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Warum eine Bildungsreise nach Eritrea?

Ein Kindergartenkind aus Asmara
Ein Kindergartenkind aus Asmara
Gießen | Als ich gefragt wurde, ob ich eine Delegation nach Eritrea begleiten möchte, war ich mit einer spontanen Antwort überfordert. Klar war nur, dass dies kein Strandurlaub unter Palmen mit westlichem Standard sein wird, aber sonst wusste ich nicht viel über dieses Land. Also wollte ich mir erst ein paar Informationen beschaffen, um dann besser entscheiden zu können.

Teil 1: Ich verschaffe mir ein paar Informationen

-Eritrea, wo liegt das überhaupt?
-Was hat das Land für eine Geschichte?
-Was wird über das Land erzählt?
-Eritreer in Gießen- meine Berührungspunkte
-Deutsche Ärzte arbeiten in Eritrea

Teil 2: Ich berichte über die Reise

1. Tag „Die Ankunft“
2. Tag „Die Hauptstadt - erste Eindrücke“
3. Tag „Reise nach Massawa“
4. Tag „Rückreise nach Asmara und Stromausfall“
5. Tag „Asmara - und manchmal ist es kalt“
6. Tag „Aktion Regen, die Staudämme und der Adviser des Präsidenten Herr Ghebreab“
7. Tag „Ein Teil der Forschung und Entwicklung Eritreas“
8. Tag „Die medizinische Grundversorgung und die Frauenunion“
9. Tag „Eine Familie zu Hause erleben und eine Ehrenrunde in Asmara“
10. Tag „Unsere Abreise - wir wünschen Eritrea viel Glück“

Mehr über...
Vorurteile (7)Staudämme (1)medcare (1)Euplectes franciscanus (1)Esel-Initiative (1)Eritrea (27)Bildungsreise (6)Asmara (2)Archemed (1)Aktion Regen (1)Afrika (284)
Teil 3: Ich versuche eine Zusammenfassung

1. Möchte ich noch mal nach Eritrea reisen?
2. Kann ich eine Reise nach Eritrea anderen empfehlen?
3. Was ist mit den vielen Vorurteilen über das Land in den Medien?



Teil 1: ICH VERSCHAFFE MIR EIN PAAR INFORMATIONEN

Eritrea, wo liegt das überhaupt?

Eritrea befindet sich in Nordostafrika, oder genauer gesagt im Horn von Afrika. Im Osten besitzt das Land eine lange Küstenlinie zum Roten Meer, im Südosten grenzt Dschibuti und im Nordwesten der Sudan an. Im Südwesten existiert eine lange Grenze nach Äthiopien.

Was hat das Land für eine Geschichte?

Das Gebiet des heutigen Eritrea (Eritrea gab es damals noch nicht) wurde 1890 von Italien erobert, das die Herrschaft über das Gebiet behielt, bis sie im 2. Weltkrieg von den Briten vertrieben wurden. Eritrea wurde daraufhin 1952 als Teil eines föderativen Staates an Äthiopien übergeben. Die zehn Jahre spätere Annexion Eritreas durch Äthiopien als Provinz löste einen 30 Jahre andauernden Unabhängigkeitskampf aus, der durch einen Sieg der eritreischen Rebellen über äthiopische Kräfte im Jahre 1991 endete. Die Unabhängigkeit wurde mit großer Mehrheit in einer durch die UN überwachten Volksabstimmung 1993 bestätigt (nach Wikitravel).

Asmara, ein Gebäude, was noch aus der italienischen Zeit stammt.
Asmara, ein Gebäude, was noch aus der italienischen Zeit stammt.
Was wird über das Land erzählt?

Ich hörte mich um, recherchierte im Internet und fand viele negative Statements, die teilweise richtig an Hetze erinnerten. Ich las und hörte von offener Folter, Massenvergewaltigungen mit gezielten AIDS-Infizierungen, Sexsklaven, Zwangsarbeiten, permanenter Polizeipräsenz, Kontrollen auf allen Straßen und unwürdigem Menschenleben.

Kleine Auswahl:

! „Abgeschottet und unterdrückt.“ (Tagesschau vom 14.09.2014)
! „Das ist insofern erstaunlich, als sich eigentlich alle Experten einig sind, dass in Eritrea – häufig als «Nordkorea Afrikas» bezeichnet – eines der schlimmsten Willkürregime der Welt am Ruder ist.“ (NZZ vom 28.10.2014)
! „In Eritrea bleiben heißt sterben“ (Sabine Mohamed in der NZZ vom 30.11.2013)
! „Willkürliche Internierung in Straflagern, sogar Erdlöchern oder Schiffscontainern ist dokumentiert.“ (TAZ vom 2.10.2014)

Eritreer in Gießen- meine Berührungspunkte

In Gießen selbst fand in drei aufeinanderfolgenden Jahren das jährliche Kulturfestivals der Eritreer statt, von denen ich nicht viel mitbekommen habe.
Aber 2012 folgte eine große Hetze über die
Die Fiat-Tagliero Tankstelle in Asmara
Die Fiat-Tagliero Tankstelle in Asmara
Tageszeitungen und Aktionen seitens der Grünen in Gießen über die Festivals. Im Jahr zuvor war die grüne Bürgermeisterin als Vertreterin der Stadt eingeladen und nahm teil. Die Grünen versuchten im Anschluss sogar einen Antrag im Stadtparlament zu stellen, dass diese Feste in Gießen nicht mehr stattfinden sollen. In diesem Jahr 2014 fand das Festival aufgrund des 40 jährigen Geburtstags in der Gründungsstadt des Festivals - in Bologne – statt und nicht in Gießen. Im nächsten Jahr wird es eventuell in London stattfinden.

Viele flüchtende Menschen aus Eritrea landen erst mal in Gießen. Da ich Lehrerin an einer Gießener Schule bin, habe ich deshalb auch mit Schülerinnen und Schülern aus Eritrea zu tun, die bei uns zuerst die deutsche Sprache lernen, um dann in einer Regelklasse unterrichtet werden zu können. Diese Kinder sind „normal“ auffällig, freundlich, diszipliniert und fleißig. Einer unserer Schüler hätte sogar für eine Auswahlmannschaft von Bayern München spielen können, zog es aber vor seinen Schulabschluss zu Ende zu machen.
Sie erzählen unterschiedlich gerne von ihrer Heimat, aber keiner berichtete jemals über schlimme Foltersituationen, Hunger oder andere Stresssituationen.
Ich lernte neben den Schülern auch eine Reihe erwachsener Menschen in Gießen kennen, die ihr Land von außen unterstützen wollen und einige von ihnen wollen auch wieder in ihre Heimat zurück.
Ich habe auch auf Veranstaltungen einzelne wenige Eritreer gesehen, die geschimpft haben, dass alle zum Militär müssen und man das nicht befehlen dürfe.
Einer ehemaligen Schülerin aus Eritrea verhalf ich 2001 zu einer Lehrstelle in Gießen, die dann auch dort übernommen wurde. Wir pflegten einen offenen Umgang miteinander. Sie schimpfte jedenfalls auch nicht über ihr Heimatland. Ich kenne inzwischen einige eritreische Menschen in Gießen, mit denen ich mich gerne unterhalte. Einige arbeiten im sozialen Bereich und es gibt Berührungspunkte über meine Arbeit oder man trifft sich z.B. bei „Mama Afrika“, einem Restaurant mit den typischen eritreischen Gerichten.

Deutsche Ärzte arbeiten in Eritrea

Nun habe ich aber auch von Ärzten gehört, die dort organisiert seit vielen Jahren ehrenamtlich arbeiten. http://www.medcare-eritrea.org/index.html
„Medcare for People in Eritrea e.V.“ leistet Hilfe zur Selbsthilfe und wurde 2005 von engagierten deutschen Ärzten gegründet. Auf deren Homepage ist zu lesen:
„Eritrea
leidet unter einer sehr negativen Presse. Dahinter verbergen sich geopolitische Machtinteressen, denn der übermächtige Nachbar Äthiopien hat trotz der gewaltigen Militärhilfe (zunächst durch die USA unter Kaiser Haile Selassie und später durch die UdSSR unter dem Militärmachthaber Mengistu) den Sieg der eritreischen Freiheitsbewegung nicht verhindern können und hat damit seinen Zugang zum Roten Meer verloren, den er allzu gern zurück erobern würde. Und gleichzeitig hat damit auch Äthiopiens Schutzmacht USA seine Marinebasis vor der eritreischen Küste aufgeben müssen und so die direkte Kontrolle über die wichtigste Wasserstraße der Welt (neben dem Panamakanal) und über die besonderen Krisenregionen „Horn von Afrika“ und „Naher Osten“ verloren.“
Medcare schreibt auf der eigenen Homepage, dass es in Eritrea keine Korruption gebe, es am Zoll keine Probleme gebe, nur sehr geringe soziale Unterschiede festzustellen seien, keine Vetternwirtschaft existiere, Religionsfreiheit und völlige Gleichberechtigung der Frau bestehe, gesetzliches Verbot gegen jegliche Form der Beschneidung von Frauen gelte, die niedrigste Aids-Rate in ganz Afrika vorzufinden ist, eine allgemeine Schulpflicht eingeführt wurde und die Menschen nicht laut und auffallend sind, sondern offen und ehrlich.

Es gibt eine weitere Hilfsorganisation, ARCHEMED, die ebenfalls in Eritrea ehrenamtlich arbeitet. ARCHEMED – Ärzte für Kinder in Not - ist ein gemeinnütziger eingetragener Verein, welcher im Sommer 2010 gegründet wurde. Diese schreiben auf ihrer Homepagseite: „Allerdings: Impfprogramme, Verbot der genitalen Beschneidung von Mädchen und Bekämpfung der HIV-Infektionen sind in Eritrea erfolgreich und vorbildlich für ganz Afrika” .http://www.archemed.org/


Nun wusste ich also wo Eritrea liegt, dass es ein relativ armes Land ist, viel gehetzt wird, und der Hunger laut des Welthungerhilfe Index 2014 sogar am höchsten auf der ganzen Welt sei. http://www.welthungerhilfe.de/welthungerindex-karte.html. Mehr als 60% der Bevölkerung gälten als unterernährt.


Die Delegation bestand aus jeweils einer deutschen und einer österreichischen kleinen Gruppe und flog unter der Leitung der Österreichisch-Eritreische Gesellschaft mit deren Präsidenten Fredi Mansfeld in den hessischen Herbstferien für 10 Tage nach Eritrea. Und ich dachte mir, wenn man schon
Die Kathedrale in Asmara
Die Kathedrale in Asmara
die Gelegenheit hat, sich das selbst anzuschauen und selbst eine Meinung zu bilden - wenigstens in einzelnen Teilbereichen -, dann sollte man das tun und schloss mich der Gruppe an. Einige meiner Bekannten und Freunde standen meiner Reise sehr kritisch gegenüber, aber eine eritreische Bekannte, Lemlem, freute sich sehr. Sie bat mich ihrer Mutter in Asmara Salatkräutersoßen, ein paar Gesundheitsschuhe und Fotos der Familie mitzubringen, was ich gerne übernommen habe.

Teil 2: ICH BERICHTE ÜBER DIE REISE

1.Tag „Die Ankunft“

Am 24.10.2014 landen wir aus Kairo kommend direkt in Asmara, der Hauptstadt Eritreas. Bevor wir das Hauptgebäude des Flughafens betreten konnten, wurden wir von einem Arzt gefragt, von wo wir kommen und wo wir gewesen sind. Ich fand es erst seltsam, aber wir haben erfahren, dass dieses Abfragen aller Passagiere zur Prophylaxe gegen Ebola galt.
Auf dem Flughafen wurden weder unsere Devisen noch unser Gepäck kontrolliert. Wir lernten in der Warteschlange beim Einchecken drei Ärzte von ARCHEMED kennen, die auch nach Asmara wollten, um 10 Tage an der Klinik zu arbeiten.
Weder im Flughafen noch vor der Tür standen Soldaten oder Polizisten. Der deutsche Teil der Delegation fuhr mit einem der vielen Taxis in das Hotel Ambassador in der Harnet Avenue, der berühmten Kathedrale direkt gegenüber. Der österreichische Teil der Delegation fuhr in die Pension Afrika, nicht weit vom Hotel entfernt.
Als wir ankamen, war es schon sehr spät, sehr dunkel und ich wollte nur noch schlafen. Ich war von der langen Reise müde und geschafft. Wir betraten das Hotel und die Rezeption war menschenleer. Nach einem kleinen Moment haben wir wohl die entsprechende Dame geweckt, sie lag schlafend hinter dem Tresen, stand auf und wir konnten uns anmelden. Wir freuten uns auf unsere Zimmer und gingen Richtung Aufzug, doch dieser war außer Betrieb. Immerhin war einer der Mitarbeiter so freundlich und schleppte meinen Koffer bis in den vierten Stock. Das Hotel hatte wenig Komfort, aber ich war jetzt zu müde. Die Ausstattung des Zimmers war sehr bescheiden und zum Teil auch defekt. Der Delegationsleiter Fredi Mansfeld hatte und zwar vorab darauf hingewiesen, aber ich hatte verdrängt mir darüber Gedanken zu machen, wie verwöhnt ich bin.

2.Tag „Die Hauptstadt - erste Eindrücke“

Es ist immer noch der 24.10.2014. Nach wenigen Stunden Schlaf und dem Versuch ein anständiges Frühstück zu erhalten, wanderte die Delegation erst mal durch die Hauptstadt, die auf Deutsch „in Frieden leben“ heißt. Asmara ist mit 650.000 Einwohnern die größte Stadt in Eritrea und liegt auf einer Höhe von 2300 Metern am Rand eines Hochplateaus. Man spürte die Höhe aufgrund der dünneren Luft.
Spuren der Schmalspureisenbahn- auf dem Weg nach Massawa
Spuren der Schmalspureisenbahn- auf dem Weg nach Massawa
Wir bemerkten viele Kinder, die in verschieden farbigen Hemden durch die Stadt liefen. Später erfuhren wir, dass das jeweils die Schuluniformen der einzelnen Jahrgänge sind. Es besteht die allgemeine Schulpflicht in Eritrea. In einem Café an der Hauptstraße sitzend beobachteten wir die vorbeilaufenden Menschen. Uns fielen überhaupt keine Unterschiede im Verhalten zu den Menschen in einer europäischen Großstadt auf. Die Menschen liefen gelassen mit traditionellen oder modernen Klamotten am Café vorbei und schauten uns manchmal etwas länger an, da wir hier als Ausländer deutlich zu erkennen waren.
Wir liefen über den großen Markt, an denen viele Tonnen Obst, Gemüse, Gewürze, Bohnen, Linsen und auch Töpfe, Handwerks- und Gebrauchsmaterial verkauft wurden. Der Markt war dabei zu schließen, die einzelnen Stände wurden nur mit Planen bedeckt, damit am nächsten Tag wieder hier geöffnet werden kann. Ich unterhielt mich mit dem Delegationsleiter, der mir versicherte, wenn es hier die riesen Hungernotstände und Armut gäbe, würden die Stände nachts ausgeplündert. Wir waren später auch nachts hier unterwegs - keine Polizei, kein Militär, keine Gewalt, kein Streit.
Abends wird die Stadt noch lebendiger, viele kleine Straßenhändler, die sich was verdienen wollen und wahrscheinlich auch müssen. Ich war auch alleine als blonde Frau hier unterwegs und ich hatte wenig Angst. Keine wäre gelogen, mulmig war mir schon.
1889 wurde die Stadt erst von den Italienern besetzt und dann aufgebaut. Bis zu deren Eindringen war Asmara noch ein kleines Dorf mit wenigen Einwohnern. Die Italiener haben dann die Stadt aus klimatischen und geographischen Gründen zu ihrer Hauptstadt gemacht, was sie bis heute geblieben ist. Man sieht heute noch viele Bauten, die an diese Zeit erinnern, so auch die Fiat-Tagliero Tankstelle oder das Cinema Impero.
Am Abend waren wir im Lokal „Hamasien“ essen. Tatsache ist auch, dass die Asmarinos richtig gutes Bier brauen.

3.Tag „Reise nach Massawa“

Es ist der 25.10.2014. Nach einem leckeren Frühstück im „Modka Café“ mit frischem Latte Macchiato fuhren wir mit einem kleinen Bus um 10 Uhr nach Massawa, der Hafenstadt am Roten Meer mit bedeutendem Fischfang und Salzgärten. Unser Fahrer hat sich gleich einen großen Sack Salz gekauft.
Auf dem Weg
dorthin haben wir einzelne Dromedare gesehen und eine große Gruppe Paviane, die mit ihren Jungen gleich im Gebüsch verschwanden. Die sehr kurvigen Straßen sind ziemlich gut ausgebaut, welche noch in der italienischen Kolonialzeit (bis 1941) angelegt und inzwischen erneuert wurden. Jedenfalls trafen wir auch hier auf kein Militär, keine Polizei, sahen keine Gewaltszenen, sondern fuhren ganz entspannt die gut ausgebaute Straße entlang und hatten die Zeit uns die Ortschaften anzuschauen, in denen relativ normales Treiben herrschte. Kinder spielten Fußball, Leute saßen in Cafés, manchen arbeiteten auf Feldern, Frauen hingen die Wäsche auf und andere transportierten auf Eseln oder Dromedaren Holz oder Kanister.
Wir bestaunten wie weit Eritrea in dem Bau der Terrassierung als Prophylaxe gegen Bodenerosion gelangt ist. Durch die Napalmbomben der äthiopischen Armee wurde praktisch die ganze Vegetation des Landes vernichtet. Die Berghänge zwischen Hochland und Rotem Meer waren (Höhenunterschied 2400 m) mit einem subtropischen Regenwald dicht bewachsen. Die Hänge sind jetzt wie leergefegt. Die ersten jungen Pflanzen wachsen wieder und die ersten Erfolge sind beeindruckend. Jetzt gilt es diese Terrassen weiter zu beforsten, damit sich in den Regionen langfristig das Klima und die Wirtschaft kontinuierlich verbessern können. Hier sieht es die eritreische Regierung als selbstverständliche Pflicht an, dass Schüler und Studenten beim Aufbau des Landes - hier Aufforsten - helfen.

Wir betrachteten bei der Reise auch Teile der Eisenbahnstrecke Massawa- Biscia, einer Schmalspurbahn mit einer Spurweite von 950 mm, die von den italienischen Kolonialherren gebaut wurde, um die Steilküste zwischen Asmara und Massawa überwinden zu können.
Sie kann heute wieder zwischen der Hafenstadt Massawa und Asmara, der Hauptstadt von Eritrea, befahren werden. Sie wurde ab 1887 errichtet und reichte bis 1941 weiter bis Biscia. Die Bahn hat zwar die komplette Infrastruktur und Organisation einer Staatsbahn, aber es fährt kein einziger Zug planmäßig, sondern nur nach Bestellung. Wir haben an einem alten Bahnhof Teile der Firma Krupp aus dem Jahre 1909 gesichtet. Heute gilt das Befahren dieser Strecke in einer Originalbahn für Eisenbahn-Freaks als die eindrucksvollste Zugfahrt der Welt.
Die Stadt Massawa mit insgesamt etwa 50.000 Einwohnern selbst liegt auf dem Festland und zwei vorgelagerten Inseln. Noch auf dem Festland sahen wir riesen große neue helle Wohnblocks, die demnächst auch als
Sozialwohnungen zur Verfügung stehen sollen. Einige sollen auch als Eigentumswohnungen verkauft werden. Die eine Insel verbindet ein 440 m langer Damm mit der bis ins 19. Jahrhundert unbewohnten Insel Taulud, von der wiederum ein 1030 m langer zweiter Damm zum Festland führt.
Das historische Zentrum der Stadt liegt auf der äußeren dieser beiden Inseln, einer 1000 m langen, 300 m breiten Koralleninsel ohne Süßwasserquellen. Dieser Teil ist vom Krieg immer noch sehr zerstört. Einzelne Häuser wurden aus Korallen gebaut, dieses soll irgendwann - wenn die finanziellen Mittel es zulassen - mit originalem Material wieder aufgebaut werden. Es sind noch wunderbare Zeugnisse arabischer und osmanischer Baukunst zu sehen. Leider macht die Stadt einen geisterhaften Eindruck und die Bewohner der Altstadt wohnen in deren Trümmern.
Dem Hafen direkt gegenüber liegt der Kaiserpalast Massawa, der im Kern noch aus osmanischer Zeit stammt und zuletzt von Kaiser Haile Selassie und anschließend als Hotel genutzt wurde.
Wir hatten Zimmer im Gurgusum Beach Hotel, welches etwas außerhalb von Massawa direkt am Roten Meer lag. Abends konnte man wunderbar die Sterne sehen, weil kein überflüssiges Licht die Sicht störte. Dazu passte ein Bier aus Asmara J

4. Tag „Rückreise nach Asmara und Stromausfall“

Es ist der 26.10.2014. Die Lage des Hotels war super, das Meer fantastisch, das Wetter super heiß, der Strand sauber, das Zimmer nur suboptimal, aber ich musste feststellen, dass man entweder auf europäische Gäste keinen gesteigerten Wert legt oder es nur unserer Mentalität lag, dass wir uns nicht willkommen fühlten. Ich weiß es noch nicht so genau. Den Service empfanden wir als nachlässig, ich habe z.B. 1 Stunde auf meinen Kaffee gewartet. Hier in Afrika lernt man, dass das Wort „warten“ eine ganz andere Bedeutung hat. Eritreische Gäste wurden vermeintlich zuvorkommender bedient. Aber ich habe die Wartezeit mit baden überbrückt.
Nach dem Lunch fuhren wir die Serpentinen nach Asmara zurück und erreichten diese 3 Stunden später. Wir fuhren direkt ins „Modka Café“ und haben noch ein bisschen über unsere Eindrücke geplaudert. Einzelne Mitglieder der Delegation spürten die ersten Veränderungen des Nahrungsangebotes und des Klimas deutlich an Magenproblemen.
Nach einem kurzen Spaziergang durch die Stadt erfrischten wir uns im Hotel ein wenig und trafen uns zum Abendessen wieder im „Hamasien“. Das Essen und der Service waren großartig. Das einzige, was uns manchmal etwas störte,
war der permanent laufende Fernseher. Wir kamen dadurch in den „Genuss“ laut die Berichte vom BBC, CNN oder seltener von dem heimischen Sender ERI –TV zu verfolgen. Manchmal gab es Fußball, das war dann noch eher zu ertragen. Fernseher laufen in vielen Speiselokalen, Cafés und Hotels.
Im Verlauf des Abends wurden wir gemeinsam Zeuge eines relativ üblichen Stromausfalles. Während wir am Tisch saßen, wurde es plötzlich dunkel und still. J Die Kellnerin brachte sofort recht gelassen einen großen Kerzenständer an den Tisch und stellte fest, dass sie jetzt den Kaffee nicht servieren könne. Wir nahmen unser Abendessen zu uns und irgendwann ging das Licht auch wieder an. Erfreulicher Weise konnte dann auch der Kaffee serviert werden.
Auf dem Weg zum Hotel fielen uns diesmal besonders die vielen Generatoren vor den Geschäften und Lokalen auf. Wir stellten ebenfalls erstaunt fest, dass wir die Ampeln bisher noch nicht in ihrer Funktion erlebt hatten. Denn wir registrierten, dass es keine Unfälle und keine wilde Huperei auf den Kreuzungen gab. Man arrangierte sich friedlich.
Im Hotel besuchten wir die Hausbar „Lounge“ und ich habe dann in meinem Zimmer mit Hilfe einer kleinen Taschenlampe meinen spannenden Krimi zu Ende gelesen.

5. Tag „Asmara - und manchmal ist es kalt“

Es ist der 27.10.2014. Wieder traf sich die ganze Delegation zum Frühstück in dem altbewehrten „Modka Café“ und besuchte dann die Unterkunft der Wiener Delegationsteilnehmer. Die Afrika Pension ist eines der bekannten Pensionen Asmaras. Diese alte italienische Villa liegt gegenüber der italienischen Botschaft in einer ruhigen Straße, etwa acht Minuten von der Harnet Avenue entfernt.
Anschließend liefen wir noch einmal über den riesigen Markt. Dieser grenzt an eine riesengroße Moschee. Wir sahen Menschen in den unterschiedlichsten Kleidungen, die auf verschiedene Religionszugehörigkeit schließen lassen, über den Markt schlendern. Ich kaufte mir dann in der Post eine Telefonkarte, denn mit meinem Handy hatte ich keine Chance zu telefonieren. In einem gut sortierten Schreibwarenladen kaufte ich noch ein Din A4 Heft, in dem ich alle diese Erinnerungen notiert habe.
Nach dem gemeinsamen Mittagsessen waren wir nur zu zweit bei der katholischen Kathedrale von Asmara welche von Zisterziensermönchen betreut wird. In den kirchlichen Gebäuden befindet sich auch eine Grundschule. Wir kamen mit kleinen neugierigen Kindern ins Gespräch. Es war sehr lustig. Die Kinder lernen alle in der Schule auch die englische Sprache, die uns ermöglichte mit den Kindern zu plaudern und rum zu albern.
Das Kirchengebäude wurde zwischen 1917 und 1920 nach Plänen vom italienischen Ingenieurs O. Cavagnari auf quadratischem Grundriss im Stil der Klassischen Moderne errichtet. 1938 erfolgten Ausbau- und Erweiterungsarbeiten.
Die Anlage scheint viele verschiedene Architekturelemente aufgenommen zu haben. Es handelt sich jedenfalls um einen großräumigen, imposanten Gebäudekomplex.
Es ist jedenfalls definitiv schwierig in einem Internetcafé auch eine Internetverbindung zu bekommen. Ich hatte es an diesem Tag bestimmt viermal vergeblich versucht.
In Asmara wird es im Oktober richtig kalt. Schon am Nachmittag saß ich im Hotel und habe gefroren. Ich wärmte mich unter laufendem Fön und schrieb meine Erlebnisse in das Heft. Abends waren wir zur „Abwechslung“ in unserem Lieblingslokal „Hamasien“, wir waren inzwischen mit der Speisekarte bestens vertraut und kannten die netten Kellnerinnen, die sich selbst auch freuten, wenn die Gruppe das Restaurant betrat. Am Abend wärmte ich mich wieder mit dem Fön ein wenig und schlupfte dann gleich ins Bett. Leider hatte das Hotel keine Heizung.

6. Tag „Aktion Regen, die Staudämme und der Adviser des Präsidenten Herr Ghebreab“

Wir haben Dienstag, 28.10.2014. Ich wurde wach und hatte weder warmes Wasser noch Strom. Katzenwäsche tat es auch. Ich freute mich auf einen guten Kaffee. Wir trafen uns alle um 9.30 Uhr im „Modka Café“. Unser Delegationsleiter hatte es heute besonders schwer mit uns. Das Reisen in diesem Land ist ohne Wissen der Einheitspartei und der entsprechenden Botschaften, ohne Erhalt der Reiseerlaubnis nicht so einfach möglich. Man kann sich nicht einfach ein Auto leihen oder in den nächsten Bus steigen, um irgendwo hin zu fahren. Sicher wäre es irgendwie möglich gewesen, wir hatten aber alle keine Lust auf eventuelle Risiken. Ich erwähnte bereits das Thema „Warten“, das uns auch heute beschäftigte.
Wir saßen also im Garten der Pension Afrika und lasen oder dösten in den Tag hinein. Zwischendurch besuchte uns eine sehr spannende Frau, Roswitha Weinrich (Sita) , die sich mit der „Aktion Regen“ um die HIV Aufklärung und dem Problem der Familienplanung in Eritrea mit ganzem Herzen widmet. Sie lebt jedes Jahr 3 Monate in Eritrea, um dort diese Aufklärung zu betreiben.
http://www.aktionregen.at/index.php/ueber-uns/projektteam
Ihr gelten
mein uneingeschränkter Respekt und meine Hochachtung. Vielleicht mag der eine oder andere Leser dieses Projekt unterstützen. Sie war so freundlich uns von ihrer Arbeit zu erzählen und mir ihr Aufklärungsmaterial zur Verfügung zu stellen. Es ist hochinteressant und ich werde diese für mich völlig neue Herangehensweise an meiner Schule vorstellen. Sie bestätigte, dass die HIV-Rate in Eritrea am niedrigsten in ganz Afrika sei. Allerdings sei aktuell die Tendenz wieder leicht steigend, da die Notwendigkeit der Verhütung mit Kondomen nicht für alle erkannt wird. Sie wisse nichts von Massenvergewaltigungen und Sexsklaverei. Sie bekomme aber mit, dass die Gleichberechtigung laut Gesetz zwar durchgesetzt wurde, aber viele Menschen, auch Frauen, diese nicht annehmen wollen. Sita begründete dies mit der langen und komplizierten Geschichte Eritreas, und dass so ein Prozess seine Zeit brauche. Alte Traditionen ließen sich nicht per Gesetz sofort aus den Köpfen radieren. Das klang einleuchtend.
In meinem Nachtischschrank meines Hotelzimmers lag übrigens keine Bibel, sondern vier Kondome.
Um 14 Uhr kam dann der Bus, der uns erst zu einem der neuen Staudämme brachte. Wir fuhren eine geraume Zeit aus Asmara hinaus und standen vor einem riesen
freilebende Paviane
freilebende Paviane
großen Staudamm, dessen Bau im März 2013 begann und welche wohl in zwei Monaten zu Ende gehen soll. Hier wird Regenwasser gesammelt, um Felder zu bewirtschaften und Trinkwasser in Dürrephasen zu holen. Wir hörten, dass der Präsidentenberater Jemane Ghebreab erstaunt sei über Berichte, Eritreas Regierung würde eine Hungersnot im Land verleugnen. Hunderte Mikrodämme und Tausende kleine Wasserrückhaltebecken wurden in den vergangenen zwei Jahrzehnten in Eritrea gebaut, was die Arbeiter an diesem Damm auch bestätigten. Das gut organisierte Wassermanagement in Eritrea ermögliche im Tiefland über große Staudämme und durch künstliche Bewässerung auch den Anbau von Getreide und Gemüse. In Gebieten Eritreas, wo einst von den italienischen Kolonialherren Baumwolle angebaut wurde, sind jetzt Farmen entstanden, die Nahrungsmittel produzieren – für Eritreas Bevölkerung und nicht für ausländische Investoren, wie dies zum Beispiel im benachbarten Äthiopien geschieht.
Wir schauten uns einen weiteren Staudamm an, der schon länger fertig gebaut ist und konnten dort die Pumpe sehen, mit der nach Bedarf das Wasser gefördert werden kann.
Am späteren Nachmittag war die Rundreise zu Ende, wir machten uns im Hotel frisch und wurden um 18.30 Uhr abgeholt.
Wir hatten die Ehre den Adviser Jemane Ghebreab persönlich kennen lernen zu dürfen. Das Treffen der Delegation und Herrn Ghebreab fand im Restaurant „Pyramide“ statt. Wir wurden sehr freundlich in einem wunderschönen Raum, der ziemlich privat und sehr gemütlich aussah, empfangen und wurden dann von Herrn Ghebreab begrüßt. Wir saßen zusammen und redeten ziemlich offen über Politik und die Probleme Eritreas. Er sagte, dass er die Probleme durchaus sehe und auch traurig sei über den Wunsch vieler Eritreer, aus dem Land zu flüchten. Er sagte sinngemäß, dass es schwierig sei aus Kriegern nach 30 Jahren normale Bürger zu machen und dann den Familien genau das zu erklären. Wer aber soll das Land aufbauen? Er sagte, dass Eritrea es anstrebe aus eigenen Kräften wieder selbstständig zu werden, es aber aufgrund der langen Abhängigkeit auch schwierig sei Außenstehenden zu trauen. Man habe damit nicht die besten Erfahrungen gemacht. Eritrea wolle keine Ländereien an ausländische Inverstoren verkaufen. Natürlich sei man offen und dankbar für Tipps und Hilfen, aber man möchte selbst entscheiden dürfen. Man strebe an, sich in fachlichen Bereichen noch weiter zu öffnen, lasse sich aber nicht die Methoden vorschreiben. Er zitierte das chinesische Sprichwort: "Gib einem Hungernden einen Fisch, und er wird einmal satt, lehre ihn Fischen, und er wird nie wieder hungern."
Wir haben neben dem fantastischen Essen mit hervorragenden Weinen, anschließendem Kaffee und dem abschließenden Zibib oder auch Arraki genannten Anisschnaps, eine nette, offene und sympathische Unterhaltung ohne Protokoll in einer liebevoll dekorierten Atmosphäre genießen dürfen. Als die Frage aufkam, wie wir dem zu unserem Hotel gelangen und wir ein Taxi rufen wollten, hat uns der Adviser persönlich zum Hotel gefahren!!!!! Wir waren sehr angetan von dieser unglaublichen Geste. Im Hotel sind wir erst noch mal in die Lounge, um den heutigen Tag zu verarbeiten. Die Magenprobleme erreichten leider weitere Teile unserer Gruppe.

7. Tag „ Ein Teil der Forschung und Entwicklung Eritreas“

Heute ist der 29.10.2014. Wir wurden sehr früh abgeholt, da spielten dann fehlender Strom und fehlendes warmes Wasser auch keine Rolle mehr. Um 6.00 Uhr stand der Bus vor dem Hotel. Noch halb im Schlaf fuhren wir etwa 2 Stunden bis zum Sarina Hotel und frühstückten dort. Nach einer kurzen Weiterfahrt landeten wir in Keren, Hauptstadt der Region Anseba mit etwa 80.000 Einwohnern. Zuerst schauten wir uns kurz das Zentrum
an und wurden dann vom lokalen Administrator und einem Mitarbeiter abgeholt. Diese zeigten uns einen kleinen Staudamm. Weitere Informationen über die vielen Staudämme in Eritrea auch hier: https://www.betterplace.org/de/projects/13891-wasser-fur-eritrea.
Ich habe hier einen wunderschönen Vogel entdeckt, den ich noch nie gesehen habe. Wahrscheinlich handelt es sich um: Euplectes franciscanus, den Feuerweber. Er saß auf einer Sorghumhirsepflanze. Diese wird hier übrigens viel angebaut, denn sie benötigt relativ wenig Wasser und ist an heißes und trockenes Klima angepasst. Diese Hirse wird zu Mehl verarbeitet oder dient als Futtermittel für Tiere.
Die Regenzeit endete vor zwei Monaten, wir fuhren an einem trockenen Flusslauf zu der Agraruniversität, die seit 2004 besteht. Hier hatte der Dekan und seine Mitarbeiter persönlich Zeit für uns und lud uns in sein Zimmer ein. Er erklärte das Institut und stand auch für alle Fragen und Anregungen gerne offen zur Verfügung. Dieses Institut hat etwa 1200 Studentinnen und Studenten, wovon 50 % der Eingeschriebenen aus Eritrea stammen, der Rest komme aus dem Sudan, aus Ägypten und anderen Nachbarländern. Die Studenten haben 2-3 Jahre Zeit um ihren Bachelor Abschluss zu erreichen. Das primäre
Ziel der Uni ist es, dass die Studenten dann für die Regierung arbeiten wollen, damit die Hauptmotivation des Landes sich selbst versorgen zu können, erreicht werden kann. Die Studenten lernen für die praktischen Teile des Studiums in den Regionen vor Ort, was direkt dort gemacht werden kann, um die aktuelle Situation zu verbessern und schreiben dann ihre Arbeiten darüber. Diese Uni arbeitete eng mit der japanischen Fundation über Kenia zusammen. Die Studenten wohnen in kleinen Apartments direkt am Institut. Sie leben und studieren dort kostenfrei.
Die Universität baut aktuell einen komplett neuen Lehr- und Forschungstrakt auf, der demnächst eröffnet werden soll. Man gehe hier auch der Frage nach, wie aus nur einer Zelle einer Kartoffel eine ganze neue Knolle entstehen kann und werde dazu eigens ein kleines Labor erstellen, deren Anfänge wir uns ansehen durften.
Die nächste Station war Barentu, die Hauptstadt der Provinz Gash-Barka mit 21.000 Einwohnern. Die Stadt liegt in der ariden westlichen Tiefebene 30 km von der äthiopischen Grenze entfernt und ist das (Markt-)Zentrum der Ethnie der Kunama. Wir kamen am Nachmittag im Hotel Natsnet an und konnten gleich die Betten beziehen. Die Zimmer waren wieder sehr einfach. Die nicht funktionierende Toilettenspülung musste durch das Benutzen von wassergefüllten Eimern ersetzt werden. Unsere Betten waren mit Moskitonetzen überspannt und es gab kein warmes Wasser.
Aber wir lernten wieder Offenheit und echte Gastfreundschaft kennen. Der Bürgermeister des Ortes und der Region besuchte uns, lud die ganze Delegation spontan zum Abendessen ein und stellte das Programm für den nächsten Tag vor.
Wir saßen dann kurz später auf dem Dach des Hotels und speisten fürstlich. Einen kleinen Moment später gesellte sich der Sohn des Honorarkonsuls Österreichs, Ashebr, zu uns. Er ist mit unserem Delegationsleiter befreundet, die beiden freuten sich über ein Wiedersehen. Nach einer weiteren kurzen Weile saß auch der Direktor (Chefarzt) des hiesigen Krankenhauses bei uns am Tisch, den wir am nächsten Morgen besuchten. Die Unterhaltung war sehr lebendig und sehr lustig. Das Fachgebiet des Arztes sind Infektionskrankheiten. Er erzählte uns, dass alle Babys und alle schwangeren Frauen kostenfrei ein Moskitonetz erhalten, wodurch die Malariainfektionsrate drastisch gesunken sei.
Er erzählte auch von den mobilen Schulen für die Halbnomaden. Die Regierung hat den Anspruch, dass alle Kinder lesen und schreiben lernen sollen - auch das fahrende Volk -, was natürlich nicht so einfach umzusetzen ist. Der Abend ging zwanglos zu Ende und ich schaute mir noch einmal den traumhaften Sternenhimmel an, der auch hier von keinen weiteren Lichtquellen gestört wurde.

8. Tag „Die medizinische Grundversorgung in Eritrea“

Es ist heute der 30.10.2014. Wir wurden um 7.30 Uhr abgeholt. Wir fuhren direkt zu Ashebr, Sohn des Honorarkonsuls Österreichs, der uns so liebevoll, offen und großzügig in seine traditionelle Rundhütte einlud. Zu seinem Zuhause gehören drei kleine Häuschen, die zusammen von einer hellen Mauer umrahmt sind. Er stellte uns seine Frau und seine Kinder vor. Wir wurden in das Haus gebeten und nahmen um einen Tisch Platz. Wir saßen im Kreis um den Tisch und lernten eine weitere Tradition kennen: Im Kreise sitzen sei wichtig, damit man die Emotionen des Gegenübers wahrnehmen kann. Zuerst wurde Wasser aus einem Krug in eine Schale gegossen, so dass wir uns die Hände waschen konnten. Dann gab es das traditionelle Essen. Vorab wird immer Brot gereicht, was der Älteste am Tisch brechen möchte und dann verteilen soll. Im Anschluss wird auf den Fladen das Essen verteilt. Der Ingera (Fladen) wird jetzt dabei stückweise abgerissen (nur mit einer Hand) und zwischen
dem Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger der rechten Hand gehalten und um die Beilage gehüllt und gegessen. Für jeden gab es ein gekochtes Ei, ein Stück Geflügel und reichlich Soße. Der Älteste bekommt das größte Stück des Fleisches. Im Anschluss begann die Frau mit einer traditionellen Kaffeezeremonie, zu der vor allem viel Zeit gehört. Zuerst wird Holzkohle auf einem kleinen Ofen erhitzt. Dann werden die Bohnen frisch geröstet und die Gäste dürfen an dem Topf riechen, um sich zu vergewissern, dass die Bohnen auch aromatisch sind. Die Bohnen werden in einem Mörser zerkleinert. Der Kaffee wird – hier gerne mit Ingwer - in einer bauchigen Tonkanne gekocht. Gleichzeitig brutzelten kleine Weihrauchklumpen neben dem Ofen. Der Kaffee wird auf Wunsch mit reichlich Zucker gereicht. Das ganze Procedere wird dreimal durchgeführt. Die 1. Tasse wird für den reinen Genuss getrunken, bei der 2. Tasse werden Probleme besprochen und die 3. Tasse dient dem allgemeinen Segen der Anwesenden. Zu dem Kaffee wird in Eritrea gerne Popcorn gereicht. Es war ein liebevoller, aufrichtiger und entspannter Besuch, wir fühlten uns wirklich willkommen. Danach fuhren wir weiter in das Krankenhaus.
Ashebr arbeitet dort als Pharmazeut. Der Chefarzt zeigte uns
das Hospital, welches 2006 mit 107 Betten gebaut wurde. Das Krankenhaus wird unterstützt durch ein Team von ARCHEMED in den Bereichen Kindermedizin und Geburtshilfe. Der Chefarzt zeigte uns die Station der Wöchnerinnen und der Frühgeborenen. Er war auch sehr stolz auf de Errungenschaft der neuen Brutkästen.
Eine Teilnehmerin unserer Delegation benötigte dringend den Wirkstoff von Immodium akut, was Ashebr sofort brachte ohne ein Entgelt zu nehmen.
Wir sprachen mit dem Arzt lange und ausführlich über FGM.
„Weibliche Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation, kurz FGM) ist ein destruktiver Eingriff, bei dem die weiblichen Geschlechtsteile teilweise oder ganz entfernt oder verletzt werden. Dadurch soll die sexuelle Lust der Frau verhindert werden. Die Verstümmelung findet meist vor der Pubertät statt, häufig bei Mädchen zwischen vier und acht Jahren, inzwischen auch vermehrt bei Säuglingen, die erst wenige Tage, Wochen oder Monate alt sind.“ http://www.desertflowerfoundation.org/de/was-ist-fgm/
FGM ist im Eritrea gesetzlich verboten und der Arzt stellte fest, dass die Eingriffe auch deutlich abgenommen haben. Der Hinweis, dass immer weniger Frauen an den sogenannten Begleiterscheinungen erkranken und auf Grund dessen nicht mehr das Krankenhaus aufsuchen, stimme positiv. Es gäbe nur noch sehr wenige Frauen, bei denen er diese Verstümmelungen bei Untersuchungen feststellt.
Direkt am Krankenhaus ist ein Teil der Uni angeschlossen, damit die Studierenden die Behandlung der Patienten direkt einsetzen und üben können.
Während des Besuches stellten wir fest, dass Häftlinge den Gartenbereich mit Sensen bearbeiteten. Dies gelte der möglich frühen Wiedereingliederung der Insassen. Außerdem spräche nichts dagegen, die Häftlinge etwas Sinnvolles praktizieren zu lassen.
Als der Chefarzt eine laufende Operation störte und der behandelnde Arzt sogar kurz rauskam, waren wir alle kurz irritiert. Da alle ruhig und entspannt blieben, dachten wir, dass es vernünftig sei, auch entspannt zu bleiben und dem Arzt zu vertrauen.
Nach dem Besuch des Hospitals bekamen wir noch einmal das traditionelle Essen in unserem Hotel angeboten und erfuhren fast beiläufig, dass sämtliche Mahlzeiten und die Übernachtungen der ganzen Delegation vom Bürgermeister übernommen wurden. Wir haben ihn spontan und herzlich zu einem Besuch nach Gießen eingeladen.
Wir blieben auch danach noch in Barentu und
Eingang in das Gurgusum Beach Hotel
Eingang in das Gurgusum Beach Hotel
fuhren zur Frauenunion „Hamade“, die 1979 gegründet wurde. Sie heißen eigentlich NUEW (National Union of Eritrean Woman). Der Ursprung des Vereins liegt in den Frauenbattalionen der EPLF, weshalb sie auch so stark in der Regierung verankert sind. Viele der Vorsitzenden und Aktivistinnen sind ehemalige Kämpferinnen und Kommandatinnen. Ihr Symbol ist ein Frauenkopf, über dem zwei Hände ineinandergreifen.
http://www.esel-initiative.de/kunama.html
Hier sahen wir zum Beispiel einen Raum mit über 20 Computern, gesponsert von dem Erlös des letzten Eritrea Festivals in Gießen. Gleichzeitig können die Frauen kostenfrei eine Form von Selbstverteidigung erlernen, wenn sie misshandelt und geschlagen werden. In einem großen Raum stehen mehrere Webstühle, wo Frauen für ihre ökonomische Unabhängigkeit das Weben lernen können, vor allem wenn der Mann im Krieg gefallen ist.

Auf dem Rückweg nach Asmara strapazierte der Fahrer unsere Geduld. Für ihn hätte die Reise noch lukrativer sein können, wenn wir in seinem Interesse mitgespielt hätten. Wir hatten ihn aber nur als Fahrer und nicht als Händler engagiert. Denn er hielt und wollte spontan einen riesigen Sack Holzkohle
kaufen. Wir lehnten ab. Dann hielt er und versuchte große Holzstämme kaufen zu dürfen, was wir unter anderem auch aus Platzgründen ablehnen mussten. Beim nächsten Halt hat er schnell von ein paar Kindern Kakteenfrüchte und ein anderes Mal rasch eine Tüte mit Guave direkt von seinem Fenster aus gekauft. Wir merkten dann an seinem rasanten Fahrstil, dass er mit der Entscheidung und klaren Ansage des Delegationsleiters nicht wirklich einverstanden war.
Wir hielten in einer der heißesten Städte Eritreas, in Agordat, in der regelmäßig Sandstürme vorkommen. Hier leben etwa 25.000 bis 30.000 Einwohner, es ist die siebtgrößte Stadt in diesem Land. Die Stadt ist bekannt für seine Bananenplantagen und hat die zweitgrößte Moschee Eritreas aus dem Jahre 1963. Das Stadtbild ist noch von der osmanisch/ägyptischen Zeit geprägt. Wir haben uns nur kurz das wirklich schöne Zentrum angeschaut, haben Wasser getrunken und sind dann glücklich zurück in das klimatisierte Auto gestiegen.
Ziemlich erschlagen und erfüllt mit den vielen Eindrücken und dem vielen Essen erreichten wir Asmara am frühen Abend. Wir hatten dann nur 30 Minuten Zeit zum „Frischmachen“, denn wir wurden wieder abgeholt, um den Präsidenten der deutsch-eritreischen Gesellschaft kennen zu lernen.
Das Rote Meer
Das Rote Meer
Wir fuhren in die Ogaden Avenue 14 und wurden direkt vom Vorsitzenden begrüßt. Der Raum war gnadenlos überfüllt mir Bildern, Halbreliefs, Kunstblumen, Widmungen, Gemälden, Figuren, Gedenktafeln, Fotos und ein paar Schuhen an der Wand. Auch hing hier ein großes Foto von Fred Holland, einem Milliardär aus Australien, der Eritrea wohl eine Fabrik geschenkt haben soll. Der Präsident arbeitete in der Vergangenheit sogar in Gießen für den Fachbereich Geologie und hielt sich auch bereits in Heidelberg und Köln auf. Er empfing uns sehr herzlich in der deutschen Sprache und freute sich außerordentlich die Delegation begrüßen zu dürfen. Er stellte uns einen Bankdirektor aus Asmara vor, dessen Namen ich vergessen habe. Er freute sich ebenso uns das eritreische Essen anbieten zu können und auch hier haben die Ältesten der Delegation das Brot brechen dürfen. Wir hatten nun zum dritten Mal das warme und üppige Essen. Es war großartig, aber ich war so satt. Da ich höflich bin, aß ich es natürlich trotzdem und es schmeckte wirklich außerordentlich gut. Wir hatten viel Spaß, denn der Präsident selbst war ein sehr fröhlicher Mensch, dem unser Besuch viel Freude bereitete. Da ich aber inzwischen sehr müde, auch von den vielen Eindrücken
war, war ich nicht traurig, als der Delegationsleiter unsere Verabschiedung ankündigte. Wir fuhren also zum letzten Mal mit dem weißen Bus, der uns in das Hotel brachte. Wir gingen noch mal in die Lounge, um den Tag mit diesem Abschluss abzurunden. Wir sprachen über die vielen Eindrücke. Allerdings wurde ich bei dieser Unterhaltung sehr abgelenkt, denn permanent liefen die Kakerlaken die Wände rauf und wieder runter. Kurzerhand nahm ich meinen schwarzen Schuh und habe innerhalb von einer Stunde etwa 6 Kakerlaken an der Wand zerdrückt. Liebe Tierschützer – entschuldigt - aber ich fand es nur noch ekelig. Die große orientalische Schabe, um die es sich hier handelte, überträgt unzählig viele Krankheiten - auch die uns hier gut bekannte Magen-Darm-Grippe.
Als ich dann später in mein Zimmer ging, stellte ich fest, dass sie heute wirklich mal mein Zimmer sauber gemacht hatten. Ei der Daus, damit hätte ich jetzt nicht mehr gerechnet.

9. Tag „Eine Familie zu Hause erleben und eine Ehrenrunde in Asmara“

Es ist der 31.10.2014. Ich konnte zum ersten Mal AUSSCHLAFEN. Und ich hatte auch endlich Zeit die Familie meiner Bekannten aus Deutschland zu treffen. Um 10.00 Uhr kam Maesa und holte mich mit Freund und Auto ab. Wir fuhren zur Mutter und dem Ort, wo Lemlem aufgewachsen ist.
Der Strand vom Gurgusum Hotel
Der Strand vom Gurgusum Hotel
Ich knipste natürlich unentwegt Fotos für Lemlem, die schon länger nicht mehr in Eritrea war, um ihr damit eine Freude zu machen. Die Familie war ausgesprochen freundlich und herzlich. Wir konnten uns auch wunderbar auf Englisch unterhalten. Leider lief auch hier die ganze Zeit der Fernseher. Zum ersten Mal konnte ich dafür Sindbad (sin-di-bad) auf Arabisch sehen. J
Es wurde großzügig aufgetischt und das Essen war richtig lecker. Maesa kochte wunderbaren Kaffee, wir quatschten noch über unsere Leben und ich lernte alle Anwesenden ein bisschen besser kennen. Die Schwester von Lemlem fuhr mich dann zum Hotel zurück und der deutsche Teil der Delegation machte noch mal einen kleinen Abstecher durch die Stadt. Danach ging ich dann noch alleine in die Stadt, kaufte ein paar Apfelsinen auf dem Markt und wechselte Geld in einer Bank, um die Rechnung im Hotel bar zahlen zu können. Geldautomaten gibt es nicht und auch bargeldloser Zahlungsverkehr ist in Eritrea nicht möglich.
Zurück im Hotel bin ich aufs Dach, um die irre Aussicht und den Moment zu genießen.
Am Abend sind wir dann wieder zum Abschluss ins „Hamasien“ und haben was gegessen und dann in der Hotellounge zum letzten Mal über gewonnene
Erfahrungen und unsere Einschätzungen hier vor Ort gesprochen. Die Delegation war ein relativ homogener Haufen, der sich gut vertragen hat. Das ist nicht selbstverständlich, wir waren darüber sehr froh. Es klappe nicht immer alles wie geplant, aber wir hatten damit auch die Möglichkeit über bisherige Werte und Einstellungen nachzudenken. Wir hatten einen richtig schönen harmonischen Abend.
Wir packten unsere Sachen zusammen und warteten dann auf das Taxi.

10. Tag „Unsere Abreise - wir wünschen Eritrea viel Glück“

Es ist schon der 01.11.2014. Wir saßen schon lange vor der geplanten Abflugzeit am Flughafen, da es uns sinnvoll erschien lieber rechtzeitig vor Ort zu sein.
Wir trafen wieder die Ärzte von ARCHEMED und tauschten uns aus. Diesmal waren es vier Ärztinnen und ein medizinischer Mitarbeiter aus Deutschland, die uns sehr offen und ehrlich von ihrer ehrenamtlichen Arbeit in Eritrea erzählten. Sie arbeiten zum Teil schon 10 Jahre hier und stellen z.B. eine starke Preisehöhung der Grundnahrungsmittel fest. Aus diesem Grund würden auch immer mehr Menschen auf den Straßen betteln. Auf der anderen Seite bekräftigten die Mitarbeiter auch, dass die Eritreer dankbar sind für Unterstützung und viele Chancen haben das Land langsam wieder aufzubauen.
Die Delegation verabschiedete sich beim Zwischenstopp in Kairo voneinander, da sich hier die Wege nach Wien und Frankfurt trennten. Vielen Dank an Herrn Mansfeld für das Leiten dieser Delegation.


Teil 3: ICH VERSUCHE EINE ZUSAMMENFASSUNG

Schlussendlich stellen sich mir folgende Fragen:
1. Möchte ich noch mal nach Eritrea reisen?
2. Kann ich eine Reise nach Eritrea anderen empfehlen?
3. Was ist mit den vielen Vorurteilen über das Land in den Medien?


Auf der einen Seite bin ich extrem neugierig zu wissen, wie sich das Land weiter entwickelt. Ich habe so viel erfahren, sehr nette Menschen kennen gelernt und könnte in ein paar Jahren die zukünftige Situation mit den Erfahrungen dieser Tage gut vergleichen. Aber ich möchte nicht noch mal unter den gleichen Bedingungen in diesem Land sein und reisen. Ja, ich habe mich an bestimmte Standards gewöhnt, wobei ich auch mit extrem wenig zufrieden sein kann. Es ist nicht wirklich die Minibar, die ich vermisste. Ich mag warmes Wasser und das Duschen. Ich habe keine Lust im Hotelzimmer zu frieren. Es ist für mich schwierig von einem plötzlichen Stromausfall überrascht zu werden. Dass die Toilettenspülungen an vielen Orten nicht funktionieren, daran kann man sich gewöhnen. Es gibt kleine Kannen und Eimer. Ist ja nicht für ewig. Vielleicht wäre es hilfreich, mich das nächste Mal genauer und vor allem intensiver auf eine solche Reise vorzubereiten. In der Planung war ich naiv und nachlässig.
Man kann das feudale vier Sterne Hotel Asmara Palace mit Schwimmbad, Luxus und viel Service für viel Geld außerhalb des Stadtzentrums buchen und ist dann fernab der hiesigen Kultur. An Klima und Essen kann man sich gewöhnen. Aber was soll man dann in der Woche machen? Die Sehenswürdigkeiten der Stadt hat man in zwei Tagen durch. Man kann die Stadt alleine nicht verlassen. Ich habe viele Menschen in Eritrea kennen lernen dürfen. Die meisten allerdings nur durch die organisierte Reise der Österreich-eritreischen Freundschaft. Die Menschen waren offen, großzügig, ehrlich und fröhlich. Viele der dort lebenden Menschen, die wir kennen lernten, haben Lust das Land gemeinsam aufzubauen. Die Verantwortlichen scheinen alles ihnen mögliche dafür zu investieren. Jemane Ghebreab bringt es gut auf den Punkt, wenn er sagt, dass 20 Jahre eine kurze Zeit seien, um eine Nation aufzubauen. Andere afrikanische Länder, die meist schon ein halbes Jahrhundert unabhängig sind, hätten gegenüber Eritrea große Vorteile.

Neu gebaute Wohnungen- zum Teil auch Sozialwohnungen- am Rande von Massawa
Neu gebaute Wohnungen- zum Teil auch Sozialwohnungen- am Rande von Massawa
"Wir haben zwei Generationen verloren, die keine richtige Ausbildung bekommen konnten. Die Infrastruktur im Land wurde zerstört. Aber es gibt auch eine positive Seite des Krieges. Er hat die Menschen im Land zusammengebracht. Gemeinsam haben wir für die Unabhängigkeit gekämpft."
Also bleibt erstmal die Zusammenfassung von 1. und 2.: In Verbindung mit einer Delegation in entsprechenden Unterkünften - die es nicht überall gibt - kann ein Aufenthalt in Eritrea schön und interessant sein, wenn man neugierig auf das Land und nicht einen Animations- oder Sporturlaub unter Palmen plant. Wer also an einem spannenden Prozess des Aufbaus eines armen afrikanischen Landes mit eigenen Mitteln im Interesse der Menschen interessiert ist, der ist hier richtig.
Was ist mit den Vorurteilen über das Land in den Medien?
Natürlich war ich nicht überall. Wir waren in keinen Gefängnissen und konnten keine „Abtrünnigen“ interviewen. Stimmt. Aber was ich ganz sicher falsifizieren kann, sind die Gerüchte über permanente Polizeipräsenz. Ich habe in den 10 Tagen insgesamt 5 Polizisten gesehen. In keinen öffentlichen Gebäuden waren Uniformierte zu sehen. Am Flughafen bat man uns keine Bilder zu machen, aber ansonsten durften wir alles und überall fotografieren. Im Krankenaus und an der Uni war man sogar stolz und glücklich, dass wir Interesse an ihrem Land und ihrer Entwicklung zeigten und die Räumlichkeiten fotografieren wollten.
Massawa
Massawa
Wir sahen keine offene Folter. Die vielen Ärzte, die wir nun kennen lernen durften, falsifizierten alle die Behauptung der Massenvergewaltigungen mit gezielten AIDS-Infizierungen und haben noch nie von Sexsklaverei in Eritrea gehört. Die Aidsrate ist die niedrigste, Malaria ist fast überwunden und die Beschneidung verboten.
Wir sind mit dem kleinen Bus viel gereist und haben nur auf dem Weg nach Barentu und von Massawa kommend eine Sperre erlebt, wo wir die Reiseerlaubnis vorlegen mussten. Ansonsten wurden wir nie aufgehalten. Die Menschen in den Straßen waren ruhig, gelassen und mit sich ganz alleine beschäftigt. In Behörden und Ämtern, Hotel und Cafés waren die Eritreer meist sehr freundlich und hilfsbereit. Christen dürfen Muslime heiraten und umgekehrt. Die verschiedenen Religionen leben völlig normal nebeneinander. Jeder kann hier rumlaufen wie er will. Auf den Straßen gab es keine Streitereien oder Pöbeleien. Bettelnde Kinder und Frauen haben wir täglich gesehen. Das ist erst mal nicht völlig unnormal, das kennt man sogar aus Gießen.
Es war großartig Ärzte kennen zu lernen, die helfen und anpacken, statt nur zu schwätzen. Die helfen, ohne an ihre Karriere oder einen finanziellen Vorteil zu denken. Das hat mich nachhaltig sehr beeindruckt.
Die Gründe für die starken Vorurteile kann ich nicht ausreichend schlussfolgern. Wahrscheinlich stecken auch hier wirtschaftliche Interessen dahinter.
Wenn Eritrea also mit eigener Kraft selbstständiger wird und seine Probleme besser in den Griff bekommt, dann wäre das großartig und hätte schon einen Vorbildcharakter für andere afrikanische Länder.


(Text und Fotos: Martina Lennartz)

Ein Kindergartenkind aus Asmara
Asmara, ein Gebäude, was noch aus der italienischen Zeit stammt.
Die Fiat-Tagliero Tankstelle in Asmara
Die Kathedrale in Asmara
Spuren der Schmalspureisenbahn- auf dem Weg nach Massawa
freilebende Paviane
3
Eingang in das Gurgusum Beach Hotel
Das Rote Meer
Der Strand vom Gurgusum Hotel


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Kommentare zum Beitrag

Peter Herold
23.474
Peter Herold aus Gießen schrieb am 25.11.2014 um 20:34 Uhr
Ich habe Problem mit nicht angezeigten Bildern. Schlechte Verbindung am Abend?
Der Beitrag ist sehr umfangreich. Sicher interessant, aber am Bildschirm schwer zu lesen.
Peter Herold
23.474
Peter Herold aus Gießen schrieb am 25.11.2014 um 20:34 Uhr
Ich habe Problem mit nicht angezeigten Bildern. Schlechte Verbindung am Abend?
Der Beitrag ist sehr umfangreich. Sicher interessant, aber am Bildschirm schwer zu lesen.
Klaus Stadler
4.435
Klaus Stadler aus Reiskirchen schrieb am 26.11.2014 um 13:15 Uhr
Liebe Frau Lennartz,wenn alles so toll und schön in Eritrea ist, warum sind so viele junge Eritreaer als Asylbewerber hier in Gießen?
Peter Herold
23.474
Peter Herold aus Gießen schrieb am 26.11.2014 um 14:48 Uhr
Jetzt sehe ich alle Bilder. Lieber Herr Stadler, ich glaube viele junge Menschen in Afrika glauben bei uns in Europa, vor allem in der BRD sei alles "GOLDEN", dabei ist es bei uns auch nur Arbeitslosigkeit und auch Armut. Und warum in Gießen? Keine Ahnung.
Michael Beltz
6.335
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 26.11.2014 um 16:29 Uhr
Hallo Herr Stadler, es geht nicht darum, dass alles toll in einem der ärmsten Länder der Welt ist.
Am 4.11. und am 7.11. habe ich hier bereits in Stichworten auf negative Erscheinungen und positve Entwicklungen hingewiesen.
Flüchtlinge: Peter Herold hat schon darauf hingewiesen. Viele Afrikaner, die nicht aus politischen Gründen fliehen, glauben, dass in Europa alles besser ist.
Ein Grund ist in Eritrea die lange Zeit im Militärdienst.
Zweitens schicken einige Familien ihre Kinder nach Deutschland in der Hoffnung, dass es ihnen einmal besser gehen soll. Diese Minderjährigen leben derzeit im Hotel am Ludwigsplatz und werden von der Stadt Gießen und Caritas betreut.
Karl-Ludwig Büttel
3.097
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 26.11.2014 um 17:19 Uhr
Ich muss im Rahmen meiner humanitären Hilfe in einem anderen Eritrea gewesen sein. Solche Berichte sind typisch für die, die mit der Eritreischen Oberschicht sympathisieren. Mir dreht sich der Bauch rum wenn ich dieses Märchen aus 1000 und einer Nacht lese.
Ja Herr Stadler Sie haben mit Ihrer Frage Recht. Nicht nur in Gießen sondern in allen Städten und Landkreise in Deutschland gibt es Flüchtlinge. Ich betreue hier (in Frankfurt) auch im Rahmen meines Berufes viele Eritreische Flüchtlinge. Wenn die diesen Text lesen könnten müssten sie sicherlich heulen.
Das hier zu Lesen macht mich einfach nur wütend. Schon immer die Märchen der Eritreischen Treffen in Gießen lassen meinen Puls nach oben gehen, aber dieser Beitrag ist an schönfärbender Darstellung nicht zu überbieten.
Sicherlich gibt es auch wirtschaftliche Flüchtlinge aus diesem Ländern. Es ist auch richtig, dass viele die Hoffnung haben durch die Flucht nach Europa geht es ihnen besser und sie können ihre Familie zu Hause unterstützen. Nur die Eritreischen Flüchtlinge (Unbegleitete minderjährige Flüchtlingskinder) und Andere können an ihrem Körper zeigen warum sie Eritrea verlassen haben. Das ist für uns nicht in Worte zu fassen. Einfach nur schrecklich. Die super medizinische Versorgung (wie im Text beschrieben) trifft einen kleinen Teil der bevorzugten Bevölkerung. Niedrige AIDS Rate das ich nicht lache wenn es nicht zu Ernst wäre. Viele humanitäre Organisationen bringen die Kranken nach Europa weil sie in Eritrea der falschen Schicht angehören. Leider werden diese Märchen gezielt durch Propaganda auch von anderen verbreitet die armen Menschen dürfen sich bzw. können sich ja nicht wehren.
Vielleicht bringt mein ehemaliger Kollege von seinem Einsatz mal ein paar Bilder mit. Er ist wieder unten und behandelt in den Flüchtlingslager an der Grenze zu Eritrea die armen zum Teil gefolterten Menschen.
Ich verstehe die Beweggründe nicht warum gebildete Mitteleuropäer so etwas schreiben. Sind die politischen Beweggründe so hoch angesiedelt das die menschlichen Schicksale mit Dreck beworfen werden. Wie Verkommen ist die der Mensch zum Teil geworden.
Karl-Ludwig Büttel
3.097
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 26.11.2014 um 18:00 Uhr
Stimmt weil es die Regierung so angeordnet hat. Wer erfasst denn die Zahlen?
Sehen Sie sich mal Ihre verlinkten Quellen genau an.
Peter Lenz
421
Peter Lenz aus Mücke schrieb am 26.11.2014 um 18:31 Uhr
Leichtfertig flieht niemand

Eritrea wurde erst 1993 von Äthiopien unabhängig, nach einem langen und verlustreichen Krieg. Seit Anbeginn ist der ehemalige Guerillachef Isaias Afewerki Präsident. Zumindest in seinem Kopf hat der Krieg nie geendet. Immer wieder provozierte er militärische Konflikte, mit Äthiopien, Djibouti, Jemen, dem Sudan. Die angeblich permanente Bedrohung dient der Rechtfertigung des unbefristeten Ausnahmezustands. Es herrscht eine allgemeine – de facto ebenfalls unbefristete – Dienstpflicht. Die Armee kann ihre Bürger und Bürgerinnen viele Jahre lang zu Fronarbeit zwingen. Das paranoide Regime von Afewerki hat das Land in eine einzige, riesige Kaserne verwandelt – mit etwa 10 000 politischen Gefangenen.

Der Vorwurf, die Schweiz schaffe Fluchtanreize, ist falsch. Die Menschen würden auch versuchen, dem Überwachungsstaat zu entkommen, wenn die Schweiz gar nicht existierte. Eritrea verfügt über eine Bevölkerung von vier Millionen. Eine halbe Million leistet Militärdienst, eine Million lebt im Ausland. Die Mehrheit der Emigranten befindet sich nicht in Europa, sondern in den Nachbarländern von Eritrea. Die Flucht ist lebensgefährlich, leichtfertig macht sich niemand auf den Weg. Letztes Jahr wurden Berichte publik von Asylsuchenden, die im Sinai von Beduinen entführt worden waren. Die Kidnapper verlangten von den Eritreern die Telefonnummer eines Angehörigen. Dann riefen sie ihn an, folterten den Flüchtling, so dass der Angehörige die Schmerzensschreie des Opfers hören konnte, und forderten Lösegeld. Die Routen über die Sahara und das Mittelmeer sind ebenso riskant. Selbst von den Eritreern, die es nach Europa geschafft haben, erpresst das Regime «Tributzahlungen» und droht bei Nichtbezahlung mit Strafaktionen gegen Angehörige in der Heimat. So hält sich die Regierung ausgerechnet mit den Rimessen der Geflohenen über Wasser.

Wem Freiheit etwas bedeutet, der sollte die Unterdrückung in einem Land wie Eritrea anprangern und nicht verharmlosen.

Die Situation in Eritrea ist schlimm. Punkt.
David Signer 28.10.2014, 15:33 Uhr


"Auszug aus einem Artikel in der Neuen Züricher Zeitung"
http://www.nzz.ch/meinung/kommentare/die-situation-in-eritrea-ist-schlimm-1.18413277
Kurt Wirth
1.021
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 26.11.2014 um 19:13 Uhr
Ich finde es schon mal gut, daß sich Martina L. hier tatsächlich als Bürger"reporter" betätigt hat (selbst zähle ich ja leider auch eher zu den Bürger"kommentatoren") und viel Information geliefert hat.

Da ich ja auch landauf, landab von eritreischen Flüchtlingen höre und lese, wollte ich die Lage doch auch von anderer Seite "überprüfen" und rief den wikipedia-Artikel über Eritrea auf:

http://www.de.wikipedia.org/wiki/Eritrea

Der ist erstaunlich zurückhaltend und nicht verurteilend und steht zu dem Beitrag von Martina L. eigentlich nicht im Widerspruch. An einer Stelle ist die Rede davon, daß viele ins Ausland geflohene Eritreer wieder zurückgekehrt sind.(Wohl aus den umliegenden Ländern). Es macht nicht viel Sinn, Eritrea mit entwickelten europäischen Ländern zu vergleichen, weder die Wirtschaft, noch die staatliche Organisation.

Anprangerung führt m.E. nicht viel weiter. Tätige Unterstützung, wie die im Beitrag aufgeführte Ärztegruppe, schon eher.
Michael Beltz
6.335
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 26.11.2014 um 19:22 Uhr
- Ich habe mit Jugendlichen Eritrern, die hier leben, gesprochen. Sie haben mir erzählt, dass dem billigen Hotel, in dem wir wohnten, die Kathedrale sei. Sie waren fröhlich und haben sich darüber gefreut, dass ich in Asmara usw war.
- Die Entführungen und die brutalen Folgen im Sinai sind bekannt und wurden in einem guten Film in arte benannt. Die Menschen werden (nicht ausreichend) gewarnt.
- Medizinische Betreuung und Bahndlung ist kostenlos. Richtig: nicht ausreichend. ARCHEMED hat keinen Grund zu lügen. Die Ärztinne, die wir getroffen haben, machen das freiwillig. Die schimpfen eben nicht nur, sondern handeln - Respekt.
- Uns wurde in Masawa am Eingang zu einem Bungalo-Platz eine Fotografie von einem unterirdisch angelegtem Gefängnis gezeigt. Drei dort herumsitzende junge Männer lachten und sagten fragend zu mir: Guantanamo?
Warum die lachten, wurde mir bald klar. Das Gefängnis stammte aus der Zeit der italienischen Besatzung.
Karl-Ludwig Büttel
3.097
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 26.11.2014 um 19:30 Uhr
Herr Wirth die von Ihnen als Tätige Unterstützung aufgeführte Ärztegruppe behandelt nur Menschen die der Oberschicht genehm sind.
Niedrige HIV Zahlen begründen sich zum Beispiel daraus, dass Menschen mit dieser Erkrankung in diesem Land stigmatisiert werden und verfolgt werden. Sich dann entweder verstecken und fern ab jeder medizinischen Versorgung sterben oder vorher ihr Heil in der Flucht suchen. Ähnlich geht es übrigens auch denen die Opfer von sexuellen Übergriffen wurden. Keinerlei Unterstützungen sondern Verfolgung. Es ist ein Land wo etwas das laut der Regierung nicht sein darf auch mit allen Mitteln dann nicht stattfindet. Aber vielleicht erzählen ja die Flüchtlinge die Unwahrheit und haben sich die Verletzungen selbst beigebracht.
Karl-Ludwig Büttel
3.097
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 26.11.2014 um 19:33 Uhr
Ja Herr Beltz die Lachen. Diese Bilder gab es auch schon bei anderen Unrechtsregimen.
Können Sie mir mal erklären warum die vielen Eritreischen Flüchtlinge nichts mit den Eritreern die hier Leben zu tun haben wollen.
Übrigens nicht nur diese Helfer arbeiten dort umsonst.
Nicole Kocaoglu Schmidt
705
Nicole Kocaoglu Schmidt aus Heuchelheim schrieb am 27.11.2014 um 09:58 Uhr
Bildungsreise nach Eritrea??
Was war das den für eine Delegation und wer der Kostenträger?
Und als Lehrerin wird man mal einfach so zu so einer "Bildungsreise" eingeladen?
Finde ich schon sehr interessant.

Ansonsten kann ich Herrn Büttel nur in all seinen Aussagen zustimmen.
Michael Beltz
6.335
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 27.11.2014 um 12:34 Uhr
Frau Schmidt, die Kosten wurden von den Teilnehmern getragen. Flug p.P. 1059 Euro, Hotel p.P 35 € pro Tag, Bus für Rundreise 150 € p.P., Einkauf und Gaststättenbesuch individuell. Es gab keine Einladung zu dieser Reise, vielmehr hatten wir mit der Österreichisch-Eretreischen Freundschaftsgsellschaft Kontakt. Herr Mansfeld organisierte diese Reise.

Herr Büttel, Ich mag auch nicht, dass Kinder auf den Armen von Politikern lachen sollen. Warum aber sollen Eritrer nicht lachen. Ich habe mich z.B. vor einem Puschkindenkmal fotografieren lassen. (Großvater von Puschkin stammte aus Eritrea) Ein junger Eritrer kam vorbei, und fragte lachend, ob er mich ebenfalls fotografieren dürfe. Ähnlich gute Stimmung war in einer folkloristisch eingerichteten Bar in unserem Hotel, dass ich niemandem empfehlen würde.
Auffälllig war, dass junge Frauen, die abends in der Stadt flanierten, zum Teil sehr modisch (Westorientierung) gekleidet waren. Kein Wunder, wenn in den Lokalen stundenlang im Fernesehen CNN läuft. Die westliche Mode, in gelöcherten Hosen herum zu laufen, sahen wir allerdings nur zweimal. Da besteht noch Nachholbedarf.
Peter Lenz
421
Peter Lenz aus Mücke schrieb am 27.11.2014 um 12:42 Uhr
Nur der Vollständigkeit halber.. offensichtlich scheint auch Hr. Beltz zu dieser "Reisegruppe" gehört zu haben.
@Hr. Wirth.. wenn Sie schon Wikipedia bemühen, dann bitte auch der Vollständigkeit Halber alle Argumente!
http://de.wikipedia.org/wiki/Menschenrechte_in_Eritrea
http://de.wikipedia.org/wiki/Pressefreiheit_in_Eritrea


Fr. Nicole Schmidt und Hr. Büttel kann man nur beipflichten.
Karl-Ludwig Büttel
3.097
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 27.11.2014 um 15:29 Uhr
Ja man kann sagen Familienbildungsreise....Herr Beltz war auch dort. Hat ja auch kleine Beiträge dazu eingestellt.
Martina Lennartz
3.935
Martina Lennartz aus Gießen schrieb am 27.11.2014 um 18:36 Uhr
Obwohl es wenig Sinn macht auf eine so haltlose und aggressive Polemik zu reagieren, möchte ich doch darauf hinweisen, dass in meinem Artikel die Orts- und Zeitangaben nachvollziehbar sind und wir uns in Eritrea frei bewegen konnten. Der Bericht entspricht den Tatsachen. Dass nur privilegierte Menschen eine medizinische Betreuung erhalten ist dreiste Polemik und schlicht eine Lüge. Dass Herr Büttel selbst in humanitärer Mission in Eritrea war ist ebenso unglaubwürdig wie sein Beitrag, der von überbordender Aggressivität strotzt, dafür aber keinerlei überprüfbare Angaben bietet.

Flüchtlinge weisen nach geglückter Flucht oft Merkmale von massiver körperlicher und seelischer Misshandlung auf. Das ist für jeden, der mit der Situation von Flüchtlingen und deren Behandlung durch Schlepper und Erpresser vertraut ist eine traurige Gewissheit. Die äußerst niedrige AIDS Rate in Eritrea ist medizinisch nachprüfbar (auch durch die vielen links weiter oben in meinem Kommentar.)

Gebildete Mitteleuropäer beschäftigen sich deshalb mit der Situation in Eritrea, weil sie in Ihrer Meinungsbildung eben nicht von Leuten abhängig sein wollen, die mit blindwütigen Beschimpfungen um sich werfen.
Martina Lennartz
3.935
Martina Lennartz aus Gießen schrieb am 27.11.2014 um 18:38 Uhr
Sehen Sie doch bitte mal auf der homepage von medcare-eritrea nach, die u.a. vom Bundesminsterium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und der BILD-Zeitung gesponsert wird. Dort sind meine Schilderungen - und andere mehr - ebenfalls aufgeführt.
http://www.medcare-eritrea.org/eritrea-ein-land-mit-hoffnung/was-erwartet-sie-als-besucher/index.html"
Nina Back
2.835
Nina Back aus Gießen schrieb am 27.11.2014 um 21:06 Uhr
Finde ich ja immer drollig, wenn westliche, wohlsituierte Touris in ein Land reisen und dort alles fein finden und dann denken, sie hätten das wahre Leben gesehen. Und dann Leuten wie Herrn Büttel, die aus einem anderen Blickwinkel berichten und in humanitärer Funktion (und eben nicht als Bildungstourist) unterwegs waren, Lügen und "Polemik" unterstellen, nur weil das dem schönen Lala-Gefühl widerspricht - und das dann ausgerechnet noch mit BILDzeitungsgesponserten Links belegen.
Bernd Zeun
9.018
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 27.11.2014 um 23:39 Uhr
Ich weiß nicht was diese Aufregung bei den meisten Kommentatoren soll. Hier schreibt jemand seine ganz persönlichen Eindrücke über eine Reise in ein Land, in das die wenigsten von uns gefahren sind und wahrscheinlich jemals fahren werden, von dem sie vermutlich kaum etwas wissen (ich nehme mich nicht aus) außer ein paar weniger, hauptsächlich negativer Berichte aus Zeitungen. Also ist es doch eher zu begrüßen, wenn die Gelegenheit sich bietet, an einer Reise (auf eigene Kosten) dorthin teilzunehmen. Es muss an selektiver Wahrnehmung liegen, wenn man aus dem Beitrag heraus liest, dass dort alles toll und fein ist. Ich empfehle, den Beitrag vielleicht ein zweites Mal zu lesen, dass man auch merkt, dass die Autorin ihre Informationen zum großen Teil von Leuten wie Frau Weinrich hat, die jedes Jahr drei Monate in Eritrea mit HIV Vorsorge verbringt. Natürlich hat es auch offizielle Kontakte gegeben und dass man da sicher auch geschönte Beschreibungen der Zustände im Land bekommt, davon gehe ich aus, das sehe ich aber nicht als Grund an, von vorn herein auf eine Reise zu verzichten. Ich lasse mir aber gern ein anderes Bild auch vorführen. Da ich den Worten Herrn Büttels entnehme, dass er ebenfalls schon dort war, sollte er doch auch seinen Bericht darüber einstellen, er würde mich sehr interessieren.

Wenn ich lese, dass ich CNN und BBC im Fernsehen empfangen kann, andererseits aus der hiesigen Presse weiß, dass das Land in Bezug auf Pressefreiheit den letzten Platz einnehmen soll, erstaunt mich das zumindest. Jedenfalls finde ich einen Vergleich mit Nordkorea absurd, da wüsste ich gern, wo ich das dort öffentlich und straffrei empfangen kann.

Der Bericht war zwar sehr lang, ließ sich aber durch die dreiteilige Gliederung gut lesen. Die vielen Bilder (normalerweise mag ich das nicht so, aber hier fand ich keines zuviel) gaben den Eindruck, dass es sich um ein landschaftlich reizvolles Land handelt (war mir nicht bewusst), dass die benutzten Straßen ohne Landesgartenschau in einem sehr guten Zustand waren, die Eisenbahn dafür in einem schlechten, dass es zumindest in den besuchten Regionen ein vielfältiges Nahrungsangebot gab, und dass ich auch als Fremder mich gefahrlos in den Straßen bewegen kann. Es dürfte z.Z. nicht sehr viele afrikanische Länder geben, die das auch von sich sagen können. Ich will keineswegs den Eindruck erwecken, dass ich dort alles in Ordnung finde, das Land ist arm, wird aber auch von keinem Soli hochgepäppelt; dass das Land so eine miserable Presse hat, dürfte auch damit zusammenhängen, dass das Land sich bis jetzt nicht hat von westlichen Konzernen aufkaufen lassen (wohltuend, mal kein Coca Cola oder McDonald Reklameschild zu sehen).

Jetzt noch eine nebensächliche Frage aus persönlichem Interesse. Sind euch keine Radfahrer aufgefallen? Eritrea soll doch das radverrückteste Land Afrikas sein, drei eriträische Rennfahrer nahmen sogar an der "Vuelta" in Spanien dieses Jahr teil und belegten gute Mittelplätze.
Nina Back
2.835
Nina Back aus Gießen schrieb am 27.11.2014 um 23:49 Uhr
Also, ich könnte mir vorstellen, dass die Aufregung daher kommt, dass Frau Lennartz eben nicht einfach nur persönliche Reiseeindrücke schildert, sondern was von angeblicher Hetze gegen das ach-so-schöne Land Eritrea erzählt und Medienberichterstatter und Leute wie Herrn Büttel, die auch dort waren und andere Eindrücke hatten, als Polemiker und Lügner bezeichnet. Ist ja schön, wenn es einem gefällt im "Bildungs"Urlaub, aber dann so zu tun, als wären alle kritischen Stimmen blanke Lügerei, dass ist schon ein dickes Ding.
Bernd Zeun
9.018
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 28.11.2014 um 00:07 Uhr
Also, ich kann mir schlecht vorstellen, dass die Ärzte der Hilfsorganisationen nur der Oberschicht genehme Menschen behandeln, aber Herr Büttel kann das sicher belegen.

Bildunterschriften habe ich vermisst (hatte ich vorhin vergessen).
Michael Beltz
6.335
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 28.11.2014 um 00:15 Uhr
Frau Schmidt, sind Sie mit meinen Ausführungen zu den Finanzen zufrieden? Ihre Frage ist in Ordnung, nun hoffe ich ,alles gklärt zu haben.
116
Sabine Albrecht aus Linden schrieb am 28.11.2014 um 06:33 Uhr
Danke Martina für den Bericht und auch für die vielen Fotos. Obwohl ich so gespannt war, auf das Ergebnis eurer Reise, hat sich bisher leider noch keine Gelegenheit zum Gespräch ergeben. Ich denke aber, es gibt noch ein paar Möglichkeiten die nächsten Wochen. Es klingt auf alle Fälle anstrengend und interessant gleichermaßen. Und ich glaube, daß frau sich in einem Urlaub durchaus einen Eindruck verschaffen kann. Sicher werden wahrscheinlich nicht die allerdunkelsten Ecken gesehen, aber so im Großen und Ganzen die Atmosphäre im Land, die körperliche Verfassung der Bewohner - ich denke sehr wohl, daß ich wenn ich mit offenen Augen durch die Welt gehe auch was sehe.
Karl-Ludwig Büttel
3.097
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 28.11.2014 um 07:23 Uhr
Die Linke Präsenz der Kommentatoren ist nicht zu überlesen.
Herr Zeun sollte ich wieder mal einen humanitären Einsatz fahren nehme ich Sie gerne mit. Sie können auch gerne mal mit den Flüchtlingen sprechen, dann haben Sie eine wahre Quelle und nicht Staat gesteuerte Medien und Organisationen.
Dem Bericht unterstelle ich einen politisch motivierten Hintergrund zu Schönfärberei der Verhältnisse. Es ist ja nicht neu das die Kommunisten und die Linken der Einheitspartei und deren Vertreter nahe stehen. Das konnte und kann man ja schon an der Unterstützung des Eritrea Festival seit Jahren hier lesen.
Mir ist die Politik dabei völlig egal, mir geht es um dieses armen unterdrückten Menschen besonders die Betreuung der Kranken, das ist mein Job ohne falsche Hintergründe.

Immer schön zusammen halten auch wenn den Menschen damit nicht geholfen ist.
116
Sabine Albrecht aus Linden schrieb am 28.11.2014 um 08:10 Uhr
Das mit dem Zusammenhalten von "Linken" halte ich für ein Gerücht - da wird schon des Öfteren leidenschaftlich gestritten.
Natürlich hat jeder/jede eine selektive Wahrnehmung, die durch die persönlichen Erfahrungen geprägt ist, immer und egal wie sehr sich um Objektivität bemüht wird.
Michael Beltz
6.335
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 28.11.2014 um 12:39 Uhr
Man sollte einen Reiseberichtg einfach mal zur Kenntnis nehmen. Wenn Sie in die USA fliegen und eine Rundreise machen, werden Sie ihre positiven Eindrücke schildern auch in dem Bewusstsein, dass dort gefoltert wird. Aus dem Irak sind noch Folterfotos vorhanden. In Eritrea wurde kein Jugendlicher erschossen.
Warum gibt es von Frau Nicole Schmidt keine Antwort? Sie hat wohl vermutet, dass die Reise von der Regierung in Eritrea bezahlt wird. Wenn es ihr um die Sache geht, müsste sie meine Antwort im Sinne von Transparenz akzeptieren.


Und Herr Büttel, dass eritreische Flüchtlinge nichts mit Eritrea zu tun haben wollen, stimmt nicht. Wir hatten vor etwa einem Jahr eine Veranstaltung zu Eritrea, anwesend waren meist Eritrer. Auf dem Festival der eritreischen Frauenunion waren junge Eritrer, die alle möglichen Fragen stellten - auch unangenehme z.B. zum Fußball.
Im Flugzeug nach und von Eritrea waren mehrheitlich Eritrer , Ägypter, die Ärztinnen und Itatliener (die z.T. Urlaub in Massawa gemacht haben).

Ich verweise diejenigen, denen der Artikel zu lange ist, auf meine o.g. kurzen Berichte - da soll mir jemand Schönfärberei vorwerfen. Warum sollten wir überhaupt Eritrea als das gelobte Land darstellen? Dazu gibt es im Programm der DKP keinen Hinweis oder Anlass. Unbekanntes und Fremdes kennenlernen ist interessant und bildet.
Karl-Ludwig Büttel
3.097
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 28.11.2014 um 14:27 Uhr
Herr Beltz erzählen Sie mir nichts von Ihren nicht vorhandenen Beweggründen. Als reiner Reiserbeicht würde ich den Bericht übrigens sehr gut finden. Genauso wie es in dieser Zeitung sein soll. Aber hier wird ein Bericht als Unterstützung für die diktatorische Einheitspartei getarnt als Reisebericht veröffentlicht. Hätten Sie sich nicht schon in den letzten Jahren für die Festivals und die Regierungseritreer hier in Gießen stark gemacht wäre mir das wahrscheinlich gar nicht aufgefallen. Dann hätte ich einfach gesagt o.k. ein Reisbericht in denen den Besucher nur das gezeigt wird was der Regierung genehm ist. Der weiß es nicht besser und kann nur schreiben was er gezeigt bekommt und somit sieht. Hintergründe werden dann in Unwahrheiten gepackt und so versehentlich veröffentlicht. Ich denke aber dass Sie und Frau Lennartz so gebildet und aufgeklärt sind, dass sie wissen dass dieser Bericht nicht Eritrea wiederspiegelt. Ihre Gründe dabei erschließen sich mir nicht. Auf der einen Seite setzen Sie sich für den Bitterling ein und hier scheinen Ihnen die wahren Schicksale der Menschen egal zu sein. Das verstehe ich nicht und das enttäuscht und ärgert mich.
Lesen und verstehen scheint doch schwer zu sein wenn man nach Argumenten sucht. Ich habe nicht geschrieben, das die Flüchtlingen nichts mit Eritrea zu tun haben wollen, sondern das die Flüchtlinge die ich betreue und die hierher geflüchtet sind nichts mit den Eritreern zu tun haben wollen die durch das Regime unterstützt hier leben und studieren und schöne Festivals feiern.
Martina Lennartz
3.935
Martina Lennartz aus Gießen schrieb am 28.11.2014 um 15:23 Uhr
Hallo Bernd,
„…Das kleine Land am Roten Meer zählt 4,8 Millionen Einwohner - und 500 000 Fahrräder. Das erste Rad haben, 1910, Italiener in ihre damalige Kolonie gebracht, so überliefert es eine ziegeldicke Geschichte des eritreischen Radsports….“
http://www.geo.de/GEO/reisen/reiseziele/tour-of-eritrea-das-aelteste-radrennen-afrikas-67355.html
Ich sprach letztens mit Herrn Schröder, einem Reporter der Zeitschrift GEO, die einen großen Artikel über die „Tour of Eritrea: Das älteste Radrennen Afrikas“ geschrieben hatten. Er informierte mich über den sehr interessanten Artikel, dessen link ich oben angeheftet habe.
Wir haben auf den sehr gut ausgebauten Straßen immer viele Rennradfahrer mit ihren bunten Trikots gesehen. Fotgrafieren konte man diese schwer, die Straßen sind sehr kurvig und die Radfahrer schnell. ;)
(Ich habe ein Foto mal ganz hinten angehängt)
Peter Lenz
421
Peter Lenz aus Mücke schrieb am 28.11.2014 um 16:38 Uhr
Interessant,
es soll uns hier als einfacher "Reisebericht" verkauft werden. Dabei wird von Fr. Lennartz von einer "Delegation" geschrieben zu der sie eingeladen wurde.. von wem delegiert?
Nur eine der Merkwürdigkeiten.
Sie besucht ein Land und wie sie schreibt hat sie sich umfangreich informiert!?
Nur dass Eritrea mit Stand vom Juli 2014 etwa 6, 38 Millionen Einwohner hat, sie aber in ihrem letzten Kommentar von 4,8 Millionen spricht, verstehe wer will.
Frau Martina ist Lehrerin und sehr an der Geschichte und Kultur von Eritrea interessiert.

..Natürlich hat jeder/jede eine selektive Wahrnehmung, die durch die persönlichen Erfahrungen geprägt ist, immer und egal wie sehr sich um Objektivität bemüht wird.

wie oben bereits Fr. Albrecht schrieb.
Michael Beltz
6.335
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 28.11.2014 um 18:15 Uhr
Herr Büttel, wir haben nicht nur gesehen, was man uns vorgeführt hat. Ich betone noch einmal, wir konnten uns frei bewegen und haben zudem Wünsche geäßert. So fuhren wir in ein Frauenzentrum besucht, zu dem die Gießener Kontakt haben.
Über Kuba wurde vor Jahren Ähnliches erzählt, man könne sich nicht frei bewegen. Wer sagt das heute noch?

Herr Lenz, wir haben uns den Freunden aus Österreich angeschlossen, die die Reise organisiert haben. Der Begriff Delegation mag in dem Sinne falsch sein, dass wir nicht von irgend jemand delegiert waren. Wir waren also auch nicht eingeladen. Unsere Kosten habe ich bereits oben Frau Schmidt dargestellt. Sie können, wenn es Ihnen finanziell möglichich ist, ebenfalls auf eigene Rechnung in ein Land fahren, das sie interessiert. Zugegeben, wir sind privilegiert uns eine solche Reise leisten zu können.
Die Einwohnerzahl wird sehr unzterschiedlich dargestellt. In Eritrea hörten wir Zahlen zwischen 4,2 und 5 Millionen, die von Ihnen genannten 6,38 Millionen erscheinen mir übertrieben. Da müsste Eritrea bevölkerungsmäßig trotz Flüchtlinge enorm gewachsen sein.
Nina Back
2.835
Nina Back aus Gießen schrieb am 29.11.2014 um 04:39 Uhr
Touristen können sich meist frei bewegen und bekommen immer die Sahneseite von Ländern präsentiert. Da kann man es auch in Nordkorea ganz gemütlich finden. Das muss aber nichts mit der Lebensrealität der Menschen vor Ort zu tun haben.
Karl-Ludwig Büttel
3.097
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 29.11.2014 um 10:28 Uhr
Ich denke das hilft nicht weiter. In meinem ersten Satz in meinem ersten Kommentar habe ich ja schon geschrieben, Sie waren in einen mir unbekannten Eritrea.
Sybille Keiner
441
Sybille Keiner aus Hüttenberg schrieb am 29.11.2014 um 23:56 Uhr
Hallo herr Büttel. Was haben sie denn da gemacht? Erzählen sie doch mal. Mit welcher Gruppe waren sie dort. Und wo war das dort? Ist das schon lange her?
Bernd Zeun
9.018
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 30.11.2014 um 01:44 Uhr
Herr Büttel, ehe ich mit Ihnen zu einem Einsatz aufbrechen würde, müssten Sie mir schon erst einmal verraten, wann, wo und vor allem für welche Organisation Sie in Eritrea waren. Aber abgesehen davon, glaube ich , die Gelegenheit, Sie dorthin zu begleiten (Sie meinten doch Eritrea?), wird sich vermutlich nicht ergeben. Nach Ihren Kommentaren werden Sie so schnell kein Visum für das Land bekommen. Googeln dürfte die Oberschicht auch dort.

Sie sagten doch, dass Sie den Bericht als Reisebericht sehr gut fanden, wieso nehmen Sie ihn dann nicht einfach als solchen? Frau Lennartz hat doch am Anfang gesagt, dass Sie vom Land kaum etwas wusste, wieso sollte sie plötzlich zu dessen Propagandistin geworden sein? Sie hat ihre Eindrücke geschildert; dass man von offizieller Seite als Tourist bevorzugt die Schokoladenseiten gezeigt bekommt, wie Frau Back schreibt, ist nicht nur dort so, die Gießener Stadtoberen werden Touristengruppen auch nicht in die Weststadt oder zur Gummiinsel fahren. Da offensichtlich kein Aufpasser ständig an ihrer Seite war, wird es genügend Gelegenheit für eigene Eindrücke gegeben haben. Wenn ich früher in die DDR gefahren bin, wurde an allen Ecken und Enden "Schokoladenreklame" gemacht, nicht mal unterzuckert konnte man darauf reinfallen.

Ganz daneben finde ich es aber, dass Sie quasi alle, die nicht Ihre Sichtweise zu dem Thema teilen, als Linke in einen Topf werfen. Ich z.B. gehöre keiner Partei an, weil ich mich von keiner vollständig verteten sehe, auch wenn ich zugebe, die Schnittmenge meiner Ansichten mit dem Programm der CDU ist nicht besonders groß.

Martina, danke für den Link, sehr interessant. Wer den Geo-Text gelesen hat, müsste eigentlich kapiert haben, dass du deine Reiseerfahrungen und keinen Propagandaartikel zugunsten der eritreischen Regierung eingestellt hast.
Karl-Ludwig Büttel
3.097
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 01.12.2014 um 12:03 Uhr
Herr Zeun Sie haben in allem Recht, was Sie schreiben nur gibt es was Herrn Beltz und seine Familie betrifft zu Eritrea eine auch hier in der GZ nachzulesende Vorgeschichte. Da wird es deutlich dass mit dem Unrechts System sympathisiert wird. Auch haben Sie was eine Reise nach Eritrea betrifft den Nagel auf den Kopf getroffen. Alle Unterorganisationen der WHO bekommen im Rahmen von Publik Health (öffentlicher Gesundheitsdienst dort arbeite ich, die humanitären Einsätze werden mit den verschiedenen Partner der WHO)sprich von medizinischer Hilfe keine Einreisegenehmigung in das Land. So dass sich die Hilfe wie auch geschrieben auf die Flüchtlingslager an der Grenze bezieht. Im Moment bzw. seit fünf Jahren bezieht sich meine Arbeit auf die Flüchtlinge hier. Herr Zeun, ich, wie auch andere hätten einen solchen Reisebericht nicht schreiben können. Zum einen hätte ich kein Visum erhalten und wenn dann nur für einen örtlich sehr begrenzten Aufenthalt. Für diesen schönen und ausführlichen Bericht muss man schon gute Beziehungen bzw. der Veranstalter zu Regierungskreisen haben. Ich hätte das auch bei Rechten und Mittleren und sonst jemand der dies Verfasst hätte, diesen Bericht hinterfragt. In dem Fall sind es immer wieder die Linken, die ein Land wie Eritrea in ein positives Licht zu rücken versuchen Was ich nicht verstehe und da sind vielleicht emotional die Gäule durchgegangen, wie man als gebildete aufgeklärtere Menschen so etwas verklärendes in meinen Augen absichtlich unter die Menschen bringt. Zurzeit sind alleine ca. 100.000 Flüchtlingen in Äthiopien in Lager. Viele andere sind unterwegs nach Europa. Ganz viele kommen nie an. Mir tun die Menschen einfach Leid ich habe keinerlei politisches Interesse an dem Land sondern nur an seinen gefolterten unterdrückten Flüchtlingen. Ich würde auch keinen positiven Reisebericht über Nordkorea gutheißen oder von Afghanistan. Nicht mehr und nicht weniger. Ich vertrete hier auch keine Meinung sondern nur das was ich gesehen und erzählt bekommen habe und noch sehe und höre.
Dieses Thema ist eigentlich vie zu ernst um hieraus ein politische Diskussion zu machen.
Man sollte sich lieber Gemeinsam den Flüchtlingen und den Menschen dort annehmen.
Bernd Zeun
9.018
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 02.12.2014 um 01:04 Uhr
Herr Büttel, ich bewundere das, wenn jemand humanitäre Hilfe leistet, aber sie waren nicht IN Eritrea, wie sie erst geschrieben haben, sondern außerhalb. Ich weiß nicht, welche Unterorganisationen der WHO nicht ins Land gelassen werden, aber die WHO unterhält ein Büro in Asmara und arbeitet mit Eritrea zusammen, in welcher Weise kann man auf ihrer Webseite nachlesen http://www.afro.who.int/en/eritrea/who-country-office-eritrea.html
Dass viele Flüchtlinge das Land verlassen liegt sicher an vielen Gründen, neben politischen sicher auch an der Wehrpflicht, an der wirtschaftlichen Situation und Unsicherheit weiterer Entwicklung. Ich erinnere aber auch daran, dass in den 50er Jahren aus ähnlichen Gründen über 500.000 Menschen aus Deutschland in die USA ausgewandert sind (Statistisches Bundesamt lt. Wikipedia), dass um die 50.000 westdeutsche Wehrpflichtige ab 1956 nach Berlin gezogen sind (Der Tagesspiegel, 21.07.2006), weil sie nicht als Kriegsdienstverweigerer anerkannt wurden oder sich dem Verfahren entziehen wollten.
Aber mich Ihren letzten beiden Sätzen anschließend sollten wir jetzt endlich den Reisebericht als Reisebericht stehen lassen. Wer über eine/andere Seite/n Eritreas berichten kann soll das doch gerne in einem eigenen Beitrag tun.
Bernd Zeun
9.018
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 02.12.2014 um 01:04 Uhr
Kommentar war doppelt gebracht. Dann wenigstens allen, die noch auf sind, eine Gute Nacht.
Michael Beltz
6.335
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 02.12.2014 um 09:38 Uhr
Herr Büttel, Sie sprechen die Vorgeschichte in Bezug zu dem oben eingestellten Bericht über Eritrea an.
Versuch einer Chronologie!
-Im Jahr 2011 fand in Gießen auf dem Geländer der Hessenhalle das von der Gießener Eritreischen Frauenunion Festival statt. Die Gießener Bürgermeisterin, Frau Weigel-Greilich (GRÜNE) besuchte das Fest und war, wie Fimlaufnahmen zeigen, bester Laune.
Für das Jahr 2012 hatte die Frauenunion wieder um ein Festival am gleichen Ort angemeldet. Dann kam die Meldung, dass Nazis für den gleichen Tag dieses Wochendes eine Demonstration angemeldt hatten. Die Frauenunion zog mit Hinweis auf die mögliche Gefährdnung nicht nur ihres Festes ihr Vorhaben zurück und verschob ihre Veranstaltung. Da gab es Lob für die Eritrer.

Nun schlug die Stunde des Stadtverordneten Herrn Grothe (GRÜNE). Er begann, gegen Eritrea mit allen ihm möglichen Hass zu hetzen. Er sammelte Menschen, vorwiegend GRÜNE und einen Schlägertrupp aus der Schweiz (s. Gießener Tageszeitungen), um am Ort des Geschehens zu demonstrieren.

Wir hatten inzwischen Kontakt mit zwei Personen der Frauenunion im Gießener Rathaus bekommen, die dort an einer Sitzung des Stadtparlamentes teilnahmen. Sie waren über das Verhalten des Herrn Grothe erstaunt oder verunsichert und versuchten zu erfahren, was hinter den Ausfällen dieses Mannes stand.

Auf jeden Fall wurden wir auf das Festival eingeladen und nahmen zu dritt teil. Das kann alles in der GZ nachgelesen werden. Dort hatten wir die ersten Kontakte mit einem Staatsvertreter und anderen meist sympatischen Menschen.

Es gab einer Veranstaltung der Frauenunion in der Kongresshalle. Ganz interesssant, teilweise etwas weitschweifig. Anschließend wurde die damalige Integrationsbeauftragte der Stadt beschimpft, weil sie u.a. den Straßenbau in Eritrea gelobt hatte.

So Herr Büttel, das ist eine kurze Zusammenfassung. Lesen Sie doch noch mal meine Beiträge zu Eritrea. Dann müssen Sie nicht mehr sagen, dass Sie in einem anderen Eritrea waren als wir. Sie sind doch sonst, auch wenn Sie uns Kommunisten kritisoieren, ein sachlicher Mensch, warum nicht hier. Vielleicht sollten wir gemeinsam überlegen, warum ausgerechnet eine derartige Hetzte von den GRÜNEN kommt. Ich will sie aber nicht mit meiner Vermutung versuchen zu beeinflussen.
Karl-Ludwig Büttel
3.097
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 02.12.2014 um 10:12 Uhr
Herr Beltz ich habe ja geschrieben, dass mir bei diesem Thema emotional die Gäule durchgehen und durchgegangen sind. Dass liegt vielleicht daran, dass mich das Schicksal der Flüchtlinge besonders beschäftigt. Diese gefolterten, missbrauchten Menschen zu betreuen die Schicksale zu erfahren ist emotional für den in kuscheligen Verhältnissen lebenden Mitteleuropäer schwer zu verkraften. Zumindest mir geht es so. Wenn ich dann Berichte lese wie toll es dort ist, oder wie schön sich die Eritreischen Menschen zu einem Festival in Gießen treffen macht mich dies wütend, dabei ging oder geht vielleicht die Sachlichkeit verloren. Bei diesen Festivals werden die Flüchtlinge die vom Regime verfolgten Menschen nicht eingeladen. Das wollen diese Menschen auch gar nicht, wer will mit seinem Peiniger schon zusammen feiern. Sie berichten positiv darüber, deshalb unterstelle ich Ihnen einen Nähe zu den politisch handelnden in Eritrea. Die Grünen brauche ich nicht um mir eine Meinung zu bilden und ich fühle mich auch nicht beeinflusst. Es ist äußerst Problematisch alles, dass zu schreiben was man gerne möchte und weiß. Es könnten mir bei diesem Thema berufliche Nachteile entstehen. Es ist doch auch kein Geheimnis das die DKP der Einheitspartei (die marxsitisch orientiert ist) nahe steht. Ich halte nichts von schön Rederei oder Schreiberei. Heute Morgen hatte ich wieder zwei Flüchtlinge in der Beratung. Was dabei über den Übersetzer zu erfahren war, bestärkt mich in meinem Bild. Ich denke, dass Sie und ich aus völlig unterschiedlichen Blickrichtungen zu diesem Thema stehen. Ich sehe das Leiden der Menschen und will mit den begrenzten Möglichkeiten helfen. Sie haben wohl eher ein politisches Interesse. Deshalb sollte man es dabei belassen. Ich hoffe Herr Beltz , dass ich zur Sachlichkeit zurückgefunden habe.
Sybille Keiner
441
Sybille Keiner aus Hüttenberg schrieb am 02.12.2014 um 23:32 Uhr
Hallo herr Büttel, wenn hier also jemand gelogen hat, dann ja wohl sie. Wie können sie behaupten in Eitrea gewesen zu sein? Und dann müssen Sie eingestehen doch nicht da gewesen zu sein. Schon peinlich. Sie beschimpfen die ganze Deligation und waren selbst nie dort? Das ist doch hier nur ein harmloser Bericht. Ja, er ist zu lang. Aber man kann doch lesen, dass es auch kein Warmes Wasser und kein Strom gab. Also ich will da nicht hin fahren. Aber der Bericht verherrlicht überhaupt nichts. Und ich finde die Bemerkungen vom Herr Zeun aber auch nicht schlecht. Was sagen sie zu den 500.000 deutschen Flüchtlingen, die geflohn sind, weil sie auch keinen Bock hatten das kaputte land nach dem Krieg aufzubauen?
Martina Lennartz
3.935
Martina Lennartz aus Gießen schrieb am 03.12.2014 um 00:27 Uhr
Lieber Bernd, ich habe nun auf deinen Wunsch sehr gerne viele Bilder beschriftet. Ich stehe dir für weitere Fragen gerne zur Verfügung- wie jedem anderen ernsthaft Interessierten natürlich auch.

Herr Büttel- ich habe nur beschrieben was ich gesehen habe. Sie haben manchmal einen merkwürdigen Ton, um MIR zu erklären, was ich falsch wieder gegeben haben soll. Dass z.B. die AIDS Rate dort mit am niedrigsten ist, ist unbestritten.

Ich habe viel gesehen- auch ohne "Aufpasser". Sehr viele Menschen sprechen englisch, ich habe mich mit ihnen unterhalten.

Ich war dort- Sie nicht.
Was Herrn Zeun fragt, würde mich auch brennend interessieren: Mit welcher "Unterorganisation von WHO" waren sie in Äthiopien- und wann? WHO bestätigt übrigens auch, dass die AIDS Rate eine der niedrigsten sei.

Ich lehne jede Art von Folter, Todesstrafe und alle andere Formen von Gewalt an Menschen ab!
Egal in welchem Land.

Ich lehne ebenso Kriege ab, denn da sterben immer nur die Unschuldigen- egal in welchem Land.

Und noch was Herr Büttel, wir haben an der Schule Flüchtlingskinder, auch aus Eritrea! Ich spüre sie und ihre Sorgen und Ängste und mein Herz ist offen für sie.
Sie dürfen gerne vorbeikommen und sich davon überzeugen.

Aber geht es nicht darum, diese Situation langfristig zu ändern, oder das Land selbst dafür Sorge tragen zu lassen, es selbst ändern zu dürfen?
Karl-Ludwig Büttel
3.097
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 03.12.2014 um 15:14 Uhr
Das nehme ich Ihnen ab Frau Lennartz. Es wäre ja auch schlimm wenn es nicht so wäre. Lesen Sie mal genau die Antworten dann stellen Sie fest wann ich wo war oder nicht war. Ich schreibe seit fünf Jahren leiste ich nur noch die Arbeit hier mit Flüchtlingen in Deutschland. Letztmalig vor 12 Jahren im Projekt zur Verhinderung von TBC (wie Sie aus anderen Berichten entnehmen können mein Schwerpunkt Aufgabengebiet) im Auftrag der WHO (Partnerschaft gegen TBC ist die Unterorganisation ca. 250 verschiedenen Regierungen und Organisationen nehmen Teil vorwiegend der öffentliche Gesundheitsdienst und Medizinische Organisationen wie in einem Kommentar auch geschrieben) in Barentu eine durch den Krieg ziemlich heruntergekommen Stadt im Wiederaufbau. Vor fünf Jahren das letzte Mal in einem Flüchtlingslager im Bezirk Mekele in Äthiopien. Ich verweise nochmal darauf, dass ich Aufgrund meiner Anstellung sehr vorsichtig sein muss mit öffentlichen Äußerungen. Ich werde mich auch dazu nicht dezidierter äußern. Ihre Interpretationen nach dem Motto Angriff ist die beste Verteidigung kann ich nicht nachvollziehen da es ja um verfolgte Menschen geht. Vor Gericht und auf hoher See ist das Recht so sagt man, in Frage gestellt, da es hier nicht um ein Verhör geht wer wo wann war dürfte Ihnen in einem Forum auch klar sein. Damit komme ich aber gut klar da Sie immer die Form waren, schreibe ich auch weiter gerne mit Ihnen das trifft auch immer auf Herr Beltz zu. Wer anständig schreibt bekommt auch ein Feedback. In Ihrem letzten Kommentar die Aussagen sind auch in meinem Sinn. Keine Folter , keine Verfolgung keine Form von Gewalt egal in welchem Land. Das sind wir uns auch völlig einig.
Die Flüchtlingsarbeit hier erstreckt sich auch nicht nur auf Eritrea sondern auf weitere Staaten in Afrika. Stellvertretend den Sudan und Syrien sowie nach wie vor seit Jahren auch Somalia. Syrien kommt in den letzten Monaten verstärkt dazu. Äthiopien ist meiner Meinung nach auch nicht viel besser regiert als Eritrea. Die Flüchtlingssituation ist völlig unbefriedigend. Die meisten Flüchtlinge berichten gleiche oder ähnliche Erlebnise. Meine Haltung bezieht sich auch auf diese Länder. Natürlich müsste man in den Ländern vor Ort für mehr Abhilfe sorgen. Hier werden wir es Dauerhaft nicht lösen können. Ebenso Menschen aus Afghanistan aber auch vielen ehemaligen GUS Ländern sowie den ärmsten Regionen in Europa. Gesundheit ist eine teures gut.
Ich werde mich wie auch wie geschrieben, weiterhin auf die Aussagen und Erfahrungen der Flüchtlinge verlassen.
Die WHO kann nur die Zahlen bestätigen die sie geliefert bekommt. Das liegt schon im Interesse der Sache. Bevor man ganz das Land verlassen muss. Wenn Sie Aufmerksam gelesen haben, dann bestätige ich dies indirekt in dem ich Schreibe diese Menschen mit den Erkrankungen befinden sich nicht mehr im Land bzw. im Zugriff der Verantwortlichen.
Ihrem letzten Absatz stimme ich voll und ganz zu. Dann erübrigt sich das Ganze hier geschriebene, wenn es denn funktioniert.
Ich denke es ist jetzt genug ausgetauscht und vielleicht etwas verständlicher. Mir geht es wie Ihnen nur um die Menschen.
Michael Beltz
6.335
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 03.12.2014 um 17:06 Uhr
Herr Büttel, ich nenne mal ein anderes Beispiel, um uns emotional zu beruhigen. Dass es in erster Linie um Menschen geht, muss für jeden Humanisten selbstverständlich sein. Also lassen wir alles weg, was Barrieren in der Sicht auf ein Land aufbaut.

Tansania: Auch dieses Land gehört wie Eritrea zu den ärmsten auf der Erde. Vom Dekanat Gladenbach ausgehend wird seit Jahren Hilfe zur Selbsthilfe organisiert. Ich hatte die Möglichkeit, die Bildungsministerin kennenzulernen. Vorher schon kannte ich die "Schwester Hildegard", die dort selbstlos Hilfe leistet.
Ich habe Fragen gestellt, kein Urteil über das Land, das ich nicht kenne, geäußert und meine Anerkennung einmal für die Hilfe von Christen und zu den Bemühungen um die Entwicklung (Bildung!) des Landes ausgesprochen.
Michael Beltz
6.335
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 03.12.2014 um 17:18 Uhr
Äthiopien. Ist z.B. bekannt, dass die Regierung dieses Landes den Anbau von Weizen forciert, aber nicht um gegen Hunger im Land anzukämpfen sondern um den Weizen ins Ausland zu verkaufen? Über die dortige Hungersnot wird nichts erwähnt. - In Eritrea wird viel getan, um ausreichend Lebensmittel selbst zu produzieren und nicht von Importen abhängig zu sein. Derzeit werden noch 20 Prozent der erforderlichen Lebensmittel importiert.
Nina Back
2.835
Nina Back aus Gießen schrieb am 03.12.2014 um 17:24 Uhr
Woher haben Sie diese Zahlen, Herr Beltz?!
Karl-Ludwig Büttel
3.097
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 03.12.2014 um 18:28 Uhr
Herr Beltz das steht außer Frage und was die besagten Länder betrifft ist das bekannt. Meine Liste der Länder ist auch nicht vollständig. Emotional bin ich beruhigt. Ich konzentriere mich auf meine reelle Arbeit mit den Flüchtlingen aus den verschiedenen Ländern dieser Welt. Und Ihr erster Absatz sagt es doch auch aus um was es geht. Und das sollte wirklich jedem Humanisten eine selbstverständlichkeit sein.
Kurt Wirth
1.021
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 04.12.2014 um 18:20 Uhr
Da heute gemeldet wurde, daß die Boko Haram in Nigeria damit droht, den von ihnen entführten Entwicklungshelfer Eberhard N. aus Kaufbeuren zu töten (er bildete Jugendliche in Nigeria aus), möchte ich doch noch auf folgenden, bislang nicht angesprochenen Aspekt aufmerksam machen:

Islamistische Aktivitäten mit den entsprechenden Anschlägen, Entführungen und Morden, wie sie in vielen nord- und mittelafrikanischen Ländern von der westlichen Sahara, über Algerien, die Länder der "Arabellion" bis Kenia gang und gäbe geworden sind, kennt man in Eritrea offensichtlich nicht. Auch hemmungslose ausländische Geheimdienstaktivitäten, wie die Festnahme und Entführung von Öczalan aus Nairobi in die Türkei, sind mir aus Eritrea nicht bekannt. Und obwohl Eritrea am Eingang/Ausgang des Roten Meeres, gegenüber dem relativ "rechtlosen" Jemen gelegen eine strategisch äußerst günstige Lage für Piratenaktivitäten wie in Somalia böte, es wurde nichts davon bekannt.
Michael Beltz
6.335
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 07.12.2014 um 08:55 Uhr
Kürzlich habe ich von einem Überfall um 1998 bis 2001 auf Eritrea durch Äthiopien gehört. In diesem dreijährigen Krieg sollen ca. 3000 Eritrer umgekommen sein. Wer weiß da genaueres? In Eritrea haben wir davon nichts gehört, man will dort wohl deeskalieren und auf die Durchsetzung der inernationalen Vereinbarungen hoffen.
Karl-Ludwig Büttel
3.097
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 07.12.2014 um 10:44 Uhr
Gut ich habe den Krieg oder die Ausseiandersetzung als solche nicht genu benannt aber diesen Konflikt meinte ich als ich schrieb nach dem Krieg. Es ist durchaus bekannt und ich bin erstaunt, das Sie davon nicht nichts gewusst haben wollen. Hier ein Auszug aus Eikipedia:
"Durch die wirtschaftlichen Streitigkeiten nahmen auch die Auseinandersetzungen über die ungeklärte Grenzziehung wieder zu. Im Juli 1997 besetzten äthiopische Einheiten Gebiete um die Stadt Adi Murug und ersetzten die lokale Verwaltung durch eine äthiopische Verwaltung. Daraufhin wurde zwischen beiden Ländern zwar die Bildung einer Grenzkommission beschlossen, was aber den Krieg nicht abwendete. Am 8. Mai 1998 forderte ein Schusswechsel zwischen Einheiten Äthiopiens und Eritreas auf beiden Seiten Todesopfer. Welche Seite den Schusswechsel begonnen hatte, ist bis heute ungeklärt, jedenfalls besetzten am 12. Mai 1998 eritreische Einheiten das ca. 400 km² große Yirga-Dreieck im Grenzgebiet. Äthiopien forderte den sofortigen Abzug Eritreas und reagierte, indem es Militäreinheiten in die Region schickte. Außerdem wurde ein totaler Wirtschaftsboykott gegen Eritrea verhängt, woraufhin Eritrea die Häfen Massawa und Assab für Äthiopien sperrte, über die Äthiopien zwei Drittel seines Außenhandels abwickelte.
Als Reaktion auf den Wirtschaftsboykott ordnete Eritrea die Mobilmachung seiner Armee an. Kurz darauf besetzten eritreische Einheiten weitere Gebiete in Grenznähe. Am 5. Juni erfolgten die ersten Luftangriffe. Äthiopien bombardierte den Flughafen der eritreischen Hauptstadt Asmara und Eritrea die äthiopische Stadt Mekele, Provinzhauptstadt der Region Tigray. Auch am Boden kam es zu mittlerweile heftigen Kämpfen um die umstrittenen Gebiete. Der damalige Präsident der USA, Bill Clinton, vermittelte schließlich die Einstellung der Luftangriffe am 15. Juni 1998. Auch die Kämpfe am Boden flauten zunächst ab, da die Regenzeit einsetzte und diese Truppenbewegungen beinahe unmöglich machte.
In dieser Phase des Krieges rüsteten beide Staaten enorm auf. Die Truppenstärke Eritreas vervierfachte sich auf 200.000 Mann und die Truppenstärke Äthiopiens wurde auf 300.000 Mann mehr als verdoppelt. Die Rüstungsausgaben beider Staaten betrugen zwischen Mai 1998 und Februar 1999 geschätzte 600 Millionen US-Dollar – eine sehr hohe Summe in Anbetracht der Tatsache, dass Äthiopien und Eritrea zu den ärmsten Ländern der Welt gehören. Äthiopien wies außerdem ca. 70.000 in Äthiopien wohnhafte eritreische Staatsbürger aus und beschlagnahmte deren Vermögen. Äthiopien beschuldigte zwar Eritrea, auch äthiopische Staatsbürger ausgewiesen zu haben, Vermittler der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) konnten dies jedoch nicht bestätigen.

Nach sieben Monaten eskalierte der Krieg wieder. Vor allem zwischen Februar und März 1999 gab es tausende Tote bei Grenzgefechten. Als sich die eritreischen Einheiten Ende Februar schließlich vor der äthiopischen Übermacht aus der Stadt Badme zurückziehen mussten, war der eritreische Präsident Isayas Afewerki zur Annahme eines Friedensplanes der OAU bereit, den er kurz zuvor noch strikt abgelehnt hatte. Nun weigerte sich jedoch Äthiopien, den Friedensplan anzunehmen. Im April begann Äthiopien mit der Bombardierung der eritreischen Hafenstädte Massawa und Assab und brach damit den Vertrag vom Juni 1998.

Erst in der Regenzeit von Juli bis September flauten die Kämpfe wieder ab und gaben den OAU-Vermittlern erneut Hoffnung auf eine friedliche Beilegung des Konflikts. Eritrea stimmte dem Plan der OAU zwar zu, der äthiopische Präsident Meles Zenawi sträubte sich jedoch erneut dagegen und lehnte den Plan im Dezember 1999 schließlich endgültig ab. Trotzdem kam es bis zum Mai des folgenden Jahres nur gelegentlich zu Schusswechseln. Am 12. Mai 2000 startete die äthiopische Armee jedoch eine Großoffensive und schaffte es binnen zweier Wochen, alle umstrittenen Gebiete zu besetzen. Am 26. Mai erklärten beide Seiten ihr Einverständnis zu einem Waffenstillstand. Dennoch wurden die Artilleriegefechte und äthiopischen Luftangriffe in den darauffolgenden Tagen mit unverminderter Heftigkeit fortgeführt. Auch als der äthiopische Präsident am 31. Mai 2000 die Beendigung aller Kampfhandlungen erklärte und die Friedensverhandlungen der OAU in Algier begannen, endeten die Kämpfe nicht. Erst als die Außenminister beider Staaten am 18. Juni 2000 ein Waffenstillstandsabkommen unterzeichneten, wurden die Kämpfe beendet."
Michael Beltz
6.335
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 07.12.2014 um 14:49 Uhr
Hofentlich belibt es dabei! Ich muss zugeben, Herr Büttel, ich habe Jahreszahlen verwechselt. Dieses waren schließlich nicht die ersten militärischen Auseinandersetzungen.
Aus diesen m.E. nicht endültig beendeten Kämpfen erklärt sich schließlich die lange Zeit des Militärdienstes in Eritrea mit seinen weit weniger Einwohnern als Äthiopien.
Karl-Ludwig Büttel
3.097
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 07.12.2014 um 14:58 Uhr
So kann man es auch sehen. Es zeigt, dass es für alles eine Erklärung gibt wenn man nur danach sucht. Aber richtig ist, dass da keinem zu trauen ist.Ich schreibe ja Äthiopien ist keines Fall besser. Die ganze Region hat Probleme.
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