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Unterwegs auf dem Lechweg

Formarinsee
Formarinsee
Grünberg | von der Quelle bis zum Lechfall in Füssen 125 km zurückgelegt

18 Interessierte starteten gemeinsam mit Dekan Norbert Heide (Ev. Dekanat Grünberg) zu einer Pilgertour auf dem Lechweg nach Stanzach in Tirol in die Pension Waldhof. Von hier aus wurden die verschiedenen Ausgangspunkte der acht Etappen mit dem Wanderbus angefahren.

Der Lechweg bietet ein einzigartiges Naturerlebnis - auf rund 125 Kilometern begleitet der Wanderer den Lech. Von seiner Quelle nahe des Formarinsees im österreichischen Bundesland Vorarlberg bis hin zum Lechfall in Füssen im Allgäu. Der Lech wird gerne als einer der letzten Wildflüsse Europas bezeichnet. Bis zu seinem Fall bei Füssen darf er tatsächlich weitestgehend ungezähmt dahinfließen. Seine typische helltürkise Farbe entsteht u.a. durch den hohen Gehalt feinst aufgelöster Mineralien. In seinem kristallklaren, schnell fließenden kalten Wasser fühlen sich Äschen und Bachforellen wohl.

Die erste Etappe startete bei der Formarinalpe mit einem kurzen Abstecher zum tiefblauen Formarinsee. Ein herrliches Panorama mit Blick über den See. Vorbei am Steinbock-Denkmal, das an die
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Pilgern (45)Lechweg (1)Holzgauer Hängebrücke (1)Dekan Norbert Heide (155)
Wiedereinsetzung des Steinwilds seit 1958 erinnert, führte die Lechweg-Markierung – das geschwungene „L“ auf schwarzem Grund - auf alpinen Wegen durch das Lechquellengebirge über felsdurchsetzte Wiesenpfade, Holzstege und Brücken nach Lech am Arlberg. Jeder Wasserhahn und Brunnen in Lech wird mit Quellwasser gespeist.

Das zweite Teilstück führte von Lech durch eine faszinierende Tobellandschaft auf breiten Forstwegen, mal mehr, mal weniger steil abwärts. Kleine Flüsse wurden überquert sowie eine kleine Hängebrücke über den Krumbach. Hier wurde die Grenze zwischen den österreichischen Bundesländern Vorarlberg und Tirol überschritten. Ziel des Tages war Lechleiten.

Die auf 1540 m hoch liegende Ortskapelle in Lechleiten wurde im 16. Jahrhundert erbaut und ist dem heiligen Wendelin geweiht – ein idealer Platz für eine Andacht. Immer wieder gibt es herrliche Ausblicke auf den Lech mit seinen kleinen Wasserfällen und die umliegenden Berge. Am Nachmittag ist Holzgau erreicht. Hier zieren Lüftlmalereien aus dem Spätbarock so manche Fassade mit verschiedenen Szenen oder Motiven aus dem bäuerlichen Alltag oder der Jagd.

Ab Holzgau führt der Lechweg ins romantische Höhenbachtal zum Simms-Wasserfall, der im 19. Jahrhundert künstlich
Pilgergruppe vor der Pension Waldhof in Stanzach
Pilgergruppe vor der Pension Waldhof in Stanzach
angelegt wurde. Der Wasserfall ist etwa 30m hoch und wird vom Höhenbach gespeist. Im Winter gefriert der Wasserfall und kann zum Eisklettern genutzt werden. Beeindruckend war der Blick zur Holzgauer Hängebrücke, die in atemberaubender Höhe die Schlucht überspannt. Sie ist 200,5 m lang und 110 m hoch. Schwindelfreie konnten hier ihren Mut beweisen. Auf schmalen Steigen – immer wieder auf und ab – wurde der „Lechtaler Hexenkessel“ – eine Gaststätte - und die Talstation der Jöchelspitzbahn erreicht. Bei strahlendem Sonnenschein fuhren die Pilger mit dem Doppelsessellift auf die 2.226 m hohe Jöchelspitze – ein Blick von weit oben auf das Lechtal hinunter und auf die gegenüberliegenden Lechtaler Alpen – ein absolutes Muss. Elbigenalp ist als Zentrum des Schnitzerhandwerks bekannt und Heimat der als „Geierwally“ in die Geschichte eingegangene Anna Steiner-Knittel. Eine Besichtigung wert war auch die Pfarrkirche St. Nikolaus mit ihren reichen Kunstschätzen. Unmittelbar daneben findet sich die älteste Kapelle im Tal, die Martinskapelle mit dem Beinhaus. Hier ist der Totentanz von Johann Anton Falger zu sehen, der sich den Füssener Totentanz in der Annakapelle zum Vorbild nahm.

Der Lechweg führt weiter zum Doser Wasserfall. Sein
Lech
Lech
Wasser entspringt aus einer Felsgrotte und hat früher eine Mühle angetrieben. Der Wasserfall versiegt an St. Martin (11. November) und entspringt wieder an St. Georg (23. April). Verantwortlich dafür ist laut einer Sage ein Drache, der den Bach zur rechten Zeit öffnet und verschließt. Weiter ging es auf dem Panoramaweg in Richtung Elmen auf teilweise beschwerlichen Wegen. Kurz vor Vorderhornbach bot sich ein wunderbarer Panoramablick auf Vorderhornbach und das Lechtal. Am Ufer des Lechs entlang wurde Stanzach erreicht.

Von der Pension Waldhof in Stanzach führte der Weg entlang der Schotterbänke. Überall waren aufgesetzte Steinmännchen zu sehen. Auf der im Jahr 1906 erbauten 75 m langen Forchacher Hängebrücke hatte man einen tollen Blick auf den wilden Lech. Immer weiter am Fluss entlang gelangte man zur Johannesbrücke. Etwa Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die erste Brücke gebaut. Ihre Nutzer hatten einst noch Zoll zu bezahlen.

Ein steiler Aufstieg über schmale Wege aus Felsen und Wurzeln führte zur Costarieskapelle – eine Stätte der inneren Einkehr – mit großartiger Aussicht in die Lechtaler Alpen. Auf breitem Forstweg in Serpentinen wurde der idyllische Frauensee erreicht. Der Weg bleibt jetzt in Wassernähe bis das Etappenziel Pflach erreicht ist.

Lech
Lech
Für den Rest der Weitwanderung entfernt sich der Weg vom Fluss. Auf Wiesen und Forstwegen war die „Sternschanze“ bald erreicht. Die Ruine war ursprüngliche eine vorgelagerte Befestigung zur Burganlage Ehrenberg. Am höchsten Punkt wurde unbemerkt die Grenze von Tirol nach Bayern überschritten. Auf einem schmalen, teilweise gesicherten Steig ging es abwärts Richtung Alpsee. Vorbei am Israelit, einer langgezogenen, leicht überhängenden Felswand sah man schon den Alpsee durch die Blätter der Bäume blitzen. Hier konnte man die herrliche Aussicht auf Schloss Hohenschwangau und kurz darauf Schloss Neuschwanstein genießen. Dem Alpsee-Rundweg folgend erreichte man das Marienmonument, welches zu Ehren der königlichen Mutter Marie von Bayern errichtet wurde. Dies war ihr Lieblingsplatz am Alpsee. Oberhalb des Schwansees über den Alpenrosenweg wurde der Kalvarienberg erklommen. Der Blick entlohnte für die Mühen: Über die Dächer von Füssen hinweg reichte die Sicht weit ins Alpenvorland mit seinen vielen Seen oder zurück zu den Königsschlössern und nach Tirol. Nun folgte der Abstieg zum Lechfall – dem Endpunkt des Lechwegs. Am Lechfall ergießt sich der Lech über eine im 18. Jahrhundert angelegte Staustufe in eine enge Klamm, bevor er unterhalb der Engstelle in einem breiten Bett an Füssen vorbei fließt.

Hier ging eine erlebnisreiche Pilgertour zu Ende: eine einmalige Landschaft – Natur pur; der Lech – zuerst ein kleiner Rinnsal, dann ein breiter, wilder Fluss; leckeres Essen, ein gemütlicher Grillabend und sehr gute Unterkunft; nette Gemeinschaft und interessante, immer passende Andachten an verschiedenen Orten von Dekan Norbert Heide. Alle Teilnehmer haben die anspruchsvollen Touren gut gemeistert und erhielten eine dafür extra angefertigte Medaille mit dem Aufdruck „Lechweg 2015“.

Formarinsee
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Pilgergruppe vor der Pension Waldhof in Stanzach
Pilgergruppe vor der... 
Lech
Lech 
Lech
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Costarieskapelle
Costarieskapelle 
Holzgauer H#ngebrücke
Holzgauer H#ngebrücke 
Pilgergruppe - im Hintergrund die Holzgauer Hängebrücke
Pilgergruppe - im... 
Lechfall bei Füssen
Lechfall bei Füssen 

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