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Der Existentialist

Gießen | Als ich ihn kennen lernte, war Horst Platzanweiser in einem vergammelten Vorstadtkino. Die „Kurbel“ wurde von Studenten besucht.
Horst trug mit Vorliebe eine schwarze Sonnenbrille, abgeschabte Jeans und seinen Rollkragenpullover. Die Haare waren nackenlang und die Schuppen auf seinem schwarzen Pullover erinnerten an den ersten Schnee.
Horst war schon frühzeitig ergraut. Irgendwann hörte er einfach auf seine Haare zu färben. Nur noch im Ansatz waren seine Haare gebleicht. Irgendwie erinnerte mich diese Farbe immer an Urin.
Kurz, Horst war ein merkwürdig gealterter Mensch. Und doch war er unreif in seiner Art wie er sich inszenierte. Er glaubte, so wie er, könne nur ein Existentialist aussehen. Ich weiß nicht, wem das noch etwas sagt?!
Horst also schob seinen prallen Bauch vor sich her und stocherte ständig in seinen Zähnen herum. Wenn er lachte, dachte man an einen gutmütig grunzenden Bären. Nur seine Gesichtsfarbe erinnerte an synthetischen Vanillepudding, der sich ökologisch schlecht abbauen liess. Na ja, vielleicht war dieser Pudding auch mit Mohnstreuseln durchsetzt. Denn Horst war immer schlecht rasiert.
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Trockenrasur. Das sah man sofort. Ich vermute sein Elektrorasierer hatte ein stumpfes Scherblatt. So klebte eigentlich immer irgendwo in seinem Gesicht ein Pflaster. Und wenn er sich schnäuzte, betrachtete er wohlgefällig sein Taschentuch, als sei er besonders produktiv gewesen.
Zugegeben, Horst stand unter Medikamenten. Denn eines Tages begann er Stimmen zu hören. Er litt schon lange unter diesem verhassten Studienfach, das er ursprünglich gewählt hatte. Physik. In diesem Studium sah er einfach kein Fortkommen. Geschweige, dass man von einem Ende oder gar Diplom sprechen konnte. So verlor sich Horst zunehmend in Illusionen:
Da für ihn eine reguläre Arbeit sowieso nicht in Frage komme, müsse er sich um ein Stipendium bemühen. Das war seine Logik.
Als er seine Anträge ausgefüllt hatte, bekam er Sozialhilfe…

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