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Langjährige Camper in Grünberg geehrt

Grünberg | „Zelten zählt nicht“, klärt das Ehepaar Krause die Nichteingeweihten kurz vor der Feierlichkeit auf. Am Samstag fand auf dem Campingplatz „Spitzer Stein“ in Grünberg die alljährliche Ehrung der Dauer-Gäste statt. Und da zählen eben nur die Jahre, die auf einem der Dauercampingplätze im Wohnwagen verbracht wurden. In diesem Jahr waren es acht Familien die sich zu einem Sektempfang trafen. Bürgermeister Frank Ide gratulierte zu 25-und zu 30-jährigem Camperjubiläum. Als kleines Geschenk erhielten die Gäste eine Urkunde, einen Blumenstrauß und einen Wandteller mit Wappen und Eindruck.
In seiner Ansprache dankte Ide den Dauercampern für ihre Treue und wünschte ihnen für die Zukunft vor allem Gesundheit. Fortschreitendes Alter und die damit verbundenen gesundheitlichen Probleme sind es nämlich, weshalb die Gäste ihren Platz irgendwann aufgeben müssen. Gleichwohl habe man an dieser Stelle auch schon 40- oder gar 50. Jubiläen gefeiert.
Der Bürgermeister ging in seiner Rede noch kurz auf die Modernisierung der Schwimmbadtechnik und auf die Renovierung der Sanitärgebäude ein. Ide rechnet in den nächsten zwei Wochen
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mit der Schwimmbad-Eröffnung. Die Benutzung ist für die Dauergäste frei. Insgesamt seien 300.000 Euro in die Renovierungsmaßnahmen geflossen. Die Erneuerung der Duschen im Sanitärtrakt habe auch zur Folge, dass der Gebrauch von Duschmarken in Zukunft passé ist. Eine Neuerung, die von den Dauer-Gästen mit Freude aufgenommen wurde. Entfallen so doch endlich das lästige Marken-Sammeln und zusätzliche Kosten.
Der städtische Campingplatz verfügt über 300 Dauerplätze und über 70 Durchgangsstellplätze. Gab es für die Dauerplätze in den 80er Jahren noch Wartelisten, so zeigen sich heute immer mehr Lücken. Es sind längst nicht mehr alle Plätze vergeben. Wie Sabine Möbus von der Stadtverwaltung im Gespräch erläuterte, liege dies auch an dem veränderten Freizeitverhalten. Finanzielle Belastungen von Familien oder zusätzliche Wochenend-Jobs schränkten die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung erheblich ein. Die starke Zunahme von Wohnmobilen in den vergangenen Jahren führte ebenfalls zu einer Verhaltensänderung innerhalb der Camper-Gemeinde. Wohnmobilisten sind mehr unterwegs und haben kein Interesse an einem festen Stellplatz.
Dennoch gibt es noch Plätze, die innerhalb der Familie weitergegeben werden. Da kommen die Kinder mit, setzen als Jugendliche aus, um dann später wieder mit ihren eigenen Kindern den Platz zu nutzen. Sabine Möbus hält Samstags am Spitzen Stein ihre „Sprechstunde“ ab. Dann ist sie Anlaufstelle für Sorgen, Nöte und Verwaltungsangelegenheiten. „So manches lässt sich vor Ort viel besser regeln als im Rathaus. Dort ist die Atmosphäre gleich so amtlich.“ Die Gemeinde der Dauercamper ist fast wie ein eigener Stadtteil von Grünberg.
Nach dem offiziellen Teil der Ehrung saßen die Gäste noch eine ganze Weile zusammen. Der südhessische Zungenschlag war unüberhörbar, kommen doch die meisten Gäste aus dem Frankfurter Umland. Früher kamen auch Dauercamper aus dem Ruhrgebiet oder aus den Niederlanden. Das ist heute eher die Ausnahme. „Von Frankfurt ist man schnell hier. Und wenn´s mal zu laut wird, fährt man halt wieder nach Hause.“ Da ist schon rauszuhören, was die Camper an Grünberg schätzen und an welcher Stelle sich auch mögliches Konfliktpotential verbirgt. In den großen Städten, wie zum Beispiel in Frankfurt, haben sich die Dauercamper als Wochenendheimfahrer auf dem Platz eingemietet. Meist sind es Handwerker, die als Subunternehmer ihre Aufträge abwickeln, oder Monteure die auf Großbaustellen eingesetzt werden. Anders in kleineren Städten wie Grünberg. Hier treffen sich diejenigen, die am Rande des Vogelsberges Ruhe und Erholung suchen. Da gibt es dann schon mal Unmut über die Fete von Jugendgruppen oder über den Disko-Abend am nahegelegenen Sportplatz.
Am ausgeprägtesten zeigt sich das Ruhe-Bedürfnis bei den „Wintercampern“. Deren Saison beginnt, wenn das Schwimmbad wieder geschlossen ist und die anderen Wohnwagen bereits winterfest verschnürt sind. Erst dann herrschen für die hartgesottenen Camper optimale Erholungsbedingungen.
Die meisten der Dauergäste sind allerdings in den Sommermonaten auf dem Platz.
Bei einem Rundgang über das Gelände offenbart sich ein Stückchen Camper-Seele. Überall wird an den kleinen Oasen ausgebessert, gezimmert, gepflanzt und gemäht. Zu tun gibt´s schließlich immer was. Die Wohnwagen selbst sind fast nicht mehr als solche zu erkennen. Zum Schutz vor Witterungseinflüssen sind sie unter Planen und Dächern verschwunden. Ähnlich wie in Kleingartenkolonien ist man stolz auf seine Parzelle und gestaltet sie nach eigenen Vorstellungen. Mal guckt der klassische Gartenzwerg um die Ecke, ein andermal glänzt die Rosenkugel in der Sonne. Man kennt sich, man grüßt sich und ansonsten ist es wie zu Hause auch: Es entstehen langjährige Freundschaften und es gibt auch mal Ärger. Es kann halt nicht jeder mit jedem und man macht das Beste draus.
Eines allerdings eint alle Wohnwagen-Bewohner: Die Liebe zum improvisierten Camping-Dasein. Meist fand die erste Übernachtung in Grünberg im Zelt statt. Manch einem gefiel es dann so gut, dass er sich hier ein Dauerquartier einrichtete. Einer der Geehrten erzählt voller Freude, dass er und seine Frau öfter aus Frankfurt mit dem Fahrrad nach Grünberg fuhren. „Erst an der Nidda lang und dann quer rüber. Da war man froh, wenn die Steigung bei Hungen hinter einem lag.“
Die Jubilare jedenfalls hatten sich am Samstag einiges zu erzählen. Geschichten von „damals“, und Berichte über aktuelle Geschehnisse wechselten sich dabei ab. Die einen schwelgten in Erinnerungen an durchzechte Camping-Nächte, während am anderen Tisch das Neuste von den Enkelkindern berichtet wurde. Gegen Mittag löste sich die kleine Festgemeinschaft auf um sich einer eisernen Campingplatzregel hinzugeben: Der Mittagsruhe.

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