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Rasante Balkan-Bläser jubilieren zum "Grimmich Folk"-Abschluss

von Redaktion GZam 13.08.2009703 mal gelesen1 Kommentar
Bei der Fanfare Ciocarlia wird geblasen und getrommelt bis die Fetzen fliegen.
Bei der Fanfare Ciocarlia wird geblasen und getrommelt bis die Fetzen fliegen.
Grünberg | Heiß war es beim Abschlusskonzert des 11. „Grimmich Folk“-Festivals in Grünberg am sommerlichen Sonntagabend in der Gallushalle sowieso. Noch heißer - aber musikalisch veranlasst - wurde es den rund 300 Zuhörern, als dazu die rumänische Roma-Blaskapelle „Fanfare Ciocarlia“ wie ein wirbelnder Getöse-Express den Saal beschallte. Dass die elfköpfige Combo nicht umsonst den Titel der schnellsten Blaskapelle Rumäniens trägt, stellten die Musiker bei ihrem Auftritt eindrucksvoll unter Beweis. Somit fand das Folkfestival einen fulminanten Ausklang.
Mit ihrer Mischung aus Zigeunermusik, Balkan-Folklore und jiddischem Klezmer, gepaart mit orientalischen Klangfärbungen, hielt es einige der Zuschauer nicht lange auf den Stühlen. Gleich zu Beginn hatte sich neben der Bühne ein tanzendes Knäuel aus zumeist jungen, feierwütigen Besuchern gebildet. Das sahen die Musiker gern und luden die Tanzenden auf die Fläche vor der Bühne ein. Nur komisch, dass zwei Herren aus der ersten Sitzreihe diese davon abhalten wollten, weil sie sich ihrer guten Sicht beraubt fühlten. Da kann man nur entgegnen: Diese Musik ist zum Tanzen und die Stühle zum Verlassen da. Von einem besinnlichen Abendkonzert kann man bei der „Fanfare Ciocarlia“ einfach nicht ausgehen.
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Zur Eröffnung stellte sich zunächst die Bläser-Rhythmus-Gruppe vor, bestehend aus zwei Tuben sowie je einem Bariton- und Tenorhorn, die mit ihrem fetzig-sonoren Basssound den markanten Begleit-Hintergrund der Musik von „Fanfare Ciocarlia" formen. Nacheinander traten dann die höhertönigen Mitstreiter - drei Trompeten und zwei Alt-Saxophone sowie die beiden Schlagwerker (große Trommel, kleine Trommel und Bongos) hinzu, um schließlich in den für diese Zigeunerband typischen, rhythmisch vertrakten, tanzwütig machenden Klang zu gipfeln.
Ursprüngliche Aufgabe dieser rumänischen „Fanfaren" (Blaskapellen) ist es, mit ihren rasanten, traditionellen Tänzen wie Sirba, Hora und Briu auf Dorffesten, Hochzeiten sowie bei Geburten die Freude mit ihrem deftigen Schmiss zu untermalen und weiter anzutreiben.
Die zwar oft eingängigen Melodien wirken durch Umspielungen - zusätzlich von den Solisten eingeflochtene Töne oder vogelhafte Triller, etwa von Klarinette oder Trompete - noch hektischer als das angeschlagene Tempo es ohnehin vorgibt. Quirlige Trompetenphrasen untermalen das Pathos des Gesangs, und die stampfenden Balkanbeats der Perkussion laden ein zur ungezügelten Party. Die eigentlich simple Bassbegleitung durch meist dreitönige, sich ständig wiederholende Tubaphrasen wirkt durch den Nachschlag der Hörner noch antreibender und verschachtelter.
Doch die Gruppe ist längst nicht mehr nur auf dem Balkan zu Hause. Als Wandervolk kamen die Zigeuner mit vielen verschiedenen Musikstilen der Welt in Berührung, was sich auch bei der „Fanfare Ciocarlia" zeigt. Neben orientalischen Klängen hat die Gipsy-Band mittlerweile auch lateinamerikanische Rhythmen wie beim „Rumba tziganeasca" („Zigeuner-Rumba"), afro-kubanische Anleihen und Südstaaten-Jazz in sich aufgesogen und mit ihren Titeln vereint.
Traten einmal auch melancholisch-klagende Zwischenspiele auf, die man aus den ernsten Flamenco-Gesängen Andalusiens oder aus der Musik Persiens kennt, bäumten sich diese im nächsten Schritt trotzdem allmählich wieder zu einem jauchzenden Freudengewitter auf. Dass das Publikum die Euphorie der Rumänen teilte, zeigte sich nicht nur bei den Zugaben, bei denen die Musiker sich mit ihren Instrumenten in die tanzende Menge gesellten und durch den Saal marschierten, sondern auch noch im Foyer der Gallushalle mit einer Art Platzkonzert weitermachten.

Kommentare zum Beitrag

Marcel Schlosser
1.225
Marcel Schlosser aus Grünberg schrieb am 13.08.2009 um 22:58 Uhr
Dies war ein sehr gelungender Abend ;-)
Hallo Lieber Leser
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