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Mit Schirm, Charme und Orgel

Kantor Michael Harry Poths mit seiner Assistentin Emely Green (Foto: Heiko Dörr)
Kantor Michael Harry Poths mit seiner Assistentin Emely Green (Foto: Heiko Dörr)
Grünberg | Aßlar ( ). Zu einem Festkonzert hatte die katholische Kirchengemeinde Christ König am 4. November eingeladen. Gefeiert werden konnte das kleine 5jährige Jubiläum der Orgelkonzerte in der Aßlarer Christ König – Kirche. Das erste Konzert an der dortigen Orgel, erbaut 1980 von Fischer & Krämer in Endingen, spielte der Wetzlarer Konzertorganist Kantor Michael Harry Poths am 10. Juni 2007. Das Instrument mit 31 klingenden Registern auf Hauptwerk, Schwellwerk und Pedal ist das beste in der weiteren Region, verfügt die Orgel doch über eine stattliche Anzahl französisch orientierter romantischer Register, die auch den orchestralen Klang ermöglichen, kombiniert mit der hervorragenden Akustik der Christ König – Kirche, nicht zu hallig, aber auch nicht trocken.
Nach der Begrüßung durch den Pastoralreferenten Heiko Dörr gab Kantor Poths ein paar Erläuterungen zum Programm, um den Zuhörern aus Aßlar, Wetzlar, dem Dill-Kreis, Gießen, Frankfurt und dem Westerwald das Hören insbesondere der moderneren Kompositionen zu erleichtern. Das Programm beinhaltete eine Mélange aus choralgebundenen und freien Werken sowohl evangelischer
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als auch katholischer Großmeister vom Barock bis zur Avantgarde. Dabei wurde Kantor Poths unterstützt von seiner 14jährigen Klavierschülerin Emely Green aus Rechtenbach, die nicht nur beim Konzert die Noten blätterte und registrierte, sondern auch am Vortag 2,5 Stunden lang Tasten hielt, während der Organist die sechs zum Teil schwer zugänglichen und teilweise mit französischen Stimmkrücken ohne Winkel versehenen Zungenregister stimmte und dabei einzelne Töne nachbesserte.
Schon das Anfangswerk – die Passacaglia c-moll BWV 582 von Johann Sebastian Bach (1685-1750) - führte in die mysteriöse Stimmung, die sich durch das ganze Konzert hindurch zog. Über einem immer wiederkehrenden Basso ostinato variierten facettenreich die Oberstimmen, ließen das Thema auch mal kurz in den Sopran und Alt, dann in Manualiter-Arpeggien gehen, bevor es noch ein paar Mal im Bass erklang und dann in eine Fuge überging. Das „modernste“ Werk, „Combat de la Mort et la Vie“ von Olivier Messiaen (1908-1992) hatte Kantor Poths als zweiten Programmpunkt gesetzt, um die Zuhörer nicht mit diesen recht ungewohnten Dissonanzen am Ende des Konzertes zu entlassen, was bei streng chronologischer Reihenfolge geschehen wäre. Dieses mächtige Werk hat nur ein einziges Thema, das zu Beginn vom Fagott erklingt, das ist der Tod. Dann erklingt ein Tumult an Fortissimo-Akkorden, das ist der Kampf Jesu Christi mit dem Tod, das Ganze wiederholt sich zweimal, nach einer langen Pause erklingt dann ein sehr verhaltener, meditativer zweiter Teil, in dem dasselbe Thema mit leisen Grundstimmen erklingt, jetzt ist es das Leben, Christi Sieg über den Tod in der Auferstehung. Mit den zarten Schwebungen der Orgel ein ergreifender Kontrast zu dem gewaltigen ersten Teil, in dem die Akkorde teilweise in massiver Gegenbewegung aufeinander treffen und sich sogar kreuzen, für den Organisten wie für die Zuhörer eine große Herausforderung. Als evangelischer Kontrast folgte der 1. Satz aus der Sonate f-moll op. 65 Nr. 1 von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847), der zwischen sinfonischen Elementen des Hauptwerks auf dem Schwellwerk den Choral „Was mein Gott will, das g’scheh‘ allzeit“ verarbeitet. Mit der großen Fantasie „Ein feste Burg ist unser Gott“ op. 27 von Max Reger (1873-1916) folgte ein weiteres Großwerk, beginnend mit einem kräftigen Pedalsolo und dem Wechsel der ersten Strophe zwischen Tenor-cantus-firmus mit virtuosen Gegenstimmen in der rechten Hand und dem Pedal und gewaltigen Tutti-Blöcken, diese mediantisch (D-Dur / B-Dur)! Dann eine sehr verhaltene 2. Strophe, aber auch wieder unterbrochen durch die gewaltigen Tutti-Blöcke, dann sukzessive Steigerung und schließlich eine festliche Coda. Nach diesem aufwühlenden Werk ging es mit dem sehr melodischen Prélude, Fugue et Variation h-moll op. 18 von César Franck (1822-1890) weiter, in dem Anfangs- und Schlussteil sehr eingänglich, dazwischen eine chromatisch und enharmonisch durchsetzte Fuge. Mit dem Schlussstück blieb der Kantor in der französisch-katholischen Kirchenmusik mit dem Carillon „Tu es petra et portae inferi non praevalebunt adversus te“ aus den „Esquisses Byzantines“ von Henri Mulet (1878-1967), die dieser 1914-1919 komponiert und der Basilika Sacre-Cœur de Montmartre in Paris gewidmet hat, wo er in dieser Zeit Organist war.
Nach dem nicht enden wollenden Applaus setzte Kantor Poths dann als Zugabe noch den beliebten Franzosen Alexandre Guilmant (1837-1911) drauf, dessen Finale aus der Symphonie d-moll op. 42 er spielte, im Schlussteil mit bis zu dreistimmigem Pedal! Auch hier war der Applaus entsprechend und begleitet von dem laut vernehmbaren Wunsch, diese Konzerte in der Aßlarer Christ König – Kirche fortzusetzen.

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von:  Michael Poths

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