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Gedenken an die Opfer - 70. Jahrestag des Bombenangriffs auf Gießen

Brennende Kerzen zum Gedenken an die Opfer des 6. Dezember 1944
Brennende Kerzen zum Gedenken an die Opfer des 6. Dezember 1944
Gießen | Am Samstag fand eine gemeinsame Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag des Bombenangriffs auf Gießen am 6. Dezember 1944 statt. Die Gedenkfeier begann um 19.Uhr in der Pankratiuskapelle Gießen mit einem ökumenischen Gottesdienst. Nach der Rede der Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz, hörten die Anwesenden den erschütternden Bericht des Zeitzeugen, Helmut Hillgärtner. Dann, mit einer Lichter-Prozession gemeinsam, gingen alle zum Gedenkstein vor dem Stadtkirchenzentrum, um nach der Kranzniederlegung die brennenden Kerzen im Zeichen ihres Gedenkens an die Opfer aufzustellen.
Die Menschen kommen Jahr für Jahr zusammen, um gemeinsam für die Opfer des Bombenangriffes zu beten. Der Gottesdienst, der vom Pfarrer Peter Ohl, Dekant Frank Tilo Becher und Monsignore Hermann Heil abgehalten wurde, appellierte an ein Leben mit-, und nicht gegeneinander, an ein Leben im Frieden, und nicht mit Krieg. So wurde die Frage gestellt: „Mit wem ist Gott, wenn Menschen Krieg führen?“ Und die Antwort lautet immer: „Auf Gottes Seite gibt es keinen Platz für Krieg“. Es war ein Gedenken an alle Menschen, die den Kriegen zum Opfer fielen, in Gießen, wie auch in vielen anderen Teilen der Welt.
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„Nur Frieden gibt uns Menschen eine Chance“, sagte in ihrer Ansprache die Oberbürgermeisterin. Angesichts der Kriege weltweit, rief sie dazu auf, sich für Frieden und Toleranz einzu-setzen. „Heute trauern wir um alle Opfer des Zweiten Weltkrieges und des Nationalsozialismus“, sagte sie, und beendete ihre Rede mit den ausdrucksstarken Worten: „Nie wieder Krieg“. Während Helmut Hillgärtner seine Erlebnisse aus dieser Zeit wiedergab, schwiegen alle um ihn herum.
„Ich bin hier als Zeitzeuge und als Tageszeuge. Denn der schrecklichste Tag in meinem Leben hatte eine Vorgeschichte“ sprach er zu Beginn seiner Rede. „An diesem Tag, dem 6. Dezember 1944 tobte der Krieg in Europa bereits über 5 Jahre“. Zu der Zeit war er 11 Jahre alt. Helmut Hillgärtner berichtete von den Bombenangriffen auf Kleinlinden und Gießen in den Monaten vor dem 6. Dezember. Den ersten Explosionen, den ersten Ängsten. Wie sie an dem besagten Abend als Nikoläuse unterwegs waren, mit Säcken voller Weihnachtsplätzchen und wie plötzlich die Sirenen heulten. „Es ging alles zu schnell! Schutz gab es an diesem Abend nur im Keller, für Mutter, Bruder, Oma und Opa “ berichtet er. Und von dem Morgen danach, an dem all das Grauen der Nacht zu sehen war. „265 Flugzeuge hatten ihre tonnenschweren Bombenlasten ausgeklinkt. Vor 70 Jahren starben in Gießen 703 Menschen, davon 100 Soldaten. In Kleinlinden waren es 105 Tote. Darunter 51 Frauen, 28 Kinder, 4 davon aus meinem Jahrgang.“ Später sagt er noch: „Die Aufarbeitung der Ereignisse von damals ist für mich bis heute nicht abgeschlossen. Auf das WARUM suche ich bis heute eine Antwort.“

Brennende Kerzen zum Gedenken an die Opfer des 6. Dezember 1944
Brennende Kerzen zum... 
Stadverordnetenvorsteher Egon Fritz und Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz bei der Kranzniederlegung
Stadverordnetenvorsteher... 
(v.r) Pfarrer Peter Ohl, Dekan Frank-Tilo Becher und Monsignore Hermann Heil mit der Lichter-Prozession
(v.r) Pfarrer Peter Ohl,... 

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Kommentare zum Beitrag

Birgit Hofmann-Scharf
10.362
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 08.12.2014 um 20:18 Uhr
Ein wichtiger Gedenktag in den drei betroffenen, deutschen Städten, mit dabei auch Giessen.
Gestatten Sie mir eine Frage : Bisher las ich stets, dass die Zahl der Opfer nur zu schätzen sei, woher nehmen Sie die Zahl 703 ?

Auf jeden Fall sehr SCHLIMM !!
STOPPT die verdammten Kriege !
Magdalena Skorupinska
215
Magdalena Skorupinska aus Gießen schrieb am 11.12.2014 um 21:39 Uhr
In dem oberen Artike habe ich den Vortrag von Helmut Hillgärtner zitiert, der die Zahl 703 angegeben hat. Selbst habe ich allerdings nicht nachgeforscht. Ich meine, die Oberbürgermeisterin hatte die gleiche Zahl genannt. Ich hoffe, ich konnte Ihnen so behilflich sein und teile Ihre Ansicht in Bezug auf Kriege.
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von:  Magdalena Skorupinska

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