Beiträge zum Thema aus: Gießen (544)
Gießen | Uns, dachte Orf, quälte eine unsichtbare Wunde:
Das Gefühl der Einsamkeit.
Aber gleichzeitig ahnten wir, daß es unmöglich war in die Einsamkeit des anderen einzudringen.
So wurde alles, was diese Liebe erreichte, zu einem Vorwurf. Denn immer fehlte uns etwas, auch wenn wir mit den Tränen kämpften. Aber, dachte Orf, mit der Zeit wurde auch mir klar, daß wir uns nicht mehr liebten. Wir ...
Gießen | Durch Entbehrung und Krankheit nahezu aufgezehrt, hatte sich Norderney schon damit abgefunden am Ende der Welt zu verkümmern. Nur der ausgeprägten Sensibilität, die den Blinden zum Seher werden lässt, war es zu verdanken, dass dieses maritime Aschenputtel, Norderney, doch noch von dem blinden König Georg von Hannover und seiner Marie entdeckt wurde. Denn die umhegten ihr neues Ferienkind mit ...
Gießen | In meinem Leben hatte ich nicht immer ein Engagement. Na gut, sagen wir es so, wie es ist: Ich war oft arbeitslos. Und die letzte Bühne, auf der ich spielte, war ein Zimmertheater. Da gab es zwischen den Mülltonnen auf dem Hof nicht einmal einen Bühnenausgang.
Nun, als Mensch musste ich akzeptieren, dass derartige Lebenskrisen nicht spurlos an einem vorrübergehen.
In dieser Zeit also ging ich ...
Gießen | Warum vergisst Du nicht Deine Eifersucht? schnurrte Eura wie eine Katze und strich ihm über das Haar.
Orf weinte und sabberte im Schlaf. Hier gehen seltsame Dinge vor, dachte er. Ich müsste wach bleiben.
Ich war schon immer eifersüchtig. Das streite ich nicht ab. Ich wurde schon immer von meiner Eifersucht zerfressen wie ein Blatt vom Kartoffelkäfer. Dabei hasste ich schon immer dieses ...
Gießen | Eigentlich wollte ich sterben. Aber dann traf ich Ruth und änderte meine Meinung. Ich habe also keine Zeit mehr zu verlieren. Aber wenn ich meine Meinung ändere, heißt das nicht, dass ich sie aufgebe. Ich weiß nur nicht mehr, was ich will. Und manchmal frage ich mich:
Kann ich mich am Ende noch selber erträumen?
Wenn ich aber zu viel quatsche, dann liegt es an dem Stoff, den ich genommen habe. ...
Gießen | Herr Dr. O. , ein studierter Germanist, schrieb für Tageszeitungen Kritiken. Sein Glaube an die Erziehbarkeit des Menschen war ungebrochen. Denn nur über das Wort kann sich eine Weltanschauung entwickeln! Da war sich Dr. O. sicher. Allein durch die Sprache sind wir in der Lage auf das zu reagieren, was uns täglich widerfährt. Warum sollen wir da also schweigen?
Ich gestehe jedem Menschen seine ...
Gießen | Wenn wir uns stritten, dachte Orf, hatte ich ständig das Gefühl neben mir zu stehen. Betrat ich das Wohnzimmer, verließ sie den Raum. Und umgekehrt. Aber selbst dazu fehlte uns später die Kraft.
Das Drehbuch dieser Ehe war also nicht mehr mit Worten zu retten. Ich habe ja nichts gegen banale Dialoge. Aber Banalitäten und Provisorien dauern ewig lange. Vielleicht aber war auch diese Liebe, um ...
Gießen | Bevor Eura ihr Gleichgewicht verlor, rutschte sie unmerklich aus. Als ihr aber Orf helfen wollte, zischte sie:
"Fass mich nicht an!"
Ich wollte, ich könnte unser Leben wie einen Film betrachten, dachte Orf. Ein Film, der ohne Worte auskommt. Eura lächelte nur abschätzig, als müsste sie ein widerliches Insekt benennen.
Wie lange ist das schon her, dass sie mich anlächelte? dachte Orf. Damals ...
Gießen | Aber auch aus einer anderen Himmelsrichtung umlauert der Tod, ein Mondkind, die Insel. Er kauert in der geballten Bewegungslosigkeit der scheinbar statisch zähen Masse des Meeres.
Nur wenn der Wind aufkommt, umweht sein weißes Haar die schwarzen, fiebrigen Augenhöhlen. Und kaum bäumt er sich auf, um harte Konsonanten aufs Land zu spucken, da bilden sich schon an den Dalben starke Strudel um ...
Gießen | Mein Vater war kein Mensch, der sich für Kalenderweisheiten interessierte. Und wenn er sprach, war da nie ein onkelhafter Ton. Und doch, gelegentlich fiel es ihm schwer mit Menschen zu reden, die man gemeinhin als „normal“ bezeichnet. Deswegen hielten ihn manche Menschen für arrogant. Denn mein Vater verfügte über einen Tonfall, der jede weitere Unterhaltung auslaufen ließ. Dabei liebte er ...
Gießen | Aus Napoleon wurde ein Cognac
Und aus Bismarck ein Hering
Das lässt noch hoffen
Gießen | Der steife Seewind belagerte meine kleine Ferienwohnung unter dem Dach. Unbeherrscht rüttelte der „blanke Hans“ an den Dachpfannen und der Regen peitschte gegen die Fenster. Die Wände wurden hellhörig und die Tapeten warfen Beulen. Die feingliedrige Spannung der Rolladen betrieb das Spiel einer Windorgel, die mich in den Schlaf entführte:
Ich schlenderte durch den Kurgarten und vertraute der ...
Gießen | Das, was die Gesellschaft erwartet, diese eingliedernde Disziplin, interessierte mich noch nie. Ich liebte immer die Umwege und die schrägen Situationen. Natürlich wollte ich auch dafür kämpfen, dass jeder Mensch zu dem kam, was er wollte. Oder sollte ich etwa stramm stehen vor der Metzgerfrau mit ihrem tüchtigen Erwerbsgesicht? Nichts gegen Metzger oder Steuerberater, aber diese Menschen haben ...
Gießen | Seitdem er sich versteckt hält, freue ich mich jedes Mal, selbst wenn wir uns nur flüchtig treffen. Aber trotzdem werden wir in diesem Leben nicht mehr die besten Freunde. Dafür ist zwischen uns zuviel vorgefallen. Denn egal, wer wem etwas recht machen wollte, wir hatten immer Probleme miteinander. Vielleicht war das auch nur ein Zufall, den man nachher Schicksal nennt.
Kurz, nach seiner ...
Gießen | Ein Grüppchen braungebrannter Urlauber stand bereits am Kai und begrüßte mit großem „Hallo“ die bleichen Neuankömmlinge, die die Fähre verließen.
Diverse Info- Broschüren der Reederei klemmten unter dem Scheibenwischer. Ein großes Faltblatt, das Norderney in Koordinatenkreuze zerlegte, informierte darüber, wann die entsprechend markierten Zonen mit dem Auto befahren werden durften und wann ...
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1 Bürgerreporter schreibt zum Stichwort "medeasy":
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