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Mauer(n)gedenken

Gießen | Deutschland feiert mit starkem Medienengagement (BILD bundesweit in allen Briefkästen!) den 25. Jahrestag des Mauerfalls. Das sollte vielleicht auch ein Anlaß sein, einen Blick auf andere Mauern in der Welt zu werfen.

Etwa ab 2006 errichtete Indien einen 3.600 km langen Grenzzaun an der Grenze zu Bangladesh. Äußerer Anlaß waren die Auseinandersetzungen mit Pakistan und Indien gab vor, daß durch die Unterstützung Pakistans durch Bangladesh Terroristen ins Land eindringen. Faktisch richtet sich die Sperranlage jedoch gegen arme Bangladeshi, die in Indien arbeiten wollen oder irgendwelche Dinge verkaufen wollen. Die Anlage ist ein zweifacher, meterhoher Zaun, der teilweise auch unter Strom steht. Bewacht wird er von etwa 50.000 Soldaten, die auch scharf schießen. Es gab seither geschätzte 1000 Tote an dieser Grenze. Als Kostenplanung wurde seinerzeit die Summe von 1 Milliarde Euro genannt.

Ebenfalls 2006 begannen die USA mit dem Bau einer 1.100 km langen Grenzanlage aus Mauern und Zäunen an der Grenze zu Mexico. Bis 2015 belaufen sich die Kosten auf 49,5 Milliarden Dollar. Doch bereits 2007 kam das US-Heimatschutzministerium zu der Einschätzung, das der Zaun praktisch nutzlos ist. Jährlich sterben 250 bis 500 Menschen an dem Zaun.

Mehr über...
Seit 2002 baut Israel an einer 810 km langen Schutzanlage entlang des westlichen Jordanufers aus Beton, Zäunen und Stacheldraht, Elektrozäunen, Gräben, Kameras, Bewegungsmeldern und MIlitärkontrollpunkten. Israel nennt die Anlage "Mauer des Lebens". Der internationale Gerichtshof in Den Haag verurteilte diese Mauer. Laut Israel soll sie vor aufständischen Palästinensern schützen.

In den spanischen Exklaven Ceuta und Melilla in Marokko wird die EU durch 6 m hohe Zäune vor dem Eindringen afrikanischer Migranten geschützt. Am 25.September 2005 kam es zu einem Blutbad. Flüchtlinge wurden von spanischer Seite mit Gummigeschossen und marokkanischer Seite mit scharfer Munition beschossen. Dutzende fanden den Tod. Dennoch stürmten im März und Mai dieses Jahres jeweils ca. 1000 Menschen gegen den Zaun an. Marokko ließ daraufhin einen zusätzlichen Zaun mit scharfen Spitzen errichten.

Der Weg über das Mittelmeer hat seit 1988 etwa 20.000 Menschen das Leben gekostet.

Neuerdings will die Ukraine eine 2300 km lange Mauer zu Rußland aus Erd- und Betonwällen, bestückt mit Wachtürmen, Bunkern und Alarmanlagen und einem vier Meter breiten Graben errichten. Auch Minen, Stacheldraht und Elektrozäune sind in der Diskussion. Die deutsche Regierung wurde bereits um Geld und Knowhow gebeten.

(Siehe hierzu auch http://randzone-online.de/?p=24437 )

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Kommentare zum Beitrag

Birgit Hofmann-Scharf
10.362
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 08.11.2014 um 21:51 Uhr
Danke für diese Info, diese Erinnerungen.
Ihr letzter Absatz / SATZ aber ist mir bisher absolut unbekannt.

Dann feiert mal schön in Berlin !

( Trotzdem gut, dass wenigstens Deutsche wieder Deutsche aufsuchen durften / dürfen, wann immer sie wollen )
Stefan Walther
4.850
Stefan Walther aus Linden schrieb am 08.11.2014 um 23:12 Uhr
Alles wichtig zu wissen Kurth, alles auch notwendig um die Heuchelei und Scheinheiligkeit einiger Leute zu entlarven...
Nur eines ist mindestens genauso wichtig = man muss sich auch der Diskussion des so genannten Mauerfalls, der Wiedervereinigung stellen!
Ich will damit nicht unterstellen, dass du mit diesem Beitrag ablenken willst, aber ich hoffe auch, dass du nicht so eine Einstellung hast wie ich sie bei manchen meine erkennen zu können : "Am besten sagen wir gar nichts zur Wiedervereinigung, die Feier- und Gedenktage werden schon vorüber gehen... "
Michael Beltz
7.760
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 09.11.2014 um 09:45 Uhr
Was heißt hier Wiedervereinigung, Stefan? Die DDR wurde angesclossen wie damals Österreich. Die DDR wurde ausgeblutet, Betriebe für einen Euro verkauft und als Ziel wurde angegeben, die DDR zu delegitimieren (Außenminister Kinkel). Ich rede also nicht von der Wiedervereinigung, ich rede von imperialistischen Interesssen, von der Einverleibung der DRR im Interesse des Kapitals.
Du weißt doch sicher, warum wurde die DDR und heute die Erinnerung an sie so gehaast. Also nicht ableneken von den vielen Mauern in der Welt.
Kurt Wirth
3.084
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 09.11.2014 um 10:03 Uhr
Von der Diskussion um die Mauer werde ich mit diesem bescheidenen Beitrag nicht ablenken können, Stefan. Alle Mauern haben m.E. eines gemeinsam: Man kann mit ihnen dauerhaft keine Probleme lösen.
Stefan Walther
4.850
Stefan Walther aus Linden schrieb am 09.11.2014 um 15:13 Uhr
Ich schrieb ja Kurt = ich unterstelle dir das nicht! Es ist nur auffällig, dass sich niemand von denen, die eigentlich dazu etwas sagen müssten, sich an Diskussionen hier an anderen Stellen beteiligt... wo sie doch sonst fast immer zu fast jedem politischen Thema etwas zu sagen haben....

An der Reaktion von Michael sieht man ja, dass lediglich nur die bekannte ( DKP- ) Reaktion kommt. Eine kritische und selbstkritische Beleuchtung des Mauerbaus findet nach wie vor nicht statt. Und dass es der Wille des deutschen Volkes war, dass die Mauer verschwinden sollte, auch darauf wird nicht eingegangen. Es ist ganz einfach Michael = wenn ein Land geteilt wurde ( es gibt auch andere Beispiele ) und die Teilung aufgehoben wird, dann spricht man doch wohl von "Wiedervereinigung", oder nicht? Dass dies nicht auf sozialistischer Grundlage geschah, das ist ein ganz anderes Thema, klar wurde die DDR dem westdeutschen Imperialismus angeschlossen, logisch. So waren nunmal die damaligen ökonomischen und politischen Machtverhältnisse. Es konnte jedoch auch gar kein sozialistischer Zusammenschluss sein, denn die DDR war schon lange kein sozialistischer Staat mehr... es ist müßig wenn wir beide uns darüber streiten Michael, die Positionen sind da verhärtet..
Für mich war der Mauerbau in der DDR die offenkundige Bankrotterklärung der Machthaber in der DDR gewesen, der Begriff "antifaschistischer Schutzwall" sollte dies nur etwas verschleiern.
Ich lenke nicht ab Michael, ich drücke mich nur nicht um eine Diskussion "Restauration des Kapitalismus - auch in der DDR, lange vor 1989!"
Die DDR-Bürokraten-Machthaber waren zu diesem(!) Zeitpunkt sowohl verhasst im Westen als auch beim eigenen Volk. Diese "DDR-Nostalgie", die Pflege der unkritischen "Erinnerung" an sie? Ich behaupte mit dieser Position steht ihr als DKP mittlerweile so ziemlich alleine da. Nicht der Sozialismus ist 1989 zusammengebrochen und gescheitert, sondern das Volk jagte eine Bürokratenclique zum Teufel.
Michael Beltz
7.760
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 10.11.2014 um 20:05 Uhr
Der Baur der Mauer war 1961 notwendig. Prof Bader aus Kiel (SPD) errechnete einen Schaden von einer Milliarde DM, der der DDR durch sabotage usw , zugefügt wurde.
Später war die Mauer ein Anachronismus, da sowieso viele Menschen, nicht nur Rentner, in die BRD reisten. Die meisten gingen zurück, viele wollten gerne mal den Westen besuchen, denen es verwehrt war.
War der Anschluss Österreichs auch eine Wiedervereinigung. Bei Deiner Aussage, Stefan, fehlt mir doch die marxistische Analyse.
Stefan Walther
4.850
Stefan Walther aus Linden schrieb am 10.11.2014 um 21:18 Uhr
ich sagte ja bereits = es ist müßig ( und sinnlos ) wenn wir beide darüber diskutieren Michael. Statt solch einen Humbug zu fragen wären mir konkrete Antworten lieber gewesen...
Kurt Wirth
3.084
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 11.11.2014 um 12:06 Uhr
Der Bau der Mauer ist für mich auch verständlich, herleitbar und nachzuvollziehen. Er war nicht Ausfluß krimineller Verhaltensweisen von Menschen mit angewachsenen Ohrläppchen. Nur bedeutete er eben für viele Menschen Opfer und konnte emotional nicht mitgetragen werden. Vor allem, wenn man keine marxistischen Grundkenntnisse der Weltläufe hatte-

Wären bereits zu Kriegsende 1945 schroffe Grenzen eingerichtet worden, wäre das wohl in der Folge mehr als selbstverständlich hingenommen worden. Die Sowjetunion und die DDR versuchten jedoch noch 10-15 Jahre alles daran zu setzen, Deutschland der Einheit zuzuführen, etwa nach österreichischem Vorbild unter neutralem Status. Ihre Devise war: Lieber das ganze Deutschland halb, als das halbe Deutschland ganz. Die USA und die Bundesrepublik verfuhren jedoch genau umgekehrt. Erst als eindeutig klar war, daß es kein Zusammenkommen mehr geben konnte und die großen Blöcke weltweit einen halben Schritt vor einem alles vernichtenden, atomaren Weltkrieg sich gegenüberstanden, wurde die Mauer errichtet.

Es wäre ein Wunder gewesen, in dieser Situation und an dieser Stelle eine Grenze wie zwischen Deutschland und Österreich oder Dänemark oder Frankreich zu erwarten.

Dennoch muß man auch sehen, daß Westdeutsche, egal welcher politischen Couleur und Zugehörigkeit und mit welchen Absichten jederzeit mittels Passierschein in die DDR kommen konnten, nicht jedoch umgekehrt (außer Rentner).

Ich kenne so 15 bis 20 Personen aus meinem Umfeld, die zwischen 1948 und 1961 in die DDR übersiedelten, um einerseits aus Arbeitslosigkeit herauszukommen und andererseits bewußt die DDR mit aufzubauen (Merkels Vater, Bisky und Biermann sind da nicht mitgerechnet). Nach 1961 wurde mir niemand mehr bekannt (allenfalls die 11 Personen der RAF). Auch die dorthin Übergesiedelten hatten arg daran zu schlucken, nicht mehr in Urlaub zu ihren alten Bekannten und Verwandten im Westen fahren zu können.
Kurt Wirth
3.084
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 11.11.2014 um 12:29 Uhr
KPD-Mitgliedern blieb übrigens normalerweise der Weg in die DDR per Parteibeschluß verwehrt. Das waren absolute Ausnahmen (z.B. der aus bundesdeutscher Haft geflohene NRW-Landtagsabgeordnete Jupp Angenfort). Ansonsten wurden die prompt zurückgeschickt, wie der Hamburger Willi Paasch, der wegen Drucks und Verbreitung illegaler KPD-Zeitungen vor Gericht gestellt werden sollte (dann auch wurde und inhaftiert wurde). Seine Frau Waltraud Paasch wurde auf Grund dessen von der Deutschen Bank, wo sie arbeitete, gekündigt, mit der Begründung, daß man den DDR-Kunden, die nach DDR-Gesetzen illegal Konten bei der Bank unterhielten, ihre Präsenz nicht zumuten könne. Sie wurde später übrigens ebenfalls wegen illegaler Zusammenarbeit für die KPD und FDJ, obwohl hochschwanger, in Flensburg inhaftiert.
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