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Abschlusskonzert des diesjährigen Villmarer Orgelsommers

Grünberg | Villmar (lq). Am vergangenen Sonntag, 21.07.2019, fand das Abschlusskonzert des Villmarer Orgelsommers 2019 in der Kirche St. Peter und Paul statt. Zur Aufführung gelangte der Werkzyklus „Esquisses Byzantines“ (Byzantinische Skizzen) des französischen impressionistisch stark geprägten Komponisten Henri Mulet (1978 -1967), die er der Kirche Sacré-Cœur de Montmartre gewidmet hat. Er war im Umfeld der von 1875 bis 1915 erbauten und 1919 geweihten Kirche im Stadtteil Montmartre (Berg der Märtyrer) geboren, der seinen Namen nach dem im 3. Jahrhundert als Märtyrer gestorbenen Heiligen Dionysius erhalten hat. Henri Mulet war dieser Kirche besonders verbunden, zumal er Zeitzeuge ihrer Erbauung gewesen ist. Ihr Architekt Paul Abade hat damals beim Entwurf seiner Vorliebe zur byzantinischen Kuppelarchitektur Ausdruck gegeben. Sicher wurde der Komponist durch diese Kirche in den schweren Jahren des ersten Weltkriegs und der Nachkriegszeit zu dieser Komposition besonders inspiriert. Weitere Einzelheiten zu Werk und Komponist sind dem sehr gut gemachten Programmheft zu entnehmen. Hier soll nur versucht werden, das Konzert selbst zu würdigen. Der allgemeinen Verständlichkeit willen werden die Stücke nur in der deutschen Übersetzung bezeichnet.

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Als Organist an der Villmarer Klais-Orgel, die in dem ersten Orgelprospekt von Johann Christian Köhler aus dem Jahr 1755 eingebaut ist, wirkte der in Wiesbaden geborene Michael Harry Poths aus Haintchen, der sich inzwischen auch im heimischen Raum als hauptberuflicher Musiker und Chorleiter einen Namen gemacht hat und bekannt geworden ist. Auch hier sei auf das Programmheft verwiesen. Er hat den zehnteiligen Werkzyklus „Byzantinische Skizzen“ des Pariser Komponisten ausgewählt und zu Gehör gebracht, der Henri Mulet baulichen und liturgischen Gegebenheiten der Kirche „Sacré-Cœur de Montmartre“ gewidmet hat.

Die auch in Bezug auf die Registrierung sehr sauber und einfühlsam intonierten zehn Teile des Zyklus´ wurden vom Organisten an die Orgel, den Kirchenraum und dessen Akustik abgestimmt. Daher kam der Charakter der einzelnen Stücke in ihrer Verschiedenheit sehr gut zur Geltung. Hier die einzelnen Stücke:

„Kirchenschiff“ Das Grummeln der Pedalregister ging über in einen strahlenden Klang, steigerte sich furios und endete in einem zarten Schlussakkord. Wenn man die Augen schloss, konnte man sich in die Kirche versetzt fühlen.

„Kirchenfenster“ Das zweite Stück beschreibt die Kirchenfenster, wobei das Krummhorn Melodie führend ist.

„Rosette“ Die musikalische Beschreibung beginnt mit einer lieblichen Melodie, nach einer aufbegehrenden Steigerung endet sie mit einem zarten Dur-Schlussakkord.

„Kapelle der Toten“ Dunkle Moll-Akkorde stimmten auf den Besuch der Totenkapelle ein und mündeten in angenehmer Lautstärke wieder in einen Moll-Schlussakkord.

„Glockenturm“ Liegende Pedaltöne wurden unterbrochen von Choralteilen und lenkten quasi den Blick nach oben. Das Stück ließ einzelne Glockentöne erahnen und hören.

„Prozession“ Dieses Stück ist die musikalische Beschreibung und befasst sich mit dem Leben in der Kirche und der Liturgie des Gotteshauses und bildet den ersten Höhepunkt. Es lässt den Prunk aufblitzen. Selbst das volle Orgelwerk erklang, ohne das Auditorium „zu erschlagen“. Die musikalische Beschreibung endete mit einer langen verspielt wirkenden Coda.

„Begräbnisgesang“ Das „näselnde“ Krummhorn führt die Melodie und begleitet das ständig sich wiederholende Thema und gibt so der Trauer bei einem Begräbnis Ausdruck.

„Weihnachtslied“ Es begann mit der ruhigen Beschreibung in Moll, nach Echo-Einschüben im zweiten Teil übernahm das Cornett im Dur-Klang und endete in einem zarten Akkord.

„Ins Paradies“ Das Stück gibt der tiefen menschlichen Sehnsucht nach einem himmlischen Leben nach dem Tod Ausdruck.

„Du bist der Fels, und die Pforten der Hölle können nichts gegen dich ausrichten“

Das letzte Stück ist eine Toccata in der Form eines Glockenspiels (Carillon) und bildet den Höhepunkt des Zyklus´. Es wurde vom Organisten mit all seinem Können umgesetzt. Wer von ihm schon einmal die Toccata der Orgelsymphonie Nr. 5 von Charles Marie Widor hat hören können, konnte auch hier die Spielfreude des Organisten förmlich spüren, die er im Ausführen des letzten Stücks hat aufblitzen lassen. Das Stück begann im ersten Teil mit schnellem Vortrag ohne Pedaltöne, die erst im zweiten Teil dazu kamen. Es endete furios. Langanhaltender Applaus eines dankbaren Publikums war das Ergebnis. Als Zugabe gab Michael Harry Poths mit dem Präludium und Fuge in A-Moll von Johann Sebastian Bach eine weitere Kostprobe seines musikalischen Könnens.

Als Resümee bleibt festzuhalten, dass dieses Orgelkonzert, das mit Zugabe etwas über eine Stunde dauerte, ein hervorragend gesetzter brillanter Schlusspunkt des diesjährigen Villmarer Orgelsommers gewesen ist. Der Besuch des Konzerts hat gezeigt, dass Qualität geschätzt wird. Die Besucher waren sehr diszipliniert; kein Telefonklingeln, kein störendes Geräusch hat das Auditorium behelligt. Dies Konzert hätte allerdings noch ein paar mehr Besucher vertragen.

 
 
 

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