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Kirchengemeinde richtet Weihnachtskonzert zwischen den Jahren aus

Grünberg | Zu einem Weihnachtskonzert hatten die Evangelischen Kirchengemeinden Trais und Münzenberg in die Münzenberger Kirche eingeladen, wegen der vorweihnachtlichen Termindichte am Sonntag „zwischen den Jahren“. Nachdem sich bereits im Frühsommer eine nachbarschaftliche Freundschaft zwischen dem Trais-Münzenberger Kirchenchor und dem Kirchenchor aus Gambach entwickelte und die Freude darüber groß war, plante man dem allgemeinen Wunsch entsprechend zum Jahresende ein weiteres gemeinsames Projekt. Nicht genug: Der Leiter des Trais-Münzenberger Kirchenchores, Kantor Michael Harry Poths, konnte auch die Kantorei der Stadtkirche Grünberg, seiner Hauptwirkungsstätte, für das Projekt begeistern.
Nach einer Begrüßung durch Pfarrer Uwe Wagner-Schwalbe spielte Kantor Poths zunächst auf mehrfachen Wunsch an der 1895/96 erbauten pneumatischen Link-Orgel die berühmte Toccata und Fuge d-moll BWV 565 von Johann Sebastian Bach. Es folgten zunächst Darbietungen der Grünberger Kantorei mit „Es kommt ein Schiff geladen“ im Satz von Katharina Mai-Kümmel, der in seiner schwierigen Rhythmik exzellent und sauber intoniert dargeboten wurde.
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Zwei zeitgenössische Chorwerke folgten: „Gott hat mir längst einen Engel gesandt“ von Thomas Gabriel, der in seiner Mediantik und neapolianischen Modulation hohe Anforderungen stellt, denen die Sängerinnen und Sänger vollauf gerecht wurden, sowie „Wunder der Nacht“ von Winfried Heurich, den Poths am E-Piano begleitete. Der Gambacher Kirchenchor unter seiner Leiterin Michael Kilian sang „Tebje Pajom“, einen russischen Choral von Dimitri Bortnianski, sehr einfühlsam mit guter Atem- und Stimmführung in deutscher und russischer Sprache. Der Trais-Münzenberger Kirchenchor schloss sich an mit dem Bach-Choral „Brich an, du schönes Morgenlicht“ aus dem Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach sowie den Choral „O Bethlehem, du kleine Stadt“ von Ralph Vaughan Williams, neben sicherer Intonation und ausgeglichenem Chorklang auch durch dem Text adäquate Dynamik bestechend. Damit die zahlreich erschienenen Zuhörer(innen) auch singen, gab es einen kleinen Rückblick in den Advent mit dem gemeinsam gesungenen Lied „Die Nacht ist vorgedrungen“, das Poths zuvor mit einer Pop-Ballade über eben dieses Lied von Jürgen Borstelmann (*1963) an der Orgel einleitete. Pfarrer Wagner-Schwalbe erzählte dann eine humorvolle Geschichte vom Schmücken
des Weihnachtsbaums, bevor mit dem Lied „Tochter Zion, freue dich“ noch einmal alle Anwesenden sangen. Mit der Choralbearbeitung „Der Tag, der ist so freudenreich“ aus dem „Orgelbüchlein“ von Johann Sebastian Bach reizte Poths noch einmal die leiseren Solostimmen der Orgel aus. Bei einem gemeinsamen Auftritt der Kirchenchöre Gambach und Trais-Münzenberg mit dem Kantatensatz „Wenn ich merk auf Gottes Güte“ nach „Jesus bleibet meine Freude“ von Johann Sebastian Bach setzte Poths erstmalig die Instrumentalisten ein: Sander Einbrodt (Gießen) mit der 1. Violione, Georg Emil Stratew (Gießen) mit der 2. Violine, Brigitte Scholz (Bad Nauheim) mit der Viola, Christian Scholz (Bad Nauheim) mit der Blockflöte, Margarethe Müller-Hillebrand (Grünberg) mit dem Cello und Markus Brand (Mücke) am Spinett. Das Wechselspiel zwischen Orchester und den beiden Chören harmonierte, man spürte die Freude und die Leidenschaft aller Musizierenden, die sich auf das Publikum übertrug. Beim nächsten Vortrag wechselten die Gambacher mit den Grünbergern zu der kleinen Kantate „Stimmet Hosianna an“ von Wolfgang Carl Briegel, die nur von den Violinen, dem Cello und dem Spinett orchestral musiziert wurde, es war ein lockeres, fröhliches Erlebnis in einem exzellenten Zusammenspiel zwischen den Instrumenten und den Chören. Noch einmal sang die Grünberger Kantorei allein, diesmal die traditionellen und bekannten Weihnachtslieder „Es ist ein Ros entsprungen“ im Satz von Michael Praetorius und „Fröhlich soll mein Herze springen“ im Satz von Johann Crüger, in angenehmer Kantoreimanier durchatmet in aussagekräftiger Intonation. Der Gambacher Chor unter seiner Dirigentin Michael Kilian folgte mit „Quem Pastores laudavere“ von Carl Loewe, ebenfalls wohl intoniert und in beschwingt-sicherer Manier trotz schwieriger Rhythmik sowie „Als die Welt verloren“ von Adolf Strube, wobei die Chorleiterin mit ihrer Stimme den Chor unterstützte, dieses Werk gelang in einer stimmgewaltigen und überzeugenden Interpretation. Dem romantischen Charakter der Orgel entsprechend spielte Poths die Toccata im romantischen Stil über „Tochter Zion“, komponiert von dem 1952 geborenen Niederländer Willem van Twillert, mit vollem Orgelwerk, ein Stück, das auch „ungeübte“ Zuhörer immer wieder begeistert. Als nicht nur Programm-Endpunkte, vielmehr als Höhepunkte, folgten nun die beiden Darbietungen von allen drei Chören mit Orchester, wobei Brigitte Scholz nun die Querflöte und Christian Scholz das Fagott übernahmen. Zunächst die Kantate „In dulci jubilo“ von Dietrich Buxtehude. Dieses Werk stellt sich besonders schwierig dar, zum einen dadurch, dass es ohne Instrumentaleinleitung gleich mit Chor und Instrumenten beginnt, zweitens wegen der typisch norddeutsch-barocken Verzierungen und nicht zuletzt wegen der unterschiedlichen Verzierungen in den einzelnen Strophen. Die Darbietung allerdings hätte einen keinen Augenblick an derlei Schwierigkeiten denken lassen, die sauber ineinandergreifenden Wechsel zwischen den Instrumenten und dem Chor und besonders die Steigerung in Dynamik und Tempo der letzten Strophe wurden souverän gemeistert. Christian Scholz, der 33 Jahre lang Pfarrer in Münzenberg und zuletzt bis zu seiner Pensionierung Dekan des Dekanates Hungen war, ließ es sich nicht nehmen, in ein paar kurzen Worten auf die Bedeutung des 28. Dezember als dem „Tag der unschuldigen Kinder von Bethlehem“ hinzuweisen, und im Hinblick auf Grünberg nicht unerwähnt zu lassen, dass die ersten Geistlichen, die in Münzenberg wirkten, aus dem Grünberger Antoniterkloster kamen. Er sowie Pfarrer Wagner-Schwalbe begrüßten auch besonders ihren katholischen Amtsbruder Pfarrer Joseph Rüssmann sowie Bürgermeister Hans Jürgen Zeiß. Als krönender Abschluss des Konzertes erklang die Kantate „Cantemus Domino“ von einem anonymen Komponisten, vermutlich Spätbarock/Rokoko, im Arrangement von Burkhard Jungcurt. In virtuos und leicht perlender Musizierkunst eröffneten die Instrumente, der große Chor meisterte seine schnellen und verzeigten Einsätze unter dem Dirigat von Kantor Poths, das Stück in seiner Anlage und auch die Interpretation stellten eine weitere Steigerung im Programm dar, dementsprechend war der Applaus mit stehenden Ovationen, die mit einer Zugabe aus dem „Cantemus Domino“ belohnt wurde. Anschließend gab es ausgiebig Gelegenheit, bei kleinem Imbiss und einem Glas Wein ins Gespräch zu kommen, der Wunsch nach weiteren Konzerten dieser Art und besonders auch der weiteren Zusammenarbeit der Chöre wurde immer wieder laut.

 
 

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