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»Wieder Krieg in Europa? Nicht in unserem Namen!«

Gießen | Mehr als 60 Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Medien warnen in einem Aufruf eindringlich vor einem Krieg mit Russland und fordern eine neue Entspannungspolitik für Europa:
Niemand will Krieg. Aber Nordamerika, die Europäische Union und Russland treiben unausweichlich auf ihn zu, wenn sie der unheilvollen Spirale aus Drohung und Gegendrohung nicht endlich Einhalt gebieten. Alle Europäer, Russland eingeschlossen, tragen gemeinsam die Verantwortung für Frieden und Sicherheit. Nur wer dieses Ziel nicht aus den Augen verliert, vermeidet Irrwege.
Der Ukraine-Konflikt zeigt: Die Sucht nach Macht und Vorherrschaft ist nicht überwunden. 1990, am Ende des Kalten Krieges, durften wir alle darauf hoffen. Aber die Erfolge der Entspannungspolitik und der friedlichen Revolutionen haben schläfrig und unvorsichtig gemacht. In Ost und West gleichermaßen. Bei Amerikanern, Europäern und Russen ist der Leitgedanke, Krieg aus ihrem Verhältnis dauerhaft zu verbannen, verlorengegangen. Anders ist die für Russland bedrohlich wirkende Ausdehnung des Westens nach Osten ohne gleichzeitige Vertiefung der Zusammenarbeit mit Moskau, wie auch die völkerrechtswidrige Annexion der Krim durch Putin, nicht zu erklären.
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In diesem Moment großer Gefahr für den Kontinent trägt Deutschland besondere Verantwortung für die Bewahrung des Friedens. Ohne die Versöhnungsbereitschaft der Menschen Russlands, ohne die Weitsicht von Michael Gorbatschow, ohne die Unterstützung unserer westlichen Verbündeten und ohne das umsichtige Handeln der damaligen Bundesregierung wäre die Spaltung Europas nicht überwunden worden. Die deutsche Einheit friedlich zu ermöglichen war eine große, von Vernunft geprägte Geste der Siegermächte. Eine Entscheidung von historischer Dimension. Aus der überwundenen Teilung sollte eine tragfähige europäische Friedens- und Sicherheitsordnung von Vancouver bis Wladiwostok erwachsen (...). Dieses Ziel der Nachkriegspolitik ist bis heute nicht eingelöst. Die Menschen in Europa müssen wieder Angst haben.
Wir, die Unterzeichner, appellieren an die Bundesregierung, ihrer Verantwortung für den Frieden in Europa gerecht zu werden. Wir brauchen eine neue Entspannungspolitik für Europa. Das geht nur auf der Grundlage gleicher Sicherheit für alle und mit gleichberechtigten, gegenseitig geachteten Partnern. (…) Wir dürfen Russland nicht aus Europa hinausdrängen. Das wäre unhistorisch, unvernünftig und gefährlich für den Frieden. Seit dem Wiener Kongress 1814 gehört Russland zu den anerkannten Gestaltungsmächten Europas. Alle, die versucht haben, das gewaltsam zu ändern, sind blutig gescheitert – zuletzt das größenwahnsinnige Hitler-Deutschland, das 1941 mordend auszog, auch Russland zu unterwerfen.
Wir appellieren an die Abgeordneten des Deutschen Bundestages, (…) dem Ernst der Situation gerecht zu werden und aufmerksam auch über die Friedenspflicht der Bundesregierung zu wachen. Wer nur Feindbilder aufbaut und mit einseitigen Schuldzuweisungen hantiert, verschärft die Spannungen in einer Zeit, in der die Signale auf Entspannung stehen müssten. (...)
Wir appellieren an die Medien, ihrer Pflicht zur vorurteilsfreien Berichterstattung überzeugender nachzukommen als bisher. Leitartikler und Kommentatoren dämonisieren ganze Völker, ohne deren Geschichte ausreichend zu würdigen. (…) Es geht nicht um Putin. Staatenlenker kommen und gehen. Es geht um Europa. Es geht darum, den Menschen wieder die Angst vor Krieg zu nehmen. Dazu kann eine verantwortungsvolle, auf soliden Recherchen basierende Berichterstattung eine Menge beitragen. (...)
Die Unterzeichner
Mario Adorf, Schauspieler
Robert Antretter (Bundestagsabgeordneter a. D.)
Prof. Dr. Wilfried Bergmann (Vize - Präsident der Alma Mater Europaea)
Luitpold Prinz von Bayern (Königliche Holding und Lizenz KG)
Achim von Borries (Regisseur und Drehbuchautor)
Klaus Maria Brandauer (Schauspieler, Regisseur)
Dr. Eckhard Cordes (Vorsitzender Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft)
Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin (Bundesministerin der Justiz a.D.)
Eberhard Diepgen (ehemaliger Regierender Burgermeister von Berlin)
Dr. Klaus von Dohnanyi (Erster Burgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg)
Alexander van Dülmen (Vorstand A-Company Filmed Entertainment AG)
Stefan Durr (Geschäftsfuhrender Gesellschafter und CEO Ekosem-Agrar GmbH)
Dr. Erhard Eppler (Bundesminister fur Entwicklung und Zusammenarbeit a.D.)
Prof. Dr. Dr. Heino Falcke (Propst i.R.)
Prof. Hans-Joachim Frey (Vorstandsvorsitzender Semper Opernball Dresden)
Pater Anselm Grun (Pater)
Sibylle Havemann (Berlin)
Dr. Roman Herzog (Bundespräsident a.D.)
Christoph Hein (Schriftsteller)
Dr. Dr. h.c. Burkhard Hirsch (Bundestagsvizepräsident a.D.)
Volker Hörner (Akademiedirektor i.R.)
Josef Jacobi (Biobauer)
Dr. Sigmund Jähn (ehemaliger Raumfahrer)
Uli Jörges (Journalist)
Prof. Dr. Dr. h.c. Margot Käßmann (ehemalige EKD Ratsvorsitzende und Bischöfin)
Dr. Andrea von Knoop (Moskau)
Prof. Dr. Gabriele Krone-Schmalz (ehemalige Korrespondentin der ARD in Moskau)
Friedrich Kuppersbusch (Journalist)
Vera Gräfin von Lehndorff (Kunstlerin)
Irina Liebmann (Schriftstellerin)
Dr. h.c. Lothar de Maizière (Ministerpräsident a.D.)
Stephan Märki (Intendant des Theaters Bern)
Prof. Dr. Klaus Mangold (Chairman Mangold Consulting GmbH)
Reinhard und Hella Mey (Liedermacher)
Ruth Misselwitz (evangelische Pfarrerin Pankow)
Klaus Prömpers (Journalist)
Prof. Dr. Konrad Raiser (eh. Generalsekretär des Ökumenischen Weltrates der Kirchen)
Jim Rakete (Fotograf)
Gerhard Rein (Journalist)
Michael Röskau (Ministerialdirigent a.D.)
Eugen Ruge (Schriftsteller)
Dr. h.c. Otto Schily (Bundesminister des Inneren a.D)
Dr. h.c. Friedrich Schorlemmer (ev. Theologe, Burgerrechtler)
Georg Schramm (Kabarettist)
Gerhard Schröder (Bundeskanzler a.D.)
Philipp von Schulthess (Schauspieler)
Ingo Schulze (Schriftsteller)
Hanna Schygulla (Schauspielerin, Sängerin)
Dr. Dieter Spöri (Wirtschaftsminister a.D.)
Prof. Dr. Fulbert Steffensky (kath. Theologe)
Dr. Wolf-D. Stelzner (geschäftsfuhrender Gesellschafter: WDS-Institut fur Analysen in Kulturen mbH)
Dr. Manfred Stolpe (Ministerpräsident a.D.)
Dr. Ernst-Jörg von Studnitz (Botschafter a.D.)
Prof. Dr. Walther Stutzle (Staatssekretär der Verteidigung a.D.)
Prof. Dr. Christian R. Supthut (Vorstandsmitglied a.D. )
Prof. Dr. h.c. Horst Teltschik (ehemaliger Berater im Bundeskanzleramt fur Sicherheit und Außenpolitik)
Andres Veiel (Regisseur)
Dr. Hans-Jochen Vogel (Bundesminister der Justiz a.D.)
Dr. Antje Vollmer (Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages a.D.)
Bärbel Wartenberg-Potter (Bischöfin Lubeck a.D.)
Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker (Wissenschaftler)
Wim Wenders (Regisseur)
Hans-Eckardt Wenzel (Liedermacher)
Gerhard Wolf (Schriftsteller, Verleger)

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Kommentare zum Beitrag

Michael Beltz
7.760
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 09.12.2014 um 18:34 Uhr
Es ist mir bewusst, dass dies kein Aufruf von Linken ist. Wenn jedoch Menschen aus dem "bürgerlichen Lager" ihre aus unterschiedlichen Interessen gespeiste Befürchtunegn vor einer zunehmenden Kriegsgefahr aüßern, halte ich das unter den augenblicklichen Bedingungen für sehr verantwortungsvoll. Die Hetze gegen Russland und Putin hat einen bisher nicht geglaubten Höhepunkt erreicht. Der aktuelle Vorwurf des Doping geschieht eine Woche nach der Erkenntnis, dass Doping in der BRD vom damaligen Innenministerium gefördert und hier üblich war.
Die Meinungsmanipulationsindustrie und das Propagandaministerium halten uns wohl alle für blöd.
Birgit Hofmann-Scharf
10.362
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 09.12.2014 um 19:31 Uhr
Ich distanziere mich hier von jeglicher Partei -
ich wende mich aber auf keinen Fall von der Forderung nach Frieden ab !

" Wir appellieren an die Medien, ihrer Pflicht zur vorurteilsfreien Berichterstattung überzeugender nachzukommen als bisher."
Dieser gute Satz finden meine volle Zustimmung.
Kurt Wirth
3.092
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 09.12.2014 um 20:38 Uhr
Es ist üblich, daß vorneweg bei solchen Aufrufen prominente und/oder kompetente Erstunterzeichner stehen. Inzwischen ist jedermann aufgerufen, diesen Appell mit zu unterzeichnen:

http://www.openpetition.de/petition/online/appell-wieder-krieg-in-europa-nicht-in-unserem-namen
338
Ruth Schewietzek aus Gießen schrieb am 10.12.2014 um 00:11 Uhr
Gut, daß der link zu openpetition noch angegeben wurde. Inzwischen haben über 20 000 Menschen unterschrieben und es werden sicher noch mehr werden.
Leider wird in vielen Medien der Aufruf schlichtweg unterschlagen. Die ZEIT (www.zeit.de) bietet dazu ein breites Diskussionsforum an. Aber auch da werden natürlich gegen den Aufruf Brandartikel geschrieben. Es scheint wirklich, als solle der nächste Krieg herbeigeschrieben werden.
236
Thomas Knecht aus Gießen schrieb am 10.12.2014 um 09:30 Uhr
Ich kann Michael Beltz nur zustimmen!
Michael Beltz
7.760
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 10.12.2014 um 13:13 Uhr
Warum Du Dich an dieser Stelle von jeglicher Partei distanzierst, liebe Birgit, ist mir nicht klar. Wenn hier jemand unterschreibt, ist mir egeal welcher Partei, Kirche, Sportverein, Hauseigentümer usw er/sie angehört. Parteien sollten nicht unterschreiben, das Spektrum der Unterzeichner ist sehr breit und solllte keinen Anlass für Parteienstreit geben.
Martin Wagner
2.705
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 10.12.2014 um 19:29 Uhr
Wenn ich mir die Liste der Erstunterschreiber anschaue, dann sehe ich fast nur "a.d.s" und Menschen, welche schon ein paar Jahre auf den Buckel haben. Ist ja auch logisch, denn der (in meinen Augen richtig) Bezugpunkt sind die Jahre um 1990. Wer sie selber bewußt miterlebt hat, weiss eben, dass die Auflösung der starren Blöcke auch seinen Preis hatte und noch immer hat.

Wie heute junge Leute denken können, den damaligen Konsens (Korridor von Staaten ohne militärische Anbindung an den Westen um Russland herum) gerade mal so auf die Schnelle aufkündigen zu können, den halte ich für grenzenlos dumm oder für brandgefährlich (oder für Beides).
Birgit Hofmann-Scharf
10.362
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 10.12.2014 um 19:33 Uhr
Nun Michael, Deine Argumente sind voll akzeptiert !

Unterschrift ist geradezu Pflicht, sofern man / frau Kriegsgegner ist.
Ich bin selbstverständlich dabei !

( "Flintenhasser e. V. ")
Michael Beltz
7.760
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 14.12.2014 um 10:39 Uhr
Es scheint so, dass die Vernunft eine Chance hat und viele Menschen unterschreiben. Die Kriegshetzer werden in die Enge getrieben. Der alte Ruf hat Gültigkeit: Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg.
Stefan Walther
4.851
Stefan Walther aus Linden schrieb am 14.12.2014 um 11:37 Uhr
Der alte - illusorische - Ruf "Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg", scheint trotz Kriegen auf der ganzen Welt immer noch in vielen ( auch linken ) Köpfen einfach nicht zu verschwinden!?
So lange es den Imperialismus gibt, so lange wird es ( imperialistische ) Kriege geben. Sicher kann man - können die Volksmassen - den Faschismus und auch einzelne Kriege verhindern, das ist und war möglich.
Wenn ich mir die Liste der Unterzeichner hier anschaue Martin, dann wird mir teilweise übel. Sollen wir uns nun auf verschiedene Vertreter imperialistischer "Friedenspolitik" verlassen, dass sie u.a. "an die deutsche Bundesregierung apellieren, damit diese ihrer Verantwortung für den Frieden in Europa gerecht wird..."? Solch einen Unsinn muss man erstmal verdauen.
Würde man - was eigentlich Pflicht sein sollte - diesen Aufruf Punkt für Punkt analysieren ( so z.B. "wer" hat die Spaltung Deutschlands überwunden und die Wiedervereinigung durchgesetzt, oder auch die Aussage "Niemand will Krieg"...), dann würde man feststellen müssen, dass dies nichts weiter als naive - oder bewusst in die Irre führende - Phrasen sind.

Für eine aktive Friedenspolitik ist die Mobilisierung der Massen in Europa - in Ost und West - notwendig, nur so können ( einzelne ) Kriege verhindert werden! "Vernünftig" Michael werden Imperialisten - auch in Ost und West - niemals werden, wie kannst du nur so etwas hier schreiben? Sicher, treibt man die Kriegstreiber in die Enge, dann ist das ein oder andere möglich, das hat aber mit "vernünftig werden" nichts zu tun.
Kurt Wirth
3.092
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 14.12.2014 um 13:37 Uhr
Lieber Stefan, wie mobilisiert man die Massen?
Stefan Walther
4.851
Stefan Walther aus Linden schrieb am 14.12.2014 um 18:51 Uhr
Lieber Kurt, dein Kommentar bedeutet, dass du sonst keinen Widerspruch / keine Fragen / keine Anmerkungen zu meinem Kommentar hast? Wer mich kennt, der weiss, dass ich nur sehr ungern reagiere wenn man mir lediglich Gegenfragen stellt... Wenn du ansonsten meine Meinung teilst Kurt, warum hast du dann in deinem ersten Kommentar nicht auf die "Richtung" in diesem Aufruf hingewiesen?

Natürlich antworte ich trotzdem: von deiner weltanschaulichen Einstellung her verwundert mich deine Frage doch nicht nur ein wenig Kurt. Wie mobilisiert man die Massen? = diese Frage und Aufgabe ist doch nicht neu, so als wäre das etwas was noch nie gemacht worden wäre...
- das Wichtigste = man muss sich dort hinbegeben wo die Massen sind, vor allem ( auch das ist wahrlich nichts neues ) die Bedeutung der Frage von Krieg und Frieden in die Arbeiterschaft und ihre Selbstorganisationen tragen
- man muss den Massen reinen Wein einschenken und sie nicht in die Sackgasse führen ( wie es z.B. dieser Aufruf tut, damit kann man keinen Hund hinter dem Ofen hervorlocken, geschweige denn die Menschen auf die Strasse bringen )
- das "Stellvertreter-Denken" muss bekämpft werden = "die machen das schon für euch...."
- es gibt sicher einiges mehr was ich / man jetzt aufführen könnte... eines steht fest = wer kein Vertrauen in die ( Kraft der ) Massen hat, der kann damit natürlich nichts anfangen
Kurt Wirth
3.092
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 14.12.2014 um 22:52 Uhr
Dein erster Kommentar, Stefan, richtet sich gegen einen Einwurf von Michael in einem Kommentar. Da sollte auch Michael darauf antworten. Mit dem Inhalt des Aufrufs setzt Du Dich eigentlich nicht auseinander, schreibst zwar, man müßte es tun. Du machst ihn pauschal zur Sau, teilst aber nach wie vor nicht mit, wie Du nun konkret die Mobilisierung der Massen angehen willst. Diese Mobilisierung schien mir der zentrale Punkt in Deinem ersten Kommentar. Ich stellte keine Gegenfrage, sondern forderte nur eine Präzisierung, Konkretisierung ein. Was willst Du denn nun konkret in die Wege leiten?

Wenn auch ein solcher Aufruf nicht in allen Dingen meinen Vorstellungen entspricht, und manche der aufrufenden Personen schon gar nicht: ich unterstütze alles, was ein wenig in der augenblicklichen Situation meinen Vorstellungen näher kommt und Bewegung in der von mir gewünschten Richtung bringt. Ich würde es auch unterstützen, wenn z.B. die CDU plötzlich den Rückgang des Rentenalters auf 63 fordern würde und die Rente ohne Abschläge für Frauen ab 60. So ein Klick mit geringstem Aufwand unter einem solchen Aufruf ist immer noch mehr, als in die hohle Hand gekackt.
Stefan Walther
4.851
Stefan Walther aus Linden schrieb am 15.12.2014 um 19:33 Uhr
Hm, du machst es dir relativ einfach Kurt, ich habe - wenn du meinen ersten Kommentar nochmal liest müsstest du das klar erkennen - mehrere Punkte angeführt. Die notwendige Mobilisierung der Massen ist daraus nur die logische Konsequenz. Desweiteren habe ich auf 2 Punkte des Aufrufs hingewiesen, die aus meiner Sicht völlig falsch dargestellt sind ( es gibt einige mehr ). Es scheint sich aber niemand mit dem Inhalt des Aufrufs beschäftigen zu wollen ( du eingeschlossen ), warum sollte ich dann weiter darauf pochen?
Ich habe ganz konkrete Dinge aufgezeigt, die der Mobilisierung dienen können ( mag sein, dass dies für dich nicht ausreichend genug ist, aber dies ist für mich der Kern der Sache ). Ob dies dann durch Veranstaltungen, Kundgebungen, Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen, Flugblättern, Infoständen usw. usw. umgesetzt werden sollte, das schien mir nicht so bedeutend hier im Kommentar, es ging mir darum, die Heuchelei einiger Unterzeichner ( sicherlich nicht aller! ) aufzuzeigen, die selbst in Parteien organisiert sind, die bereits für Kriegseinsätze Deutschlands verantwortlich waren. Und solchen Leuten darf man weder vertrauen noch das Handeln überlassen.
"So ein Klick mit geringstem Aufwand unter einem solchen Aufruf ist immer noch mehr, als in die hohle Hand gekackt." = genau das ist auch ein Kernproblem: so ein Klick bewirkt genauso viel und so wenig wie "in die hohle Hand gekackt"! Im Gegenteil, damit werden wieder etliche ihr Gewissen beruhigen "ich hab doch unterschrieben, warum tun die denn wieder nix".....?
Kurt Wirth
3.092
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 15.12.2014 um 21:12 Uhr
Nun nehme ich das so zur Kenntnis. Warum ich da hätte nicht unterschreiben sollen und was ich statt dessen besser hätte tun sollen, ist mir nach wie vor nicht klar.

Eine weiter Möglichkeit, die "Massen zu mobilisieren" sah ich in den Demos und Kundgebungen am vergangenen Samstag unter dem Stichwort "Friedenswinter". Den Aufruf dazu habe ich nach langem Zögern auch unterschrieben. Allerdings war mir nun die Anreise von meinem Wohnort zur nächstgelegenen Demo doch zu lang. Die seit Ostermontag dieses Jahres in meinem Wohnort stattfindenden "Montagsfriedensmahnwachen" habe ich anfangs ein paar Mal besucht. Nachdem da aber niemand bereit war, sich von Reichsbürgern (die propagieren, daß Deutschland sich immer noch im Rechtsstatus von 1937 befindet), REP's, ein paar obskuren esoterischen Gruppen, die das Züchtigungsrecht für Kinder und Frauen forderten, oder vor dem nächsten Montag zu einem nächtlichen Bad in einem Weiher einluden, um die dadurch gewonnene Energie ins nächste Treffen einzubringen, man da ohnehin jedesmal Ringelpietz mit Anfassen machte und selbst produzierte Lieder zu singen hatte, also da nahm ich dann doch wieder Abstand von den Montagsfriedensmahnwachen, obwohl auch gutgesinnte Menschen dabei waren, wie z.B. eine Initiative gegen Uranmunition.

Nun scheint das von Ort zu Ort ganz unterschiedlich zu sein und im Vorlauf zu den Demos am vergangenen Samstag ist wohl überregional eindeutig eine Abgrenzung zu neofaschistischen Tendenzen erfolgt.

Wie schon bei früherer Gelegenheit, als Du von den "Massen" sprachst, stellt sich für mich die Frage, wer dazu gehört (dem Worte nach gehören ja alle dazu, auch die Rechten und die Esoteriker) und ob man sich zunächst nicht auf bestimmte Teile konzentrieren sollte. Ich meide den Begriff ohnehin grundsätzlich.
Michael Beltz
7.760
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 16.12.2014 um 13:23 Uhr
Die Arbeiterklasse zu benennen und von der Mobilisierung der Massen zu reden ist im Prizip richtig, weckt jedoch gleichzeitig in der heutigen Lage Illussionen. Immer die Frage: wie? Mit Geduld immer wieder von vorne anfangen, von den Ostermärschen über Großdemos bis heute.
Für Lenin war die Friedensfrage so wichtig, dass seine erste Handlung das Friedensdekret war. Und heute ist die Kriegsagefahr von so eminenter Bedeutung, dass jeder Ruf von Menschen unterschiedlicher Auffassung gegen Krieg wichtig ist. Da sind Vertreter, die mir auch unsympatisch sind, die aus unterschiedlichen Interessen (auch aus kapitalistischen oder gar imperialistischen) einen Krieg befürchten oder ihn derzeit nicht gebrauchen können.
Ohne Frieden ist alles nichts - das halte ich nach wie vor für eine richtige Losung. Von Massenkämpfen träumen nutzt wenig. Auch die Widersprüche innerhalb des imperialistischen Lagers sind nutzbar zu machen. Die unterschiedlichen Kapitalfraktionen vertreten ihre eigenen Interessen. Manche wollen, um Handel zu treiben, keinen Krieg.
Ich stimme zu, dass der Aufruf viele reaktionäre Aussagen trifft.
Trotz allle dem!
Stefan Walther
4.851
Stefan Walther aus Linden schrieb am 16.12.2014 um 20:24 Uhr
Lieber Kurt, - "Warum ich da hätte nicht unterschreiben sollen und was ich statt dessen besser hätte tun sollen, ist mir nach wie vor nicht klar." -
= dann reden wir anscheinend aneinander vorbei!? Besser kann ich es nicht aufzeigen auf "was und wen es ankommt". Und da geht es mit Sicherheit nicht um die so genannte "neue Montagsdemo für den Frieden", dies hast du sehr gut beschrieben - dies gilt übrigens nicht nur für deinen Wohnort, dies ist ein bundesweites Problem, auch nicht weiter verwunderlich, da die Anmelder fast immer die gleichen sind...

Michael hat Lenin erwähnt, vielleicht solltest du mal wieder bei ihm nachlesen, kaum einer hat so oft von der Bedeutung der Massen gesprochen / geschrieben :-)) Irgendwie scheinst du da ein für mich nicht erklärbares Problem mit dem Begriff ( und den ) Massen zu haben.

Beide - du und Michael - scheint ihr mir wenig Vertrauen in die Massen zu haben ( ich kann mich ja täuschen, kann ja nur das beurteilen was ich hier lese ). Natürlich gehört Geduld immer dazu, Klein- und Überzeugungsarbeit ist das einzig richtige, auch müssen die Widersprüche im imperialistischen Lager genutzt werden usw. usw.. Das hat aber nicht das Geringste damit zu tun, dass man denken könnte, dass man nur auf die Imperialisten ( auch dies ist die "Richtung" dieses Aufrufs ) zu setzen braucht und so Kriege verhindern könnte. Das weckt Illusionen.... das sind nichts weiter als ( bürgerliche und kleinbürgerliche ) pazifistische Träumereien.
Kurt Wirth
3.092
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 17.12.2014 um 09:19 Uhr
Um es nochmal aus meiner Sicht zu verdeutlichen:
Deine Argumentation, Stefan, bleibt mir zu sehr in der Theorie, im marxistischen Elfenbeinturm, ohne Verbindung zur Praxis. In der Tat habe ich kein Vertrauen in die "Massen", weil ich nicht weiß, wer das ist. ist mir zu diffus. Ich kenne Lohnabhängige, Selbständigen Mittelstand, wissenschaftlich technische Intelligenz, Bauern, Arbeitslose usw. usf. Die können dann jeweils unpolitisch, rechtslastig, links-fortschrittlich oder sonst was sein. Vertrauen habe ich nur in bestimmte Teilmengen. Ich habe noch nie auf die Imperialisten gesetzt, allenfalls ihnen mühsam kleine Zugeständnisse abgerungen, gemeinsam mit vielen anderen. Das auch unter der Losung, die Michael in ihrem zweiten Teil anführt: Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts.

Diesmal bin ich mit Michaels Kommentar völlig auf einer Linie. Ist und war nicht immer so.
Stefan Walther
4.851
Stefan Walther aus Linden schrieb am 17.12.2014 um 18:19 Uhr
Du unterstellst mir theoretisches Gefasel im Elfenbeinturm Kurt? Ich weiss nicht wo du aktiv bist Kurt... für mich gilt jedenfalls = Theorie ohne Praxis ist absolut nichts wert. Und jede geschichtliche Erfahrung hat gezeigt, dass ohne Vertrauen in die Massen, ohne auf sie zu bauen.... alles auf Stellvertreterpolitik, Elitedenken... und im Endeffekt im Bürokratismus endet.

Michael`s Beispiel? Der Vergleich hinkt gewaltig = konkrete Analyse der konkreten Situation, das ist immer das entscheidende! Für ein sozialistisches Land, von allen Seiten von Imperialisten eingekreist, nach 4 Jahren Krieg und 3 Jahren Bürgerkrieg und unzähligen Überfällen von Imperialisten war die Friedensfrage eine Überlebensfrage.
Was hat das mit der aktuellen Lage zu tun? Mit Imperialisten in Ost und West, die alle ihren Einflussbereich erweitern wollen?
Die "Massen", das ist keineswegs etwas diffuses, die Masse der Arbeiterschaft ist etwas anderes wie die Arbeiterklasse im engeren Sinne ( das Industrieproletariat ) usw. usw. Jede(!) Frage muss unter dem Gesichtspunkt der Klassenlage gestellt und analysiert werden, das ist kein theoretisches Blabla, das ist Grundlage für die richtige praktische Politik.
Die Frage muss lauten: Welches ureigenste Interesse hat eine bestimmte Klasse -- und nicht "gibt es dort rechtslastige, links-fortschrittliche... Elemente". Wenn dann fortschrittliche Kräfte außerhalb der Arbeiterklasse die Position der Arbeiterschaft übernehmen, sich mit ihr verbinden .... umso besser, aber das ist nicht der Maßstab für die politische Praxis. Dies würde lediglich zum hinterherlaufen hinter der spontanen Bewegung führen, oder auch zum unterschreiben, Hauptsache es hört sich ein wenig fortschrittlich an...
Und nochmal = natürlich geht es darum Kriege zu verhindern, die Frage ist nur "wie" können sie verhindert werden.... und darauf Kurt, darauf hast du noch keine einzige Antwort gegeben, lediglich meine Position kritisiert und hinterfragt ( das ist auch dein gutes Recht! ),. Nur, jetzt wäre es aus meiner Sicht an der Zeit, dass du / dass ihr selbst Antworten gebt und Vorschläge macht!?
Kurt Wirth
3.092
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 17.12.2014 um 18:59 Uhr
Zum letzten Absatz, lieber Stefan: ich bringe doch von Anfang an zum Ausdruck, daß ich in unserer konkreten Situation die Aktionen der Friedensbewegung und Aktionen von gegenüber der Regierungspolitik hellhörig gewordener anderer unterstütze, um Kriege zu verhindern. Ansonsten habe ich für den Notfall im Keller auch irgendwo noch einen Baseballschläger stehen. Hingegen habe ich von Dir bislang eben gerade keinen konkreten Vorschlag gehört.
Stefan Walther
4.851
Stefan Walther aus Linden schrieb am 17.12.2014 um 22:41 Uhr
Es bringt meiner Ansicht nach nichts mehr Kurt. Entweder willst du mich - und meine konkreten(!) Vorschläge - nicht verstehen oder siehst die Bedeutung von Klein- und Überzeugungsarbeit zur Mobilisierung der Massen ( ja schon wieder, man kann es nicht oft genug betonen :-)) nicht ein.
Es geht eben gerade nicht darum einfach nur hinter der Friedensbewegung oder anderer Aktionen nachzulaufen, sich der spontanen Bewegung anzuhängen und sich von der kleinbürgerlich geprägten Bewegung abhängig zu machen... das Thema "Krieg und Frieden" muss in die Betriebe, in die Arbeiterschaft getragen werden, über Ursache und Wirkung aufgeklärt werden usw. usw., und der Protest muss dann auch von dort getragen und organisiert werden... Ich wundere mich immer wieder wie diese Vorgehensweise von manchen ( sicher nicht von allen ) überhaupt in Frage gestellt werden kann.
Das mit dem Baseballschläger habe ich nicht kapiert, wahrscheinlich ein kleiner Scherz, den ich nicht verstanden habe!?
Michael Beltz
7.760
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 18.12.2014 um 10:02 Uhr
Richtig, antimilitaristische Positionen, Friedenspolitik, muss in die Betriebe getragen werden. Noch besser, wenn sich dort über Vertrauensleute so etwas entwickelt.

Wenn sich aber nichts tut, dann muss alles beachtet werden, wo wir eingreifen können in Richtung Kamf um Frieden. Auch jede Heuchelei ist zu hinterfragen, d.h. anfragen, wie wollt ihr das machen. Alle Widerspüche sind zu nutzen (wie oben schon genannt)
Es kommt nicht darauf an, den Charakter irendwelcher Politiker, Manager usw zu begutachten, sie müssen auf ihren Äußerungen festgenagelt werden.

Und wenn zunächst Intelektuelle den Kampf anführen - siehe damalige Friedensbewegungen - dann kann auch die Arbeiterklasse mobilisiert werden. Dann machen Gewerkschafter mit, selbst einige Korrupte sind dann dabei.
Es nutzt nichts, wenn ich recht habe aber keiner hört mir zu. Ein kleiner Baustein ist unser Gießener Echo.
Kurt Wirth
3.092
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 18.12.2014 um 11:11 Uhr
Die letzten beiden Kommentare ersparen mir die Antwort. Ansonsten hätte ich auch gesagt, lassen wir das Zwiegespräch, die Öffentlichkeit interessiert das nicht groß.
Stefan Walther
4.851
Stefan Walther aus Linden schrieb am 18.12.2014 um 17:18 Uhr
Richtig Michael, es ist fast immer so, dass fortschrittliche Intellektuelle die "wichtigen Themen" in die Arbeiterschaft tragen ( und getragen haben ). Nur, die Führung - die viele von ihnen gern für sich beanspruchen - die darf man ihnen nicht überlassen!
( Fast ) Niemand wird sich ernsthaft dagegen aussprechen, dass auch über die Arbeiterschaft hinaus Menschen aus den unterschiedlichsten Schichten der Gesellschaft angesprochen werden müssen, darum geht es doch gar nicht, die Arbeiterklasse braucht unbedingt Verbündete ( ein Narr, der dies abstreitet ), es geht immer noch - und da bleiben einige nach wie vor eine Antwort schuldig - wie und wer kann effektiv ... ( ich will es nicht zum x-ten Mal wiederholen )
Die Arbeiterklasse gibt es nicht mehr Frau Keiner? Wer zu ihr gehört, das wissen die Arbeiter selbst nicht so genau? Das streite ich entschieden ab, das behaupten manche gern ( vor allem die, die den Arbeiter vielleicht nur vom "Hören-Sagen" kennen ). Dass sie ihre eigene Kraft - auch wenn es um den Kampf für den Frieden geht - noch nicht erkannt haben, das trifft sicher auf viele zu. Aber dass sie zu denen gehören, die tagtäglich durch Lohnarbeit ( oder auch "Gehalt", nur weil man sie jetzt in vielen Bereichen "Angestellte" nennt, gehören sie doch oft zur Arbeiterschaft ) ihr Brot verdienen müssen, das wissen sie sehr genau, sie sind ja nicht doof ( auch wenn dies so manche Intellektuelle glauben ).

Sehr interessant Michael, das wäre ne eigene kleine Analyse wehrt = "Es nutzt nichts, wenn ich recht habe aber keiner hört mir zu". Wer hört dir / euch nicht zu wenn ihr "recht habt"? Das Gießener Echo ist aus meiner Sicht ein gutes Blatt - vor allem wenn es um den lokalen Gießener Bereich geht. Bei so manch einer grundsätzlichen Berichterstattung habe ich jedoch auch öfter Widersprüche, muss hier nicht diskutiert werden, aber einfach zu sagen "keiner hört mir zu obwohl ich recht habe", ob es das trifft? Ich bezweifle es zumindest etwas! Mit wem rede ich ( redet man ) und habe ich ( hat man ) wirklich recht mit dem was man sagt, das sollte genau betrachtet werden. "Mir hört keiner zu", das klingt dann wieder eher so nach "die sind zu blöd, die kapieren nix, die interessiert das nicht usw. usw."... damit wären wir dann wieder beim Anfang "Hauptsache es tut sich was, wer und was und wie, das spielt keine Rolle"....
Keiner hat behauptet Frau Keiner, dass es "einfach" ist die Massen zu mobilisieren, im Gegenteil, das ist "hartes Brot", tagtägliche Überzeugungsarbeit usw. ( vor der sich viele drücken ), aber es ist absolut notwendig und - viel wichtiger - der einzig erfolgversprechende Weg, auch um Kriege zu verhindern!
Kurt Wirth
3.092
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 18.12.2014 um 19:21 Uhr
Zur Klassen- und Massenfrage: In Deutschland gibt es bei grob 81 Mio Einwohnern (incl. Kindern) im Jahr 2013 etwas mehr als 25 Mio Rentner. Die Rentner werden vermutlich das politische Bewußtsein (die Mehrzahl wohl Unbewußtsein) ihres Arbeitslebens beibehalten. Dennoch sind sie ja durch direkte Betriebsarbeit nicht zu mobilisieren. Zur Zeit sind aber Untersuchungen zufolge auch nur etwa 30% der über 60-jährigen im Internet aktiv. Doch die Zahl wird in kurzer Zeit rapide zunehmen. Nimmt man die vielen anderen, die nicht tagtäglich an einem Arbeitsplatz erscheinen, der die Möglichkeit zum gegenseitigen Austausch ermöglicht und der die Möglichkeit bietet, den Charakter von Kapital und Imperialismus zu problematisieren (Studenten, Selbständige, Bauern, Teilzeitarbeiter, Elternurlauber und was weiß ich), scheint mir das Internet und darin kursierende Aufrufe, Apelle, die gz und manches andere doch ein geeignetes Mittel, die im letzten Absatz des vorstehenden Kommentars erwähnte Klein- und Überzeugungsarbeit mit zu leisten. Selbstverständlich ist der persönliche Kontakt und Zusammenkünfte, Versammlungen etc. dem immer noch vorzuziehen.
Kurt Wirth
3.092
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 18.12.2014 um 19:33 Uhr
Ergänzung: zu Lenins Zeiten erreichten die wenigsten Menschen ein Lebensstadium nach dem Arbeitsprozess.
Kurt Wirth
3.092
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 19.12.2014 um 17:55 Uhr
Sorry, es sind nicht 25 Mio Rentner, sondern nur über 20 Mio. Es werden 25 Mio Renten ausgezahlt (Mehrfachrentner, z.B. Witwen/r-rente + eigene Rente).
Dafür muß man aber etwa 1 Mio Beamtenpensionäre hinzurechnen.
Michael Beltz
7.760
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 20.12.2014 um 12:14 Uhr
"..und keiner hört mir zu." Das war keine Resignation,. die ich hier verkünden wollte. Vielmehr denke ich wie Kurt an den Elfenbeinturm. Auch in unserer Partei gibt es zwei, die Lenin, Thälmann usw ehren, aber nur mit Worten und Kundgebungsteilnahme. Sie kommen nicht an die Öffentlichkeit, geschweige an Betriebe oder gar die Arbeiterklasse, weil sie keine Kontakte bekommen durch konkrete Arbeit.
Martin Wagner
2.705
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 21.12.2014 um 14:00 Uhr
Entschuldigung, ich hatte in den letzten Wochen viel zu tun und deswegen ist mir diese Kommentarkolonne "durch die Lappen gegangen."

Eigenlich schade, dass sich (überwiegend) nur drei Personen an dieser Kolonne beteiligt haben.

Da ich - mehr oder weniger regelmäßig - die Beiträge der drei Herren verfolge, konnte ich wenig Neues in den inhaltlichen Aussagen finden.

Eine kleine Randbemerkung (ohne die Kolonne jetzt fortsetzen zu wollen ...) erlaube ich mir.

Wenn ich durchaus auch nicht in den Büchern der Klassikern der Linken gut bewandert bin, fehlt mir ganz persönlich schon ein (in meinen Augen sehr wichtiger) Aspekt bei der Definition: Was ist die Arbeiterklasse und wer gehört dazu!

Natürlich ist erst einmal die Arbeiterklase die Summe all der Menschen, "welche Nichts zu verkaufen haben als ihre Arbeitskraft". Rein theoretisch würde da ein angehender Manager in einem Konzern ja drunter fallen. Das kann doch nicht als Definiton ausreichen. Was dazu kommen muss ist doch auch ein (mir fällt da kein besseres Wort ein) "kämpferisches Umfeld oder Milieu". Ein Umfeld in dem die Traditionen des Klassenkampfes (von unten - das muss ja bei den herrschenden Verhältnissen heutzutage dazu geschrieben werden ....) hoch gehalten und gepflegt werden. Das heisst für mich kein "eintauchen" der Angehörigen der Arbeiterklasse in den Dunstkreis der Bürgerlichen (auch nicht des Kleinbürgertums).

Und genau das ist doch (nachdem die Funktionäre der Partei der Arbeiterverräter das in der BRD nach dem Krieg konsequent bekämpft haben ...) heute kaum noch "drin". Wir Alle leben doch in einer durch Konsumteror und "Haste was - biste was-Gehabe" geprägten Umgebung. Das färbt doch ab!

Stefan stimme ich zu: nur die Arbeiterklasse kann die Kapitalisten stoppen - aber dafür muss die Klasse sich als solche (erst wieder) finden. Ja finden, ist das richtige Wort, denn noch sind Spurenelemente des gelebten Klassenbewusstseins bei den Arbeitern vorhanden. Diese gilt es zu fördern.
Stefan Walther
4.851
Stefan Walther aus Linden schrieb am 21.12.2014 um 16:27 Uhr
Schade Martin, dass du auf meinen Kommentar vom 14.12.2014 um 11:37 Uhr nicht weiter eingehst. Ich muss das akzeprieren, genauso wie wenn die anderen Kommentatoren hier wenig auf konkrete Anmerkungen/Fragen usw. eingehen stattdessen - da hast du Recht - wenig Neues hier verbreitet wird.

Wir hatten das ja schon öfter, stimmt, dies ist ein wichtiger Aspekt, nur, man kann ja nicht einfach davon ausgehen, dass jeder Diskussionspartner im Studium der Klassiker bewandert ist ( auch wenn ich persönlich das von Linken einfordere, aber das ist ein anderes Thema ), das wäre sehr sektiererisches Denken und Handeln. Deshalb antworte ich so wie ich auch sonst so oder mit ähnlichen Worten antworte:
- die ( kapitalistische ) Gesellschaft teilt sich in viele Klassen, die Arbeiterklasse ist in ihrem entscheidenden Kern nach wie vor das Industrieproletariat, darüber hinaus gibt es die Arbeiterklasse im weiteren Sinn, darüber hinaus die kleinen Angestellten... und die Verbündeten der kleinbürgerlichen Zwischenschichten ( hier in erster Linie die technische Intelligenz, früher waren es vor allem die Bauern.... ).
- Gemeinsam ist allen Klassen, dass sie vom allein herrschenden monopolistischen Finanzkapital unterdrückt werden. ( auch wenn bestimmte Schichten etwas mehr Brosamen vom Teller abkriegen )
- richtig, die Arbeiterschaft muss sich in ihren Forderungen klar abgrenzen vom Kleinbürgertum ( das im Grunde genommen reaktionär ist ), klar betonen, dass dies im Kapitalismus keine Zukunft haben wird.. und dass der Kleinbürger ( immer hin und her schwankend ) sich irgendwann für eine Seite entscheiden muss... und trotzdem ist hier der "Kampf um die Köpfe" der Kleinbürger eine wichtige Sache....
- ja natürlich, die bürgerliche und kleinbürgerliche Denkweise ist auch in viele Köpfe der Arbeiter eingedrungen ( "haste was biste was" ), genau dagegen gilt es die solidarische proletarische Denkweise zu verankern.
- wer ständig - damit meine ich jetzt nicht dich Martin in erster Linie - davon redet, dass die Arbeiterschaft sich erst "finden" muss, man lieber doch den Intellektuellen die Führung überlassen sollte, denn die Arbeiter machen ja doch nichts usw. usw., der hat aus meiner Sicht keinen blassen Schimmer von den aktuellen Kämpfen und der Bedeutung der Arbeiterschaft ( auch in Deutschland ). Sei es Opel Bochum, Daimler, im Bergbau, in der Stahlindustrie.... oder auch bei Amazon, der Bahn...usw. usw., überall gibt es gewerkschaftliche und selbständig organisierte Proteste, Kundgebungen, Pausenveranstalltungen... bis hin zu Streiks. Das sind dann auch nicht nur "Spurenelemente" des Klassenbewusstseins, dort wird es im gemeinsamen - organisierten - Kampf ständig höher entwickelt....
Kurt Wirth
3.092
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 21.12.2014 um 18:32 Uhr
Selbstverständlich bin auch ich der Meinung, daß die Mehrwertproduzierenden die entscheidende Kraft in der Geschichte sind. Das ist objektiv so. Doch subjektiv sind sie weit davon entfernt, sich dessen bewußt zu sein.

Ich erinnere mich, Stefan, daß Du in einem Kommentar zu einem länger zurückliegenden Beitrag, als die eventuelle Schließung von Opel Bochum problematisiert wurde, die bevorstehende Besetzung des Betriebes angekündigt hast. Selbstverständlich trat das nicht ein. Vor ein paar Tagen wurde es amtlich, daß Fendt-Traktoren 570 Beschäftigte entläßt (siehe http://allgaeu.dkp-muenchen.de ). Es herrscht Schweigen im Walde, inkl. Betriebsrat und IG Metall. Du siehst das wirklich zu optimistisch mit den Arbeiterkämpfen, da steckt bei Dir zu viel Wunschdenken dahinter, was ich einem eisernen Kämpfer ja eigentlich nicht verübeln kann.

Aber man muß halt die ganzen Verästelungen der "Arbeiterklasse" auch mit berücksichtigen (siehe Rentner) und manchmal ist es sinnvoller an einem anderen Ende, als dem "Kern der Arbeiterklasse" (den Industriearbeitern) den Hebel anzusetzen. Und wenn Kleinbürger auch mal richtig ticken, mich freuts.
Oliver Egginger
298
Oliver Egginger aus Gießen schrieb am 21.12.2014 um 19:42 Uhr
Der reale Einfluss Deutschlands wird von einigen maßlos überschätzt, wie es die jüngste Initiative unseres Außenministers erst wieder zeigte. Die Sanktionen sind ein Signal, aber die Ursachen für die Krise liegen tiefer, viel tiefer, und sie liegen in Russland.
Martin Wagner
2.705
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 22.12.2014 um 10:19 Uhr
Stefan, du hast Recht, wenn jemanden in einem Kommentar angesprochen wird, dann darf erwartet werden, dass die oder der Angesprochene (zumindest) ganz kurz darauf eingeht. So etwas finde ich zumindest würde dem in Europa üblichen Kommuniktionsstandard entsprechen.

Wie ich schon kurz anmerkte war meine Nichtreaktion auf deinen Kommentar vom 14.12. der Tatsache geschuldet, "dass ich viel um die Ohren hatte" und wohl nicht gründlich nachgesehen habe, ob ich auf alle Rückmeldungen reagieren muss. Ich gebe ja immer parallel zu etwa 4 bis 8 Artikel Kommentare ab, da ist mir das "durchgeflutscht".

Sorry, ich entschuldige mich bei dir. Die Nichtreaktion war keinesfalls von mir als gezielte Form (den Eindruck habe ich bei manch anderen Bürgerreporter schon) der Kommunikation eingesetzt worden.

Kurz zu der Passage von mir

"(....) denn noch sind Spurenelemente des gelebten Klassenbewusstseins bei den Arbeitern vorhanden. (....)"

und deiner Kommentierung

"(....) überall gibt es gewerkschaftliche und selbständig organisierte Proteste, Kundgebungen, Pausenveranstalltungen... bis hin zu Streiks. Das sind dann auch nicht nur "Spurenelemente" des Klassenbewusstseins, dort wird es im gemeinsamen - organisierten - Kampf ständig höher entwickelt .... (.....)"

Stefan, es ist doch gut ersichtlich, dass ich von etwas ganz anderem gesprochen habe. Ich habe doch von der Lebensrealität gesprochen und nicht von zeitlich und inhaltlich begrenzten Sonderformen wie "organisierte Proteste, Kundgebungen, Pausenveranstaltungen... bis hin zu Streiks".

Du rennst doch bei mir offene Türen ein, wenn du immer wieder darauf hinweist, dass der klassenbewußte Teil der Arbeiterschaft nicht schläft, sondern die - heute eben angesagte - Formen des Widerstands entwicklet und praktiziert.

Aber die Masse der Arbeiterschaft versteht sich heute nicht mehr als eigene Klasse.

Wer ist daran Schuld? Für mich ist das glasklar, es ist die Partei der Arbeiterverräter, welche es ganz bewusst unterlassen hat nach dem Krieg die Arbeitervereine wieder aufzubauen, egal ob es Sport-, Gesangs-, Bildungs-, Freizeitvereine ...... waren. In guten Geschichtsbüchern ist nachzulesen, dass die Parteiführung darauf drängte, dass die Reste der Arbeitervereine in den bürgerlichen Vereinen aufgehen.

Die letzten Bastionen der Arbeiterkultur, geschlossene Arbeitersiedlungen, wurden dann in den 60er bzw. 70er Jahren geschleift.

Fakt ist, dass noch viele Arbeiter in der Partei der Arbeiterverräter sind. Haben die dort irgendetwas zu sagen? Wird dort die Arbeitertradition gelebt oder auch nur daran erinnert?

Zu der Funktion der Gewerkschaften in der heutigen Zeit will ich mich garnicht äußern.

Damit ich nicht falsch verstanden werde: Das Eine (kämpfen) machen und das andere (Arbeiterkultur als Grundlage der Klasse) nicht sein lassen.

Die oder der Eine oder Andere wird sich fragen, warum ich diesen Aspekt so in den Vordergrund stelle. Die Antwort ist etwas egoistisch: Weil mich das bürgeliche Leben in der Realität so etwas "von ankotzt" (gerade jetzt in der hochzeit des Konsumterrors ...) das kann sich so mancher Mitbürger kaum vorstellen. Ist doch klar, dass dann bei mir die Sehnsucht nach dem Leben in der Arbeiterklasse hochkommen muss.

Stefan - um dir im vorhin ein den "Wind aus den Segeln zu nehmen" - lass uns nicht darüber streiten, welches der beiden sehr eng miteinander verbundene Aspekte der Wichtige ist. Das ist doch müßig. Du hast eben ein anderen Schwerpunkt als ich. Aber in der praktischen Aktion können und sollten wir zusammen stehen.
Michael Beltz
7.760
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 22.12.2014 um 13:26 Uhr
Stefan, Deine Einschätzung, wer zur Arbeiterklasse zu zählen ist, teile ich im Wesentlichen. Rentner und Erwerbslose rechne ich dazu. Kern der Arbeiterklasse, da sind wir einig. Kompliziert wird es bei kleinen Gewerbetreibenden, auch Mangern. Wenn der Maßstab angelegt wird wird, dass der, der nicht von seinem Vermögen leben kann (Kuponschneider) ebenso von der Klasse der Kapitalisten ausgebeutet wird, dann ergibt sich, dass er objektiv den Kapitalisten feindlich gegenüber steht.
Klar ist, dass wir - oder besser: - die Arbeiterklasse diese Schicht davon überzeigen muss.
Viele Aktionen und Streiks bringen einerseits Kampferfahrung, anderseits auch Resignation. Vor allem dann, wenn die Gewerkschaftsführung die Kollegen im Regen stehen lässt, und lieber mit der Regierung darüber spricht, wie Kampfbereitschaft diszipliniert werden kann.
Stefan Walther
4.851
Stefan Walther aus Linden schrieb am 22.12.2014 um 16:20 Uhr
apropos Opel-Bochum Kurt, solltest du dir mal ansehen und ggf. auch bestellen ( auch an die, die mir und anderen "Träumerei und Wunschdenken" unterstellen :-)) =

http://bundesweite-montagsdemo.de/?p=992

( Ich habe jetzt keine Zeit mehr Martin... werde noch auf deinen Kommentar eingehen, danke erstmal dass du noch geantwortet hast! )
Stefan Walther
4.851
Stefan Walther aus Linden schrieb am 22.12.2014 um 22:18 Uhr
Ich habe mir jetzt nochmal deinen letzten Kommentar durchgelesen Martin, aus meiner Sicht brauchen wir da nicht weiter zu diskutieren, auch da finden wir ( genau wie bei mir ) die bekannte Position, die natürlich - trotz unterschiedlicher Schwerpunktsetzung - nicht gegen gemeinsame punktuelle Zusammenarbeit spricht!

Aber eine Antwort - um nochmal einen Versuch zu starten auf das eigentliche Thema zurück zu kommen - auf meinen genannten Kommentar ist das nicht. Deshalb kopiere ich das hier rein, denn auch du gehst weder auf den Inhalt des Aufrufs noch auf die verschiedenen Unterzeichner ( warum wohl können sie solch einen Aufruf ohne Probleme unterzeichnen? Das hat mit dem Alter wenig zu tun ) ein.
= "Wenn ich mir die Liste der Unterzeichner hier anschaue Martin, dann wird mir teilweise übel. Sollen wir uns nun auf verschiedene Vertreter imperialistischer "Friedenspolitik" verlassen, dass sie u.a. "an die deutsche Bundesregierung apellieren, damit diese ihrer Verantwortung für den Frieden in Europa gerecht wird..."? Solch einen Unsinn muss man erstmal verdauen."
Martin Wagner
2.705
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 23.12.2014 um 11:05 Uhr
(kurz zu Stefan Walther am 22.12.2014 um 22:18 Uhr)

1. Du Stefan weisst doch, dass ich keinerlei Unterschreiberei unterstütze. Zumindest lehne ich diejenige ab, bei der es nur um die Unterschrift geht. (Bei der TIPP-Sache vor ein paar Wochen ging es ja darum, dass bisher unpolitische Mitbürger sich bewegten, Infoständen anmeldeten und dann sich in der Öffentlichkeit positionierten ... das ist etwa anders!)

2. Bei meinem Kommentar ging es um mein Erstaunen, dass es noch Menschen gibt, die nicht mal schnell vergessen, was vor ein paar Jahrzehnten Sache war. Ich habe mit keinem Wort gesagt, dass ich die politsche Einstellung dieser Unterschreiber wertschätze. Respekt habe ich aber, da sie den Mumm haben wenigstens zu sagen: Hört auf so einen Schrott zu erzählen! Das war damals ganz anders.

3. Der Hesse sagt "schnäubig", wenn er jemanden kennzeichnen will, der sehr stark auswählt. In diesem Sinne will ich es so formulieren: Der momentane Zustand der Friedensbewegung in der BRD ist so bescheiden, da kann sie einfach nicht schnäubig sein. D.h. nicht, dass ich die besagten Damen und Herren als Bestandteil der Friedensbewegung betrachte (die Einschätzung von dir Stefan teile ich ...), aber ich wüßte Nichts was dagegen spricht, wenn dieser Apell gegen den jetzigen herrschenden Block verwendet wird. (Auch wenn die besagten Damen und Herren sich sicher als Bestandteil dieses Blockes betrachten.)

Uns Linken ist doch die Tatsache (schmerzlich) "teile und du herrschst" bekannt. Was spricht dagegen,dass wir das auch probieren / machen.
Stefan Walther
4.851
Stefan Walther aus Linden schrieb am 23.12.2014 um 23:50 Uhr
Gut, das ist eine ( Teil- )Antwort, könnte ich mich - als Kompromiss - dann anschliessen wenn der Inhalt(!) des Aufrufs ( für mich ) akzeptabel wäre. Ist er aber nicht, ich habe dies an einigen wenigen Punkten aufgezeigt, aber kein einziger Kommentierender hier setzt sich damit auseinander. Was soll`s, es ist so wie es ist....
Du zeigst selbst das absurde dieses Aufrufs auf Martin: Zitat (....auch wenn die besagten Damen und Herren sich sicher als Bestandteil dieses Blockes betrachten.)
Man kann die Friedensbewegung nicht dadurch stärken indem man sich mit falschen Freunden verbündet und in die Sackgasse geführt wird... die "Jammerei" wird groß sein wenn es dann der "in der - angeblichen - Friedensverantwortung stehenden Regierung" völlig schnuppe ist ob man "Apelle" an sie verbreitet... wahrscheinlicher ist jedoch aus meiner Sicht, dass das Ganze einfach ignoriert wird und in ein paar Tagen sowieso keiner mehr etwas von diesem Aufruf weiss ( ausser einigen "Eingeweihten" )
Verabschiede mich jetzt ein paar Tage hier, mal sehen ob noch was - neues - kommt, allen erholsame Feiertage und einen Guten Rutsch!
Kurt Wirth
3.092
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 24.12.2014 um 10:28 Uhr
So ist es Stefan: der Appell wurde weitgehend ignoriert und nicht nur in ein paar Tagen, schon jetzt weiß keiner mehr etwas von dem Aufruf. Die Damen und Herren sind vielleicht weitgehend nicht in Ordnung, der Aufruf war es. Hats der Friedensbewegung geschadet? Nein. Hats mich unnötigen Aufwand gekostet? Nein. Solche Dinge sind tägliches Brot für mich.
Kurt Wirth
3.092
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 24.12.2014 um 12:41 Uhr
Nachtrag, da ich vorhin in Eile war: Ich habe ja die große Ehre, zu den Verabschiedern des Krefelder Appells von 1980 zu gehören, der letztlich von über 4 Mio Menschen unterschrieben wurde. Auch ihn bemühte man sich zunächst in den Medien zu ignorieren (das kann also u.U, ein Zeichen für die Richtigkeit sein) und keiner der beim Krefelder Forum anwesenden dachte im Traum daran, daß ihn so viele Menschen unterschreiben würden. "Business as usual", so fuhr ich damals hin, um mit ein paar anderen dort den Büchertisch zu machen.

Selbstverständlich ist es noch besser, wenn den mehr oder weniger vielen Unterschriften unter Appelle auch Taten folgen könnten. Diesbezüglich bin ich bereit, jedem Vorschlag in dieser Richtung zu folgen, der mehr verspricht als schöne Worte und bedrucktes Papier. Damit wäre ich aber wieder bei einem meiner ersten Kommentare und wünsche ebenfalls alles Gute zum Jahreswechsel.
Martin Wagner
2.705
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 25.12.2014 um 13:40 Uhr
Ich möchte kurz zu meinem ersten Kommentar zurück kommen.

"Martin Wagner aus Gießen schrieb am 10.12.2014 um 19:29 Uhr
Wenn ich mir die Liste der Erstunterschreiber anschaue, dann sehe ich fast nur "a.d.s" und Menschen, welche schon ein paar Jahre auf den Buckel haben. Ist ja auch logisch, denn der (in meinen Augen richtig) Bezugpunkt sind die Jahre um 1990. Wer sie selber bewußt miterlebt hat, weiss eben, dass die Auflösung der starren Blöcke auch seinen Preis hatte und noch immer hat."

Am 10.12. konnte ich nicht wissen, dass ich einen wichtigen Aspekt angesprochen habe. Glück gehabt, aber vorgestern ging es durch die Medien: Die Ukraine hat ihren Status als blockfreies Land aufgekündigt um so die Vorbedingung zu schaffen in absehbarer Zeit einen Antrag auf Beitritt in die Nato zu stellen. (Völlig unklar ist im Moment, ob der Antrag durch kommt.)

Das meinte ich hauptsächlich mit "a.d.s". Keine Ahnung (tendenziell nein), ob die Leute von damals jetzt aus ihrem Rentnerstatus aufwachen und nicht nur ganz laut sagen (und ob das etwas hilft) "Stopp, so geht das nicht - wir haben damals Russland garantiert, dass an ihren Grenzen kein Nato-Miltär stationiert wird" und sie sich stärker in die (Tages)politik einschalten!

Wie gesagt, ob das hilft das ist zu bzweifeln. Aber ich kann nicht erkennen, dass es schlecht sein sollte.
Michael Beltz
7.760
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 26.12.2014 um 10:20 Uhr
Gute Überlegungen Martin. Die Imperialisten kennen keinen Rentnerstatus, Imperialisten schließen Verträge, um sie anschließen zu brechen. Sie machen Zusagen, um sie nicht einzuhalten.
Stefan Walther
4.851
Stefan Walther aus Linden schrieb am 27.12.2014 um 19:52 Uhr
na gut, für mich ist die Diskussion beendet, da nichts neues... "der Appell hat der Friedensbewegung nicht geschadet" und dann der Vergleich mit dem "Krefelder Appell"? Man muss hinnehmen, dass Andere anderer Meinung sind, "der Aufruf war in Ordnung", sorry da gehe ich nach wie vor nicht mit, es hat auch kein Einziger etwas Inhaltliches dazu gesagt was mich hätte überzeugen können... sei`s drum...
Michael Beltz
7.760
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 28.12.2014 um 10:59 Uhr
Na gut, Stefan, was machen wir in Gießen, um die Massen zu bewegen? Die Gewerkschaften lassen während der nächsten Tarifverhandlungen die Kollegen mal ein wenig streiken. Die Kampfkraft und die Breitschaft mal so zu kämpfen, dass etwas erreicht wird, findet dann ein jähes Ende durch eine Einigung mit den Unternehmern. Da kann man oftmals vermuten, dass das Ergebnis der "Einigung" bereits vorher feststeht.
Und dann regt man sich auf, wenn die "Spalter" wie cockpit, Marburger Bund, GDL mal zeigen, wie die Kollegen ihre Kampfkraft zur Geltung bringen. Dennoch trete ich nach wie vor für die Einheitsgewerkschaft ein, auch wenn diese oft mehr auf die Kapitalseite und ihre politischen Vertreter hört als auf die Kollegen.
Stefan Walther
4.851
Stefan Walther aus Linden schrieb am 28.12.2014 um 22:39 Uhr
Michael, auch dein letzter Kommentar bestärkt mich darin "die Diskussion ist hier für mich beendet", ich kann hier weder eine Antwort auf meine Fragen finden noch einen Zusammenhang zu meinen letzten Kommentaren... und - ich bin ja im Prinzip ein sehr geduldiger Mensch - irgendwann habe ich halt keine Lust mehr nur auf Gegenfragen zu reagieren...
Michael Beltz
7.760
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 30.12.2014 um 13:27 Uhr
Das sind nicht Gegenfragen, sondern die Fragen gelten uns beiden und anderen. Ich weiß aber auch keine Antwort.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Michael Beltz

von:  Michael Beltz

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