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Mit Frühlingsgefühlen im Gießener Land unterwegs

Die Pilger vor der Ev. Kirche Allendorf/Lumda
Die Pilger vor der Ev. Kirche Allendorf/Lumda
Grünberg | 16 km von Allendorf/Lumda über Treis, Mainzlar, Daubringen und Lollar nach Kirchberg zurückgelegt

Zum 4. „Pilgern im Giessener Land“ trafen sich 34 Personen in Allendorf/Lumda, um gemeinsam mit Dekan Norbert Heide weitere Kirchen im Giessener Land zu erkunden.
Vor der Evangelischen Kirche in Allendorf/Lumda wartete Ortspfarrer Stefan Schröder, um die Pilgergruppe zu begrüßen. Wenn die Kirche reden könnte, hätte sie viel zu erzählen. Sie hat bewegte Jahrhunderte überstanden, wurde mehrmals umgebaut, war zerstört und wurde wieder aufgebaut. Kriege, Feuer und die Pest hat sie ebenso »erlebt« wie zahlreiche freudige Ereignisse. Zum Wochenspruch zum Sonntag Judica „Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern, dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele“ - führte Dekan Norbert Heide folgendes aus: „Das kann doch nicht angehen, Zeit und Mühe für uns zu geben – das mach ich wieder gut.“ Groß ist die Angst, bei Anderen in Schuld zu stehen. Einfacher wäre es doch zu sagen: „Danke, das nehme ich gerne an!“ Wir sind auf Jesu unverdiente Liebe angewiesen. Vor der Kirche ist ein Labyrinth aus Pflastersteinen angelegt.
Von Allendorf führte der Weg an der Skulpturenausstellung, die auf harmonische Art Kunst und Natur verbindet, vorbei. Die Stein-Skulpturen sind vom ortsansässigen Bildhauer Alf Becker in den Jahren 1997 bis 2005 erstellt worden. Bisher fanden sechs große Skulpturen aus heimischer Basaltlava ihren Platz am Rad-/Wanderweg im Lumdatal zwischen Rabenau-Londorf, Allendorf/Lumda und Staufen-berg-Treis.
Die Evangelische Kirche Treis, auf einem kleinen Berg gelegen, wurde als ehemalige Wehrkirche vermutlich im 12. Jh. errichtet. Sie unterstand seit ihrer Gründung Adelsgeschlecht der Milchlings, die sich um 1035 in Treis niederließen. Diese Familie besaß mit der Schutzherrschaft unter anderem auch das Vorschlagsrecht für die Besetzung der Pfarrstelle. Dekanatskirchenmusikerin Daniela Werner gab hier eine Kostprobe ihres Könnens auf der Orgel.
Auf dem Radweg Lumda-Wieseck gelangte man vorbei an der großen Sandgrube nach Mainzlar. Die romanische Kirche wurde in der Karolingerzeit erbaut. Gegen Ende des 30-jährigen Krieges wurde die Kirche verwüstet. Der Choranbau ging verloren. Kanzel und Empore wurden neu errichtet und erstmals 1654 wieder Gottesdienst in der Kirche gehalten. Die Andacht von Dekan Heide handelte hier vom Christusweg – Gott kommt in Christus zu uns.
Bei herrlichem Frühlingswetter führte der Weg durch das idyllische Lumdatal nach Daubringen zur Evangelischen Kirche, die erst im Jahr 1970 eingeweiht wurde. Hier erzählte Herr Hein über die Geschichte der Kirche.
Entlang der Lumda, die in Lollar in die Lahn mündet, erreichte man die Evangelische Kirche. Pfarrerin Petra Assmann-Daum gab Informationen über die Kirche und über die verschiedenen Aktivitäten in der Gemeinde. Die ehemalige Kapelle wurde zwischen 1460 und 1480 errichtet, um Alten und Kranken, denen der Weg zum Kirchberg (1 km) zu beschwerlich war, eine Möglichkeit des Gottesdienstbesuchs zu geben. Lollar hatte damals etwa 200 Einwohner, so dass man eine Kapelle mit bescheidenen Ausmaßen errichtete. Mit dem Bau einer neuen evangelischen Kirche, die 1957 erbaut und 1959 eingeweiht wurde, verlor die Kapelle ihre Funktion. Am 30. August 1959 erfolgte der letzte Got-tesdienst und am 6. Mai 1969 erteilte das Kreisbauamt die Abrissgenehmigung. Die Denkmalschutzbehörde stimmte dem Abriss unter der Maßgabe zu, dass die Kapelle im geplanten Hessenpark wieder aufzubauen sei. In Lollar ist die Pfarrstelle seit dem Bau der neuen Kirche erst zum dritten Mal besetzt.
Die kunstgeschichtlich bedeutsame spätgotische Hallenkirche auf dem Kirchberg wurde 1495 bis 1508 erbaut. Dabei fanden Teile eines romanischen Vorgängerbaues, insbesondere der Turm, Verwendung. Die Glocken stammen aus den Jahren 1310, 1380 und 1432. Zu den wertvollen Ausstattungsstücken gehören das große spätgotische Kruzifix auf dem Altar, drei farbig gefasste Doppelgrabsteine aus der Zeit um 1600 und das Rokokogehäuse der Orgel von 1777. Hier hörten die Pilger die Geschichte „Predigtängste und Seelenstündchen“ aus dem Buch „Pfarrers Kinder, Müllers Vieh“: Die Antrittspre-digt des neuen Pfarrers kam nach einigen Hürden – das Beffchen muss richtig sitzen, der Zettel mit der Predigt darf nicht von der Kanzel fallen – gut an. Der neue Priester kümmerte sich zu intensiv um die Arbeit und die Probleme seiner Gemeindemitglieder, so dass sich seine Ehefrau vernachlässigt fühlte. Eines Tages klingelte sie an der eigenen Tür, um den Pfarrer zu sprechen. Sie klagte, dass ihr Ehemann keine Zeit für sie habe. Der Geistliche erkannte das Problem - aus dem „Seelenstündchen“ wur-de ein „Schäferstündchen“. Nun befürchtete die „Pfarrersfrau“, dass dies auch bei anderen Besucherinnen so sein könnte und hatte ab sofort ein Auge darauf. Eine wunderbare Episode, die zur allgemeinen Heiterkeit beitrug.
Die nächste Etappe führt am 21. Mai von Langd über Rabertshausen, Rodheim, Steinheim nach Langd. Treffpunkt ist um 8 Uhr auf dem Schlossparkplatz in Grünberg oder um 8.30 Uhr am Dorgemeinschaftshaus in Langd.

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