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Von Herrnhaag nach Wenings 19 km zurückgelegt

Die Pilger an der Marienkirche Büdingen
Die Pilger an der Marienkirche Büdingen
Grünberg | Zur dritten Etappe auf dem knapp 120 km langen Vulkansteig, der zu Ehren an den Jugendwart des VHC auch liebevoll „Vater-Bender-Weg“ genannt wird, trafen sich 26 Pilger in Herrnhaag, um gemeinsam mit Dekan Norbert Heide dem Ziel Alsfeld ein Stück näher zu kommen.
Bei herrlichem Frühlingswetter startete die Gruppe über Lorbach nach Büdingen, das gerne auch das hessische Rothenburg bezeichnet wird. Die Altstadt wird von schmucken Fachwerkhäusern geprägt. Sehenswert ist die gut erhaltene mittelalterliche Befestigungsanlage von Büdingen. Große Teile der Stadtmauer, der Wehrtürme und Stadttore sind erhalten und teilweise begehbar. Die Pilger kamen am Untertor vorbei, das auch Jerusalemer Tor genannt wird, wahrscheinlich, weil Büdingen – das bereits 1521 evangelisch wurde – Zuflucht vieler Glaubensflüchtlinge war, die beim Erreichen des Tors sagten: Dies ist unser Jerusalem.
Hier wurde die Ev. Marienkirche, die unter der Regierung Heinrich von Isenburgs (1340–1378) im Jahre 1367 und 1370 als hölzerne „Liebfrauenkapelle“ auf dem damaligen Marktplatz innerhalb der Stadt entstand, besucht. Sie war die Nachfolgerin
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Pilgern auf dem Vulkansteig (12)Ev. Kirche Wenings (1)Ev. Kirche Büdingen (1)Dekan Norbert Heide (152)
der außerhalb der Stadt gelegenen Pfarrkirche St. Remigius. Die Marienkirche war über die Jahrhunderte häufig Gegenstand von Bauarbeiten, so dass der heutige das Stadtbild prägende Bau verschiedenste Stilrichtungen der Baukunst erkennen lässt. Die architektonische Entwicklung der Marienkirche lässt sich grob in vier Phasen einteilen: 1367 entstand eine hölzerne Kapelle als Provisorium, die bereits nach zehn Jahren durch eine in Nord-Süd orientierte Basilika ersetzt wurde. 1476 und 1491 entstand daraus eine nunmehr in Ost-Westrichtung ausgerichtete spätgotische Hallenkirche. Letztlich wurde die Kirche unter dem Einfluss der Reformation ab der Mitte des 16. Jahrhunderts wesentlich umgestaltet und erweitert.
Nach einer Andacht von Dekan Norbert Heide über den Zimmermann, Marias Sohn, und Bruder des Jakobus und Joses und Judas und Simon führte der Vulkansteig hinaus aus der Stadt. An der Jugendherberge vorbei über die Steinröde nach Michelau, dem höchstgelegenen Stadtteil von Büdingen. Südlich des Keckenstein (393 m) führt der Pilgerweg hinaus aus der Wetterau hinauf auf den Vogelsberg.
Bei einer Rast an der Wilhelm Landmann Hütte bei Michelau las Dekan Heide einen Artikel „unserem unvergesslichen Vater Bender zu Gedächtnis“: Im
Sommer 1909 machten sich drei Frankfurter VHCler auf zu einer Wanderung in den Vogelsberg. Ihre Wanderkleidung waren lange, gelbbraune Arbeitskittel. Ihr Rucksack beinhaltete Farbe, Stahlbürste und Pinsel. An jeder Wegkreuzung machten sie Halt, bürsteten und pinselten an Häusern, Bäumen, Sträuchern und Steinen einen weißen Strich – bis sie am vierten Tag in Groß-Felda angelangt waren. Dann machten sie kehrt und setzten nun unter den weißen Strich einen roten Strich und hatten viel Spaß dabei. Einer der Malermeister war – sonst Professor im Haupt- und Gauturnwart im Nebenamt – kein anderer als Georg Bender, der sich keine bessere „Ferienerholung“ wünschte. Mit ihrem Tun wollten sie den naturhungrigen Großstädtern und anderen den Weg in die friedliche Stille und beruhigende Schönheit des wundervollen Vogelsberges zeigen. Und manch einer ist seitdem dem rotweißen Band nachgegangen und hat sich neue Kraft an Leib und Seele erwandert. Bis nach Alsfeld wurde im darauffolgenden Jahr das Wegzeichen weiter geführt – diesmal von Professor Bender allein.
Durch Wald und auf Wiesenwegen erreichte man schließlich das Ziel der 3. Etappe – Wenings. In der Ev. Kirche waren die Handwerker aus der Bibel Thema von Dekan Heide: so wurde das Geld an die Maurer und Steinhauer gegeben, um das Baufällige des Hauses des Herrn auszubessern. Vom köstlichen Salböl, vom Bäcker, der schon damals viele Brotsorten backte, vom Töpfer und den Bewohnern von Pflanzungen und Mauern, vom Schmied, der das Kohlefeuer anbläst und Waffen hervorbringt, erzählte Dekan Heide, bevor er die Pilger nach 19 km Pilgertour verabschiedete.
Die nächste Pilgeretappe führt am 11. Juni von Wenings nach Hartmannshain (ca. 16 km). Treffpunkt ist um 8.00 Uhr auf dem Schlossparkplatz in Grünberg. Nähere Informationen erhalten Sie im Ev. Dekanat Grünberg, Tel. 06401-227315.

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