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Tobias Lux: Denker, Tänzer, Frankreichfreund

Der SPD-Kandidat Tobias Lux. (Foto: privat)
Der SPD-Kandidat Tobias Lux. (Foto: privat)
Grünberg | „Deutsche planen einen Besuch perfekt durch. Franzosen planen auch, aber man merkt es nicht! Sie treffen sich erst einmal und kochen dann gemeinsam.“ So umreißt Tobias Lux, SPD-Kandidat für die Bürgermeisterwahl in Grünberg, den wesentlichen Unterschied zwischen französischer und deutscher Mentalität. Und er glaubt, sich von dieser französischen Leichtigkeit und dem Gemeinschaftssinn ein wenig abgeschaut zu haben. Der 41-Jährige gehört zu den Gründungsmitgliedern des Städtepartnerschaftsvereins zwischen Grünberg und Condom. 1980 hatte er sich zum ersten Mal auf den Weg in die Partnerstadt gemacht. Die Aufnahme in der Gastfamilie war so herzlich, dass er immer wieder dorthin fährt und sich ehrenamtlich dafür einsetzt, dass diese Städtepartnerschaft weiter lebendig bleibt. Doch eigentlich bleibt dem SPD-Politiker während des Wahlkampfs kaum Zeit. Seine große Leidenschaft fürs Tanzen, die er mit seiner Frau Ulrike teilt, leidet auch darunter: „Das ist ein wirklich tolles Hobby, aber im Moment setzen wir aus!“, erklärt er bedauernd. Und mit dem Lesen sieht es ähnlich aus: „Dafür habe ich im Moment einfach keine
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Zeit!“. Wenn kein Wahlkampf ist, liest er gern Ken Follett, Krimis und schreckt auch vor „Wälzern“ wie Frank Schätzings „Schwarm“ nicht zurück. Aber wie gesagt: Es ist eine Zeitfrage. Selbst im beruflichen Bereich muss er jetzt sehr genau mit seiner Zeit jonglieren. Aber zum einen gehört ihm, gemeinsam mit zwei Partnern, die Firma und zum anderen ist er gut organisiert. Er beginnt seinen Arbeitstag in der Werbeagentur eben ein bisschen früher, so dass er gegen Spätnachmittag mit den täglichen Wahlkampfterminen weitermachen kann. Und das alles immer noch mit einem entspannten Lächeln, man hat den Eindruck: Lux macht Wahlkampf Spaß. So betont er denn auch, wie wichtig er die Hausbesuche findet. Hier erfahre er, wo den Bürgern der Schuh drückt. Dabei gehe es nicht um die große Weltpolitik, sondern wirklich um Probleme im eigenen Ort, also im wahrsten Sinne vor der Haustür. Da werden lange Bauphasen beim Kanalbau ebenso kritisiert, wie kaputte Wege oder der Zustand des örtlichen Friedhofs. Also alles Themen, die in den kommunalpolitischen Bereich fallen und für die somit auch der zukünftige Bürgermeister oder Bürgermeisterin zuständig wären. Es gibt übrigens noch mehr Interessensgebiete und Bereiche, für die sich Lux begeis-tern kann: So ist er – passend zu seiner Liebe zu Frankreich – Mitglied im Boule-Club, passives Mitglied bei der Feuerwehr Grünberg und gehört der Reservistenkameradschaft an. Das lässt einen bei einem SPD-Politiker zunächst stutzen, scheint für einen „Genossen“ eher untypisch zu sein. Das räumt er auch ein, sieht jedoch gerade darin den Reiz. Er bringe mitunter neue Aspekte in Diskussionen ein, unterschiedlichste Gedanken stießen so zusammen und das sei doch interessant. Nach seiner Bundeswehrzeit hatte er an der Justus-Liebig-Uni ein Physikstudium begonnen und parallel dazu – um sein Studium zu finanzieren – einen Nebenjob im Bereich Werbung und Marketing. Aber wie das manchmal so ist: Aus dem Nebenjob wurde eine Hauptbeschäftigung, Lux machte eine Ausbildung zum „Fachberater für EDV-Anwendungen und Organisation“ und gründete 1992, gemeinsam mit zwei Partnern, die bereits erwähnte Werbefirma, auch das ist ungewöhnlich. Physikinteressierten Menschen sagt man einen messerscharfen, analytisch arbeitenden Verstand nach. Im Werbebereich stellt man sich eher die sogenannten „Kreativen“ vor. Geht das zusammen? Für den Firmeninhaber kein Problem, er sieht auch hier den ergänzenden Faktor. Da er häufig für Industrieunternehmen arbeite, sei es durchaus hilfreich, wenn der Naturwissenschaftler in ihm verstehe, was der Kunde sagt. Seine kreative Seite sorgt dann für die Umsetzung. Gefragt nach seinen Plänen, die er für die Großgemeinde Grünberg im Falle eines Wahlerfolgs umsetzen möchte, nennt er die Entwicklung des ländlichen Raums. Man müsse sich auf eine immer älter werdende Gesellschaft einstellen, sei es durch besondere Wohnangebote, Stichwort „Mehrgenerationenhaus“, oder durch Unterstützung genossenschaftlich geführter Läden, denn so kann eine engere Bindung am Erhalt kleiner Läden in den Dörfern aufgebaut werden. Beim Problem „Fachärztemangel“ hat aber auch er keine Lösung parat. Das seien Entscheidungen, die auf anderen Ebenen getroffen würden. Hier empfiehlt er, mit diesen Ebenen im Gespräch zu bleiben. Noch mehr ins Gespräch möchte er auch Grünberg als Wirtschaftsstandort bringen. Dafür müsse eine aktive Ansiedlungspolitik verstärkt werden und um das zu realisieren, sieht er auch Verbesserungsbedarf im Eigenmarketing-Bereich: „Grünberg ist toll! Aber wer weiß das außerhalb des Kreises?“ Die Pressearbeit müsse intensiviert werden und das könne nur gelingen, wenn neue Ressourcen durch Neustrukturierung freigesetzt würden. Denn mit einer halben Stelle sei die nötige PR-Arbeit nicht zu leisten. Dabei ist die mittelhessische Gegend so spannend, hat alles: "Forschung, Tourismus, Landwirtschaft und Landschaft!" Durch diese geht er gerne mit seinem „Leihhund“, den er betreut, wenn seine Eltern im Urlaub sind. Diese Landschaft würde er sicher auch gerne malen – wenn er denn malen könnte. Aber in dem Bereich ist er – zu seinem Bedauern – völlig talentlos, gibt er lachend zu. Auch der Wunsch, einen Hubschrauber fliegen zu können, blieb ein Wunsch. Das hat aber nichts damit zu tun, dass der bekennende Helmut-Schmidt-Fan Flugangst hätte, sondern hat einen viel nüchternen Grund: Lux ist Brillenträger. Bleibt zum Abschluss die schwierige Antwort nach der Frage zum Wahlausgang: “Es gibt eine Bewerberin und zwei Bewerber für das Amt – da muss man wohl davon ausgehen, dass es am 11. Oktober zur Stichwahl kommt!“ Das hat man schon so manches Mal bei einer solchen Konstellation erwartet und dann gab es doch im ersten Wahlgang ein Ergebnis. „Ja, das könnte natürlich auch passieren!“ und lässt damit die Prognose ein klein wenig offen.

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