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Auch bei der zweiten Etappe „Pilgern im Giessener Land“ die „50er-Grenze“ nicht überschritten

Die Pilgergruppe in der Ev. Kirche Nieder-Bessingen
Die Pilgergruppe in der Ev. Kirche Nieder-Bessingen
Grünberg | Von Ober-Bessingen über Lich nach Nieder-Bessingen 16 km zurückgelegt


Auch bei der 2. Etappe „Pilgern im Giessener Land“ wurde „50-Teilnehmer-Grenze“ nicht überschritten – wieder starteten 49 Personen in Ober-Bessingen, um gemeinsam mit Dekan Norbert Heide weitere Kirchen im Giessener Land zu besuchen.

Bei trübem Wetter liefen die Pilger auf dem „Wetterweg“ in Richtung Lich. Etwa auf halber Strecke soll im Wald die Siedlung Hausen gestanden haben, die im Jahr 788 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde und deren Entstehung auf Christianisierungsbemühungen iroschot-tischer Mönche des achten Jahrhunderts zurückgeführt wird. Es gibt aber auch Vermutungen, dass sich die "Schottenkirche" auf der höchsten Anhöhe des "Großhäuser-Berges" befand. In alten Schriften werden dort Grundmauern erwähnt, deren Steine für den Bau der Straße von Nieder-Bessingen nach Langsdorf verwandt worden sein sollen. Sollte dies zutreffen, handelt es sich bei der Ruine vermutlich um die Kapelle des Dorfs Hausen.

Nach ca. 8 km war die um 1316/1317 erbaute Marienstiftskirche in Lich erreicht - eine schöne spätgotische Hallenkirche mit 800 Plätzen im Zentrum der Altstadt. Die Rokokokanzel in Form eines Abendmahlkelchs stand ursprünglich in der Arnsburger Klosterkirche und befin-det sich seit der Verweltlichung des Klosters in Lich. Auf der während des 30jährigen Krieges erbauten Orgel spielte Dekan Norbert Heide u. a. Stücke von Mendelssohn-Bartholdy und Johann Sebastian Bach. Danach hörten die Anwesenden weitere Geschichte aus dem Buch „Pfarrers Kinder, Müllers Vieh“. Die „Flitterwochen des Brautpaares“, in der die frisch Ver-mählte ihre Angst vor Kühen bekämpfen musste und in aller Herrgottsfrühe mit ihrem Ange¬trauten den Sonnenaufgang betrachtete, brachte die Pilgergruppe erneut zum Schmunzeln.

Auf der ehemaligen Bahnstrecke der Butzbach-Licher-Eisenbahn gelangte man teilweise ent-lang der Wetter nach Nieder-Bessingen. Wie aus dem Bilderbuch erscheint die Evangelische Kirche - das Wahrzeichen des Ortes. Der Kirchturm ist dreigeschossig und hat einen Wehr-gang. Das oberste Geschoß war einstmals das Verteidigungsgeschoß und nahm gleichzeitig den Glockenstuhl auf. Das Schiff der Kirche wurde 1738 erbaut. Die Wappenscheiben in den Fenstern reichen dagegen bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts zurück. Die zu jeder Pilgertour gehörende Andacht von Dekan Heide handelte vom Beten und vom Wochenspruch zum Sonntag Septuagesimae (70 Tage vor Ostern): „Wir liegen vor dir mit unserem Gebet und vertrauen nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.“

Ev. Kirche Nieder-Besingen
Ev. Kirche Nieder-Besingen
Nur 3 km waren zurückzulegen, um die Evangelische Kirche in Ober-Bessingen zu erreichen. Sie wurde an der Wende 14./15. Jahrhundert als einschiffige gotische Kirche erbaut. Bereits um 1500 wurde sie um eine Seitenkapelle erweitert. Die letzte große Kirchenrenovierung 2001/2002 brachte ein großes mittelalterliches Fresko über dem Chorbogen, das Weltgericht darstellend, zu Tage. Die im Jahr 1833 durch Bernhard Hartmann aus Romrod erbaute Orgel wird als Denkmalorgel ausgewiesen. Nach den Ausführungen zu der Kirche Ober-Bessingen durch Kirchenvorsteher Helmut Römer verabschiedete Dekan Heide die Pilgergruppe.

Die nächste Etappe führt am 19. März von Saasen über Winnerod, Reiskirchen nach Lin-denstruth und zurück (ca. 15 km). Treffpunkt ist um 8 Uhr auf dem Schloßparkplatz in Grünberg oder um 8.15 Uhr am Bürgerhaus in Saasen.

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