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Kurz Kommentiert: Oh du Fröhliche

Gießen | Es ist wieder so weit. Seit gefühlt Mai werden einem Spekulatius, Dominosteine und Schokoladennikoläuse dargeboten. Marzipankartoffeln ersetzen die Freibad Pommes und die ersten Christstollen härten langsam zur Plomben Prüfung aus. Spätestens aber, wenn einem die Radiosender wieder „Last Christmas“ von Wham in den Gehörgang kotzen wird das vage Grauen greifbar. Weihnachten steht nicht nur vor der Tür, es tritt dieselbe nahezu ein. Wieder einmal steht die angebliche Geburt des Religionsstifters an und alle feiern mit.
Häuser werden mit Lichterketten ausgekleidet, die Brandschutzversicherung immer in der Nähe. An den Fassaden hängen Weihnachtsmänner die von den richtigen Einbrechern nicht mehr zu unterscheiden sind und bereits zu Anfang Dezember versuchen Büroleiter sich nicht in die Manchesterhose zu hacken wenn sie im Oberhessischen Outback ein Exemplar saftiges Tann erlegen wollen. In den Öfen verbrennen die Plätzchen und der Nachwuchs erbricht sich in die Rührschüssel nachdem sie ein Pfund rohen Teig von den Knethaken schleckten. Wenn doch mal ein Blech gelingt wird schnell eine Hand Liebesperlen drüber geschmissen bevor Tante Viola ihre Globuli zu suchen beginnt.
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In den Betrieben werden Weihnachtsfeiern gefeiert. Der Chef lässt Gans kommen, fürs Gemüt gibt’s Vino und alles was nach 23 Uhr nicht mit Schleim vorm Mund über der Tafel hängt, vergnügt sich unten ohne mit den Kollegen. Mit etwas Glück genießt man den Mutterschutz in der letzten Hitze des August.
In den Innenstädten werden die Holz verkleideten Dixies aufgestellt und von innen Glühwein ausgeschenkt. Dies nennt sich dann Weihnachtsmarkt. Neben dieser gepanschten Plörre gibt es auch Met, Rum versetzten Kakao und in Hessen stellt man gern auch ne Flasche Äppler ins Feuer. Es muss keiner nüchtern nach Hause. Damit den Kindern auch schön schlecht wird können diese endlos Karussell fahren oder sich Schokoladenobst in die kleinen Körper knallen. Zum futtern gibt’s genug, Ostdeutsche Rostbratschwengel, Knobischnitten vom Balkan, Mafiatorte oder belgische Kartoffelstäbchen. Alles damit das Kotzen auch eine gewisse Haptik hat.
Wenn man dann schön besoffen ist kann man sich noch ein bisschen Gerümpel für die eigene Bude kaufen oder um ungebetene Verwandte zu ärgern. Töpferarbeiten aus einer Blindenwerkstatt, die augenscheinlich nach mehrfacher Verbrennung der Fingerbeeren geschaffen wurden, Schniereien aus dem Erzgebirgsstädtchen Taiwan oder original Schafswollschluppen. Letztere helfen sogar gegen Fußgeruch, überdecken sie diesen doch mühelos. Mehr als saufen, fressen und in kleineren Betrieben die Kollegin begattungswillig füllen kann man nicht. Bisweilen steht irgendwo noch eine Eisbahn, ein Highlight im Kalender der ansässigen Sanitätshäuser.
Gerührt von den Krippen, mit Jesus, Maria und dem Gehörnten werden noch die letzten Geschenke geshoppt und ab und an vertreibt man einen Obdachlosen von den Abluftschächten. Oh du fröhliche.
Es bleibt wohl leider ein Traum die ersten zwei Drittel des Dezembers im Winterschlaf zu verbringen, aber ich werde es auch dieses Jahr wieder versuchen.

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Kommentare zum Beitrag

Ilse Toth
38.610
Ilse Toth aus Heuchelheim schrieb am 28.11.2014 um 19:14 Uhr
Herr Schmidt, Sie sind köstlich- und das meine ich ernst!
Birgit Hofmann-Scharf
10.362
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 28.11.2014 um 20:47 Uhr
Im Gegensatz zu Ihnen, mag ich die Weihnachtszeit, genieße sie allerdings auch ohne den o. g. Trubel, auch ohne Glühwein aus der Schraubverschlussflasche, auch ohne "Schniereien aus dem Erzgebirgsstädtchen Taiwan " ( klasse Bemerkung ) - mit der Familie in der gemütlichen Stube, in der das gelungene (!) Weihnachtsgebäck steht und der Bratapfelduft durch das ganze Haus zieht.
" Wirtschaftszweig Weihnachten " wird leider immer doller !
Nicht anstecken lassen ;-)
Hermann Menger
2.370
Hermann Menger aus Gießen schrieb am 28.11.2014 um 20:47 Uhr
Also ich finde es nicht köstlich.
Das Hauptthema ist offensichtlich das Kotzen.
Was soll daran köstlich sein?
Florian Schmidt
4.881
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 28.11.2014 um 20:58 Uhr
Satire ist eine Spottdichtung, die Zustände oder Missstände in sprachlich überspitzter und verspottender Form thematisiert. Im heutigen Sprachgebrauch versteht man darunter aber meist einen künstlerisch gestalteten Prosatext, in dem Personen, Ereignisse oder Zustände verspottet oder angeprangert werden.
Siehe Wikipedia.
Friedel Steinmueller
3.873
Friedel Steinmueller aus Heuchelheim schrieb am 28.11.2014 um 22:35 Uhr
Also ich finde diese Art so zu formulieren köstlich und sollte uns gleichzeitig zum Nachdenken stimmen. Bitte Herr Florian Schmidt: Noch mehr davon!
Friedel Steinmueller
3.873
Friedel Steinmueller aus Heuchelheim schrieb am 28.11.2014 um 23:18 Uhr
Und die Moral von dieser Geschicht:
"Wer sich beim Plätzchen backen erbricht,
fördert einen guten Geschmack ganz sicher nicht!"
Nicole Freeman
10.762
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 29.11.2014 um 09:31 Uhr
;-))) bringt es auf den Punkt. Konsum wo hin man schaut und vom fest der liebe bleibt nicht viel wenn man sich anstecken laesst. Ich liebe diese Adventzeit. Obwohl es gerade jetzt im Verkauf zu unschoenen Szenen kommt. Wie das ist vor Weihnachten nicht da ?! Als ob der Verkaeufer was dafuer kann das Weihnachten so ploetzlich am Ende des Jahres auftaucht. ;-)
Ich ziehe mich dann gerne am Feierabend in meine Wohnung zurueck. Lese Weihnachtsgedichte und Geschichten, backe Nachts Plaetzchen damit ich Abends auf dem Sofa gemuedlich in der Kuscheldecke mit heissem Kakao und Gebaeck versorgt lesen kann.
Wenn der kleine da ist wird gebastelt und natuerlich duerfen jetzt die Kerzen brennen. Aber unter Aufsicht damit nicht was anderes brennt.
Martina Lennartz
6.285
Martina Lennartz aus Gießen schrieb am 29.11.2014 um 12:34 Uhr
Wie immer-Florian- großartig. Du kannst bald eine ganze Sammlung veröffentlichen. Ich mache dir dann die graphischen Abbildungen dazu:)
Michael Beltz
7.760
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 29.11.2014 um 16:56 Uhr
Neben dem vielen kotzen gefällt mir am besten das Erzgebirgstädtchen Taiwan.
Efreulich ist doch, dass die Reichen ihren neuen Porsche oder Bughatti den Armen vorführen, damit diese nicht nur schöne Engel sondern auch schöne Autos sehen. Und auch Hartzer dürfen in Anzeigen lesen, welch festliches Mahl an Weihnachten zubereitet wird. Sie dürfen von der Weihnachtsgans lesen und sich darüber freuen, dass andere sie essen. So wie früher. Da wurde auch dem Reichtum zugejubelt, dem Kaiser oder dem Führer Diese Rechte der Armen zeigt: WIR LEBEN IN EINER DEMOKRATIE!!
338
Ruth Schewietzek aus Gießen schrieb am 30.11.2014 um 01:06 Uhr
Gut gelungen - und die Weihnachtsbäckerei gab es dieses Jahr ab September in den Supermärkten. Ich frage mich jetzt, ob Spekulatius nächstes Jahr schon im August zu haben sein wird.
Aber da mittlerweile bunte Ostereier das ganze Jahr zu haben sind, wird es wohl darauf hinauslaufen, daß auch Schokoladennikoläuse demnächst ganzjährig gehen.
Dann können wir das ganze Jahr über feiern, wonach uns gerade zumute ist - wahlweise Ostern oder Weihnachten. Früher gings mit Weihnachten ja gerade mal im November los.
Das einzige, worüber ich dankbar bin, ist die Weihnachtsbeleuchtung - die hilft in der dunklen Jahreszeit. Aber auch da sollte man Grenzen kennen und nicht das ganze Haus unter Licht setzen.
Michael Beltz
7.760
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 30.11.2014 um 11:21 Uhr
Andauernd wird gefeiert: Geschäftsjubiläen (feiern Sie mit!!), Vereinsjubiläen, Events, Weihnachten, Beginn und Ende der Landesgartenschau, Fußballweltmeister, Feiertage, Einschulung, Abitur, Geburtstage, Sieg des VfB 1900 (selten), Sieg von SPD;CDU,Grün bei den nächsten Kommunalwahlen, Kirmes, das dolle Dorf, Advent, Karfreitag, Hells Angels Jubiläum, ..............
Martina Lennartz
6.285
Martina Lennartz aus Gießen schrieb am 30.11.2014 um 21:31 Uhr
Entlassung, Einweihung, Kündigung, Gehaltserhöhung, Wettkampf, Konfirmation, Jugendweihe, Renovierung, Lotto, Führerschein, Wahl zum Klassensprecher, Geburt, Vermählung, Scheidung, Erntedankfest.
Martina Lennartz
6.285
Martina Lennartz aus Gießen schrieb am 30.11.2014 um 21:50 Uhr
Gesellenprüfung, erster verlorener Zahn, verlorene Unschuld, verkauftes Bild, Seepferdchen, Premiere, Mutprobe, gelöstes Rätsel/Mord, Examen, Abschiedsfeier, Wiedergeburt, Exmatrikulation, Apostasie, Höhenflug, Konversion, Revolution, Befreiung.
Christoph Schäfer
785
Christoph Schäfer aus Gießen schrieb am 01.12.2014 um 16:55 Uhr
... wobei der "silbrig gekleidete, rotwangige Weihnachtsengel kraft eines konsequent gehüteten mechanischen Geheimnisses in gewissen Abständen ''Frieden, Frieden'' flüstert" (Heinrich Böll/Nicht nur zur Weihnachtszeit).
Anne Arnheiter
218
Anne Arnheiter aus Grünberg schrieb am 05.12.2014 um 00:56 Uhr
Früher war mehr Lametta..... ;-)
Christoph Schäfer
785
Christoph Schäfer aus Gießen schrieb am 05.12.2014 um 16:01 Uhr
Weihnachten? Reine Nervensache! (Gerd Dudenhöffer alias Heinz Becker)
Friedel Steinmueller
3.873
Friedel Steinmueller aus Heuchelheim schrieb am 05.12.2014 um 16:23 Uhr
Man sollte sich vom Konsumwahn nicht anstecken lassen; denn es gibt nichts Schlimmeres als wenn Liebe durch Geschenke ersetzt wird.
Fazit: Schenken ? Ja - aber mit einem gewissen Augenmass.
Andreas Läufer
621
Andreas Läufer aus Wettenberg schrieb am 07.12.2014 um 23:24 Uhr
Sehr gut Herr Schmidt, der eigentliche Grund, weshalb wir Weihnachten feiern, geht leider ganz verloren.
Florian Schmidt
4.881
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 08.12.2014 um 04:36 Uhr
Meinen sie die angebliche Geburt eines Predigers dem man ein paar Wunder zugesprochen hat die man auch ganz anderen schon nachgesagt hat? Einer historisch also völlig verzerrten Figur von der es keinerlei Aufzeichnung gibt und zu der jeder frei irgendwas neues dazu dichten konnte?
Andreas Läufer
621
Andreas Läufer aus Wettenberg schrieb am 08.12.2014 um 06:20 Uhr
Ja, Herr Schmidt, da gehen unsere Meinungen mal wieder auseinander. Richtig erkannt. Wünsche Ihnen trotzdem eine schöne Weihnachtszeit und genießen Sie die freien Tage.
Florian Schmidt
4.881
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 08.12.2014 um 09:35 Uhr
Die freien Tage werde ich genießen, ganz ohne Weihnachten.
Andreas Läufer
621
Andreas Läufer aus Wettenberg schrieb am 08.12.2014 um 10:29 Uhr
Nur was für einen selbst als Vorteil angesehen wird herauspicken, so kenne ich Sie.
Florian Schmidt
4.881
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 08.12.2014 um 10:42 Uhr
Freie Tage kann man auch ohne christlichen Hintergrund beschliessen. Außerdem, wer zahlt denn die Gehälter an den freien Tagen. Die Kirche oder der Arbeitgeber?
Florian Schmidt
4.881
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 08.12.2014 um 10:56 Uhr
Freie Tage kann man auch ohne christlichen Hintergrund beschliessen. Außerdem, wer zahlt denn die Gehälter an den freien Tagen. Die Kirche oder der Arbeitgeber? Selbst wenn man den religiösen Bezug entfernen würde könnte man anderen Personen oder Ereignissen gedenken. Sie profitieren doch auch von den gegen die Kirche erstrittenen Menschenrechten.
Weihnachten ist übrigens nicht einmal ein ursprüngliches Fest der Christen. Schon im antiken Rom gab es ein ähnliches Fest. Viele Kulturen haben in dem Zeitraum der Wintersonnenwende Feste gefeiert, das ist nun wahrlich kein Monopol der Kirche.
Florian Schmidt
4.881
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 08.12.2014 um 10:56 Uhr
Freie Tage kann man auch ohne christlichen Hintergrund beschliessen. Außerdem, wer zahlt denn die Gehälter an den freien Tagen. Die Kirche oder der Arbeitgeber? Selbst wenn man den religiösen Bezug entfernen würde könnte man anderen Personen oder Ereignissen gedenken. Sie profitieren doch auch von den gegen die Kirche erstrittenen Menschenrechten.
Weihnachten ist übrigens nicht einmal ein ursprüngliches Fest der Christen. Schon im antiken Rom gab es ein ähnliches Fest. Viele Kulturen haben in dem Zeitraum der Wintersonnenwende Feste gefeiert, das ist nun wahrlich kein Monopol der Kirche.
Andreas Läufer
621
Andreas Läufer aus Wettenberg schrieb am 08.12.2014 um 11:52 Uhr
Die Fähigkeit, sich alles so passend zu machen, wie es einem gefällt, würde ich auch gerne besitzen.
Florian Schmidt
4.881
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 08.12.2014 um 11:54 Uhr
Würden sie das vielleicht mal näher ausführen oder befürchten sie schon im Vorraus keine Argumente zu haben?
Andreas Läufer
621
Andreas Läufer aus Wettenberg schrieb am 08.12.2014 um 13:47 Uhr
Dem gibt's nichts hinzuzufügen. Auch die längste Ausführung würde unsere Denkweisen nicht zusammen führen.
Florian Schmidt
4.881
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 08.12.2014 um 15:26 Uhr
Naja gut, Sachargumente sind mit dem Glauben eh unvereinbar.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Florian Schmidt

von:  Florian Schmidt

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