Beiträge zum Thema aus: Gießen (13)
Gießen | Das Fatale unserer Streitigkeiten war, dachte Orf, daß diese Auseinandersetzungen immer nach dem gleichen Muster verliefen. Da „passte“ jedes Wort, wenn wir uns nur damit verletzten.
Aber je mehr wir uns hassten, desto mehr sehnten wir uns nach dem Gefühl von Rache.
Warum, frage ich mich heute, machten wir uns nie die Mühe ein „neues“ Wort zu suchen? Oder wenigstens ein „altes“ auszurangieren? ...
Gießen | Irgendwann, dachte Orf, führten wir nur noch Monologe.
Der eine „Monolog“ bemühte sich um die leisen Töne, die gefährlich zischten. Der andere „Monolog“ aber wurde laut, ja schrill geführt.
Oder war es umgekehrt?
Die eine Stimmlage schien bereit zu sein auf Fragen zu antworten. Die andere Stimme aber achtete kleinlich darauf, daß ihr keiner zu nahe kam.
Bis eben sah es noch so aus, als ...
Gießen | Habe ich sie wirklich so schlecht behandelt? Das überlegte ich mir oft, dachte Orf. Oder wollte ich sie nur besitzen?
Wenn sie aber nicht so reagierte, wie ich es erwartete, wurde ich aggressiv. Das muss ich zugeben. Ich wollte nicht, daß sie ging. Aber den richtigen Tonfall fand ich auch nicht.
„Vielleicht sind alle Liebeserklärungen so…?!“ Immerhin versuchte mich der Kommissar zu ...
Gießen | Eura suchte ständig die räumliche Veränderung, dachte Orf. Ich weiß nicht mehr wie oft wir umgezogen sind. Ihre Rastlosigkeit aber machte mich zum „Sisyphos“.
Dabei träumte auch ich davon, dass irgendwann einmal der Fels liegen blieb.
Aber sie lächelte nur und sagte kühl:
„Du warst doch der Mann, der ständig den Freier spielte. Hast du das vergessen?
Aber du hast dich in mir getäuscht. Ich ...
Gießen | „Ich lebe auf des Messers Schneide, “ grimassierte Eura, als sei ihr Gesicht beim Bleigiessen entstanden. „Die Hölle ist hier…,“ lachte sie dann bitter und sah ihn hoffnungslos an.
Oft fühlte sich Orf von ihr belauert.
Eura kauerte in ihrem Sessel wie ein schutzbedürftiges Tier. Aber er war sicher, dass dieses „Tier“ um sich biß, wenn er Eura zu nahe kam.
Dabei konnte man nicht einmal ...
Gießen | „Ach, was verstehst du schon!? Wenn ich ein Gedicht geschrieben habe, ist die Welt nicht mehr so wie sie war. Ich bin ein Dichter. Verstehst du? Nein, das verstehst du nicht.“ Eura füllte nachlässig ihr Glas und bewarf ihn mit der leeren Bierdose.
Orf beherrschte sich wie ein Lehrer, der seinen störrischen Schüler zur Rede stellt. Sie verplempert ihr Geschwätz wie ihren Champus, dachte ...
Gießen | Als mich Eura verließ, dachte Orf, trank ich jeden Abend „meinen“ Wein. Und mit der Zeit war ich sogar bereit mich für die Welt wohl zu fühlen oder doch wenigstens für meine Umgebung. Und doch sehnte ich mich danach an das zu denken wie unser Leben auch anders hätte verlaufen können:
In unserem Leben gab es einfach zuviele Fouls, die man hätte abpfeifen müssen, dachte Orf. So wurde ihr Lachen, ...
Gießen | Dass unsere Zeit so nutzlos verging, machte mich oft wütend, dachte Orf. Obwohl, manchmal waren ihre Nörgeleien auch orginell. Dann lächelte sie dünn und sagte zum Beispiel:
Am besten nimmst Du ein Parfum, das Du liebst und suchst die passende Frau dazu.
Irgendwann liess ich sie nur noch reden. Und oft fühlte ich mich dabei wie ein Roulettspieler, der es vorzog ab einem gewissen Einsatz ...
Gießen | Wie oft multiplizierte ich große Zahlen, um mich zu beruhigen, dachte Orf. Denn nur so konnte ich ihre Monologe ertragen ohne ihr zuzuhören. Dabei wurden ihre Lippen immer schmaler und ihre Sätze siegessicher, während sie die Silben zerrieb wie lästige Insekten.
Oft konnte ich mich nur noch hinter hilflosen Gebärden verstecken, als bewegte ich mich hinter einem Paravent. Ich glaube, irgendwann ...
Gießen | Ich verstehe sowieso nicht warum manche Männer ihre Einsamkeit romantisch verklären, dachte Orf. Ich jedenfalls habe keine Lust an der Theke herumzuhängen, um mein Leiden zu betrinken. Und heute schon gar nicht.
Orf stand am Wohnzimmerfenster und lauschte in die Nacht. Nur wenige Sterne konnten sich gegen den Vollmond behaupten.
Irgendwo in der Ferne auf der Schnellstrasse, die zur Autobahn ...
Gießen | Noch kann ich mein Gedächtnis abfragen wie einen Computer, dachte Orf. Dabei lese ich meinen Text wie eine Partitur, während ich auf den Klang der Worte höre. Dabei korrigiere ich immer wieder meine Schreibversuche. Denn ich schreibe sehr langsam.
Ich liebe meinen Schreibcomputer und seine Löschtaste. So bin ich endlich in der Lage meine Worte lustvoll zu paaren. Denn jeder Buchstabe fühlt sich ...
Gießen | Es gab Zeiten, da kam Orf nahezu jede Woche in meine Sprechstunde. Er hatte die Trennung von seiner Frau Eura nicht verwunden. Inzwischen wusste er nicht einmal, ob sie noch lebte.
Eigentlich benötigte Orf einen Beichtvater, der ihm großzügig die Sünden vergab. Da er aber konfessionslos war, riet ich ihm in die katholische Kirche einzutreten. Dort gab es immerhin einen guten und einen bösen ...
Gießen | „Für uns gab es schon lange keinen Ausweg mehr. Selbst der Kommissar schien das zu verstehen, “ sagte Orf, während ich in seiner Krankenakte blätterte.
„Vielleicht waren sie immer ein Mann, der darauf hoffte, dass ihm seine Frau genauso großzügig verzieh wie eine Mutter ihrem Kind?“
„Da hätte ich aber lange warten müssen, “ lachte Orf bitter. „Eura ließ sich nie den Mund verbieten. Dabei ...
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