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Wochenende und Sonnenschein unter historischer Markise

von Redaktion GZam 04.08.20091591 mal gelesen4 Kommentare
Grünberg | Es muss schon Liebe mit im Spiel sein, anders ist der Verzicht auf zeitgemäßen Camping-Komfort nicht zu erklären. Auf großes Interesse stieß die Einladung des Camping-Oldie-Clubs (COC), der am ersten August-Wochenende auf den Grünberger Campingplatz zum „Tag der offenen Wohnwagentür“ eingeladen hatte. Rund 32 Gespanne fanden sich am Spitzen Stein ein. Vom individuellen Ausbau in Eigenleistung, wie bei dem im Jahre 1958 gebauten Citroen HY-HZ, bis zur ausgetüftelten Serienausstattung der beliebten schwäbischen Eriba-Modelle ist alles dabei, was ein Camper-Herz erfreut.
„Raum ist in der kleinsten Hütte“, und je geschickter der Stauraum und die Multifunktionalität der Campingwagen, umso komfortabler gestalten sich die Reisen. In dieser Beziehung als unschlagbar erweist sich ein Klappwohnwagen, der in den 60er Jahren von der Firma Hartmann aus Warendorf produziert wurde. Nicht nur, dass er im Innersten jede Menge Stauraum bietet – der Clou der FaWoBo´s (Fahr-Wohn-Boote) ist das abnehmbare Dach, dass sich zum Boot umfunktionieren lässt. Wird das Dach zu Wasser gelassen, schützt eine Baumwoll-Zeltplane den Wohnwagen.
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Insgesamt wurden rund einhundert Modelle gebaut, von denen zur Zeit noch vier bis fünf Stück in Betrieb sind. Bedenkt man die für die damaligen Verhältnisse sehr hohen Anschaffungskosten von 6.580.00 D-Mark, dann stand man hier vor einem echten Luxusklasse-Modell.
Ebenso ausgefallen muteten einen die Modelle der Firma Austermann mit dem bezeichneten Namen „Knospe“ an. Dieses Gefährt wird nach der Fahrt auseinandergezogen und entfaltet erst dann seine volle Raumgröße. „Ein sehr kommunikativer Wagen“, wie einer seiner Besitzer in Grünberg den staunenden Zuschauern erklärte. Sobald man mit der „Knospe“ auf einem Campingplatz auftaucht ist man umringt von interessierten Menschen, die sich das System erklären lassen.
Spektakulär, silbrig glänzend und durch und durch amerikanisch glänzt der Airstream. Ein Wagen mit farbiger Innenraumgestaltung wie aus frühen Comic-Heften, der den amerikanischen Traum von Freiheit und Abenteuer perfekt verkörpert.
Liebevoll restauriert und möglichst original eingerichtet waren alle in Grünberg ausgestellten Modelle. Zum eingebauten Mobiliar gesellten sich dann oft noch alte Koffer-Radios, Lämpchen oder der dreistöckige Gebäck-Teller aus den 50er Jahren.
Die Gespräche die sich zwischen Besitzern
und Gästen entwickelten waren wie im richtigen Leben: Die Männer fachsimpelten über Motoren, Ersatzteile und Zugmaschinen und die Frauen guckten eher mal kritisch nach praktikablen Lösungen bei der Inneneinrichtung. Zum Beispiel die Frage nach dem familientauglichen Nachtlager, das erst durch Klappen, Ziehen oder Einhängen erstellt wird, wurde gerne erörtert.
Unabhängig vom Geschlecht jedoch rief die gesamte Anmutung der Wagen bei vielen Besuchern Kindheitserinnerungen wach: „Ahhh, die erste Italienreise!“ Fast konnte man meinen, Heinz Erhard höchstpersönlich sei auf der Rückbank mit zum Gardasee gefahren. Und immer wieder die Aussage: „Guck mal, das ging doch auch. Man braucht gar nicht so viel.“ Wie es halt so ist bei nostalgischen Rückblicken, es verklärt sich so manches. In der Praxis haben viele der überzeugten Oldie-Camper neben ihren liebevoll gepflegten und restaurierten Fahrzeugen noch ein modernes Modell in petto. Das wird dann eingetauscht wenn die Tage kürzer und die Nächte kühler werden. Eine moderne Heizung fördert dann doch die kuschelige Mobilität während des ganzen Jahres. Der Camping-Freund möchte schließlich in erster Linie reisen und die Welt kennen lernen.
Ein eindrucksvolles Zeugnis ausgiebiger Reisetätigkeit
war denn auch in Grünberg zu bewundern – der Tabbert Kornett de Lux aus dem Jahr 1968. Die Besitzer haben den Wagen nicht nur mit Aufklebern aus den besuchten Orten verziert, sondern zusätzlich komplette Reiserouten auf die Außenhaut gemalt. So präsentiert sich ein Stück sehr lebendiger Camping-Geschichte.
Mit dem Öffnen ihrer Wohnwagentüren haben die Mitglieder des Camping-Oldie-Clubs dankenswerter Weise weit mehr gezeigt als nur eine gut erhaltene Inneneinrichtung. Sie gaben den Besuchern einen tiefen Einblick in die Camper-Seele und deren Traditionen. Neben der Restaurierung und dem Erhalt der Oldtimer ist denn auch die Brauchtumspflege ein wichtiges Ziel des Vereins. Und das bedeutet in erster Linie geselliges Miteinander, ohne SAT-Schüssel und Internet-Anschluss.
Das hat auch Familie Becker überzeugt. Ursprünglich sind sie mit dem Verein in Kontakt getreten, um ihren alten Wohnwagen in liebevolle Hände abzugeben. Nachdem sie einige Vereinsmitglieder persönlich kennen und schätzen gelernt hatten, wurden sie kurzerhand Mitglied und sind nun mit ihrem Dethleffs Pirat aus dem Jahr 1963 in Grünberg angereist. „Bei uns sind alle Altersklassen und Berufe vertreten“, so Doris Becker, die das Treffen in Grünberg organisierte. Einzig die Camping-Oldtimer müssen mindestens 30 Jahre alt sein. Dabei spielt es keine Rolle, ob die aus Blech oder aus feinem Tuch sind. Zelte und Zubehör sind ebenso willkommen. Fünf regionale und ein internationales Treffen an wechselnden Orten gibt es in jedem Jahr.
Die übrige Zeit werden moderne Kommunikationsmittel genutzt, um miteinander in Kontakt zu bleiben. Das nächste Mal öffnen sich die Türen der COC-Oldtimer vom 28. August bis zum 6. September beim Caravan Salon in Düsseldorf. Wer sich nach der Besichtigung der neusten High-Tech-Modelle nach den Camping-Ursprüngen sehnt, der sollte sich dieses Angebot auf keinen Fall entgehen lassen.

 
 
 
 
 
 
 
 
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