kirche. Außerdem müsse sie einladend sein und die Heranwachsenden beteiligen. Das ist laut Claudia Dörfler, Dekanats-Jugendreferentin im Evangelischen Dekanat Hungen, die Herausforderung, vor der die Evangelische Kirche stehe. Wie die Evangelische Kirche in der Region mit dieser Herausforderung umgeht, erfuhren die Gäste beim Empfang der AG der Evangelischen Dekanate Grünberg, Hungen und Kirchberg am Sonntag im Laubach-Kolleg. Unter dem neuen Jahresmotto der AG „Soviel du brauchst“ hatten sich die Gemeindepädagoginnen und –pädagogen die Frage gestellt: Was brauchen Jugendliche in der Region wirklich?
Materiell unterstützen die Dekanate die Jugendarbeit mit mehr als 350 000 Euro jährlich. Zählt man die Aufwendungen für die kirchenmusikalische Arbeit hinzu, fließen im Jahr fast 500.000 Euro in die Kinder- und Jugendarbeit der Arbeitsgemeinschaft der drei Dekanate. Diese Zahlen seien, so Günther Semmler, Dekanats-Jugendreferent im Dekanat Grünberg, trotz
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sinkender finanzieller Ressourcen und zurückgehenden Zahlen bei den Jugendlichen, in den letzten Jahren erfreulicherweise konstant geblieben. Inhaltlich stehe man jedoch immer wieder vor den Fragen: Gibt Kirche den Jugendlichen zu viel vom Einen und zu wenig von Anderem? Gibt sie möglicherweise sogar das Falsche oder darf es auch einmal etwas mehr sein?
Diese Fragen zu beantworten, sei in den letzten Jahren schwieriger geworden. Denn die Lebenswelten der Jugendlichen würden immer vielfältiger, erläuterte Carola Geck, Dekanats-Jugendreferentin im Dekanat Kirchberg, anhand der Ergebnisse aus der Sinus-Studie: „Wie ticken Jugendliche 2012“. Alle Jugendlichen in allen Lebenswelten seien jedoch auf der Suche nach Orientierung. Hier stehe die Kirche als Begleiterin bereit, stehe jedoch vor der Herausforderung, dass das Interesse an der Institution Kirche bei weitem nicht so groß wie das an der Religion. In dieser Lebensphase, in der die Heranwachsenden ihre Überzeugungen entwickeln, könne die Kirche Räume anbieten, in denen sie sich mit ihren Fragen entfalten können. Da sich rund 90 Prozent der getauften Jugendlichen auch konfirmieren lassen, sei dies das Alter, in dem sie durch vielfältige, auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Angebote in der Kirche Heimat finden könnten.
die Gemeindepädagoginnen Antje Koob-Röhrsheim, Stefanie Best-Failing, Carola Geck und Claudia Dörfler beim Vortrag.
die Gemeindepädagoginnen Antje Koob-Röhrsheim, Stefanie Best-Failing, Carola Geck und Claudia Dörfler beim Vortrag.
Eine weitere Herausforderung für die kirchliche Jugendarbeit ist die Tatsache, dass Schule durch Ganztagsangebote und Verkürzung der Gymnasialzeit immer mehr zur Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen werde. Gleichzeitig, so Antje Koob-Röhrsheim, die als Gemeindepädagogin im Dekanat Kirchberg schulbezogene Jugendarbeit an der IGS Busecker Tal anbietet, wachse der Leistungdruck, der die Kinder zum Teil schon im Grundschulalter ereile. Durch die Abwertung von Haupt- und Realschulabschluss fühlten sich viele Kinder und Jugendliche früh „abgehängt“ und hätten Angst, keinen Ausbildung- oder Arbeitsplatz zu erhalten. Nach wie vor hänge der schulische Erfolg in Deutschland weniger von den individuellen Begabungen als vielmehr von der sozialen Herkunft ab, bedauerte Koob-Röhrsheim. Mit begleitenden Angeboten in den Schulen könne Kirche die betroffenen Kinder und Jugendlichen unterstützen.
Neben der Schule besetzen Medien einen großen Teil der Zeit von Kindern und Jugendlichen. Vor dem Computer mit Internetverbindung verbringen sie zum Beispiel mehr als zwei Stunden täglich. Hinzu kommt ein Fernsehkonsum von knapp zwei Stunden am Tag, berichtete Stefanie Best-Failing, Gemeindepädagogin im Dekanat Kirchberg. Ein Handy hat quasi jeder und jede der zwölf- bis 29-jährigen. Best-Failing: „Das nennt man Vollversorgung“. 90 Prozent besitzen einen Computer. Ein großer Teil der Kommunikation unter Gleichaltrigen geschehe über Computer, Handy und Smartphone mit Internetanbindung. Facebook, so Best-Failing, werde am meisten genutzt – zur Selbstdarstellung, zum Beziehungsaufbau und zur Beziehungspflege. Jugendarbeit müsse deshalb verstärkt den Blick auf die sozialen Kompetenzen und das Nutzerverhalten richten. Denn das Risiko, das mit der unkontrollierten Verbreitung von privaten Daten und Fotos im Netz verbunden sei, werde von den Jugendlichen oft ausgeklammert.
Soziale Kompetenzen ganz anderer Art erwerben Kinder und Jugendliche bei den Freizeiten, die für die unterschiedlichen Altersgruppen angeboten werden. Dekanats-Jugendreferent Günther Semmler hob hervor, dass dies oft ein „knallhartes Brot“ für die Begleiter sei. Denn die Freizeiten seien nicht einfach Urlaub und hätten einen hohen Anspruch, was das Einhalten von Regeln und die Qualität der Angebote angehe. Dies werde auch im aktuellen Freizeitenflyer deutlich, der pünktlich vor dem Jahresempfang fertig geworden war.
Welche Erinnerungen von solchen Freizeiten mitgenommen werden, illustrierte die Jugendband „Pube“ aus dem Dekanat Grünberg unter Leitung von Gemeindepädagoge Patrick Papendorf. „Auf Fahrten wie diesen“ hatten sie den Hit der „Toten Hosen“ umgedichtet. Neben „Pube“ und zum Teil gemeinsam mit der Band trat auch der Jugendchor der Kirchengemeinde Laubach, geleitet von Dekanatsmusikerin Anja Martiné , mit mehreren Liedern auf.
Im Anschluss an das offizielle Programm hatten die Gäste die Möglichkeit sich in mehreren Räumen über die Kinder- und Jugendarbeit in den Dekanaten zu informieren.

Jugendband Pube mit dem Jugendchor der Kirchengemeinde Laubach (Ausschnitt)
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von:  Irmgard Dechert

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