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Interkulturelle Öffnung – Ein langer Prozess mit kleinen Erfolgen

Gäste folgen der Präsentation von Christopher van den Hövel (imap) über das Projekt und die Handlungsempfehlungen
Gäste folgen der Präsentation von Christopher van den Hövel (imap) über das Projekt und die Handlungsempfehlungen
Gießen | Wer vergangenen Mittwochabend einen Blick in den Stadtverordnetensitzungssaal des Gießener Rathauses gewagt hätte, würde einen halbgefüllten Saal von Zuhörern eintreffen und das eine oder andere über die Ergebnisse der interkulturellen Öffnung aufschnappen. Die Stadtverwaltung beschäftigt sich mit diesem Thema bereits seit vier Jahren. Mit dem Projekt „Interkulturelle Öffnung: Eine Chance für die Stadt Gießen“ sollte ein großer Schritt in Richtung Willkommens –und Anerkennungskultur ermöglichtwerden. 32,4 Prozent der in Gießen lebenden Bürger haben einen Migrationshintergrund, 11 Prozent davon haben keine deutsche Staatsbürgerschaft und die kulturelle Vielfalt nimmt weiter zu. Deshalb zielt das Projekt darauf ab, durch das Abschaffen von Zugangsbarrieren und die Verbesserung der Kundenorientierung, das Leben der Migranten zu erleichtern und sie besser zu integrieren.
„Gießen ist in jedem Teil der Stadt kulturell geprägt“, betonte Astrid Eibelhäuser, Dezernentin für Integration zu Beginn der Veranstaltung. „Gleichberechtigte Zugänge in allen Bereichen zugänglich zu machen“, sei das Hauptanliegen. Ein höherer Anteil an Mitarbeitern mit Migrationshintergrund, der zurzeit gerade mal 10,1 Prozent aller Verwaltungsangestellten beträgt, sowie verbesserte Kompetenzen des Personals seien wünschenswert und sollen diesem Ziel näher kommen.
Mit interessierten Gesichtern folgten die Gäste dem gut strukturierten Vortrag von Christopher van den Hövel vom Institut für interkulturelle Management -und Politikberatung (imap), während dieser die einzelnen Bausteine des Projektes und die erarbeiteten Handlungsempfehlungen präsentierte. „Wer oder was trägt dazu bei, dass der Mensch sich hier wohl fühlt?“, diese Frage stellte den Ausgangspunkt des Prozesses dar. Da die Bevölkerung einem ständigen Wandel unterliegt, muss es auch die Stadtverwaltung tun. Dies ist jedoch nur ein Teil eines großen und langen Prozesses, der zum Teil schon vor 30 Jahren begonnen hatte. Das Handlungskonzept besteht aus sieben Bausteinen, die im Rathaus bereits umgesetzt wurden. Durch regelmäßige Workshops, Konferenzen mit externen Akteuren und stetige Erarbeitung von Maßnahmen sollen die Bedürfnisse des vielfältigen Klientels künftig besser gedeckt werden. Dabei soll auch immer ein offenes Ohr für die Bevölkerung bestehen, deshalb legt man Wert auf die Zusammenarbeit mit den Migrantenselbstorganisationen (MSO), sowie auf Schlüsselpersonen, um beispielsweise barrierefreie Bewerbungsprozesse zu ermöglichen. Wichtig ist auch, regelmäßig über den Fortschritt zu berichten und die Maßnahmen nach außen hin transparent zu gestalten.
Konkrete Veränderungen, die sich nicht im Hintergrund abspielen, sondern Migranten direkt mitbekommen, sind kleine Erneuerungen in der Volkshochschule (VHS) und der Ausländerbehörde in Gießen. Der Wartebereichder VHS wurde kundenfreundlicher gestaltet: statt Holzbänken, gibt es jetzt gepostete Stühle mit Lehnen, zudem werden Getränke angeboten und Spielzeuge für Kinder wurden erneuert. In Planung ist weiterhin die gezielte Ansprache der Kunden mit Migrationshintergrund, eine Art Ethnowerbung, die Übersetzung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen, der Aushänge und der Infoschilder in verschiedene Sprachen, ein Info-Board in leichter Sprache und die Einrichtung eines mehrsprachigen Anrufbeantworters.
In der Gießener Ausländerbehörde wurden die Einzelbüros freundlicher eingerichtet und es gibt ein hohes Maß an Flexibilität für Kunden sowie einen Erinnerungsservice bei Passablauf oder dem Ablauf der Aufenthaltserlaubnisse. In Planung sind separate Servicebereiche und Flyer in einfacher und verständlicher Sprache. Für die in Gießen lebenden Migranten bedeutet dies den Zugang zu mehrsprachigen Informationen über die Strukturen und Dienstleistungen der Stadtverwaltung und ein schöneres Ambiente in den Einrichtungen.
Dass die Interkulturelle Öffnung schon in ihrer Definition ein Prozess ist, der zum Ziel hat, die Verwaltung an gesellschaftliche Veränderungen anzupassen, wurde auch in Gießen sichtbar. Ein langer Prozess mit kleinen Erfolgen, aber mit noblen Zielen. Wie sich die Arbeit für Bürger in einer von Migration geprägten Stadtbevölkerung entwickeln muss, damit wird sich die Stadtverwaltung weiterhin beschäftigen. Eduard Galyschew, Koordinator der interkulturellen Öffnung, gibt Ausblick für die Zukunft, wobei er die Zusammenarbeit mit weiteren Institutionen angestrebt. So betont er: „Wir wollen diese Themen mit anderen diskutieren, zum Beispiel mit der Technischen Hochschule Mittelhessen“. Training zur interkulturellen Kompetenz in Kooperation mit dem Schulverwaltungsamt oder die Zusammenarbeit mit der Feuerwehr sind ebenfalls in Planung.

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von:  Magdalena Skorupinska

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Magdalena Skorupinska
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