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Grünberger Familie reist nach Tansania aus

Dorothea und Gerd Casper mit Frieda und Clemens aus Grünberg
Dorothea und Gerd Casper mit Frieda und Clemens aus Grünberg
Grünberg | Eine vierköpfige Familie geht ab August ganz neue Wege. Dorothea und Gerd Casper mit ihren beiden Kindern Frieda und Clemens reisen nach Tansania aus. Oleander Splonkenberg hat mit Gerd Casper gesprochen.

OS: Herr Casper, was treibt Sie nach Afrika? Gefällt es Ihnen hier in Grünberg nicht?

Casper: Oh, doch, ich mag Grünberg. Wir leben gerne hier, und meine Frau ist ja hier auch aufgewachsen. Aber ich bin sicher, dass Tansania uns auch gefallen wird.

OS: Waren Sie denn schon mal dort?

Casper: In Tansania noch nicht. Aber in Afrika. Meine Frau und ich haben unsere Hochzeitsreise 2001 nach Afrika gemacht. Wir wohnten damals in Köln und sind von dort aus mit Fahrrädern bis nach West-Afrika in den Senegal gefahren. Wir haben über 5000km auf dem Sattel hinter uns gebracht.

OS: Das scheint mir schon recht abenteuerlich zu sein. Wie kommt es, dass Sie jetzt Ihrem Heimatland komplett den Rücken kehren?

Casper: Wir haben damals im Senegal durch Zufall christliche Missionare kennengelernt. Wir bekamen einen guten Einblick in die Missionsarbeit vor Ort. Mit ganz verschiedenen Ansätzen, von verschiedenen Organisationen aus verschiedenen Ländern. Und da haben wir beide recht schnell gemerkt, dass eine solche Arbeit auch etwas für uns sein könnte. Aber wir werden sicherlich nach einigen Jahren auch mal wieder zurück kommen.

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OS: Sind Sie Christ?

Casper: Ja.

OS: Was genau werden Sie in Tansania machen? Gehen Sie als Missionare dort hin?

Casper: Wenn man so will ja. Ich werde in einem christlichen Buchverlag in der Hauptstadt Tansanias, in Dodoma, arbeiten. Mein erster Beruf ist Druckvorlagenhersteller. Wir werden aber auch in den Gemeinden vor Ort mitarbeiten. Ich habe ein vierjähriges Theologiestudium hinter mir, was mir da sicherlich zu Gute kommen wird. Und wir möchten zu den Menschen gehen, die am Rande der Gesellschaft leben. Da geht es uns ganz klar um Beziehungen. Diesen Menschen wollen wir mit verschiedenen Projekten neue Hoffnung und neuen Mut vermitteln. Hier kann Doro ihren Beruf als Sozialpädagogin sicher gut einbringen. Wie diese Projekte konkret aussehen, werden wir erst sagen können, wenn wir die Menschen, ihre Lebensumstände, Erfahrungen und Nöte kennen gelernt haben.

OS: Meinen Sie denn, dass es überhaupt noch zeitgemäß ist, als Missionar in Übersee zu arbeiten? Ist dieses Konzept nicht etwas überholt?

Casper: Wie könnte es? Ich bin überzeugt davon, dass Mission ein ganz wesentlicher Bestandteil des christlichen Glaubens ist. Mag sein, dass es viele Leute gibt, die das als unzeitgemäß betrachten. Aber das spielt für mich keine Rolle. Im Grunde ist doch auch hier zu Lande jeder kirchliche Mitarbeiter in einer Mission unterwegs. Und wir gehen halt nach Tansania. Für mich gibt es da so gesehen keinen Unterschied. Wir wollen ja nicht eine westliche Kirche nach Afrika exportieren, sondern den Menschen unseren Glauben weiter geben. Ich finde, dass eine christliche Gemeinde in Afrika sehr anders sein darf als hier. Afrikanisch eben. Wir wollen niemandem etwas aufdrücken, aber wir wollen von unserem Glauben, von unserer Hoffnung und von der Liebe Gottes erzählen.

OS: Ist es nicht gefährlich, als Missionar in Tansania zu arbeiten? Ich habe gehört, dass dort ein Drittel der Bevölkerung Moslems sind, und dass auch ein ehemaliger Guantanamo-Häftling, der für terroristische Anschläge verantwortlich sein soll, aus Tansania kommt.

Casper: Von einem tansanischen Terroristen weiß ich nichts, und in den Medien liest man nichts negatives über das Land. Tansania ist ein demokratisches Land und dort herrscht Religionsfreiheit wie hier. Es stimmt: etwa ein Drittel der Bevölkerung sind Muslime. Ein weiteres Drittel sind Christen und das letzte Drittel machen die sogenannten Naturreligionen aus.

OS: Wie lebt es sich denn in Tansania? Können Sie das schon sagen?

Casper: Wir waren zwar noch nicht da, aber wir haben uns natürlich schon viel mit dem Land auseinandergesetzt. Es ist sehr anders als hier. Ungefähr die Hälfte aller Menschen dort sind unter 15 Jahre alt. Man lebt auf sehr viel niedrigerem Niveau. Fließend Wasser gibt es in ländlichen Gegenden praktisch nicht. Weit über die Hälfte der Menschen müssen weiter als eine viertel Stunde bis zu einer Wasserstelle laufen. Es gibt keine gute ärztliche Versorgung. In Tansania kommt ein Arzt auf 33.000 Menschen. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 48 Jahren. Das bedeutet, dass man hier in Deutschland im Schnitt ganze 30 Jahre länger lebt. Aids ist ein großes Problem. Etwa jeder zehnte Mensch ist HIV-Positiv. Doch es ist nicht leicht mit dem Menschen darüber zu reden, weil Aids ein Tabuthema ist. Man redet nicht drüber.

OS: Macht Ihnen das alles keine Sorgen? Wie werden Sie denn als Familie dort leben?

Casper: In Dodoma werden wir auf dem Gelände wohnen, auf dem sich auch der Buchverlag befindet. Mein Büro habe ich dann gleich um die Ecke. Wir haben fließendes Wasser im Haus, und in der Stadt ärztliche Versorgung. Wir werden es nicht schlecht haben.

OS: Sie sagten, dass sie sich schon eine weile darauf vorbereiten. Sprechen sie denn schon die Sprache?

Casper: Nein, noch nicht. Wir lernen zwar schon ein paar Vokabeln Suaheli, aber eine richtige Einführung in die Sprache bekommen wir dann vor Ort. Ansonsten haben wir uns viel damit beschäftigt, was es heißt, in einer völlig fremden Kultur zu leben, und wir haben uns mit solchen Themen wie Stressbewältigung beschäftigt.

OS: Ihre Frau macht das alles mit?

Casper: Na klar. Wir sind uns einig.

OS: Und die Kinder?

Casper: Frieda ist jetzt fünf Jahre alt und Clemens drei. Wir bereiten sie so gut es geht darauf vor. Wir reden mit ihnen darüber, zeigen Bilder von Afrika und den Menschen dort. Außerdem erzählen uns andere Missionare, dass Kinder viel schneller in eine fremde Kultur hineinfinden und auch viel schneller eine fremde Sprache lernen als Erwachsene. In der Stadt gibt es eine internationale Schule, wo sie dann hingehen werden, wenn es soweit ist.

OS: Und die Kakerlaken?

Casper: (lacht) An die werden wir uns gewöhnen müssen.

OS: Wann geht es los?

Casper: Am 26. August fliegen wir von Frankfurt ab.

OS: Ich danke ihnen für das Gespräch und wünsche ihnen viel Ruhe und Gelassenheit für ihren künftigen Schritt.

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Kommentare zum Beitrag

Hermann Menger
2.313
Hermann Menger aus Gießen schrieb am 19.07.2009 um 18:28 Uhr
Schönes Interview!
Da kann man nur sagen: Gottes Segen für den Missionseinsatz in Tansania!
Udo Mueller
63
Udo Mueller aus Reiskirchen schrieb am 19.07.2009 um 18:34 Uhr
Sehr mutig, aber man kann es ja niemandem verdenken.Sicher ist nicht alles schlecht in Deutschland, aber woanders kann es sich auch gut leben.
Wünsche euch allen eine gute Zeit, und viel Glück.....
Ullrich Drechsel
1.732
Ullrich Drechsel aus Gießen schrieb am 08.08.2009 um 11:23 Uhr
Ein wenig verspätet, aber nicht minder herzlich: Welcome to Africa! und Gottes Segen für Euren Dienst. Elli und Ulli Drechsel aus Yei, Süd Sudan
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Oleander Splonkenberg

von:  Oleander Splonkenberg

offline
Interessensgebiet: Grünberg
Oleander Splonkenberg
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