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Soviel Glück muss erst mal einer aushalten!

das Erste Allgemeine Babenhäuser Pfarrer-Kabarett
das Erste Allgemeine Babenhäuser Pfarrer-Kabarett
Grünberg | „Da ist doch was schiefgegangen! Dreißig Jahre verheiratet und immer noch glücklich!“ Wenn das mal kein Fall für die Teilnahme am Stuhlkreis der anonymen Glückspinsel ist – einer Selbsthilfegruppe für Menschen mit Glücksüberschuss. Der Deutsche scheint nämlich keine Freude am Glück zu haben, „er bringt lieber sein Leben hinter sich“. Alles andere ist ihm verdächtig oder schlimmstenfalls sogar pathologisch.

In ihrem neusten Programm „Schlange stehen im Paradies“ nimmt das Erste Allgemeine Babenhäuser Pfarrer-Kabarett deutsche Befindlichkeiten aufs Korn. Dazu gehören auch die Lust an der Katastrophe und der ewige Hang zum Jammern. Glaubt man den beiden (zur Zeit beurlaubten) Pfarrern Hans-Joachim Greifenstein und Claro Herrmann, dann gibt es für den Deutschen im Urlaub kein schöneres Erlebnis als die Fotosafari inmitten einer echten Naturkatastrophe. Nur noch zu toppen durch die Videoaufnahmen desjenigen, der als Geisel einer Entführung durch Piraten beiwohnte. Ärgerlich so etwas! Da wäre man auch gerne dabei gewesen.

Es ist bereits das siebte Programm mit dem die beiden Theologen ihr Publikum bestens unterhalten.
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Seit 1997 babbeln die zwei in breitestem Südhessisch über Gott und die Welt und sprechen aus, was sich der eine oder andere im Publikum auch schon des öfteren gedacht hat. Zum Beispiel die Möglichkeit, dass früher vielleicht nicht alles besser, aber zumindest überschaubarer war. Hatte das Telefon doch noch eine Schnur und war, fest an der Wand installiert, so wenigstens jederzeit auffindbar. Die Multifunktionalität technischer Geräte und die damit verbundenen Irrungen und Wirrungen im Alltag sind ein reichhaltiger Fundus. Und es kommt gut an, schließlich haben alle im Publikum so ihre Erfahrungen damit. Werden die Schilderungen gleichzeitig mit der Absurdität der Marketingsprache verknüpft und so aus einem „Alten Sack“ ein „Best Ager“ gemacht, dann sind die Lacher garantiert.

Pointenreich folgte in der Grünberger Gallus-Halle ein Gag nach dem anderen. Eingeladen zu diesem vergnüglichen Abend hatte die Kreis-Sparkasse Grünberg, die anlässlich ihres 175jährigen Jubiläums in diesem Jahr mit einer Reihe von Veranstaltungen aufwartet. Gemeinsam mit dem Barfüßer Förderkreis Kultur hatte die Sparkasse die beiden Pfarrer auf die Bühne gebeten.

In einem satirischen Rundumschlag umriss das Kabarettisten-Duo bewährte Themen
das Erste Allgemeine Babenhäuser Pfarrer-Kabarett
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aus dem religiösen und weltlichen Dasein. Die Verständigung zwischen Mann und Frau „Sie sprechen zwar die gleiche Sprache, benutzen sie aber unterschiedlich“ war ebenso Thema wie „die Todsünden-Flatrate für Gläubige die es mal richtig krachen lassen wollen“.

Der rote Faden des Programms, nämlich die diffuse Sehnsucht des Menschen nach dem Paradies, ging zwar ab und an verloren, aber das machte weiter nichts. Die Absurditäten des Alltags und die Glücksversprechen der Werbung wurden gnadenlos vorgeführt und entlarvt. Was uns Marketingstrategen gerne als Paradies verkaufen stellte sich bei kabarettistisch-theologischer Betrachtung schnell als ziemlich teuflische Angelegenheit heraus. Hat doch alles seinen Preis und der scheint die zunehmende Verblödung unserer Gesellschaft zu sein. Mit dieser Ansicht stehen die beiden nicht alleine da. Fühlte man sich im Laufe des Abends immer wieder mal stark an Robert Griesbecks Buch „Grauen des Alltags“ erinnert.

Die beiden Pfarrer verzichteten komplett auf den erhobenen Zeigefinger und gingen gleich zu Beginn voll auf die Lachmuskeln ihres Publikums los. So manche Pointe schien zwar allzu naheliegend, aber die Besucher in der ausverkauften Halle waren amüsierwütig und hatten ihren Spaß. Nach der Pause agierten die Theologen dann etwas bissiger und politischer.

das Erste Allgemeine Babenhäuser Pfarrer-Kabarett
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Auf der Bühne stehen zwei sehr unterschiedliche Typen die abwechselnd im Duo und als Solisten auftreten. Die Rollenverteilung ist eindeutig: Hans-Joachim Greifenstein verkörpert den Choleriker. Obwohl sein Mantra lautete: „Bevor isch misch uffrech isses mir lieber egal“, fuchtelt er sich aufgeregt durchs Programm und seine Stimme driftet ab und an in schmerzhafte Tonlagen ab. Clajo Herrmann spielt den Typ „Schluffi“, mit Persönlichkeitsmerkmalen, die ihren Ursprung in den siebziger Jahren vermuten lassen. Träge und mit trockenem Humor ausgestattet sinniert er entspannt vor sich hin, bis er plötzlich – welch ein Glück – wunderbar böse wird.

Beide kommen sie urhessisch rüber und reihen sich ohne Abstriche in die Kabarettisten-Riege mit Dieter Thomas vom Frankfurter Fronttheater, dem Duo Badesalz und dem leider viel zu früh verstorbenen Matthias Beltz ein. Irgendwie schade, dass sie Urlaub vom Pfarrerdasein genommen haben. Klar, die Kanzel ist keine Kabarett-Bühne, aber Lachen und gute Laune haben schließlich noch niemandem geschadet.

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