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Nachmittag mit Theo Koch

Grünberg | Bei strahlendem Sonnenschein versammelten sich am Sonntag 30 Personen, um am „Nachmittag mit Theo Koch“ teilzunehmen. Unter diesem Motto stand das Programm, das vom Museum im Spital Grünberg als Beitrag zum hessenweiten Tag für die Literatur am 10. Mai angeboten wurde. Die Veranstaltungsreihe, die von hr2-kultur ins Leben gerufen wurde, ist Teil des Projekts „Literaturland Hessen“ mit dem hr2-kultur, das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst, der Hessische Literaturrat und weitere Partner seit 2004 die einzigartige Literaturtradition des Landes Hessen erschließen.
Hessenweit nahmen neben Grünberg 70 Städte und Gemeinden am Programm teil, die ihre Besucher in 200 unterschiedlichen Veranstaltungen in Dichterhäuser, Bibliotheken, auf Stadtrundgänge und in Museen gebeten haben.
In der Gallusstadt stand der Nachmittag, ein Spaziergang mit Lesungen, ganz im Worte Theo Kochs, des berühmten Sohnes der Stadt, der in seiner Schaffenszeit als Wissenschaftler von 1898 – 1924 zahlreiche Publikationen zum Thema Indianer in Südamerika vorgelegt hat.
Karin Bautz, die Museumsleiterin, konnte für den Stadtspaziergang
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mit Lesungen eine Reihe von Mitwirkenden gewinnen. Zum Auftakt las Ursula Koch, die jüngste Tochter der vier Kinder von Theodor und Elsa Koch-Grünberg, Passagen aus dem Aufsatz, den ihr Vater Theo anlässlich der 700-Jahrfeier der Stadt Grünberg für die Festschrift des Grünberger Anzeigers im Jahr 1922 verfasst hatte. „Indianer“ und Indianer, so hatte der Grünberger Forschungsreisende seinen Aufsatz benannt in dem er sich an recht wilde Indianerspiele mit den Freunden in Grünberg erinnert. In einer weiteren Passage, die von der ehemals auch in Grünberg tätigen Lehrerin vorgetragen wurde, beschreibt der Wissenschaftler sehr anschaulich, wie die Häuser der Indianer aussehen, welche Baustoffe und Materialien Verwendung finden und wie man sich das Zusammenleben der 20-70-köpfigen Hausgemeinschaft vorzustellen hat.
Nach dieser Einführung machte sich die Gruppe auf den Weg und passierte verschiedene Orte, an denen es zu erzählen und zu erinnern gab an den vielseitigen Theo Koch: in dem Haus in der Neustadt 42 ist der Pfarrerssohn geboren und aufgewachsen. Hier erzählte Ursula Koch, wie der Vater Karl seinen Sohn finanziell unterstützte, als er nach Abschluss seiner Ausbildung als Lehrer eine neue Richtung einschlug und zu Beginn als noch unbezahlter „Wissenschaftlicher Hülfsarbeiter“ am damaligen Museum für Völkerkunde in Berlin die materielle Unterstützung aus dem Elternhaus benötigte.
In der Rabegasse warf die Gruppe einen Blick auf den Backsteinbau der ehemaligen Bürgerschule, an der Theo Koch für wenige Monate als Lehrer und Schulleiter tätig war. Am Marktplatz erinnerte man an Freunde und Weggefährten, die teils auf den Reproduktionen der historischen Fotos in der Ausstellung im Museum zu sehen sind. Bei einem Zwischenstopp am Fuß des Diebsturmes wurde an das große Können des zukünftigen Expeditionsfotografen erinnert, der bei seinen ersten Fotoversuchen auch Motive vom Diebsturm aus wählte.
Der weitere Spaziergang führte in die Marktgasse, wo ehemals Druckerei und Verlag des Grünberger Anzeigers residierte. Heute hat im Haus der ehemaligen Druckerei Robert die Buchhandlung Reinhard ihre Verkaufsräume. Friedrich Reinhard war gerne bereit, die Aktivitäten für den Literaturtag zu unterstützen und hat mit Unterstützung aus dem Museum eine Schaufenstergestaltung präsentiert, die für viel Bewunderung gesorgt hat.
Auf dem Winterplatz angekommen, erzählte Ursula Koch von einer der Jugendsünden Theo Kochs, die in Verbindung steht mit dem historischen Löwenbrunnen.
Die Stadtbibliothek und ihre Leiterin Ute Adomat erwartete die Besucher zu einem zweiten Lesestopp.
Ute Adomat las aus dem Jugendbuch „Am Roroima - Bei meinen Freunden, den Indianern vom rosigen Fels“ vor. Mit der gekürzten Neuausgabe des 1917 von Theodor Koch-Grünberg publizierten Band I der Werke „Vom Roroima zum Orinoco“ wandte sich Theo Kochs Witwe Elsa 1934 speziell an jugendliche Leser. Dieser Band wurde im Leipziger Brockhaus Verlag in verschiedenen Auflagen in den 50-er Jahren herausgegeben.
Ute Adomat präsentierte ihren Zuhörern Passagen, in denen Theodor Koch-Grünberg den manchmal recht ereignisarmen Alltag eines Forschertages am Amazonas recht unterhaltsam schilderte. Ein weiterer Textauszug widmete sich dem Ablauf einer Zeremonie eines Heilers oder Zauberdoktors, wie es in den Aufzeichnungen Theodor Koch-Grünbergs heißt. Diese Passagen wurden klanglich untermalt von den Gesängen eines „Zauberdoktors“, die Koch-Grünberg als Walzenaufnahme nach Deutschland mitgebracht hatte.
Die Führung zum Gedenkstein ins Brunnental übernahmen nun zwei Schülerinnen der 11. Klasse der Theo-Koch-Schule: Sinah Friedrich und Laura Ruckelshaußen hatten für den dritten Lesestopp zwei Mythen aus der Sammlung „Indianermärchen aus Südamerika“, die erstmals von Koch-Grünberg 1920 herausgegeben wurden, ausgewählt. Die Erzählungen von ‚Arawanili, dem ersten Zauberarzt’ und ‚Von dem Regenbogen Opito’ waren eine gelungene Ergänzung zu den bereits gehörten Texten.
Über den Zugang zum Alten Friedhof erreichten die Spaziergänger aus dem Brunnental nach einem abwechslungsreichen Nachmittag den Ausgangspunkt, das Museum im Spital.

 
 

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