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Frank Ide: sportlich, engagiert und voller Pläne

Frank Ide.
Frank Ide.
Grünberg | Fast wäre er Fotograf geworden. Aber eben nur fast. Denn als der Grünberger Bürgermeister Frank Ide nach dem Abitur vor der Frage stand:“Wie geht’s jetzt weiter?“ war nur eines ganz klar: Studieren wollte er nicht, er hatte keine Lust mehr, weiterhin in dieser Lernenden-Rolle zu verharren. Also suchte sich Ide, damals übrigens noch mit langer Lockenpracht, einen Ausbildungsplatz. Er schickte Bewerbungen an Fotografen, die Stadt und – an die Sparkasse. Die hat ihn genommen. „Vor dem Bewerbungsgespräch hatte ich mir die Haare schon etwas kürzer schneiden lassen.“, gibt er zu. Das sei auch kein Problem gewesen, komisch war für den frisch gebackenen Auszubildenden nur, dass er plötzlich eine Krawatte tragen musste. Aber auch daran hat er sich gewöhnt. Heute kann er auch mal sportlich-leger gekleidet ins Rathaus gehen.
Seinen Platz im Rathaus sieht er für die anstehende Wahl als Vor- und Nachteil. Natürlich hat Ide den Amtsbonus, keine Frage. Er habe in den vergangenen sechs Jahren einiges für Grünberg erreicht. Aber aufgrund der zahlreichen Verpflichtungen, die sein Amt mit sich bringe, komme bei ihm leider der eigentliche Wahlkampf viel zu kurz. Hausbesuche, die er 2003 noch gemacht hat, schafft er nicht mehr, da im Rathaus alles seinen gewohnten Gang weitergehen müsse.

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Aber das sei auch nicht ganz so schlimm, denn der gebürtige Grünberger kennt sowieso die meisten Menschen „seiner“ Großgemeinde. Er ist in Grünberg aufgewachsen und hat viele Jahre dort bei der Sparkasse gearbeitet. Es gab nur eine kurze Zeit, in der er in Großen-Linden als stellvertretender Geschäftsstellenleiter tätig war. Er kennt die Stadt also – wie man so sagt – „in- und auswendig“. Das hält er auch für wichtig. In Kontakt mit Menschen kommt er natürlich nicht nur als Bürgermeister, sondern auch als Bürger und als – bis heute aktives – Mitglied der Feuerwehr Grünberg.
Soziales Engagement habe für ihn schon immer weit oben gestanden. Das lässt sich auch an Mitgliedschaften wie der im Krankenpflegeverein Grünberg oder beim Förderkreis des WWF Deutschlands ablesen. Aber der Tod der Mutter, fünf Tage vor seinem Amtseintritt, habe sein soziales Gewissen noch stärker werden lassen. Er sei nämlich ein typischer „Muttersohn“ gewesen, die Bindung an sie sei besonders eng gewesen.
Insgesamt beschreibt er sich als einen Menschen, der alles positiv angeht, auch wenn Beschwerden
aus der Bevölkerung kommen. Denn Kritik könne genutzt werden, um Dinge, die im argen liegen, ins positive zu wenden. Doch auch im privaten Bereich zeigt er sich optimistisch. Herausforderungen nehme er an, probiere gerne Neues aus. Aber eines kann er wirklich nicht: kochen. Auch wenn er grinsend versucht, „Spaghetti-kochen“ als „Kochen-können“ zu verkaufen. Aber dann gibt er zu:“Im Hause Ide kocht meine Frau.“
Auch der musikalische Bereich wäre noch ausbaufähig. „Über die Blockflöte bin ich leider nie hinaus gekommen.“. Dafür kann er viele andere Sachen, wie Bogenschießen, Radfahren, Kegeln oder Fußballspielen. Man sieht: Seine Begeisterung gilt dem Sport. Und dafür versucht er, sich Zeit zu nehmen. Doch mit der Zeit sieht es eben schlecht aus, aber nicht erst seit dem Wahlkampf. Auch früher schon hat er sich so viele „Ämter und Pöstchen“ aufgehalst, dass wenig Zeit für seine Familie blieb. Das wurde ihm erst so richtig bewusst, als sein damals 9-jähriger Sohn auf die Frage, ob er denn mit 10 zur Jugendfeuerwehr gehen wolle, sagte:“Nein, denn dann bin ich ja gar nicht mehr zu Hause!“ Das habe ihn damals sehr nachdenklich gemacht und er habe sich mehr um seine Familie gekümmert. Gut, dass seine Frau so viel Verständnis für seine Situation habe. Demnach ist sie auch diejenige, die meist mit dem Hund spazieren geht.
Beruflich liest er viel, privat kommt er kaum dazu, aber jetzt hat er sich mal wieder ein Buch gekauft. Hört man den Titel, bleibt die Frage, ob das wirklich ein „Privatbuch“ ist oder nicht doch eher in die berufliche Schublade gehört. Er hat sich für „Warum ich mich nicht für Politik interessiere“ entschieden. Er verstehe die Menschen, wenn sie sich immer weniger für Politik interessierten, denn viele Entscheidungen seien kaum nachvollziehbar. Klingt aus seinem Munde verblüffend, aber er sagt dazu:“Ich bin Bürgermeister, fühle mich aber nicht als Politiker!“
Am 11. Oktober will er den Gallusmarkt besuchen. An eine Stichwahl denkt der Freie Wähler nicht. Obwohl es drei Bewerber für das Bürgermeisteramt in Grünberg gibt, glaubt er an eine Entscheidung im ersten Wahlgang. Der Optimismus resultiert vielleicht aus dem Ergebnis der vergangenen Wahl. „Bürgermeisterwahlen sind Personenwahlen. Dabei spielt es auch keine Rolle, dass eine weibliche Bewerberin und zwei Männer dabei sind.“ Er habe sich während seiner Amtszeit schließlich auch für Themen engagiert, die tendenziell eher Frauen interessierten. Aber als „Frauenversteher“ wollte er sich dann doch nicht bezeichnen lassen; da musste er lachen.
Sollte er erneut gewählt werden, will er die Kinderbetreuung vor allem für die unter 3-Jährigen verbessern. Das sei auch wichtig, um junge Familien in Grünberg anzusiedeln. Apropos ansiedeln: Er möchte endlich das Gewerbegebiet an der A5 verwirklichen, denn das bringe jede Menge neue Arbeitsplätze und verbessere die Bilanz der Gewerbesteuer.
Auch ehrenamtliche Tätigkeiten möchte Ide unterstützen und ausbauen. Denn ohne Ehrenamtliche geht gar nichts, davon ist der 47-Jährige fest überzeugt. Großes Potential sieht er bei der Gruppe der „fitten Älteren“. Diese hätten häufig Zeit, Lust und auch die Erfahrung, ehrenamtliche Tätigkeiten auszufüllen. Es gebe da viele Möglichkeiten, sich einzubringen, die Bereitschaft sei bei vielen Menschen da, oft müsse man sie nur direkt ansprechen.
Zudem gebe es noch zahlreiche weitere Dinge, die er anpacken möchte. Dazu gehöre der behindertengerechte Umbau einiger Dorfgemeinschaftshäuser sowie der weitere Ausbau der Seniorenberatung. Über 70.000 Übernachtungen pro Jahr freut er sich. Das sei für eine Stadt wie Grünberg schon ganz ordentlich. Aber man könne natürlich noch mehr die Werbetrommel für die Fachwerkstadt rühren. Das sei aber nur durch eine Umstrukturierung möglich, die er aber schon auf seiner Agenda stehen habe. Bleibt nur noch die Wahl abzuwarten.

Frank Ide.
Frank Ide. 
 

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Kommentare zum Beitrag

Hans Lind
1.682
Hans Lind aus Grünberg schrieb am 21.09.2009 um 11:22 Uhr
Fragen an Frank Ide:
Setzen Sie sich wirklich für alle,wirklich alle Grünberger Bürger ein ?
Sind Sie wirklich ganz Bürgernah?

Hans Lind
Sabine Glinke
5.280
Sabine Glinke aus Wettenberg schrieb am 22.09.2009 um 10:15 Uhr
Hallo Herr Lind, stellen Sie diese Frage doch bitte innerhalb der Gruppe Superwahljahr unter der Fragemöglichkeit bei Herrn Ide. Dort wird er auf die eingereichte Frage auch aufmerksam gemacht. Das ist hier nicht der Fall, da hier nicht vorgesehen ist, Fragen an die Kandidaten zu stellen, in der Gruppe aber schon. Sie finden die Gruppe und den Beitrag, indem Sie auf das Banner klicken, das auf die Wahl aufmerksam macht.
Frank Ide
19
Frank Ide aus Grünberg schrieb am 23.09.2009 um 06:30 Uhr
Sehr geehrter Herr Lind,
Ihre Frage kann ich mit "Ja" beantworten. Dass es in unserer Begegnung in der Eile zu einem Mißverständnis gekommen ist, bedaure ich sehr und entschuldige mich dafür. Ihre (leider nicht an mich direkt gerichtete) Kritik kann ich aus Ihrer Sicht nachvollziehen. In der Sache sind aber auch einem Bürgermeister manchmal gesetzliche oder regulative Grenzen gesetzt.
Hans Lind
1.682
Hans Lind aus Grünberg schrieb am 23.09.2009 um 11:19 Uhr
Siehe da,vorher kam garnichts und jetzt eine Entschuldigung.Aber nur wegen der Bürgermeisterwahl.Ich nehme die Entschuldigung an,aber Sie haben noch viel zu lernen.
Frank Ide
19
Frank Ide aus Grünberg schrieb am 23.09.2009 um 21:32 Uhr
Nun, Herr Lind, den richtigen Zeitpunkt in manchen Situationen zu finden, ist oft schwierig, aber auch vor einigen Wochen wäre vor der Bürgermeisterwahl gewesen. Das Leben ist übrigens ein ständiges Lernen und so nehme ich auch Ihren Rat gerne an.
Sabine Glinke
5.280
Sabine Glinke aus Wettenberg schrieb am 23.09.2009 um 21:59 Uhr
Es wäre ja auch schade, wenn alle Menschen irgendwann einen Zeitpunkt erreicht hätten, wo man nichts mehr dazulernen kann. Man lernt nie aus, sagt man doch...
Hans Lind
1.682
Hans Lind aus Grünberg schrieb am 24.09.2009 um 10:18 Uhr
Hallo Herr Ide,
Ich denke ,wir sollten die Sache abhaken. Sie haben sich entschuldigt. Ich habe sie angenommen.So ist alles aus der Welt.
Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie alles,alles Gute,vor allem Gesundheit;denn ohne diese läuft es nicht.

Hans Lind
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