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Focus' anti-islamische Aufwiegelung entgegnet

von AMJ Giessenam 16.11.20142541 mal gelesen14 Kommentare
Gießen | 8 Gegenthesen zu 8 "unbequemen Wahrheiten über den Islam" KW45 2014

Aktuell aufkeimende, brutale Konflikte durch fehlgeleitete, extremistische Randgruppen der islamischen Welt werden irrtümlicherweise mit der Lehre des Islam in Verbindung gebracht. Deren barbarische Handlungen halten dazu her, die friedliebende Mehrheit der Muslime und ihre Religion zu diffamieren.

Zwischen extremistischen Ansichten und der Glaubenslehre des Islam muss eine klare Linie gezogen und konsequent aufrechterhalten werden. Die Vorstellung, dass die Ausübung der Lehren des Islams friedfertige Muslime in mordende Extremisten verwandelt, entzieht sich der Realität. Gründe für die Radikalisierung von Menschen sind vielmehr in der anhaltende Ungerechtigkeit in gescheiterten Staaten, deren natürliche Ressourcen ausgebeutet und deren Völker durch von außen gestützte Führungsriegen unterjocht werden, zu suchen. Nicht der Islam, sondern die anhaltende Perspektivlosigkeit und Mittellosigkeit der Menschen, das fortwährende Zündeln von Konflikten, die in einem exzessiven Export von Waffentechnologie gipfeln, fördern den Extremismus auf eine perfide Weise. Extremismus keimt durch gesellschaftliche und wirtschaftliche Miseren, nicht durch Religion.

Die Reduzierung des medialen Bildes des Islam auf eine Handvoll Ereignisse des 21. Jahrhunderts birgt die große Gefahr, Vorurteile zu befestigen und Jahrhunderte der islamischen Geistesgeschichte aus dem kollektiven Gedächtnis der westlichen Welt auszulöschen.

Der Verfasser des Focus-Artikels "Ein Glaube zum Fürchten" stellt die These auf, dass die Ursachen der derzeitigen Konflikte im Islam selbst verankert seien. Bei denen von ihm ausgeführten 8 Punkten, kann er jedoch keine authentische islamische Quellen zitieren. Es wird keine einzige Begründung aus dem Heiligen Koran, den Hadith oder der Praxis des Heiligen Propheten (saw) dargelegt. Die Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland sieht sich hierbei verpflichtet, diese Thesen fundiert zu entgegnen.

1. Der Islam bietet Rechtleitung in allen Lebensbereichen
Islamische Lehren fußen auf dem Grundsatz der Freiheit und der Freiwilligkeit des Glaubens gemäß dem Vers "es soll kein Zwang sein im Glauben" (2:257). Der Heilige Prophet (saw) ist als Warner und Überbringer froher Botschaften für Menschen bezeichnet worden. Eine Stellung als Wächter ist deutlich verneint worden. Der Islam stattet den Muslim mit einem weitreichenden Wertekanon für alle Lebensbereiche aus. Nicht umsonst wird im Heiligen Koran der Anspruch erhoben: "Heute habe Ich eure Glaubenslehre für euch vollendet und Meine Gnade an euch erfüllt." (5:4)

Dass es ethisch moralische Prinzipien und Grundwerte für alle Lebensbereiche gibt, ist als etwas Positives zu betrachten. Regelt der moderne Staat nicht etwa alle Lebensbereiche? Von der Größe eines DIN A4 Blatts bis zum Bau eines Stadions ist alles per Gesetz geregelt. Selbst höchst persönliche Angelegenheiten wie die Heirat, die Scheidung, die Bestattung und das Erbe sind genauestens bestimmt und werden als eine Errungenschaft betrachtet.

Die moralischen Regeln haben das Ziel, den individuellen und gesellschaftlichen Fortschritt sowie das friedliche Miteinander zu fördern.

2. Der Islam gebietet umfassende Religionsfreiheit und lehrt Toleranz
Der Islam stellt das Grundprinzip "Es soll kein Zwang sein im Glauben." (2:257) auf. Es heißt: "Und hätte dein Herr Seinen Willen erzwungen, wahrlich, alle, die auf der Erde sind, würden geglaubt haben insgesamt. Willst du also die Menschen dazu zwingen, dass Sie Gläubige werden?" (10:100). "...darum lass den gläubig sein, der will, und den ungläubig sein, der will..." (18:30)

Diverse Verse des Heiligen Koran verankern die Meinungsfreiheit unmissverständlich. In dessen Übereinstimmung wurde bereits zu Lebzeiten des Heiligen Propheten (saw) in der Verfassung von Medina allen Bürgern, Juden, Polytheisten und Muslimen, der Stadt umfassende Religionsfreiheit gewährt.

Für Missionierungsverbote gibt es in den islamischen Rechtsquellen keine Grundlage. Es ist historisch belegt, dass Christen höchstpersönlich mit dem Propheten freie Debatten führen konnten um ohne Einschränkung ihre theologischen Standpunkte darzulegen (Bukhari; Sirah Ibni Hisham). Es ist auch bezeugt, dass einige Muslime zum Christentum konvertierten.

Darüber hinaus stellen es die authentischen Quellen des Islam jedem Muslim frei seinen Glauben zu wechseln. (siehe 3:73, 3:145, 5:55, 16:107; "Murder in the Name of Allah" von Hadhrat Mirza Tahir Ahmad, "Apostasie im Islam" von Hadhrat Mirza Tahir Ahmad).

Alleine der Vers "Die aber glaubten und hernach ungläubig wurden, dann (wieder) glaubten, dann abermals ungläubig wurden und noch zunahmen im Unglauben, denen wird Allah nimmermehr vergeben noch sie des Weges leiten." (4:138) führt klar aus, dass der Glaubenswechsel nicht eine Bestrafung durch Menschenhand nach sich ziehen kann.

3. Der Islam lehrt die Gleichrangigkeit der Geschlechter
Auch wenn Frauen in Teilen der sogenannten islamischen Welt diskriminiert werden, so wie es leider in vielen Kulturen dieser Welt der Fall ist, kann dies nicht auf die islamische Lehre zurückgeführt werden. Die im Artikel erwähnten Verbrechen von Steinigung bis Ehrenmord finden keine Legitimation im Heiligen Koran. Es gibt keinen einzigen Koran-Vers, der diese und andere frauenverachtenden Maßnahmen rechtfertigen würde. Im Gegenteil, der Heilige Koran prangert immer wieder patriarchale Traditionen an und betont die Gleichwertigkeit der Geschlechter (16:59f.; 4:2; 3:195; 9:72). Der Islam hat bereits in den Anfängen großen Wert auf Geschlechtergerechtigkeit gelegt, weswegen der Heilige Koran grundlegende Rechte für Frauen einführte, die zu der damaligen Zeit in einer misogynen Kultur eine revolutionäre Umwälzung darstellten. Aussagen einzelner, radikale gesinnter Gelehrte dürfen nicht als repräsentativ für die islamische Lehre genommen werden. Muslimische Frauenorganisationen wie die internationale "Lajna Imaillah" zeigen, dass die islamische Lehre als Quelle genutzt wird, um gegen frauenverachtende Praktiken vorzugehen und Frauen zu stärken. Sie trennen zwischen den normativen Quellen des Islam und der frauenfeindlichen Praktik in bestimmten Ländern.

4. Der Islam ist innovationsfreundlich
Der Heilige Koran fordert die Gläubigen an unzähligen Stellen auf nachzusinnen und die Natur zu erforschen (z. B. in 3:191-192, 10:102). Wissen zu erlangen gilt als hohe Tugend und erstrebenswertes Ziel, sodass das Gebet "O mein Herr, mehre mich an Wissen." (20:115) jedem muslimischen Kind im jungen Alter beigebracht wird. Der Prophet Muhammad (saw) legte fest, dass "das Aneignen von Wissen eine Pflicht für jeden Muslim und jede Muslima" (Ibn Majah) ist. Folglich gab es in der Blütezeit des Islam zahlreiche Erfindungen und Entdeckungen auf den Gebieten der Medizin, Mathematik, Astronomie usw. wovon die Begriffe wie "Algorithmus" und "Ziffer" sowie Namen wie "Avicenna", "Averroes" noch heute Zeugnis ablegen. Werke muslimischer Gelehrter zählten jahrhundertelang zum Curriculum westlicher Universitäten.

5. Die Entfernung der Muslime von den ursprünglich friedlichen Lehren des Islam wurde vorausgesagt
Muslime haben im Vergleich zum letzten Jahrhundert nicht mehr radikalisiert, sondern die Polarisierung unter den Muslimen ist größer geworden. Dass ein Teil der Muslime sich heute zunehmend radikalisiert und den Islam als Deckmantel für machtpolitische Ziele missbraucht, wurde vom Heiligen Propheten Muhammad (saw) selbst vorausgesagt: "Eine Zeit wird kommen, wenn vom Islam nichts mehr übrig bleiben wird als sein Name, und vom Heiligen Koran nichts übrig bleiben wird als seine Buchstaben. Die Moscheen werden voller Anbeter sein; jedoch bar jeglicher Rechtschaffenheit. Ihre Religionsgelehrten werden die schlimmsten Kreaturen unter dem Firmament des Himmels sein." (Mishkat, Kitabul Ilm, Band I, S. 91). Siehe unten Nr. 8 für die Lösung dieses Problems.

6. Der Islam lehrt Loyalität gegenüber den Land, in dem man lebt
Die überwiegende Mehrheit der muslimischen Einwanderer in den westlichen Staaten schätzt das Leben in der pluralen Gesellschaft und genießt die Freiheit, sich ohne Widrigkeiten religiös entfalten zu können. Muslime integrieren sich in die Gesellschaft in Übereinstimmung mit der Lehre des Islam, der die Loyalität zur Heimat als Teil des Glaubens begreift (4:60). Liebe zum Land wird als ein Teil des Glaubens betrachtet. Interkonfessionelle Heiraten, zunehmende Teilnahme am gesellschaftlichen und politischen Leben bezeugen dies.

Der Wunsch nach Ursprünglichkeit in den religiösen Ansichten ist keiner Religion und Weltanschauung fremd. Der Grund für die Beschäftigung mit authentischen Quellen im Rahmen der Wissenschaften oder der Religion liegt in der Suche nach der Urmeinung.

7. Jede Religion, gar jedes Konzept, eignet sich zum Missbrauch durch Extremisten
Gewaltbereite buddhistische Mönche in Burma, radikale Hindus in Indien, ultraorthodoxe Juden in Israel, gewaltbereite christliche Extremisten in den USA und Uganda zeigen, dass keine Religion vor dem Missbrauch durch Extremisten gefeit ist. Im Gegenteil, alle Religionen sind gleichermaßen betroffen. Die Lehre von Nächstenliebe im Christentum vermochte die Prognomen, Inquisition und Kreuzzüge ebenso wenig verhindern wie die Betonung auf Frieden im Islam (selbst der Name "Islam" deutet auf "Frieden" hin).

8. Muslime erwarten einen Reformer, den Mahdi und Messias
In Übereinstimmung mit den Versen 3 und 4 der Sure 62 hat der Prophet Muhammad (saw) bereits die Ankunft eines rechtgeleiteten Reformers (Mahdi) angekündigt. der Heilige Prophet (saw) sagte: "Wenn ihr den Mahdi findet, legt das Baiat (Treueid) an seiner Hand ab. Ihr müsst zu ihm gehen, selbst wenn der Weg zu ihm über Eisberge führte und nur auf Knien zurückgelegt werden kann. Er ist der Mahdi und der Kalif (Statthalter) Allahs." (Sunan Ibn Madscha, Kitabul Fitan Bd 2, Seite 1367)

Alle Muslime erkennen die Aussprüche des Propheten als authentische Quelle des Glaubens an und erwarten den Reformer sehnsüchtig. Die Ahmadiyya Muslim Jamaat, als Glaubensgemeinschaft mit mehreren 10 Millionen Mitgliedern in über 200 Staaten der Welt, wurde durch Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad (as) im Jahre 1889 in Indien gegründet. Er erhob den Anspruch jener verheißene Mahdi und Messias des Islam zu sein. Er hat durch seine Botschaft den Islam von den Irrungen und Wirrungen der dreizehn Jahrhunderte befreit, die strikte Trennung von staatlicher Ordnung und Glaubensfragen gefordert und die friedliche Lehre des Islam offengelegt.

Die Behauptung, dass ein islamischer Staat undemokratisch sein muss, fußt auf einem falschen Islamverständnis. Der Islam gibt keine Staatsform vor. Der Islam lehrt keine Feindbilder, sondern die Aufrichtigkeit gegenüber allen Menschen, gar allen Geschöpfen.

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Kommentare zum Beitrag

Nicole Freeman
11.057
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 17.11.2014 um 07:02 Uhr
Wer unterschiede in der Relogion hervor heben will kann und wird immer fuer den Anderen fremd und gefaehrlich wirken. Wer Gemeinsamkeiten Sucht und versucht das Handeln und die Braeuche des Anderen zu verstehen bekommt eine gewisse Sicherheit im Umgang miteinander. Etwas Frieden, etwas Verstaendnis und vieleicht eine Freundschaft. Extreme gibt es in allen Religionen. Religion hat schon immer furchtbare Kriege ausgeloesst. Sei es in Europa, Asien, Afrika oder Amerika.
Schon immer gibt es Menschen die versuchn unter dem Deckmantel der Religion sich zu bereichern und zu bevorteilen. Wir haben noch nicht gelernt uns gegen diese Menschen zu behaupten. Leider !
Florian Schmidt
4.964
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 17.11.2014 um 15:37 Uhr
Der "Deckmantel" der Religion. Man sollte auch mal ehrlich sein und sich bewusst machen, dass viele sehr wohl direkt in der Religion verwurzelt ist. Wenn man es radikal auslegen kann, dann sollte man das nicht mit einem "Deckmantel" verharmlosen. Egal ob es jetzt islamischer oder christlicher fundamentalismus ist.
Nicole Freeman
11.057
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 17.11.2014 um 20:45 Uhr
nun ob biebel oder koran beide buecher kann man so oder so auslegen. wer nun versucht seine egoistischen und menschenverachtende tatn vor der mehrheit als gutes werk hin zu stellen kommt am besten damit durch wenn er behauptet er mache das ja nur zum wille gottes. Allein die Auslegungssache der Biebel hat die christen in europa in den wohl laengsten anhaltenden krieg gestuerzt. im 30 jaehrigen krieg ging es darum die katholosche kirche wieder fest in den sattel zu heben und die protestanten aus zu loeschen. mit dem Fenstersturz fing es an und dann das Massaka der Jungfrau Magdeburg wie man so schoen lesen kann in den alten Zeitungen. Auslegungssache und es waren christen gegen christen. Ich denke das es auch im Islam verschiedene Glaubensgruppen gibt die den Koran unterschiedlich interpretieren. Genau so wie es im Christlichen Glauben verschiedene Splitergruppen und Auslegungen der Schrift gibt. Das ueber einen Kamm ziehen bekomme ich nicht mit meinem Gewissen vereinbart. Ich schaue gerne auch mal genauer hin. Wallenstein war der Gewinner.
Florian Schmidt
4.964
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 17.11.2014 um 20:51 Uhr
Was gibt es denn am angeblich unabänderlichem Wort gottes zu interpretieren? Kann er denn unsere Erden Sprachen so wenig, das man erstmal rätseln muss was er nun meint?
Nicole Freeman
11.057
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 17.11.2014 um 20:52 Uhr
https://www.youtube.com/watch?v=CgHNIo43tVM

muss man das wirklich erklaeren ?
Florian Schmidt
4.964
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 17.11.2014 um 21:01 Uhr
Bitte ich brenne auf Erklärung.
AMJ Giessen
134
AMJ Giessen aus Gießen schrieb am 17.11.2014 um 23:59 Uhr
Schauen Sie doch bitte noch am letzten Tag der Ausstellung zum Islam vorbei, die heute von 10-18 Uhr in der Kongresshalle (Kerkrade-Zimmer) präsentiert wird. Dort kann man sich differenziert informieren und den Veranstaltern kritische Fragen stellen...
Florian Schmidt
4.964
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 18.11.2014 um 00:13 Uhr
Wenn es einen aufklärerischen Ansatz gibt, dann begrüsse ich diesen sehr. Aber ich finde es immer etwas zu leicht die Radikalen ganz abzuspalten. Sie scheinen ja ihre Bestrebung mit der Religion zu begründen. Dann hilft eben nur diese Aufklärung, besser jedenfalls als das knappe verwischen ihre Motive.
Martin Wagner
2.742
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 18.11.2014 um 12:48 Uhr
War etwas spät dran, aber heute morgen habe ich mir die Ausstellung im Kerkrade-Zimmer der Kongresshalle angeschaut.

Für mich war da wenig Neues dabei, denn die Ausstellung beschränkt sich auf die zentralen Aussagen des Islams und (natürlich) auf die spezielle Ausrichtung des AMJ.

Ich hatte den Eindruck,dass die Ausstellung gezielt auf gerade stark kursierenden Gerüchte zum Islam versucht einzugehen. So in Richtung der Islam ist von seinen Schriften her tolerant, nicht frauenfeindlich, neueren Entwicklungen zugewand u.s.w.!

Stimmt sicherlich, aber - und darauf haben hier in der Kommentarkollone Andere schon hingewiesen: Entscheident ist nicht die Quelle, sondern wer die Deutungshoheit darüber hat bzw. wer sie sich anmaßt.

Und da gibt es ganz andere Auslegungen, als das was die AMJ so vertritt.

Interesssant fand ich, dass auf den Texttafeln hinter dem Namen der Religionsgemeinschaft nicht das auf den Informations- bzw. Werbeblättern auftauchende e.V. (für eingetragener Verein) steht, sondern die Abkürzung "KdöR": Ich denke das heisst Körperschaft des öffentlichen Rechtes.

Habe da wohl eine Entwicklung verschlafen. Ich frage mich, muss das wirklich sein. Reicht es nicht, wenn die zwei anderen abrahamischen Religionen (Judentum und Christentum) diesen Rechtstatus haben?

Wann endlich gibt es die klare Trennung von Staat und Kirche? Wann werden die verfassungsmäßigen Schritte dafür eingeleitet? Wann werden rechtlich gesehen Kirchen endlich zu Vereinen?

Ich denke dieser Status wurde AMJ hauptsächlich deswegen verliehen um ihren Religionsunterrricht an staatlichen Schulen auf einwandfreie Rechtsgrundlagen zu stellen. Aber brauchen wir wirklich Religionsunterricht. Reicht der Ethikunterricht nicht völlig aus? Sollen die Religionsgemeinschaften nicht den Unterricht in Eigeninitiative gestalten?

Gut ein Vorwurf könnte lauten. Die Gesellschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten so weiterentwickelt, dass - bei dem hohen Anteil von Moslems in der Gesellschaft - nicht mehr zu begründen ist, dass nur Judentum und Christentum das (Vor)Recht auf Unterricht in staatlichen Schulen eingeräumt wird. Da ist was dran.

Also ich bin der Meinung alle Religionsgemeinschaften jetzt unter das Vereinsrecht stellen und keinesfalls noch mehr Religionsgemeinschaften mit Sonderrechten ausstatten. Nicht zuletzt auch deswegen, weil ja nicht auszuschliessen ist, dass fundamentalistische Religionsgemeinschaften sich - auf den Gleichheitsgrundsatz berufend - in den staatlichen Religionsunterricht einklagen.

Soweit ich das beurteilen kann ist der AMJ eher liberal aufgestellt und keinesfalls fundamentalistisch ausgerichtet. Wer über den Reformislam etwas erfahren will kann bis heute Abend (18 Uhr) die Ausstellung im Kerkrade-Zimmer besuchen.
AMJ Giessen
134
AMJ Giessen aus Gießen schrieb am 19.11.2014 um 12:30 Uhr
Lieber Her Wagner, vielen Dank für Ihren Besuch. Da zu der Zeit eine 4.Klasse eine Führung bekam, konnte ich Ihnen diese nicht auch geben. Sonst hätte ich Ihre Fragen sicherlich beantworten können.

Im April 2013 wurde die AMJ als erste und bisher einzige muslimische Religionsgemeinschaft als solche anerkannt und den Kirchen etc. gleichgestellt. Diese ist übringens die erste muslimische Gemeinschaft in Deutschland gewesen: seit 1923 gibt es diese, nach dem Krieg erneut seit 1949.

Dies hat allerdings nichts mit der Erteilung eines bekenntnisorientierten Schulunterrichts an Grundschulen zu tun, da neben uns auch die türkische Gemeinde (DITIB) auch als Partner des Hess.Kultusministeriums agiert.

Eine KdöR ist ein rechtsstaatliches Mittel und eine Sicherheit für die Bürger, da hier gewisse innenrechtliche Kriterien erfüllt sein müssen, wie z.B. Grundrechtstreue, transparente Finanzbuchhaltung, kein EInfluss von einem anderen Staat, eine Struktur mit Vorständen, etc.

Wir sehen dies genauso, wie Sie: Gleiches Recht für alle - in beide Richtungen...
Michael Beltz
7.779
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 22.11.2014 um 10:15 Uhr
Grundsätzlich fühle ich mich keiner Religion verpflichtet. Hetze gegen den Islam lehne ich ab.
Damals wurden Juden als Untermenschen dargestellt, verfolgt und ermordet, In einigen Ländern werden Christen verfolgt, christliche Fubndamentalisten verfolgen Ungläubige (vor allem USA) usw.

Oft werden Religionen genutzt und missbraucht für eigene Machtinteressen und damit verbunden, Profitinteressen.
Kurt Wirth
3.373
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 23.11.2014 um 18:13 Uhr
Kleine Anmerkung zu Michael Beltz: Die Juden wurden von den Nazis weniger ihrer Religion wegen, sondern wegen ihrer "Rasse" verfolgt. Es traf nichtreligiöse Juden genauso, wie liberale und orthodoxe. Bei Männern wurde der Beweis der Judeneigenschaft oder nicht im Zweifelsfall durch Herablassen der Hosen geführt (Beschnittensein oder nicht), also eines religiösen Merkmals. Dieses ist aber wiederum nicht allein den Juden eigen.
Auf jeden Fall galten die Juden nach dem Krieg als "rassisch Verfolgte", die Zeugen Jehovas z.B. hingegen als "religiös Verfolgte".
Manchmal war die Einteilung natürlich auch schwierig: Die ersten 4 Ermordeten im KZ Dachau waren Juden, drei davon aber auch Kommunisten und auf Grund dieser Eigenschaft ins KZ gelangt.
Michael Beltz
7.779
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 25.11.2014 um 18:39 Uhr
Im Prinzip hast Du recht. Oft werden jedoch diese Dinge vermischt, je nach Gebrauchswert.
Hallo Lieber Leser
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