Stichwort: Porträt - Skizze (19)Beiträge zum Thema aus: Gießen (19)
Gießen | Als Dr. A. den Raum betrat verstummte das Gespräch seiner Klienten. Er drückte mechanisch die eine oder andere Hand, während er sich hinter seinen Schreibtisch setzte und dabei die Akten auf die Tischplatte knallte, als wollte er sagen:
Hier wagt mir keiner zu widersprechen!
Dabei sah er mürrisch auf seine Uhr und jeder im Raum wusste von dieser Uhr hing nun die Länge der „eigenen“ Antworten ...
Gießen | Es gibt Berufe da reicht es, wenn man die Grundrechnungsarten beherrscht. Und Pit war ein erfolgreicher Geschäftsmann. So locker wie er sich gab, war klar, dass sich seine Art von Bildung schnell amortisiert hatte. Denn er hatte schon früh von seinem Vater gelernt die Unkosten, die ein Geschäft mit sich bringen, niedrig zu halten.
Und dieser Gedankengang, der immer auf den materiellen Erfolg ...
Gießen | Ich beobachte gern Menschen. Davon lebe ich. Und es gibt Menschen, die beobachte ich besonders gern, weil die Figur, die sie darstellen, nur schlecht erfunden ist.
Und so erfand sich Peter jeden Tag aufs Neue, um in der Gesellschaft, mit der er sich umgeben wollte, zu bestehen. Und da gab es immer wieder Augenblicke, in denen Peter glaubte besonders klug daher reden zu müssen.
Immerhin, Peter ...
Gießen | Er war kein Mann, der eine Frau zur Räson brachte. Und die Streitlust seiner Frau besänftigte er mit Geld. Da musste er natürlich jeden Tag länger arbeiten.
Aber frühmorgens versorgte er trotzdem irgendwie das Kind. Nein, seine Hemden bügelte er nicht. Immerhin, in seinem Beruf hatte er perfekt gelernt zu delegieren.
Also, wofür gab es schließlich eine Wäscherei?
Seine Frau aber schlief ...
Gießen | "Seitdem auch Schauspieler Präsidenten werden, bin ich als Schauspieler verloren," lachte mein Freund, der alte Schauspieler. "Da mich ohnehin kaum noch einer engagiert, sind die Stunden, in denen ich mich als Schauspieler bewähren muss, sowieso gezählt.
Dabei wäre ich heute noch bereit die Bühne über den Hinterausgang zu verlassen. Denn ich sehne mich oft genug nach dem Bühnenlicht und dem ...
Gießen | Fabian hatte ein lautes Organ. Und wer ihn nicht kannte, konnte meinen, er sei aggressiv. Dabei war er nur wild entschlossen sich nicht mit den Zuständen abzufinden, die er für ungerecht hielt.
Dann vibrierte seine Stimme und er lächelte schief, als ließe sich so seine Erregung, in die er sich längst hineingesteigert hatte, verbergen.
Ich glaube für seine Meinung wäre er auch ins Gefängnis ...
Gießen | Porträtstudie 1986 VHS München
Gießen | Frau Jutja Lametta war die Tochter einer übergewichtigen Matrone, die letztes Jahr verstarb. Und Jutjas Vater hatte schon vor Jahren, als Frau Lametta noch ein Kind war, die Familie verlassen. Seit dem vermisste sie ihren Vater von Jahr zu Jahr mehr, vor allem aber von dem Zeitpunkt an, als er nicht mehr lebte.
Vermutlich hatte Frau Lametta deswegen an allen Männern etwas auszusetzen. So war ...
Gießen | Heinz war kein Mann, der sich hilflos dem Argwohn überließ. Und er glaubte nur an das, was er wusste. Und er wusste wenig. Aber dafür konnte er eine Menge.
Aus der Sicht der Phylogenese aber war er kein Mann, der auf dem Baum sitzen geblieben wäre, um sich endlos zu kraulen und stundenlang darüber zu diskutierte, ob er nun vom Baum herunterklettern sollte oder nicht.
Heinz wäre aber auch nie ...
Gießen | Selbst wenn Frau B. ein Mann gewesen wäre, hemdsärmelig war sie nicht. Denn ihr Kostüm trug sie immer wie eine Uniform und ihr Make-up war geradezu perfekt. Dabei hatte Frau B. eine knabenhafte Figur und benutzte den Aufzug nur, wenn es nach Oben ging.
Frau B. war kein Mensch, zu dem Anektoden passten, um dann plötzlich zu fragen:
Lebt die noch?
Denn Frau B. war zwar nicht mehr jung, aber ...
Gießen | „Der Mensch ist nicht nur von der Gesellschaft der Menschen abhängig, sondern auch von den Ideen, die eine Gemeinschaft zusammenhalten.“
Davon war Jerry immer überzeugt.
„Aber der Wunsch sich mit diesen Ideen zu identifizieren, um auf diese Weise von der Gemeinschaft anerkannt zu werden, macht abhängig, “ sagte er immer. „Und wenn dann der eine von dem Anderen auch noch behauptet, sich auf ihn ...
Gießen | Herr S. war unterwegs in Versicherungen. Seine Art sich zu kleiden machte ihn jünger. Im Sommer schlüpfte er barfuss in seine Slipper. Vielleicht kam er gerade von der Code a Azur? Oder doch nur von die Sonnenbank?
Wenn Herr S. den Raum betrat, sah er sich Beifall heischend um. Er hatte immer dieses „Wo steht das nächste Klavier?“ Lächeln. Er wollte geliebt werden ohne feste Bindungen ...
Gießen | Frau B. glitt von der Untersuchungsliege, als entschwebe sie einer Kutsche. Dabei klapperte sie blasiert mit den Augenwimpern, als sei ihr der Arm eines Kavaliers sicher. Hier fehlte nur noch der leidenschaftliche Mann, für den das Leben ein Roman war. Denn Frau B. hatte schon seit Jahren ihr Lächeln vorrausgeplant, damit dieser Mann, der sich nach ihr, dem blonden Gift verzehrte, sie nicht ...
Gießen | Herr Damp war ein schwitzender Hypochonder von steifer Höflichkeit. Bevor nicht die Arzthelferin das Sprechzimmer verließ, setzte er sich nicht.
„…geh ja schon…, “ flötete Tanja und verschloss die Tür. Herr Damp fiel mit einem tiefen Seufzer auf den Stuhl und hauchte vor mir sein Leben aus. Leblos hockte er da mit gefalteten Händen. Ich beobachtete ihn wie einen Schauspieler, der immer wieder ...
Gießen | Wenn man Bernie sah, konnte man sich vorstellen, wie er in einem Rudel glatzköpfiger Kerle Ausländer angriff. Sein Bauchspeck umgab ihn wie ein prall gefüllter Patronengürtel und die schwarze Brille schüchterte jeden ein. Dabei glänzten die Schweißecken seines Hemdes wie sein glatt geschorener Schädel. Bernie hatte kräftige Unterarme. Aber seine Tätowierungen konnten nur vom Teufel sein. Sicher ...
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