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Die Bedeutung der Orgelmusik

Grünberg | Die Bedeutung der Orgelmusik

Einleitung
Auslöser für diese längst überfälligen Gedanken ist der Artikel „Nachwuchs an den Tasten gesucht“ von Stefanie Walter, erschienen in der Evangelischen Sonntagszeitung (wöchentlich erscheinende Kirchenzeitung der EKHN*) Nr. 32 vom 8. August 2010, Seite 4. In diesem Artikel geht es primär um die Ausbildung nebenamtlicher Organisten / -innen, die in aller Regel von uns hauptamtlichen Kantoren / -innen durchgeführt wird. Sowohl im Hinweis auf der Titelseite als auch im Artikel selbst wird deutlich gemacht, dass Gottesdienste ohne Orgel kaum vorstellbar sind, dass jedoch an diesem schwer zu beherrschenden Instrument entsprechend begabte und fähige Menschen spielen sollten. In einer Zeit, in der Strömungen einzelner Personen und Gruppen in Richtung Gottesdienste mit Keyboard, E-Piano, Band…. keine Seltenheit mehr sind, ist ein solcher Beitrag in einer Kirchenzeitung umso erfreulicher und von großer Bedeutung. Keineswegs möchte ich die alternative kirchenmusikalische Arbeit mit den erwähnten „modernen“ Besetzungen schlecht reden, jedoch kommt die Bezeichnung „Königin der
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Instrumente“ für die Orgel nicht von ungefähr, und sie sollte das Hauptinstrument der Kirche bleiben, zumal auch die Pfeifenorgel längst neben Barock, Romantik und Avantgarde Jazz und Pop erklingen lässt. Nach meinen Informationen ist die EKHN* die einzige Landeskirche in Deutschland, welche die Ausbildung von Organisten / -innen – zusätzlich zur Orgelausbildung durch Dekanats-, Kreis- oder Bezirkskantor(inn)en - subventioniert, dafür gibt es „Orgelkurse“, die eben nur von ausreichend qualifizierten Personen durchgeführt werden dürfen und seitens der Teilnehmer(innen) an Voraussetzungen (Klavierspiel) gekoppelt sind. Diese Kurse gibt es seit Jahrzehnten, in den 80er Jahren wurden noch etwa 2/3 der Kosten von der Landeskirche übernommen, so dass der/die Schüler(in) nur noch 1/3 aufbringen musste, inzwischen übernimmt die Landeskirche 1/3, und der Rest ist seitens des / der Kursteilnehmers / -in aufzubringen. Oft sind sogar Kirchengemeinden bereit, einen Teil des Eigenanteils oder diesen sogar komplett zu übernehmen. Im Hinblick darauf, dass bereits mit Abschluss der D-Prüfung ca. 30 € pro Gottesdienst zzgl. Fahrtkosten erwirtschaftet werden können (dies ist immer unter dem Aspekt der Nebentätigkeit zu sehen!), und staatliche sowie private Musikschulen und –erzieher keine derart subventionierten Kurse anbieten können, ist dies ein sehr schätzenswertes Angebot der EKHN* und ihres scheidenden Landeskirchenmusikdirektors Michael Graf Münster. Auch sollte man die 30 € pro Gottesdienst einmal mit anderen Kirchen bzw. Konfessionen vergleichen, da werden oft wesentlich geringere Sätze festgelegt, in den meisten Freikirchen spielen die Organisten / -innen ehrenamtlich, was aus meiner Sicht sinnwidrig ist, da auch diese Leute Zeit und Geld in ihre Ausbildung investiert haben, und jede Arbeit ihres Lohnes wert sein sollte, egal ob Reinigungskraft, Jurist, Arzt oder Musiker…
*EKHN = Evangelische Kirche in Hessen und Nassau

Die Bedeutung der Orgelmusik im Gottesdienst
All diese Bemühungen deuten darauf hin, dass Orgelmusik im Gottesdienst große Bedeutung hat und hohes Ansehen genießt. So lautet auch die zweite Überschrift des Artikels der Evangelischen Sonntagszeitung: „Orgelspieler sind in der Kirche sehr gefragt und genießen hohes Ansehen“. Leider kann ich diese These nicht als Tautologie stehen lassen. Dies mag von Gemeinde zu Gemeinde verschieden sein, hie und da auch von der Qualität des Orgelspiels abhängen, ganz sicher aber vom Geschmack und der Mentalität der jeweiligen Gottesdienstbesucher(innen).
In vielen Gesprächen mit Menschen, die eher sporadisch / selten Gottesdienste besuchen, erhielt ich nach Orgelkonzerten die Aussage: „Ich wusste gar nicht, dass Orgelmusik so interessant klingen kann, bisher dachte ich, Orgelmusik sei das, was man Sonntag morgens im Gottesdienst unserer Gemeinde hört (schlichte Choralbegleitung mit sehr einfachen Vorspielen….). Nun, es wäre sicher überzogen, von Organisten / -innen mit einem anderen Hauptberuf bzw. Studium oder Mutter/Hausfrau… zu erwarten, dass sie „virtuos“ spielen (Ausnahmen bestätigen auch diese Regel!), wie es in dem Text neben dem Foto in unserem Artikel formuliert wird. Für virtuoses Spiel ist jahrelanges und täglich mehrstündiges Training erforderlich, das können – von Ausnahmen abgesehen – sicher nur Berufsorganisten / -innen leisten. Aber dieses Feedback zeigt auch, dass Gottesdienste „abgestumpft“ wirken können, sicher ein Grund, wenn viele Kirchenbänke leer bleiben (wobei dies natürlich die Qualität von Liturgie und Predigt ebenso betrifft wie die Qualität des Orgelspiels).
Hinzu kommt aber eine schmerzliche Erfahrung, die auch ich als Hauptamtlicher immer wieder mache: Wenn eine Predigt mal 25 oder gar 29 Minuten dauert (in meiner Wirkungsstätte ist das nicht so!), wird das ohne weiteres akzeptiert, aber wehe, ein Orgelstück dauert länger als 3 Minuten! Während der Predigt kann man ein Streichholz fallen hören, wogegen sich die Gottesdienstbesucher(innen) während des Orgelvorspiels munter unterhalten wie auf dem Marktplatz. In dem Moment frage ich mich allerdings, was dies mit „Orgelspieler sind sehr gefragt und genießen ein hohes Ansehen“ zu tun hat – aber mal weg von „gekränkter Eitelkeit“ – wo ist da die Achtung vor der hohen Orgelkunst, komponiert in tiefem Glauben, und als musikalische Verkündigung, mit der Verkündigung in Wort und Schrift absolut gleichberechtigt? Da muss sich der / die Orgelspielerin doch fragen: „Wozu wollen die mich eigentlich, warum tue ich mir das an?“ Denn unter solchen Voraussetzungen kann ich mit einem Dinnerkonzert z.B. als „Reinkarnation von Frank Sinatra“ im Hotel oder Gourmet-Restaurant wahrlich einen höheren Stundenlohn erzielen und weiß vorher, dass die Bestecke rasseln, das Porzellan klingelt und man sich angeregt unterhält – dafür singe und spiele ich dort ja auch Unterhaltungsmusik! Eine weit verbreitete Unsitte ist es, während des Orgelnachspiels die Kirche zu verlassen, auch dies geschieht selten leise geschweige denn geräuschlos.

U- und E-Musik, Kirchenmusik
Freilich und Gott sei Dank leben wir heute auch kirchenmusikalisch in größerer Toleranz, was manche Situationen zu einer Gratwanderung werden lassen kann. Wenn ich Jazz / Pop / Blues…. auf der Orgel spiele, dann bin ich nah an der sog. „U“-Musik. Vor allem aber ist niveauvolle Unterhaltungsmusik nicht zu verachten oder gar minder zu bewerten. Es geht doch vielmehr um Sinn und Anlass. Musik im Gottesdienst soll Verkündigung sein, ganz gleich, ob es ein Buxtehude-Praeludium, ein Dennerlein-Rankett-Blues, eine Evangelienmotette, ein neues geistliches Lied oder ein Gospel ist. Oft wird die Forderung nach „stillem Zuhören“ fehlinterpretiert „das ist traurig, in den USA klatschen, singen und tanzen die Leute in der Kirche“…. Aber dieses Schwarz-weiß-Klischee stimmt so nicht. Erstens klatschen, singen und tanzen diese Menschen als Ausdruck ihrer Religiosität, ich glaube kaum, dass eine Unterhaltung beim Verlassen der Kirche mit gleichzeitiger Missachtung des Orgelspiels ein vergleichbarer Ausdruck religiöser Gefühle ist, zweitens kann Stille und Zuhören auch erbaulich und fröhlich sein, drittens ist es die Frage eines Mindestmaßes an Höflichkeit, wie man mit der Orgel(musik) und dem /der Organisten / -in umgeht. Einmal ganz abgesehen von Religion, Gottesdienst, Kirche….Weder im Konzertsaal, Theater oder Kino wird es gern gesehen, wenn Besucher durch Aufstehen, Unterhaltung mit dem / der Sitznachbarn / -in…..die anderen beim Zuhören stören, das sollte in der Kirche gegenüber der Orgelmusik und der Organist(inn)en ebenso als selbstverständlich gelten, alles andere ist „wasche mich, aber mache mich nicht nass“ – heißt: „gib mir eine(n) möglichst gute(n) Organisten / -in, aber verschone mich von respektvollem Verhalten diesem / -er gegenüber“.

Nebenamtliche Organistentätigkeit
Nun, die soeben getätigten Feststellungen mögen eher auf Berufsorganisten / -innen zutreffen, weil viele nebenamtliche Organisten / -innen – wieder von Ausnahmen abgesehen! – weder derart Zeit zum Üben haben noch so publikumserfahren (Abbau von Lampenfieber….) sind, dass sie großen Wert darauf legen, Sonntag für Sonntag vor einer sitzenbleibenden Gemeinde ein Nachspiel zu tätigen. Sie sollten dies aber tun, denn auch das trainiert und gibt dem Orgelnachspiel als Bestandteil des Gottesdienstes(!) eine immense Aufwertung.
Die Erwartungshaltungen sind höchst unterschiedlich. Eine schon seit Jahrzehnten im Amt befindliche Organistin spielt noch immer ohne Pedal, das Repertoire an Vor- und Nachspielen besteht aus vier oder fünf Stücken (etwas für besondere Anlässe, das andere für normale Sonntage). Die Dame ist voll berufstätig und noch Hausfrau. Die Pfarrerin sagte mal zu mir „ich weiß, dass das Spiel sehr dürftig ist, aber die Frau ist an jedem Sonntag, zu jeder Trauung und jeder Trauerfeier da“. Irgendwie nachvollziehbar, denn gerade im Dorf auf dem Land gibt es kaum Alternativen, und dann gibt es eben im Gottesdienst keine Orgelmusik, die irgendwen „vom Hocker reißt“. Pfarrern mit ähnlicher Erwartungshaltung versuchte ich, Orgelschüler(innen) auf „unterster Stufe“ auszubilden, in den meisten Fällen vergeblich. Eine Schülerin in den 80ern kam zwar vom Keyboard, lernte aber tatsächlich gut und schnell und absolvierte eine exzellente D-Prüfung, aber sie bleibt die große Ausnahme, heute nehme ich niemanden mehr an ohne die Fähigkeit, zweistimmig polyphon und in angemessenem Tempo Klavier spielen zu können, weil sonst der Versuch, Orgelspiel beizubringen, dem wiederholten Versuch, eine Wand umzurennen, ähnelt, nur, dass man sich nicht die Schädeldecke, sondern das Nervenkostüm zerstört (und das des Schülers / der Schülerin). Vor gut 20 Jahren beklagte sich ein Kollege über die zahlreichen Anwärter(innen) für Orgelunterricht, die aus „dörflichem Klavierunterricht“ kämen (bitte „dörflich“ nicht wörtlich, sondern im übertragenen Sinne verstehen!). Nun, auf einem freien Markt ist nicht alles Klavierlehrer, was sich so betitelt, da muss eben König Kunde ein wachsames Auge und Ohr haben!
Ein großes Manko in der Vielzahl der Dorfkirchen sind Orgeln mit oft nur einem Manual, nicht selten historisch, so dass dann auch noch der Tonumfang eingeschränkt, das Pedal extrem versetzt ist…. Gern wird in solchen Fällen empfohlen, den / die entsprechende(n) Schüler / -in speziell auf eben diese Orgel zu schulen. Die Historiker und Orgelsachverständigen mögen mir verzeihen, aber: wozu BDO-Norm….., wenn nicht der „Normal“- bzw. Regelfall ist, dass eine Orgel den heutigen Tonumfängen und Mensuren entspricht, und ein(e) Organist(in) auch mit den Orgeln der Nachbargemeinden….kompatibel ist? Von gewohnter Pedalmensur auf kurze Oktave, von c unter c auf dis unter dis oder von Parallelpedal auf Radialpedal umzusteigen, ist ja für manchen Berufsorganisten aufwändig, einspielen müssen wir uns alle, da wir sonst „automatisch“ da hin treten, wo wir es eben gewohnt sind. Wozu nebenamtlichen Organisten solches zumuten, es sei denn, man hat eine(n) Idealisten / -in, der / die das möchte? Und hier muss sich auch der Denkmalschutz die Frage gefallen lassen, ob ein Orgelspieltisch ein öffentlicher Arbeitsplatz oder eher ein Museum sein soll!

Arbeitsplatz Orgel(spieltisch)
Strenge Bestimmungen für die Arbeitssicherheit sind keine Erfindung von gestern, auch diese gibt es bereits seit Jahrzehnten. So dürfen in Büros (wenn diese öffentliche Arbeitsplätze sind – private Büros sind natürlich ausgenommen) keine Möbel, vor allem Sitzmöbel, aufgestellt sein, die nicht ganz bestimmten orthopädischen und ergonomischen Anforderungen entsprechen. Das ist auch gut so, denn Schäden am Bewegungsapparat, vor allem der Wirbelsäule, die u.U. sogar irreversibel sind, schränken nicht selten die Berufsfähigkeit ein oder zerstören diese. Wenn ich nun bedenke, dass in einem Büro Sitzungen (Gespräche) stattfinden, auf PC-Tastaturen getippt, telefoniert…wird, aber Beine und Füße in aller Regel nicht in Aktion sind (außer wenn man zum Kopierer oder einem anderen Platz geht), dann ist mir völlig unverständlich, wie es möglich ist, dass bis heute die orthopädische und ergonomische Tauglichkeit von Orgelspieltischen weitgehend ignoriert wird, an denen „in schwebender Haltung, in der man weder sitzt noch steht“ (so ähnlich hat es Graf Münster einmal formuliert) ganzkörperlich, mit Händen und Füßen gleichzeitig, agiert wird, währenddessen man noch die Balance halten muss, weil man sich nicht wie beim normalen Sitzen mit den Füßen abstützen kann. Da gibt es Kirchen, bei denen ich mir mit einer Körperlänge von 191 cm „einen Knoten in die Beine machen“ müsste, um überhaupt Pedal spielen zu können. Oder ich stoße mit den Knien an die Unterseite des Spieltisches, weil er zu niedrig montiert ist. Wenn eine Orgel – ein Orgelspieltisch – ein öffentlicher Arbeitsplatz sein soll, muss dieser so konzipiert sein, dass Menschen aller Größen und Gewichtsklassen daran arbeiten können. Somit muss die höhenverstellbare Orgelbank sowie die Möglichkeit, diese weit genug vom Spieltisch zu entfernen, als Standard unbedingte Vorschrift sein. Der letzte Punkt könnte hie und da schwierig werden, aber in allen mir bekannten Fällen wäre zumindest bei einer größeren Orgelüberholung die Versetzung der Orgel ein Stückchen weiter von der Wand weg, in einem Falle die Verlängerung der Empore, möglich gewesen. Wo solches, z.B. aus Denkmalschutzgründen, verweigert wird, muss der Arbeitsplatz zum Museum deklariert werden, da er den gesundheitlichen Anforderungen eines öffentlichen Arbeitsplatzes nicht genügt und eine ernst zu nehmende Gefahr für Bandscheiben und Gelenke darstellt. Eine strenge Kontrolle der Einhaltung orthopädischer und ergonomischer Richtwerte an Orgelspieltischen ist längst überfällig und sollte ab sofort gefordert und eingehalten werden!
In den meisten größeren Kirchen, vor allem solchen, wo gewisse Konzerttraditionen vorhanden sind, werden solche Vorgaben auch ohne weiteres erfüllt. In einigen Domkirchen sind die Pedalklaviaturen sogar austauschbar, so dass der eine Parallelpedal, die andere Radialpedal …..spielen kann. Es lässt sich also zumindest fast alles positiv lösen, wenn ein ernster Wille da ist. Ich selbst spielte kürzlich eine Orgel (Stadtkirche Laubach), bei der es wunderbar gelungen ist, eine historische Restaurierung mit unauffälliger zusätzlicher elektronischer Setzeranlage (für eine rein mechanische Traktur!) zu versehen, an der durch eine Umschaltfunktion bei Bedarf im historischen „Chorton“, also einen halben Ton höher, gespielt werden kann, aber eben auch in der heutigen Stimmung, um das gemeinsame Musizieren mit anderen Instrumenten zu ermöglichen. Die Symbiose Denkmalschutz und uneingeschränkte Benutzbarkeit implizit angenehmer und gesundheitsfreundlicher Spieltischgestaltung (im historischen Ambiente!) ist möglich! Selbst die Beleuchtung ist unauffällig bzw. versteckt, aber mittig und effizient, nicht wie in früheren Jahren, wo bei historischen Spieltischen nur eine externe Stehlampe geduldet wurde, Licht von einer Seite, meist noch Schatten von Ellenbogen o.ä. einbindend, ist unbrauchbar! Freilich sind solche Restaurierungen / Umbauten kostspielig, und so werden gerade die nebenamtlichen Kollegen und Kolleginnen, überwiegend in kleinen Gemeinden mit kleinem Budget arbeitend, die Leidtragenden sein, wenn hier nicht durch verbindliche Regelungen geholfen werden kann, wo die Hoffnung auf Einsicht Utopie bleibt.
Nicht wenige Orgeln stehen unter klimatisch katastrophalen Bedingungen. Waren es in den Nachkriegsjahren noch die durch Wirtschaftsaufschwung und unermesslichen Reichtum mit starken Gebläseheizungen ausgetrockneten und „zum Tode verurteilten“ Instrumente, so haben wir heute unter den Spätfolgen miserabler Architekten zu leiden, die „blind“ in Kauf genommen haben, dass die Instrumente an Stellen stehen, wo sie bei geöffneten Türen Zugluft ausgesetzt sind, so dass eine Stimmhaltung kaum möglich ist, manchmal so, dass im Winter gleichzeitig von der einen Seite Heizungsluft und von der anderen Seite kalte Frostluft von außen eindringt, und der / die Organist / -in Oropax braucht, um die dadurch ausgelösten Verstimmungen aushalten zu können. Wenn solche Luftbewegungen auch noch den Sitzplatz des / der Organisten / -in erreichen, sind wir wieder beim Thema Arbeitssicherheit. Chronische Atemwegserkrankungen, Gelenkschmerzen u.a. sind die Folge, wem ist damit gedient, und wer haftet, wenn die Berufsfähigkeit dadurch leidet, sich verringert oder gar völlig verloren geht? Und wie halten es die Gottesdienstbesucher(innen) aus, wenn die Orgel derart verstimmt ist?
Von diesen technisch-gesundheitlichen und orgelschädigenden Phänomenen abgesehen ist zu bedenken, dass auch und gerade nebenamtliche Organisten / -innen, die aufgrund ihrer Haupttätigkeiten nur ein sehr begrenztes Kontingent an Übzeiten haben, in ihrer Arbeitsfreude motiviert sein sollten. Neben den bereits angesprochenen „Problemen“ im Falle historischer Instrumente, die eher einen Anreiz für den Profi bzw. Idealisten darstellen, der / die entsprechend Zeit investiert, die passende spezielle Literatur für solche Instrumente kennt und erarbeitet (ich für meinen Teil wollte nicht Sonntag für Sonntag an einem Instrument mit derartigen Beschränkungen arbeiten müssen, sporadisch dagegen sehr gern), scheint es doch fraglich, ob Instrumente mit nur einem Manual, oft nur ein Register Subbass 16‘ im Pedal, manchmal sogar nur angehängtes Pedal oder gar keines, auf Dauer für engagierte Organisten / - innen motivierend sein können. Natürlich können sogar Truhenorgeln, wenn die Qualität gut ist, Spielfreude bereiten, aber ein größeres Spektrum an Klangfarben, die Möglichkeit für Trios und nicht zuletzt die Tatsache, dass triomäßiges Choralspiel die Gemeinde erheblich leichter und besser führt als der „homophone Einheitsbrei“ auf einem Manual, sollten doch das Bewusstsein stärken, ein Minimum von zwei Manualen sowie eine Mindestausstattung mit zwei oder drei Zungenregistern als Standard zu sehen. Alles, was über 15 Register geht, sollte im Rahmen der heute vorhandenen technischen Möglichkeiten mit Setzerkombinationen ausgestattet sein. Was sonst nutzt es, wenn wir unsere Schüler(innen) mit triomäßigem Choralspiel, Registerkunde und mehr auf die D-Prüfung vorbereiten?

Offene Kirchen, Führungen… - Organist(inn)en als „Freiwild“?
Die wenigsten Kirchen unserer Region haben derart räumliche Distanzen zwischen Orgelspieltisch und Kirchenschiff wie z.B. die Kathedralen oder Basiliken in Paris. Sensibles und rücksichtsvolles Verhalten in Kirchen ist leider schon seit Jahrzehnten alles andere als der „Normalfall“. Normalerweise sollte eine Kirche als Bethaus für Gläubige und natürlich darüberhinaus für jedermann und –frau zum Betreten, Besichtigen und Verweilen geöffnet sein. In einigen Klosterkirchen und Basiliken beispielsweise in Bayern oder Tschechien konnte ich mich in großer Dankbarkeit und Freude davon überzeugen, dass sogar große Menschenmengen schweigend und respektvoll durch die Gotteshäuser wandelten bzw. verweilten, beteten….., so dass gleichzeitig ein Orgelprofessor seine Tagung halten konnte, geübt werden konnte….. Allerdings waren zum einen die Bereiche um Orgel, Skulpturen, Altäre…. mit Seilen für Besucher(innen) eindeutig gesperrt, zum anderen wurde durch mehrere Hinweistafeln aus Stein oder Metall vorgesorgt, dass beispielsweise kein Blitzlicht zum Fotografieren benutzt werden dürfe, die Türen wieder zu schließen seien, in der Kirche Stille zu herrschen habe….. Vor einigen Jahren übte ich mal in einer tagsüber offenen Domkirche Messiaen, was wohl einer Besucherin nicht gefiel, sie hängte eigenmächtig das Sperrseil an der Treppe zur Orgelempore aus und ging nach oben, wo gottlob noch eine verschlossene Türe vorhanden ist, an der sie rüttelte, um mich allen Ernstes aufzufordern, doch etwas anderes zu spielen. Ich konnte dann ich anders, als ihr zu sagen, dass sie unbefugt die Treppe betreten habe, mich störe, und es doch bitte mir zu überlassen habe, welche liturgische Musik ich spiele. Ein anderes Mal trat ein Kind im Kirchenschiff wiederholt und kräftig gegen die historischen Kirchenbänke, die Mutter stand daneben und reagierte überhaupt nicht. Ich könnte eine Menge weiterer Beispiele anführen.
Vor etwas mehr als zwanzig Jahren bewarb ich mich auf Anraten des damaligen Landeskirchenmusikdirektors auf eine Stelle mit zwei Kirchen, eine davon mit einer besonders attraktiven Orgel ausgestattet. Mir war bekannt, dass zu dem Zeitpunkt dort eine Kollegin arbeitete, die schwerpunktmäßig im konzertanten Orgelbereich tätig war und sogar desöfteren für den Rundfunk eingespielt hatte. Also rief ich die Dame an, um zu erfahren, warum sie von dort weggehen wollte. Sie erzählte mir ganz offen, wie es ihr dort ging: Ganz gleich, ob sie sich zum Üben an die Orgel setzte oder zwecks Unterricht, es dauerte jeweils nur zwischen 10 und fünfzehn Minuten, bis entweder eine städtische Führung oder einer der Pfarrer mit einer Gruppe kam und ihr die Arbeit durchkreuzte. Ging sie dann in die andere Kirche, geschah exakt dasselbe. Sie war glücklicherweise in der finanziellen Lage, sich dann für eine fünfstellige Summe ein Pedalcembalo in ihre Wohnung zu stellen, aber auf Dauer hielt sie es dort nicht aus. Immerhin ist eine Person mit derart öffentlichkeits- und medienwirksamer Arbeit ein großes Aushängeschild für Stadt und Gemeinde, und dennoch wurde sie durch die geschilderten Vorgänge – beabsichtigt oder nicht – raus gemobbt!
Orgelübzeiten und vor allem Unterrichtszeiten sollen und müssen als unantastbar gelten. Letztere müssen denselben Status haben wie z.B. ein Seelsorgegespräch; es kann nicht sein, dass Personen (Besucher oder Mitarbeiter) ungefragt in eine solche Unterrichtsstunde „hineinplatzen“, die ja - je nach Sensibilität – einen vertraulichen Rahmen haben soll und muss. Was das Üben betrifft, so mögen unsere „Organistenfelle“ verschieden dick sein; ich persönlich mag bei aller Publikumswirksamkeit beim Üben eher keine Zuhörer; ich lehne sie strikt ab, wenn sie derart unsensibel sind, dass sie störende Geräusche produzieren, sei es durch Gerede, lautes Staksen oder Stampfen beim Gehen… Welcher(r) Pfarrer(in) möchte bei der Vorbereitung der Predigt derart abgelenkt oder gestört werden?
Auch wenn ich kürzlich in unserer Tagespresse lesen durfte, dass Vergleiche aus dem Tierreich angeblich unschicklich sind, so denke ich hier doch immer an die geschützten Heckenbrüter, die vom Aussterben bedroht sind, wenn weiterhin wilde Hecken, Dornenhecken… gerodet werden. Der Schutz, das Versteck, die Geborgenheit, sind verloren, und den Tieren bleibt nichts anderes als die Flucht verbunden mit der Hoffnung, anderswo geeignete Plätze zu finden. Wer schützt uns Organisten vor unsensiblen Störenfrieden im Falle offener Kirchen? Oder sollen auch wir fliehen? Nach dem Telefonat mit der Kollegin jedenfalls nahm ich unverzüglich Briefpapier zur Hand und zog meine Bewerbung umgehend zurück, um erst mal für viele Jahre in der freien Wirtschaft zu arbeiten.

Organist(in) – Kirchenmusiker(in) – Kantor(in)
Dieser Abschnitt wird sich freilich wieder mehr dem Hauptamt widmen, sollte aber auch für D- und vor allem C-Kirchenmusiker(innen) von Interesse sein.
Der Kirchenmusikerberuf ist wie wenige andere sehr individuell geprägt. Manche Kollegen spielen die Orgel gerade mal so, dass es für die Gestaltung eines Gottesdienstes ausreicht, andere arbeiten als Konzertorganisten. Während der eine mit großer Kantorei und Orchester zwei bis drei Oratorien pro Jahr aufführt, hat die andere drei bis vier ausgezeichnete Kinder- bzw. Jugendsinggruppen als Aufbau des Kirchenchores / der Kantorei. Selbstverständlich arbeiten die meisten von uns auf allen genannten Sektoren, aber eben die Schwerpunkte divergieren. Dies kann zum einen an der persönlichen Neigung des / der Kantors / -in liegen, zum anderen an den von der Gemeinde oder dem Dekanat geforderten Schwerpunkten. Während in den letzten fünf bis sechs Jahrzehnten die meisten Kirchenmusiker(innen) ihren Neigungen entsprechende Schwerpunkte aufgebaut haben, ist heute auch in unserem Beruf die „kundenorientierte“ Arbeit gefordert. Ob das immer gut ist, sei einmal dahin gestellt. Wer ist „Kunde“? Der Dekanatssynodalvorstand, der Kirchenvorstand, die Gottesdienstbesucher(innen) oder die Konzertbesucher(innen)? Ich kann dieses Problem nur von meiner eigenen Tätigkeit beschreiben: Die Schnittmenge aus Kirchenvorstand, Gottesdienstgemeinde und Besucher(innen) z.B. meiner wöchentlichen Orgelkonzerte ist sehr klein. Die Besucher(innen) meiner Orgelkonzerte haben aber keinerlei Entscheidungskompetenz bezüglich meiner Arbeit (außer, dass sie Hörerwünsche notieren dürfen). Von wenigen Großstadtgemeinden abgesehen sitzen in den Entscheidungsgremien Mitglieder, die keine oder nur eine sehr geringe Fachkenntnis der Kirchenmusik besitzen. Das macht die Arbeit nicht immer angenehm und leicht.
Zurück zu den Schwerpunkten und den divergierenden Prioritäten: Wahrscheinlich spreche ich aus dem Herzen der meisten Kolleg(inn)en, wenn ich die schwerpunktmäßige Arbeit an der Orgel sowie mit größeren Chor- und Orchesterwerken als anstrebenswert bezeichne. Die meisten machen dazu noch ihre Kinderchorarbeit. Arbeit im Kindergarten (musikalische Früherziehung) wird heute in vielen Stellen gefordert. Aus Sicht der Gremien ist dies nur allzu verständlich. Bei Kirchens wird nun mal nicht Schlange gestanden wie bei der Kasse von Aldi oder Lidl, man muss sich um Mitglieder geradezu „die Beine ausreißen“. Also wird von den Mitarbeitern (Pfarrern, Kantoren, Gemeindepädagogen…) entsprechende „Bandbreite“ verlangt. Eine gewisse „Weitsicht“ – bei Heranreifenden auch als „Allgemeinbildung“ gefordert, ist sicher wünschenswert und gut. Aber in der freien Wirtschaft gilt als eines der obersten Gebote: Kernkompetenz anstatt Verzettelung. Warum? Wegen der Qualitätssicherung. Ich bewundere die Kolleg(inn)en, die über Jahre oder gar Jahrzehnte drei oder vier unterschiedliche Sektoren nebeneinander betreuen und alles recht ordentlich. Aber wenn man auf einem Sektor, egal ob Konzertorganist, Pädagoge für Kinderchorarbeit, Oratoriendirigent…..die Höchstleistung erzielen möchte, dann zwangsläufig auf Kosten anderer. Eines unserer größten Vorbilder, Herbert von Karajan, der nach eigenen Angaben jeden Tag mit 90 Minuten Yoga begonnen hatte, riet stets: „Wenn du etwas richtig gut machen willst, konzentriere dich nur darauf und schalte alles andere ab“. Möchtegern-Kritiker bezeichnen eine solche Haltung oft als „Scheuklappen-Haltung“ oder „Schmalspur-Denken“, völlig zu Unrecht, wenn man bedenkt, wie konzentriert ein Mensch sein muss, der zigtausende Noten einer Partitur inklusive Dynamik, Tempi, Klangfarben…..im Kopf hat – analog der /die Organist / -in, der / die in „schwebender Haltung“ gleichzeitige Arbeit mit Händen, Füßen, Kopf, Partitur, Balance….. benötigt, wenn er / sie Qualität bieten möchte.
Kürzlich sah ich im Fernsehen eine Sendung, in der geschlechterspezifische Vorurteile auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft wurden (ich habe leider den Titel der Sendung vergessen). Wie zu erwarten war, entpuppten sich fast alle Vorurteile als völlig unsinnig und falsch, darunter die Behauptung, Frauen seien in wesentlich höherem Maße „multi-tasking“-fähig als Männer. Hier wurde in Tests von Fachleuten nicht nur das geschlechterbezogene Vorurteil widerlegt, es wurde eindeutig festgestellt, dass „multi-tasking“ für den Menschen völliger Unsinn ist. Nun geht es beim multi-tasking tatsächlich darum, mehrere Vorgänge gleichzeitig zu tätigen / zu steuern. Natürlich wird kaum ein(e) Kirchenmusiker(in) gleichzeitig Orgel üben und eine Kinderchorprobe halten. Aber mehrstündiges Orgelüben am Tag, Vorbereitung der Kantoreiproben, Planung von Gottesdiensten, die Durchführung derselben sowie von Konzerten….., dann aber noch „Pädagogik“ und dergleichen, das kann nur in Verzettelung enden. Was aber bedeutet Verzettelung? Eine Überstrapazierung des Sensoriums (ein Computer würde in einem solchen Fall abstürzen), womit weder dem /der Kirchenmusiker(in) noch seiner / ihrer Klientel gedient ist. Nicht umsonst haben die Metropolen (Domkirchen…) zum einen eine(n) Kantor(in), zum anderen eine(n) Organisten / -in und darüber hinaus eine(n) Kapellmeister(in). Ich stelle dies alles einmal wertfrei fest. Vielleicht muss es im „ländlichen Raum“ Kirchengemeinden geben, in denen Abstriche in der Qualität zugunsten der sog. „Bandbreite“ hingenommen werden, ich halte dies jedoch für bedenklich. Oder sollte dort eher ein(e) musikalische(r) Gemeindepädagoge / -in beauftragt werden anstelle eines / -r Kirchenmusikers / -in?
Noch einmal zu der Frage nach dem „Ansehen der Organistenpersönlichkeit“, wie sie ja von Stefanie Walter erwähnt wird. Fast alltäglich lese ich in Gemeindebriefen und/oder Sitzungsprotokollen, wenn es um die Auflistung von Mitarbeitern oder Anwesenden geht: Herr Pfarrer….., Frau Dekanin……, Herr Vikar…., dann werden die (hauptamtlichen!) Kirchenmusiker(innen) nur mit Namen erwähnt. Wir haben genau wie die Theologen eine akademische Ausbildung mit unserem Studium und Examen erhalten, immer wieder wird „schön geredet“, dass doch in der evangelischen Kirche Theologen und Kantoren „auf Augenhöhe“ miteinander arbeiten. Und dann dieses nicht hinnehmbare Messen mit zweierlei Maß: Entweder bekommen Pfarrer, Dekane, Pröpste, Vikare….ihren Titel vor den Namen, dann bitte aber auch: Herr Kantor….., Frau Kantorin….., oder aber es werden sämtlichst alle nur mit ihrem Namen erwähnt!
Ein letzter Punkt zur Bedeutung und dem Ansehen der Orgelmusik und der Organist(inn)en: Wenn eine KFZ-Meister(in) Angestellte(r) (also nicht Inhaber[in]!) des Betriebs ist, in dem er / sie tätig ist, dann ist es ausschließlich Sache der Betriebsleitung, Lehrlinge, Gesellen….anzustellen, die bei Arbeitsvorgängen, für die mehrere Personen (Assistenz) erforderlich sind, zur Verfügung stehen. Dasselbe gilt für den Chirurg / die Chirurgin im OP, den /die (angestellte!) Chefkoch / Chefköchin im Restaurant / Hotel…… Wenn der / die angestellte Kirchenmusiker(in) eine(n) Tastenhalter(in) zum Stimmen der Zungenregister benötigt und/oder eine(n) Assistenten / -in zum Registrieren und Noten blättern, dann soll sich diese(r) Angestellte auch darum noch selbst kümmern. Allein angesichts der oben aufgezeigten Vergleiche scheint mir dies eine Unverfrorenheit, die allerdings dadurch gestützt wird, dass eine Vielzahl von Kollegen / -innen solches mit sich machen lässt.

Organisten in Haupt- und Nebenamt / Abhängigkeiten und Gratwanderung
Die Organisten im Nebenamt, aufgrund ihrer erheblich geringeren Anhängigkeit vom Organistenberuf, genießen im Allgemeinen vermutlich schon ein hohes Ansehen, wie Frau Walter schreibt. Denn bei der Nachfrage im geringen Nebenverdienst kann ein(e) nebenamtliche(r) Organist(in) ohne weiteres „von heute auf morgen“ (natürlich je nach vertraglicher Bindung) die Wirkungsstätte wechseln, wenn die Arbeitsbedingungen unattraktiv sind. Wenn allerdings die Gemeinde die Ausbildung der betreffenden Person finanziell unterstützt hat, sollte es zumindest eine moralische – ggf. auch eine vertragliche – Verpflichtung geben, dieser Unterstützung durch entsprechende Zuverlässigkeit im Dienst gerecht zu werden. Es kann niemandem – also auch keiner Kirchengemeinde – zugemutet werden, ohne Eigeninteresse finanzielle Unterstützung zu geben.
Im Hauptamt ist natürlich eine andere finanzielle Anhängigkeit gegeben, die oft dazu führt, dass der / die Kirchenmusiker(in) bzw. dessen / deren Arbeit als etwas Selbstverständliches angesehen wird, selbst wenn es Kunst auf höchstem Niveau ist. Es darf allerdings nicht übersehen werden, dass der Kirchenmusikerberuf eine Tätigkeit mit viel persönlich – kreativem Freiraum ist, relativ flexibler Arbeitszeitgestaltung, Arbeit mit Menschen, die, wenn es die „richtigen“ Menschen sind, auch große Freude machen und zu großen Erfolgen führen kann. Nur, wo Kompetenzgerangel, permanentes „Sägen“ am angestrebten Niveau oder despektierliches Verhalten regieren, wird sich kaum fruchtbare Kirchenmusik praktizieren lassen. Speziell Kirchenmusiker(innen) mit Orgelschwerpunkt werden sich langfristig die „passende“ Gemeinde suchen oder sich ganz in die Konzert- und Lehrtätigkeit „zurückziehen“ müssen. Es scheint sich auch – zumindest im Orgelbereich – eine „Zwei-Klassen-Kirchenmusik“ anzubahnen, quasi „Kirche“ auf der einen und „Privat“ auf der anderen Seite. Dies hat in Frankreich während der Säkularisierung im 19. Jahrhundert Schule gemacht, viele namhafte Komponisten und Organisten arbeiteten primär für ihre Kundschaft, und gerade deren Werke gehören heute zu den populärsten und beliebtesten! Es wäre allerdings sehr schade für die Kirche und ihre großen Bemühungen um die Kirchenmusik, wenn die gute Orgelmusik überwiegend oder ausschließlich außerhalb der Gottesdienste stattfände. Wir Organisten müssen wohl in der einen oder anderen Gemeinde „Kundenorientiertheit“ lernen, und wenn im ländlichen Raum ein Werk von Messiaen liturgisch noch so passend erscheint, darauf verzichten, um nicht dem Groll der Gemeinde ausgesetzt zu sein, die damit (noch?) überfordert ist (trotzdem sehr schade, denn wie will ich Ungewohntes bekannt machen, wenn ich darauf verzichten muss?). Andererseits – auch wenn man Erwachsene nicht „erziehen“ soll und will, wäre ein respektvollerer Umgang mit den Organisten und der Orgelmusik wünschenswert: Dem Orgelspiel mit derselben Stille zuhören wie der Predigt, auch beim Orgelnachspiel, und erst danach die Kirche verlassen, zumal dann auch fröhliche Unterhaltung zumindest keinen Organisten beeinträchtigt oder stört. Wenn sich die Schnittmenge zwischen Gottesdienstbesuchern bzw. Kirchenvorstand und Besucher(inn)en von Orgelkonzerten vergrößern ließe, was der Anerkennung der Orgelmusik sicher gut täte, wäre eine zukunftsweisende Brücke gebaut, auf der sich u.U. noch Jahrhunderte gehen ließe.

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von:  Michael Poths

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