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Warum Außerirdische schlechte Laune haben

von Redaktion GZam 23.06.20098738 mal gelesen1 Kommentar
Lesch unterwegs auf dem Zeitstrahl.
Lesch unterwegs auf dem Zeitstrahl.
Grünberg | Es war der Kabarettist Matthias Beltz, der vor vielen Jahren bei seinem Auftritt im Grünberger Barfüßer-Kloster die Frage formulierte: „Wo kommen wir her und vor allem, warum sind wir nicht da geblieben?“ Der Münchner Astrophysiker Professor Harald Lesch läutete das uralte Menschheitsthema am vergangenen Samstag auf ähnlich humorige Weise ein: „Man kommt in eine Welt die man nicht versteht. Ein Problem, dass jeder Oberhesse kennt.“ Und um die Welt für die Oberhessen ein wenig verständlicher zu machen, hatte die Kreissparkasse Grünberg anlässlich ihres 175-jährigen Bestehens den populären Wissenschaftler in die Gallushalle eingeladen.

Der genoss sichtlich seinen Auftritt in heimischen Gefilden, denn geboren ist der, mit vielen Preisen ausgezeichnete, Physiker nämlich in Mücke-Nieder-Ohmen. Nach dem Abitur, 1978 an der Theo-Koch-Schule in Grünberg, ging er zum Physikstudium an die Justus-Liebig-Universität in Gießen. Später wechselte er nach Bonn an die Rheinische-Friedrich-Wilhelms Universität und promovierte 1987 am dortigen Max-Planck Institut. Seit 1995 ist Lesch als Professor für theoretische Astrophysik an der Ludwig-Maximilians-Universität in München tätig.

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Zu seinen Fachgebieten zählen die kosmische Plasmaphysik, schwarze Löcher und Neutronensterne. Und davon erzählt er mit so großer Begeisterung und solch hohem Unterhaltungswert, dass es mittlerweile sogar den ersten offiziellen Harald-Lesch-Fan-Club gibt. Bekannt wurde der Professor einer ständig wachsenden Fangemeinde durch diverse Fernsehauftritte. Seit 1998 moderiert er mit großem Erfolg verschiedene Wissenschaftssendungen auf Bayern Alpha. Im September 2008 übernahm er als Nachfolger von Joachim Bublath das populäre ZDF-Wissenschaftsmagazin „Abenteuer Forschung“. Seine zunehmende Beliebtheit verdankt Lesch dem Talent, kosmologische Zusammenhänge locker und verständlich rüberzubringen.

Ausgehend davon, dass „wir das Universum nicht erklären, sondern nur beschreiben können“, widmete sich Lesch dieser Aufgabe am Samstag Abend mit großer Hingabe. Unter dem Titel „Das Geheimnis des Anfangs" lud er sein Publikum zur Mitmach-Show ein. Und mitmachen, beziehungsweise mitdenken war auch angesagt. Die sehr lebhafte, unterhaltsame Vortragsform täuschte nicht über die Schnelligkeit und Komplexität von Leschs Gedankenwelt hinweg. Um ihm - vor allem in seinen vielen Abschweifungen
Im Großen …
Im Großen …
- folgen zu können, brauchte es schon ein fixes Gehirn und erhöhte Aufmerksamkeit. Wer zwischendurch doch mal den Faden verlor, der amüsierte sich bis zum Wiedereinstieg ins Thema über den geradezu kabarettistischen Vortragsstil des sympathischen Professors.

Um die Vorgänge unseres Ursprungs möglichst anschaulich zu präsentieren nutzte Lesch den kompletten Bühnenraum aus. Er pendelte sowohl gedanklich, als auch in seiner Performance, auf einem imaginären Zeitstrahl durch die verschiedenen Stationen der Entwicklungsgeschichte.

Der Physiker, der als Schüler langweilige Unterrichtsstunden mit dem Lesen von Perry- Rhodan-Heftchen überbrückte, unterbricht seine Ausführungen über das Zusammenspiel der Kräfte immer wieder durch kleine Randnotizen. So sinniert er zum Beispiel über die mögliche desolate Gemütsverfassung Außerirdischer: Die miese Laune sei darin begründet, dass im Universum das pure Nichts, sozusagen die komplette kosmische Langeweile vorherrsche. Deswegen sei auch die Idee vieler Science-Fiction-Romane über Reisen durchs Universum völliger Unsinn. Welchen Gewinn soll es bringen, fünfzig Jahre im Nichts unterwegs zu sein? Bedenke man dann noch den Zeitfaktor, dann ist „die Laune des Außerirdischen grundsätzlich schlecht, weil ihn niemand mehr kennt wenn er zurück kommt.“ Der Umkehrschluss, dass all diejenigen die mit schlechter Laune unterwegs sind zu den Außerirdischen zählen, ging im Gelächter des Publikums unter.

… und im Kleinen.
… und im Kleinen.
Bei einem solchermaßen durch Kalauer und flott erzählte Anekdoten gespickten Vortrag verging die Zeit vom Urknall bis ins Hier und Heute wie im Flug und nach gut einer Stunde applaudierten rund 300 begeisterte Zuhörer in der proppevollen Gallushalle. Während das Universum sicherlich noch viele Geheimnisse birgt, ist der Erfolg von Lesch für seine Fans längst kein Geheimnis mehr. So schön unterhaltsam und verständlich werden komplexe Sachverhalte sonst nur noch in der Sendung mit der Maus präsentiert. Lesch liefert sozusagen „Lach- und Sachgeschichten“ für Erwachsene auf höchstem Niveau. Oder wie „Die Zeit“ in einem Artikel über ihn schrieb: „er wirkt ein bisschen wie Lehrer Bommel aus der ‘Feuerzangenbowle’, der die ‘Dampfmaschin’ erklärt“.

Klar, dass der Physiker in Grünberg außerdem noch den Heimvorteil genoss. Neben seinen Eltern waren etliche ehemaligen Lehrer, Mitschüler und Freunde im Publikum, die „ihren Harald“ mal live auf der Bühne erleben wollten.

Die Eintrittsgelder kamen dem Diakonischen Werk in Grünberg zu Gute. Gemeinsam mit dem Leiter der Sparkasse überreichte Lesch einen Scheck in Höhe von 2.175 Euro an die Leiterin der Beratungsstelle, Bettina Wege-Lemp.

Lesch unterwegs auf dem Zeitstrahl.
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Im Großen …
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… und im Kleinen.
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Kommentare zum Beitrag

Simone Linne
5.041
Simone Linne aus Gießen schrieb am 24.06.2009 um 19:58 Uhr
Der ganze Beitrag klingt auch schon so, gell?
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