Beiträge zum Thema aus: Gießen (543)
Gießen | In der Tiefe des Spiegels
Sah er die Krähe
Schemenhaft lauernd
Unsichtbar der Duft
Hier half kein Kölnisch Wasser
Die Tapete welk
Vom Regen aufgeweicht
Das mürbe Gras
Zersprungen der Rahmen
Der ihn umgab
Das Bett ein Sarg
In dem er verschwand
Wie ein Maler
Der sich in seinem Bild verlor
Das Gesicht verhüllt
Ohne Wunsch zu träumen
Die Maske erstarrt
Noch warm die Hand
Vom ...
Gießen | Ich höre gerne zu. Das scheint ungewöhnlich zu sein. Und gelegentlich behauptet man- ich sei ein "richtiger" Mensch. Das irritiert mich, weil ich nicht weiß wie ein "falscher" Mensch aussieht.
Dabei mag ich das Wort „Menschlichkeit“ nicht. Dieses Wort klingt für mich wie ein Nachruf. Ich traue ohnehin keinem Menschen, der vorgibt sich aufzuopfern. Und den Kurs der unendlichen Hingabe habe ich ...
Gießen | Im Halbdunkel des Wohnraumes brummte wie ein fernes Flugzeug ein tiefblaues Insekt, das den befreienden Ausgang suchte.
Maren saß auf der Terrasse und sog genüsslich an ihrer Zigarette, die sich langsam in konzentrische Kringel auflöste.
Am richtigen Ort zur richtigen Zeit ist jeder im Einklang mit sich selbst, dachte ich nur.
„Gorbi“ lag im Schatten der kleinen Bruchsteinmauer. Das summende ...
Gießen | Mit Menschen leben
Denen nicht alles selbstverständlich ist
Das möchte ich
Gießen | Vielleicht hätte man früher sterben sollen
Wie Büchner Danton Robespierre vielleicht
Ende Dreißig
Man ist zu alt
Frühvollendet zu sein
Wie man nicht ein Leben lang
Revolutionär sein kann
Ohne aktiv den Umsturz zu betreiben
Wogegen auch immer
So werde ich mich daran gewöhnen
Irgendwann so alt zu sein
Wie Becketts Krapp
Der rheumatisch gebückt
Seine Kakteen begießt
Und wenn ...
Gießen | Wenn in der Morgenstunde
Die Nacht zerfällt
Möchte ich sein wie das Licht
Die Agave durchdringen
Wie eine Harpune der Strahl
Möchte ich sein wie der Wind
Der das Gebirge feilt
Hören auf den Hahnenschrei
Wie ein Vogel möchte ich sein
Über dem Nebel
Zur Prüfung frei
Gibt er den Tag
Gießen | Ich schreibe so, wie andere Menschen Fußball spielen. Da fragt auch niemand, warum sie dem Ball nachrennen, um ihn ins Netz zu schießen. Ein Spieler aber, der selbst noch aus dem letzten Winkel zu flanken versucht, obwohl jeder Zuschauer im Stadion weiß: Das kann nicht gelingen! - ist gerade deshalb für manche Überraschungen gut.
Und doch, zwischen dem, was nicht mehr geht und dem, was gerade ...
Gießen | In Deinem verwilderten Garten
Wächst die harte Rinde
Des Baumes
Büsche belauschen uns
Stecken Dir Kletten
Notenleicht ins Haar
Wie eine Pusteblume
Dein Wort
Es lockt die Fingerkuppen
In Deine Haarwurzeln
Tief
Nach kaltem Rauch
Schmeckt Dein Atem
Wenn er still steht
Der Speichel
An ihm klebt das Wort
Vom Hunger gestillt
Das ich begehrte
Zu hören
Gießen | Ein warmer, seidiger Wind strich über den Pool und verfing sich in der mannshohen Mauer, die die Terrasse zum Tal hin absicherte. Die Wasseroberfläche kräuselte sich wie eine Gänsehaut, über die das Mondlicht strich. Nur leise, wie ein schwaches Wehklagen, plätscherte das Wasser. Vom Komposthaufen wehte ein süßlicher Duft herüber.
Die schwarzen Silhouetten der Koniferen, die einen Teil des ...
Gießen | Warum nicht die Schildkröte beneiden
Um ihre Langsamkeit?
Unter ihrem dicken Panzer
Führt sie ein langes Leben
Gießen | Ich lasse meiner Sehnsucht
Freien Lauf
Und verhindere Alles
Was sich erfüllen könnte
Denn nur so
Bleibt die Sehnsucht
Das
Was ich vergeblich Suche
Gießen | Ich fühlte mich
Wie Hans im Glück
Als ich Dich traf
Ohne Goldklumpen
Lief ich leicht
Dornröschen
Zugegeben
Ich neige zur Sentimentalität
Liebe das Märchen
Dir zu Ehren
Flocht ich ein Feuer
Doch mir fehlte
Das richtige Wort
Aus der Hecke
Dich zu befreien
Hättest Du nur geschlafen
Hundert Jahr
Unser Schweigen
Hätte sich verschworen
Gießen | Wissen Sie, als sich meine Schwester erhängte, dachte ich keine Sekunde an ihren Tod. Ist das nicht schrecklich?
Wir hatten kein gutes Verhältnis. Zwischen uns herrschte ein Konkurrenzkampf, während unser Vater den Schiedsrichter spielte. Da konnte es nur Gewinner oder Verlierer geben. Aber dieser Konkurrenzkampf stärkte meine Sinne. Und da man in mir sowie nur den Spätzünder sah, um mich nicht ...
Gießen | „Sieh mal, auf diesem Bild hier bin ich erst 15, “ lachte ihm Eura auf einem Schnappschuss entgegen. Ihr Lachen war wie eine elektrische Entladung. Das Foto war von den Rändern her überbelichtet. Ihre Augen aber leuchteten, als glühten sie von Innen heraus. „Dabei suchte ich immer nur die Harmonie,“ sagte sie leise. „Aber die Lebenslinien meine Hand waren dagegen.“ Eura hatte ein offenes ...
Gießen | Der Mond stand hoch am Himmel. Sein gleißendes Licht lag auf dem ruhigen Meer, das mich an eine tief beleuchtete Bühne erinnerte. Die Konturen dieser Naturbühne waren so scharf gestochen, als hätte ihnen das Mondlicht die Farbe entzogen.
Die Petroleumlampe auf meinem Gartentisch flackerte und versetzte mich in einen romantischen Film, der nur eine schlichte Geschichte erzählte.
Nun, ich sah ...
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