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Idyllische Teiche, Galgen von Hopfmannsfeld und Totenköppel erpilgert

Pilger vor der Kreuzkapelle bei Herbstein
Pilger vor der Kreuzkapelle bei Herbstein
Grünberg | Pilger legten von Herbstein zum Totenköppel 14 km zurück

Zur sechsten Etappe auf dem Vogelsberger Vulkanring starteten 25 Pilger gemeinsam mit Dekan Norbert Heide in Herbstein. Auf Waldwegen erreichte man die Kreuzkapelle, die 1854 entstand. Der Platz war in vorchristlicher Zeit ein geheimnisvoller Ort, an dem sich mehrere Wege und Grenzen kreuzten. Später wurde hier ein Kreuz aufgestellt, das sehr schnell zum Ausflugsziel für Herbsteiner Familien nach der Sonntagsandacht wurde. Dem Wunsch nach einer Kapelle wurde schnell stattgeben.

Auf vom Regen aufgeweichten Wegen gelangte man zum Naturschutzgebiet um die beiden Schalksbachteiche mit seiner vielfältigen Flora und Fauna. Die Teiche wurden Mitte des 19. Jahrhunderts zur Fischzucht angelegt und dienen als Rast- und Brutplatz seltener Wasservögel, als Lebensraum von Libellen, Schmetterlingen und Lurchen. Über die sanften grünen Hügel und durch Buchenwälder führten Pfade nach Hopfmannsfeld. Sehenswert ist das alte einarmige Steinkreuz – auch Sühnekreuz genannt - in der Ortsmitte. Das Steinkreuz war lange Jahre nicht zu sehen, weil das damalige Wiegenhaus
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Totenköppel (2)Pilgern rund um den Vulkan (9)Ev. Kirche Hopfmannsfeld (1)Dekan Norbert Heide (164)
davor gebaut wurde. Beim Straßenbau verschwand das Wiegenhaus und das Steinkreuz wurde wieder sichtbar. Ein Arm des Sühnekreuzes ist vor langer Zeit abgebrochen und soll in der Nähe des Kreuzes gelegen haben. Verschiedene Einwohner behaupten, der fehlende Arm sei beim Straßenbau im Straßenuntergrund verschwunden.
Die evangelische Kirche wurde in 1733/34 erbaut als Ersatz für die alte baufällige Kirche von 1596. Der Taufstein im Inneren der Kirche stammt aus dem Jahre 1632. Die Bilder an der Empore zeigen Szenen aus dem Leben und der Verkündigung Jesus. Die letzte Renovierung der Kirche fand im Jahre 1989 statt. Über der Kirchentür befindet sich das Riedeselwappen und vor der Kirche steht die Luthereiche von 1883.

Zum Wochenspruch „Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen“ gestaltete Dekan Norbert Heide die Andacht. Christopherus sollte an Stelle eines Fährmanns Reisende über einen Fluss tragen und diesen Dienst als den Willen Gottes ansehen. An einer tiefen Furt verrichtete er fortan diesen Dienst. Eines Tages nahm er ein Kind auf die Schulter, um es über den Fluss zu tragen. Zunächst war das Kind sehr leicht, aber je tiefer Christopherus in die Furt stieg, desto schwerer schien es zu werden.
Schalksbachteich
Schalksbachteich
In der Mitte des Stromes keuchte Christopherus schließlich: „Kind, du bist so schwer, als hätte ich die Last der ganzen Welt zu tragen!“ Das Kind antwortete: „Wie du sagst, so ist es, denn ich bin Jesus, der Heiland. Und wie du weißt, trägt der Heiland die Last der ganzen Welt.” Ehe Gott uns zumutet, die Last zu tragen, werden wir getragen von der Liebe Gottes. Das Lied „Damit aus Fremden Freunde werden“ mit Orgelbegleitung von Dekan Heide bildete den Abschluss in der Kirche Hopfmannsfeld.

Zwischen Hopfmannsfeld und Hörgenau finden sich auf einer Anhöhe zwei runde Säulen aus Sandstein. Mit einem Holzbalken darüber dienten sie früher als Galgen. Jedoch soll nach mündlichen Überlieferungen niemand an dem 300 Jahre alten Galgen gehangen haben.

Mit bunten Wiesenblumen am Wegrand erreichte die Gruppe bei strahlendem Sonnenschein den Totenköppel. Auf dem markanten Hügel befindet sich der letzte noch bestehende Sippenfriedhof Deutschlands mit einer massiven steinernen Totenkirche. Die zahlreichen Grabdenkmäler zeugen vom Leben und Sterben der Anwohner - denn nur diese durften hier bestattet werden. Ortsfremden wurde ein Platz am Friedhofsrand zugewiesen.

Eine Kirche stand bereits vor ihrer ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr
Sühnekreuz in Hopfmannsfeld
Sühnekreuz in Hopfmannsfeld
1340 auf dem Totenköppel. Sie war Pfarrkirche für Meiches und die umliegenden Orte. Knapp 300 Jahre nach ihrer Ersterwähnung wurde im Dorf ein neues Gotteshaus gebaut - die Bergkirche verfiel, wurde aber 1729 wieder als kleine Totenkirche aufgebaut. Der alte Taufstein aus dem Jahr 1501, heute im Inneren des Gebäudes - er zählt zu den so genannten Bonifatiussteinen - stand früher im Freien. Das dort gesammelte Wasser soll heilkräftig gewesen sein und besonders bei Augenleiden geholfen haben. Dass er nicht in die Kirche im Dorf übernommen wurde, lag wohl an einer Beschädigung am Kelch: Umherziehende Zigeuner hätten im Becken Feuer angezündet, wodurch der Stein einen Sprung erhalten habe.

Ein herrlicher Ausblick bot sich den Pilgern auf dem Totenköppel. Die nächste Pilgertour führt nach der Sommerpause am Samstag, 8. September 2012 vom Totenköppel nach Kölzenhain (ca. 15 km). Treffpunkt ist wie immer um 8 Uhr auf dem Schloßparkplatz in Grünberg oder um 8.30 Uhr am Totenköppel.

Pilger vor der Kreuzkapelle bei Herbstein
Pilger vor der... 
Schalksbachteich
Schalksbachteich 
Sühnekreuz in Hopfmannsfeld
Sühnekreuz in... 
Pilger unter dem Galgen
Pilger unter dem Galgen 
Kirche auf dem Totenköppel
Kirche auf dem... 

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