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Jugendliche erleben Geschichte hautnah: Gedenkstättenfahrt in das ehemalige Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz

Neben der Besichtigung des Lagers Auschwitz-Birkenau stand auch der Besuch einer Ausstellung von Kunstwerken ehemaliger Häftlinge auf dem Programm. Die Teilnehmenden setzten sich intensiv mit der Geschichte des Lagers auseinander.
Neben der Besichtigung des Lagers Auschwitz-Birkenau stand auch der Besuch einer Ausstellung von Kunstwerken ehemaliger Häftlinge auf dem Programm. Die Teilnehmenden setzten sich intensiv mit der Geschichte des Lagers auseinander.
Gießen | Eine Woche verbrachten 14 Jugendliche aus dem Landkreis Gießen gemeinsam in O[wicim und erlebten ein vielfältiges Programm rund um die Gedenkstätte Auschwitz. Das Jugendbildungswerk des Landkreis Gießen hatte wieder eine Gedenkstättenfahrt für Jugendliche ab 14 Jahren organisiert, die in das ehemalige nationalsozialistische Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz in O[wicim/Polen führte. Jugenddezernent Dirk Oßwald weiß: „Im Geschichtsunterricht lernen die Jugendlichen die Fakten zur NS-Zeit. Bei einer Studienfahrt an den Ort des Geschehens wird dieses Wissen ganz anders und tiefgehender verarbeitet.“

Neben der Besichtigung des Stammlagers und dem riesigen Areal des Lagers Auschwitz-Birkenau, in dem zu Hochzeiten an die 90.000 Häftlinge einsaßen und meist nicht überlebten, stand auch der Besuch einer Ausstellung von Kunstwerken ehemaliger Häftlinge und praktische Arbeiten zum Erhalt des Geländes auf dem Programm. Die Teilnehmenden setzten sich intensiv mit der Geschichte des Lagers auseinander. Sie konnten auch im Archiv der internationalen Jugendbegegnungsstätte in Berichten von Überlebenden lesen und in eigenen Arbeiten einzelne Themen vertiefen und auch für sich verarbeiten, berichtet Johanna Faßnacht, Jugendbildungsreferentin im Landkreis Gießen.

Ein Höhepunkt der Woche war ein Zeitzeugengespräch mit einem Überlebenden des Holocaust, der aus seiner ganz privaten Lebensgeschichte und den Erfahrungen zur Zeit des Nationalsozialismus erzählte. „Es war sehr beeindruckend, jemanden zu treffen, der das, was wir nur aus unseren Geschichtsbüchern kennen, selbst erlebt hat. Seine Geschichte hat mich sehr berührt. Er hatte immer wieder so viel Glück gehabt und glücklicherweise diese schreckliche Zeit überlebt“, sagte eine Teilnehmerin aus dem Landkreis.

Neben der Gedenkstätte lernten die Teilnehmenden auch die Kleinstadt O[wicim kennen, die oft hinter dem Namen des Lagers unbekannt bleibt. Auch sie hat viele Geschichten zu erzählen, wie die Jugendlichen in einer Stadtführung und dem jüdischen Zentrum vor Ort erfahren konnten. Bei einer Exkursion nach Krakau lernte die Gruppe die ereignisreiche Geschichte unseres Nachbarlandes Polen kennen und konnte auch dort den Spuren jüdischen Lebens folgen.

Bei einem Nachtreffen soll die Brücke zur Gegenwart geschlagen werden. „Erinnern für die Zukunft“, sagt Johanna Faßnacht, „um historische Hintergründe zu erfahren und zum Anderen, um Geschehnisse von Heute kritisch hinterfragen zu lernen, damit sich eine solche Geschichte nie mehr wiederholt.“ Außerdem werden die Schüler und Schülerinnen eigene Produkte für eine Ausstellung zum 70. Jahrestag der Befreiung des Lagers herstellen, mit der sie ihren Freunden, ihren Eltern und Interessierten von ihren Erlebnissen und den Inhalten der Fahrt erzählen wollen.

Auch in den kommenden Jahren veranstaltet das Jugendbildungswerk des Landkreises wieder Studienfahrten in die Gedenkstätten Buchenwald und Auschwitz. Hierfür können sich Jugendliche ab 14 Jahren über die Jugendförderung anmelden. Nähere Informationen erteilt Kreisjugendbildungsreferentin Johanna Faßnacht, Telefon: 0641 9390-9233. Das Programm der Jugendförderung und des -bildungswerks können unter www.lkgi-jugendfoerderung.de heruntergeladen werden.

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Kommentare zum Beitrag

Martin Wagner
2.756
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 15.12.2014 um 09:22 Uhr
Finde ich gut.
361
Harry Weiß aus Gießen schrieb am 15.12.2014 um 09:31 Uhr
Klasse! Die Fahrten sollten im Geschi-Unterricht in den Schulen promotet werden...
Nicole Freeman
11.086
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 15.12.2014 um 09:33 Uhr
sehr gut. nur wer die vergangenheit kennt kann die zukunft gestalten.
Karl-Ludwig Büttel
3.887
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 15.12.2014 um 10:39 Uhr
Mein Sohn fährt mit seiner Schule im April 2015 nach Auschwitz. Er hat sich dieses Thema als Wahlpflichtfach gewählt. (10 Klasse). So ist es Frau Freeman nur wer die Vergangenheit kennt und sich auch offen zu dieser bekennt, kann die Zukunft gestalten.
Florian Schmidt
4.986
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 15.12.2014 um 11:19 Uhr
Ich war nach meinem Besuch mit der Schulklasse in Buchenwald damals schwer beeindruckt. Es ist was anderes über ein Konzentrationslager zu lesen oder einen Film zu sehen, aber wenn man wirklich ein Lager betritt wird es gleich etliche Grad kälter. Dazu kam damals noch der Winter. Alles weiß, alles karg. Dazu dann die Verbrennungsöfen oder die Genickschussanlage.
Auch wenn ich all das vielleicht mit 17/18 noch nicht so ganz erfasst habe, die Eindrücke sind geblieben. Das ganze Grauen ist mit menschlichen Verständnis einfach nicht zu erfassen.
Jede Schulklasse sollte die Gelegenheit haben das zu sehen. Auch durch andere Medien müssen sie erfahren. Wir haben zum Beispiel damals noch die Filme "Das Urteil von Nürnberg" und "Schindlers Liste" gesehen.
Ich hoffe es ist eine Mahnung an alle Menschen, nicht nur die Deutschen.
Karl-Ludwig Büttel
3.887
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 15.12.2014 um 11:59 Uhr
Herr Schmidt so ist. Mit meinen Kindern war ich auch in Buchenwald. Es ist etwas ganz anderes als nur darüber zu lesen. Dieser Eindruck bleibt.
361
Harry Weiß aus Gießen schrieb am 15.12.2014 um 13:20 Uhr
Und wenn der Eindruck bleibt, bleibt das Vergessen unmöglich...
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