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Jetzt auch Sozialarbeit an größter Grundschule im Kreis

Grünberg | Vergleicht man die Schulen im Ostkreis mit anderen im Landkreis Gießen, fällt der erhöhte Förderbedarf vieler Schüler auf. Anja Peppler, seit Sommer 2010 Schulleiterin der Grundschule am Diebsturm in Grünberg, mit 390 Schülern die größte Grundschule im Kreis, weiß, wovon sie spricht, wenn sie über mangelnde soziale Kompetenzen und unsichere Familienverhältnisse der Mädchen und Jungen an ihrer Schule spricht. Grund sei unter anderem der starke Zuzug sozial schwacher und bildungsferner Familien, die große und günstige Wohnungen in der Stadt und den Ortsteilen beziehen und von der guten Infrastruktur in Grünberg profitieren, vermutet sie.

Umso dankbarer ist die Schulleiterin, dass seit diesem Schuljahr mit Nadine Korell eine erfahrene Sozialarbeiterin im Auftrag des Landkreises den schwerwiegendsten Problemen entgegenwirkt und die förderbedürftigen Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern unterstützt. Jugend- und Sozialdezernent Dirk Oßwald (Freie Wähler) begrüßte Nadine Korell offiziell im Kreis der inzwischen rund 20 Sozialpädagogen, die der Landkreis Gießen als Jugendhilfeträger an Schulen einsetzt. Gemeinsam mit Matthias Spangenberg, beim Landkreis verantwortlich für die Sozialarbeit an Schulen, besuchte er sie kürzlich an ihrem neuen Arbeitsplatz.

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Nadine Korell ist eine von drei Sozialarbeiterinnen, die der Landkreis seit wenigen Monaten – hessenweit mit Pilotcharakter – auch in Grundschulen einsetzt, um präventive Jugendarbeit zu leisten. Dass sie gebraucht werden, steht außer Frage, waren sich die Betroffenen in Grünberg und Dirk Oßwald als Erster Kreisbeigeordneter einig, als sie kürzlich zum einschätzenden Gespräch in der Schule zusammenkamen. „Nachdem die Schulsozialarbeit an den weiterführenden Schulen seit zwei Jahren erfolgreich angelaufen ist, haben wir sie jetzt auf die Grundschulen ausgeweitet“, sagte Dirk Oßwald und Matthias Spangenberg ergänzte: „So wollen wir möglichen Schwierigkeiten möglichst frühzeitig entgegenwirken, um sie gar nicht erst zu Problemen werden zu lassen.“ Dass dies weitsichtig und nachhaltig ist, unterstrich der Sozialdezernent: „Es hat sich gezeigt und es ist rechnerisch belegt, dass diese Form der präventiven Jugendarbeit viel Geld sparen kann.“

Besonders gute Angebote innerhalb der Nachmittagsbetreuung seien erstrebenswert, um die Kinder für sinnvolle Beschäftigungen zu interessieren, forderte die Schulleiterin. Habe der Kreis seine finanzielle Unterstützung im Jahr 2011 bereits auf 200000 Euro für die Mittagsbetreuung erhöht, so plane man derzeit im nächsten Jahr mit 300000 Euro, gab der Erste Kreisbeigeordnete an, obwohl die Zuständigkeit hier eigentlich klar beim Land Hessen liege, das wieder mal die Kommunen und Kreise im Stich lasse.

Die Bedeutung und den wachsenden Bedarf von verlässlicher Nachmittagsbetreuung an Schulen machte Peppler an der Nachfrage an ihrer Schule deutlich: 170 Mädchen und Jungen werden derzeit schon an der Grundschule am Diebsturm im Mittagsbereich bis um 15.15 Uhr betreut. Die Nachfrage ist allerdings noch höher, erklärte sie. Neben verlässlichen Offerten müsse es auch ein Ziel sein, die Betreuungsangebote auf die Ferien auszuweiten, warf Ralf Finthammer vom Internationalen Bund (IB) in die Diskussion ein. Der IB ist der Träger der Jugendsozialarbeit an der Diebsturm-Schule und sorgt auch für das entsprechende Angebot an der Theo-Koch-Schule in Grünberg.

Neben Projekten und Gesprächen mit den Kindern will Nadine Korell auch für ratsuchende Eltern da sein. „Die Eltern können an meine Tür klopfen und dann suchen wir zusammen nach einer Lösung oder füllen die Anträge gemeinsam aus“, erklärte sie aufgeschlossen pragmatisch und bezog sich damit auf das Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung, das sozial schwachen Schülern außerschulische Förderung ermöglicht. Für eine zielgerichtete Verteilung der Gelder aus diesem Programm wird es beim Landkreis Gießen demnächst eine Koordinierungsstelle geben, stellte Oßwald in Aussicht. Sie habe das Ziel, die Mittel möglichst schulnah zuzusprechen und so eine enge Verzahnung zwischen dem Bildungspaket und der Sozialarbeit an Schulen zu schaffen. Die Kosten für beide Leistungen - Bildung, Teilhabe und Sozialarbeit an Schulen - erstatte inzwischen der Bund weitgehend.

Zudem sprach sich Oßwald für eine stärkere Zusammenarbeit mit den Städten und Gemeinden auf dem Gebiet der präventiven Jugendarbeit aus – auch vor dem Hintergrund, die Sozialarbeit an Schulen mit der Unterstützung der Kommunen weiter auszubauen. „Die Angebote der Gemeinden und Jugendpflegen könnten noch besser mit denen der Schulen abgestimmt werden. Bei den Bürgermeistern habe ich mit dieser Idee zumeist Einverständnis erfahren“, sagte Oßwald den Pädagogen und lobte die bereits bestehenden Kooperationen verschiedener Jugendhilfeträger der Region um Grünberg und Laubach. Die Jugendhilfe im Ostkreis funktioniere schon recht gut, dennoch könne die Kinder- und Jugendarbeit auch in dieser Region mit all ihren Angeboten weiter strukturiert und schrittweise ausgeweitet werden.

Mit der Sozialarbeit an der Grünberger Grundschule und mit Nadine Korell haben die Mädchen und Jungen der Stadt jetzt eine Ansprechpartnerin, die sie in allen Lebenslagen auf den richtigen Weg bringen möchte. Auch das Lehrerkollegium sei froh, eine kompetente Ansprechpartnerin im Team zu haben. „Sie holen mich zum Beispiel bei schwierigen Elterngesprächen dazu“, erzählte Nadine Korell höchst zufrieden über die gute Zusammenarbeit mit der Schul-Crew und auch über ihren neuen Job voller Herausforderungen: „Ich stürz’ mich in die Arbeit und hab’ viel Spaß daran!“

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