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Vortrag über Antisemitismus anlässlich des 9. November

von Jochen Wurzam 07.11.20143368 mal gelesen48 Kommentare
Gießen | Über „Antisemitismus in Geschichte und Gegenwart“ sprach am gestrigen Donnerstag der Göttinger Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Samuel Salzborn im Georg-Büchner-Saal der Alten Universitätsbibliothek. Eingeladen hatte das „Gießener Bündnis gegen Antisemitismus und Antizionismus“. Die rund 50 Zuhörerinnen und Zuhörer hörten einen wissenschaftlichen Vortrag, in dem der renommierte Antisemitismusforscher einen historischen Bogen vom christlichen Antijudaismus über den völkisch-rassistischen Antisemitismus des Nationalsozialismus bis zum „Schuldabwehr“-Antisemitismus der Nachkriegszeit spannte, ehe er Stellung zu aktuellen Vorkommnissen nahm. Er zeigte dabei auf, inwiefern die konkrete Ausformung judenfeindlicher Einstellungsmuster mit bestimmten politischen und gesellschaftsgeschichtlichen Voraussetzungen korrespondiert. Zugleich skizzierte er eine psychoanalytische und sozialpsychologische Perspektive auf das Phänomen des Antisemitismus, dessen Weltbild grundsätzlich wahnhafte Züge trage und dessen Träger größtenteils aufklärungsresistent seien. In der an den Vortrag anschließenden Debatte mit dem Referenten wurde mehrfach auf die antisemitischen Ausfälle Bezug genommen, die sich im Sommer 2014 in vielen deutschen Städten, darunter auch Gießen, bei antiisraelischen Demonstrationen ereignet haben. Professor Salzborn plädierte in diesem Zusammenhang für eine striktere Anwendung bestehendener strafrechtlicher Normen.
Anlass des Vortrages war die Erinnerung an den 9. November 1938, an welchem im gesamten damaligen Reichsgebiet Synagogen angezündet, jüdische Wohn- und Geschäftshäuser geplündert und eine Welle der Gewalt gegen Jüdinnen und Juden losgetreten worden waren.
Am Sonntag, den 9. November 2014, findet um 18 Uhr ein Mahngang zur Erinnerung an die sogenannte Reichspogromnacht von 1938 in Gießen statt, der ebenfalls vom „Bündnis gegen Antisemitismus und Antizionismus“ organisiert wird. Treffpunkt ist der Berliner Platz.

 
 

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Kommentare zum Beitrag

Martin Wagner
2.745
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 07.11.2014 um 18:47 Uhr
Im Artikel steht:

"(...) Am Sonntag, den 9. November 2014, findet um 18 Uhr ein Mahngang zur Erinnerung an die sogenannte Reichspogromnacht von 1938 in Gießen statt, der ebenfalls vom „Bündnis gegen Antisemitismus und Antizionismus“ organisiert wird. Treffpunkt ist der Berliner Platz. (...)"

Ähh, habe ich da etwas verpasst. Dieser in Giessen ja schon traditionelle Mahngang wurde doch immer von einem anderen Bündnis organisiert?

Kurzer Rückblick auf 2013.

" (....) Zu Beginn der Aktion am Berliner Platz verlas Henning Mächerle vom Bündnis gegen Rechts Gießen (BgR) den diesjährigen Aufruf zum Mahngang, ... (....)"

http://www.giessener-zeitung.de/giessen/beitrag/86439/mahngang-zum-gedenken-an-die-opfer-der-novemberpogrome-1938/

Vielleicht kann mich ein Bürgerreporter aufklären, warum dieses Jahr ein mir völlig unbekanntes Bündnis zum Mahngang aufruft.
54
Jochen Wurz aus Gießen schrieb am 07.11.2014 um 19:25 Uhr
Auf die Veranstaltung des Mahnganges wurde am Vortragsabend verwiesen. Ob das "Bündnis gegen Rechts" auch involviert ist, vermag ich nicht zu sagen. Ich denke aber, dass das "Bündnis gegen Antisemitismus und Antizionismus" eine gute Adresse ist. Denn in den vergangenen Jahren wurden von ihm zahlreiche gelungene Veranstaltungen zum Thema Antisemitismus in Gießen durchgeführt oder unterstützt. Und um dieses Thema sollte es am 9. November, beim Mahngang, ja auch gehen!
Stefan Walther
4.957
Stefan Walther aus Linden schrieb am 07.11.2014 um 23:09 Uhr
Tja Martin, da kann man sich schon wundern, die Frage ist mehr als berechtigt!
Wer ist eigentlich in diesem "Bündnis gegen Antisemitismus und Antizionismus" vertreten?
Was versteht dieses Bündnis darunter wenn es sich im Namen gegen "Antizionismus" wendet ( nicht Antisemitismus, das ist etwas völlig anderes! )
Um was soll es beim Mahngang gehen Herr Wurz? Um die Erinnerung ( das Gedenken ) an die Pogromnacht auch in Gießen? Ja, das sehe ich auch so, richtig! Genauso gehört aber auch dazu - zumindest war dies in den vergangenen Jahren so - dass in diesem Zusammenhang auf die notwendige antifaschistische Einheit / Bündnisarbeit hingewiesen werden muss ( damals wie heute! ).
Sie wissen nicht ob das Bündnis gegen Rechts involviert ist? Wenn Sie das ernst meinen, dann sollten Sie sich mal schlau machen. Das Bündnis gegen Rechts ist aus meiner Sicht "eine gute Adresse", ob dies das "Bündnis gegen Antisemitismus und Antizionismus" auch ist?
54
Jochen Wurz aus Gießen schrieb am 07.11.2014 um 23:27 Uhr
Schade, Herr Walther, dass Sie nicht bei dem Vortrag anwesend waren. Ihre These über die angebliche Differenz ("etwas völlig anderes") von Antisemitismus und Antizionismus sähe dann möglicherweise anders aus...
Vergessen Sie bitte nicht, dass der Antisemitismus ein gesamtgesellschaftliches Problem ist, und keines, das ausschließlich am rechten Rand zu beobachten ist.
Und ob altlinke Kampfformeln von der "antifaschistischen Einheit" einer Veranstaltung angemessen sind, bei der es doch um die Erinnerung an die Opfer der Reichspogromnacht gehen sollte und bei der der millionenfachen Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung gedacht werden sollte, wage ich ernsthaft zu bezweifeln.
Hermann Menger
2.373
Hermann Menger aus Gießen schrieb am 07.11.2014 um 23:32 Uhr
Mich würde das auch interessieren.
Ich bin gegen Antisemitismus und wüsste auch gern, wer diesen Mahngang organisiert.
Muss da auch mit Gegendemonstranten gerechnet werden?
Ist dieser Mahngang bei der Polizei angemeldet?
Stefan Walther
4.957
Stefan Walther aus Linden schrieb am 07.11.2014 um 23:55 Uhr
Ich will mal einiges klarstellen Herr Wurz =
- informieren Sie sich einfach über "Zionismus", dann werden Sie sehr schnell merken, dass ein großer Unterschied zwischen Antisemitismus und Antizionismus besteht ( das hat mit einem Vortrag zu Antisemitismus nichs zu tun! )
- natürlich bin ich gegen Antisemitismus, und ich werde auch dieses Jahr wieder zum Mahngang gehen ( aber nicht wegen des Bündnisses, das diesen Mahngang dieses Jahr angemeldet hat )
- Die wichtige antifaschistische Losung "Nie wieder Faschismus" ist keine "altlinke" Kampfformel sondern eine Notwendigkeit einen Faschismus zu verhindern ( Antisemitismus ist mehr als "nur" Rassismus, darüber muss man nachdenken! )

Herr Menger, ich hoffe wie Sie, dass hier noch eine konkrete Antwort auf eine konkrete Frage kommt ( bisher waren es lediglich Gegenfragen als "Antworten" )
Ich denke nicht, dass es Gegendemonstranten geben wird, ich kann mich nicht erinneren, dass es dies bisher gegeben hätte. Natürlich ist der Mahngang - wie jedes Jahr - angemeldet ( nur dass es dieses Jahr andere Anmelder sind )
54
Jochen Wurz aus Gießen schrieb am 07.11.2014 um 23:58 Uhr
Selbstverständlich ist der Mahngang bei den zuständigen Behörden angemeldet. Vom Aufruf zu einer Gegenkundgebung oder Konkurrenzveranstaltung ist nichts bekannt. Dass jemand einen Mahngang, bei dem der Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung gedacht werden soll, bewusst stören möchte, ist kaum vorstellbar.
Ein Aufruftext zur Veranstaltung findet sich beispielsweise hier:
http://3.bp.blogspot.com/-wVgxAOEJhKE/VDbYLXiAX6I/AAAAAAAAAFk/Z6uoy1Bi_hU/s1600/aufruf.jpg
54
Jochen Wurz aus Gießen schrieb am 08.11.2014 um 00:22 Uhr
Werte Herren, ich verstehe mich als Bürgerreporter, der der oben genannten, sehr lobenswerten Veranstaltung beiwohnte. Der Vortrag stand laut Veranstalter explizit im Kontext zum Mahngang am kommenden Sonntag. Deshalb habe ich das auch erwähnt. Ich bin nicht der "Pressesprecher" des veranstaltenden Bündnisses. So weit ich weiß, handelt es sich bei diesem um eine zweckgebundene Zusammenarbeit von sehr engagierten Einzelpersonen und nicht um ein Bündnis verschiedener Organisationen. Jedenfalls ist mir nichts anderes bekannt. Näheres ist sicherlich am Sonntag vor Ort zu erfahren.

An politischen Debatten in den Kommentarspalten einer regionalen Onlinezeitung bin ich nicht interessiert. Auf ihre Einlassungen, Herr Walther, habe ich spontan geantwortet, weil sie der Sache nach Gegenstand des spannenden Vortrages waren, dem ich beiwohnen durfte. Die einschlägigen wissenschaftlichen Publikationen des Referenten kann ich nur empfehlen.
Martin Wagner
2.745
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 08.11.2014 um 08:06 Uhr
Danke für die bisherigen Kommentare. Was das Bündnis nun wirklich will ist mir immer noch nicht klar. Wenn ich in den nächsten Tagen Zeit habe werde ich mal im Netz die Suchmaschine anwerfen.

Auch ich gehe seit Jahren zum 9.Nov. - Mahngang. Morgen habe ich mit meinem Chor zu dieser Zeit aber einen öffentlichen Auftritt; kann also mir nicht selber ein Bild machen.
Michael Beltz
7.779
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 08.11.2014 um 18:36 Uhr
Ich bin weder antisemitisch, antifranzösisch noch antideutsch, da ich kein Rassist bin. Von Antideutschen und auch von einem Grünen Parlamentarier bin ich schon als Antisemit bezeichnet worden, weil ich den Staat Israel kritisiere. Gegen so viel Dummheit ist kein Kraut gechaffen.
Wenn ich den Staat Frankreich kritisiere, kommt auch kein Depp darauf, ich sei antifranzösisch.
Ich bekenne, den Zionismus mit seinem Ziel, einen jüdischen Staat auf einem Gebiet zu schaffen, das vor 2000 Jahren einmal Israel war und auf dem Palästinensre lebten und leben, als ein Übel zu betrachten. Vielmehr halte ich diese Position für genauso reaktionär wie die Forderung nach Wiedereingliederung von Könisgsberg oder anderen ehemals deutschen Gebieten.
Meine Solidarität gilt jenen Juden in Israel, die sich für Frieden und ein gutes Zusammenleben mit Palätinensern einsetzen. Und meine Solidarität gilt jenen Juden in Deutschland und in Europa, die immer noch angegriffen und deren Synagogen und Grabsteine beschmutzt und zerstört werden.

Also. Antisemitismus und Antizionismus nicht gleichsetzen.
(Empfehlung: Die große Synagoge in Augsburg, die auf "wundersame" Weise die Progromnacht der Faschisten überstanden hat.)
Martin Wagner
2.745
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 09.11.2014 um 08:10 Uhr
Ärgerlich, aber das war wohl bei den bürgerlichen Schreiberlingen nicht anders zu erwarten. In einem - in einigen Passagen genussvoll hämischen - Artikel in der Lokalpresse werden die Differenzen auf der linken Seite bezüglich des diesjährigen Mahnganges in einem recht langen Artikel zur Kenntnis gebracht.

Wenn die linken Kräften inhaltlich etwas zu sagen haben gibt es schon einmal eine 5-Zeilen-Meldung. Streitet sie sich untereinander dann sind mehr Zeilen drin. So etwas nenne ich "einen Spaltkeit reintreiben" um die Kräfte insgesamt zu schwächen.

Ich beziehe mich auf folgenden Artikel:

http://www.giessener-allgemeine.de/Home/Stadt/Uebersicht/Artikel,-Linke-Szene-streitet-um-Pogrom-Gedenken-_arid,533125_regid,1_puid,1_pageid,113.html
Hermann Menger
2.373
Hermann Menger aus Gießen schrieb am 09.11.2014 um 12:47 Uhr
Danke, Herr Wagner, für diesen Hinweis. Jetzt blicke ich ein bisschen mehr durch und werde heute Abend dabei sein.
Stefan Walther
4.957
Stefan Walther aus Linden schrieb am 09.11.2014 um 14:51 Uhr
Ob dieser Artikel wirklich zu "Mehr Durchblick" beiträgt? Ich habe da erhebliche Zweifel. Keinesfalls geht es hier nur um DKP - VVN/BdA auf der einen und Bündnis gegen Antisemitismus und Antizionismus auf der anderen Seite. Es geht um die Zusammenarbeit, um eine Einbeziehung ( bzw. Ausgrenzung ) eines "Bündnis gegen Rechts", um verschiedene Auffassungen bezüglich Antifaschismus... und das betrifft keinesfalls nur die DKP und VVN/BdA.
Nun Martin, dass die bürgerliche Presse dies ausschlachtet, damit muss man immer rechnen. Wenn es die Situation erfordert, dann müssen auch Streitgespräche und Diskussionen geführt werden... wenn es dann im Ergebnis zu einer Spaltung kommen sollte ( ganz allgemein gesprochen ), dann ist dies auch nichts ungewöhnliches.
Und ob dies hier ein Streit "unter linken Kräften" ist, das sei auch mal dahingestellt!
54
Jochen Wurz aus Gießen schrieb am 09.11.2014 um 20:48 Uhr
Kurzer Nachtrag: Am heutigen Mahngang haben rund 200 Personen teilgenommen. Mit Redebeiträgen beteiligt waren nicht nur das Bündnis gegen Antisemitismus und Antizionismus, sondern auch die Humanistische Union, das Bündnis gegen Rechts (BgR) in Gestalt eines DGB-Vertreters und - das hat es in den letzten Jahren nicht gegeben - auch die Jüdische Gemeinde Gießen. Insgesamt war es sicherlich eine dem Anlass angemessene und würdige Form des Gedenkens.
Hermann Menger
2.373
Hermann Menger aus Gießen schrieb am 09.11.2014 um 20:55 Uhr
... was ich bestätigen kann.
Martin Wagner
2.745
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 10.11.2014 um 11:40 Uhr
"200 Personen" - etwas wenig, soweit ich mich entsinne waren es bei dem Bündnis gegen Rechts fast immer knapp 500 Personen.

Im übrigen halte ich den DGB nicht gerade als typischen Vertreter des BgR.
Inhaltlich hat der DGB meist in Bündnisse wenig beizutragen. Diese Organisation wird aber gerne in Bündnissen gesehen, denn sie verfügen über materielle Recourcen, welchen anderen Organisationen oft fehlen. Auch macht es sich immer ganz gut wenn der DGB dabei ist, wenn eine Demo anzumelden ist, denn dann geht ein Parteimitglied zu einem Parteimitglied ins Rathaus. Das vereinfacht bekanntermassen das Formalistische ungemein.
54
Jochen Wurz aus Gießen schrieb am 10.11.2014 um 12:06 Uhr
In dem von Ihnen, Herr Wagner, oben verlinkten Artikel zum Mahngang des letzten Jahres ist von 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Rede...
Martin Wagner
2.745
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 10.11.2014 um 14:52 Uhr
Richtig ... aber ich gehe seit etwa 10 Jahren da mit. Korrekt es wurden von Jahr zu Jahr weniger.
Stefan Walther
4.957
Stefan Walther aus Linden schrieb am 10.11.2014 um 21:50 Uhr
Auch ein Nachtrag von mir Herr Wurz. Mir kommt es so vor, dass Sie zwar nicht der "Pressesprecher" dieses Bündnisses sind, aber mit offenen Karten spielen Sie hier auch nicht!? Sie gehen nur auf die Dinge ein, die diesem Bündnis "angenehm" sind, den Rest ignorieren Sie geflissentlich.

Ja, der Mahngang war auch dieses Jahr eine würdige Form des "Gedenkens", das sehe ich genauso. An verschiedenen markanten Punkten wurde der Opfer des Faschismus "gedacht". Die Reden wiesen auf die Barbarei und Unmenschlichkeit hin.... Der DGB-Redner sprang spontan ein ( da ein anderer geplanter Redner kurzfristig absagen musste ), den Redner der HU habe ich wahrscheinlich "verpasst"? Es ist auch positiv anzumerken, dass ein Vertreter der Jüdischen Gemeinde gesprochen hat, auch da stimme ich zu! Vor allem hat er in seiner Rede betont, dass man sich gegen jeden(!) Rassismus wenden muss...

Was an Fragen bleibt = nach wie vor ist nicht beantwortet ob es richtig ist, dass DKP und VVN/BdA untersagt(!) wurde Redebeiträge zu halten! Entspricht dies der Wahrheit, dann ist das aus meiner Sicht ein nicht hinnehmbarer Skandal. Gerade der VVN/BdA ( auch Mitglied im BgR, wie Ihnen sicher bekannt sein sollte Herr Wurz ) zu verbieten einen Redebeitrag zu halten würde einen schweren Schatten auf die Organisatoren des diesjährigen Mahngangs werfen.
Nicht nur meine persönliche Meinung = was die Mahngänge in den letzten Jahren auszeichnete war, dass es neben reinen "Gedenkreden" auch immer Redebeiträge gab, bei denen auch auf die Verbindung zum Faschismus konkret eingegangen wurde. Ist dies evt. den Organisatoren ein Dorn im Auge gewesen und haben sie deshalb die Sache selbst in die Hand genommen? Der Verdacht liegt nahe, wenn die vorher gestellte Frage unbeantwortet bleiben sollte.

"Unwürdig" war das Auftreten eines Ordners ( ich hoffe es war ein übereifriger "Einzeltäter" ), der doch allen Ernstes ein Transparent beim Mahngang nicht zulassen wollte, wörtlich "damit könnt ihr nicht mitlaufen". Und was stand als Losung auf dem Transparent = die antifaschistische Losung "Nie wieder Faschismus -nie wieder Krieg"! Da er sofort auf harsche Kritik bei Teilnehmern des Mahngangs stiess, liess er sofort von seinem Bestreben ab...

Für viele Teilnehmer des Mahngangs - denen es um die Sache geht, und deshalb nehmen sie auch bewusst daran teil - sind auch die wieder von Einigen mitgetragenen Staats-Fahnen Israels eine reine Provokation.
Wer aus gutem Grund an die Verbrechen der Faschisten in dieser Pogromnacht erinnert, der sollte nicht versuchen die Menschen für eine Verteidigung des ( heutigen ) Staates Israel einzuspannen.

Ich werde auch nächstes Jahr wieder am Mahngang teilnehmen, und ich werde mich auch immer dafür einsetzen, dass es keinerlei Ausgrenzungen von Antifaschisten geben darf!
54
Jochen Wurz aus Gießen schrieb am 10.11.2014 um 22:33 Uhr
Richtig: Redner war nicht von der HU, sorry, die HU war wohl nur Unterstützerin der Veranstaltung.
Hermann Menger
2.373
Hermann Menger aus Gießen schrieb am 10.11.2014 um 23:35 Uhr
Herr Walther, wenn Sie gegen Ausgrenzung von Antifaschisten sind, dann dürften Ihnen und den Teilnehmern, für die sie sprechen, auch die wenigen Teilnehmer mit den Israel - Fahnen keine Provokation sein. Bei der großen Kundgebung gegen Antisemitismus am 14.9. in Berlin wimmelte es von solchen Fahnen...
Stefan Walther
4.957
Stefan Walther aus Linden schrieb am 10.11.2014 um 23:44 Uhr
Und wie stehen Sie zu den anderen angesprochenen Punkten Herr Menger???

Doch, es stört mich, denn wenn von Einigen behauptet wird, dass jede(r), der die Politik der israelischen Regierung kritisiert ein Antisemit sei und sich gleichzeitig - völlig unkritisch - hinter die Politik des israelischen Staates stellt, der provoziert mit Israel Fahnen an einem Gedenktag anlässlich der Pogromnacht.
Warum sich hier ausgerechnet diejenigen nicht zu Wort melden, die von dieser Ausgrenzung am meisten betroffen sind, das ist mir auch sehr rätselhaft ( aber so langsam wundere ich mich fast über gar nichts mehr )... stimmt, so sieht es fast so aus als würde ich auch für andere Teilnehmer sprechen, ich gebe lediglich meine gemachten Erfahrungen ( Aufnahme eines Stimmungsbildes... ) wieder, sprechen kann und will ich nur für mich!
Martin Wagner
2.745
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 11.11.2014 um 08:57 Uhr
VVN

"(...) Das Vermächtnis weitertragen!
Die VVN-BdA ist ein überparteilicher Zusammenschluss von Verfolgten des Naziregimes, Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfern, Antifaschistinnen und Antifaschisten aller Generationen.

“Die Vernichtung des Faschismus mit seinen Wurzeln, der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.”

Dass dieser Schwur der befreiten Häftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald bis heute aktuell bleiben würde, hat damals, im April 1945, niemand geahnt. Er ist unverändert gültiges Leitmotiv der “Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten” (VVN-BdA).

Dies ist kein Zufall: Die Ursprünge der VVN sind bis in die KZs und Zuchthäuser zurückzuverfolgen. Dort entwickelten eingekerkerte Hitler-Gegnerinnen und -Gegner Pläne für ein von den Nazis befreites, antifaschistisches, demokratisches und friedfertiges Deutschland, als andere noch “Sieg Heil!” schrieen.

Die Frauen und Männer des antifaschistischen Widerstandes, die Überlebenden der nazistischen Konzentrationslager gründeten kurz nach Ende des Krieges die VVN. Aus den unmittelbar nach der Befreiung entstandenen Häftlingskomitees und Ausschüssen “Opfer des Faschismus” bildeten sich zunächst auf regionaler Ebene die “Vereinigungen der Verfolgten des Naziregimes”. Im März 1947 schlossen sie sich in Frankfurt am Main zum gesamtdeutschen “Rat der VVN” zusammen. (....)"

Quelle: http://vvn-bda.de/

Etwas ausführlicher ....

"(...) Die politische Breite der Gründungsjahre wurde im Zuge des Kalten Krieges deutlich eingeschränkt. Zudem bewirkten der Unvereinbarkeitsbeschluss der SPD vom Mai 1948 und der Austritt prominenter Gegner des Nationalsozialismus (Eugen Kogon, Heinz Galinski und Philipp Auerbach), dass in der öffentlichen Auseinandersetzung die VVN als „kommunistische Tarnorganisation“ angesehen wurde. Angehörige des öffentlichen Dienstes konnten entlassen werden, wenn sie Mitglied in der VVN blieben.

Nicht zuletzt aus solchen Abspaltungen und Ausgrenzungen ergab sich eine zahlenmäßige und politische Dominanz linker Mitglieder. In Zeiten des KPD-Verbotes fanden ehemalige kommunistische Widerstandskämpfer in der VVN einen politischen Raum, in dem sie weiterhin legal zusammenkommen konnten.

In den 1950er Jahren wurde die VVN in mehreren Bundesländern verboten. In Niedersachsen musste das Verbot nach einer Gerichtsentscheidung wieder aufgehoben werden, in Hamburg wurde eine VAN als „Ersatzorganisation“ zugelassen, nur in Rheinland-Pfalz blieb die Verbotsverfügung in Kraft. Ende der 1950er Jahre stellte die Bundesregierung einen Verbotsantrag gegen die Bundes-VVN beim Bundesverwaltungsgericht. Als bei der Eröffnung des Prozesses durch den niedersächsischen Antifaschisten August Baumgarte öffentlich gemacht wurde, dass der Vorsitzende Richter des Gerichtes Werner ein ehemaliger NS-Richter war, wurde das Verfahren abgebrochen. Erst 1964 mit der Neufassung des Vereinsgesetzes (§ 31 Abs. 4 VereinsG) wurde das Verfahren endgültig eingestellt. Mitglieder der VVN blieben im antikommunistischen Klima im Westdeutschland der Nachkriegszeit jedoch im Visier des Verfassungsschutzes und waren in den 1970er Jahren teilweise vom Radikalenerlass betroffen. (....)"

http://de.wikipedia.org/wiki/Vereinigung_der_Verfolgten_des_Naziregimes_%E2%80%93_Bund_der_Antifaschistinnen_und_Antifaschisten
Martin Wagner
2.745
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 11.11.2014 um 09:02 Uhr
HU

"(...) Die Humanistische Union (HU) ist eine deutsche Bürgerrechtsvereinigung. Ihre Ziele sind unter anderem die Verwirklichung einer umfassenden Informationsfreiheit und mehr direkte Demokratie sowie die Abschaffung des Verfassungsschutzes. Die strikte Trennung von Religion und Staat ist Teil ihres Programms, sie vertritt eine entsprechend kritische Haltung zu überkommenen kirchlichen Privilegien und dem staatlichen Religionsunterricht. Die Humanistische Union wurde 1961 in München gegründet und ist damit die älteste heute bestehende Bürgerrechtsorganisation der Bundesrepublik Deutschland. Sie hat etwa 1.500 Mitglieder. (...)"

"Heute sieht die Humanistische Union ihren Tätigkeitsschwerpunkt in der Verteidigung der Bürgerrechte. Sie setzt sich insbesondere ein für mehr demokratische Mitwirkungsrechte, die Begrenzung der Befugnisse von Polizei und Geheimdiensten, die Gleichstellung von Frauen und Männern, die Entkriminalisierung von Drogenbesitz sowie für Datenschutz und Informationsfreiheit. Sie fordert eine Gewährleistung des Selbstbestimmungsrechts von Kranken und Sterbenden, humane Bedingungen für Gefangene und Flüchtlinge sowie die Trennung von Kirche und Staat. (...)"

http://de.wikipedia.org/wiki/Humanistische_Union
Martin Wagner
2.745
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 11.11.2014 um 09:21 Uhr
Kurzer Textauszug aus der anderen Lokalzeitung:

"(...) Bereits am Berliner Platz hatte das Bündnis eine Erklärung verteilt. Darin wird die Organisation des Mahnganges begründet: „In den letzten Jahren ließ sich leider beobachten, dass der Mahngang immer wieder einseitig zu parteipolitischen Zwecken instrumentalisiert wurde und damit eine Überlagerung und Überformung des Gedenkens durch diese Ambitionen stattfand.“ Er sei letztlich zu „einer Bühne für parteipolitische Bestrebungen“ geworden, dem Bündnis sei jedoch daran gelegen, an das Leid der jüdischen Mitbürger zu erinnern. (...)"

Diesen Passus halte ich für (zumindest) stark tendenziell.

1. Ich habe in den letzten Jahren keine Parteifahnen auf dem Mahngang gesehen.

2. Nach der Lokalpresse gab es in diesem Jahr aber viele Staatsfahnen eines Staates, der (um es diplomatisch zu formulieren) einen großen Teil ihrer Staatsbürger "nicht so optimal" behandelt und der sein Militär über die Staatsgrenze zu Kriegseinsätze schickt. Für mich ist das Zeigen von Staatsfahnen dieses Staates eine einseitige Parteinahme.

Um es ausdrücklich zu sagen: Kommunisten sollen und dürfen ihre Fahnen auf irgendwelchen Demonstrationen zeigen genauso wie politsche Freunde des Staaates Israel ihre Staatsfahne. Aber auf einem Mahngang zum 9.11. haben Fahnen beider politschen Kräften Nichts zu suchen.

http://www.giessener-anzeiger.de/lokales/stadt-giessen/nachrichten-giessen/gedenken-an-opfer-keine-parteipolitik_14764464.htm
Stefan Walther
4.957
Stefan Walther aus Linden schrieb am 11.11.2014 um 18:51 Uhr
Tja Martin = "Parteipolitik" in den vergangenen Jahren? Da muss ich wohl immer beim falschen Mahngang gewesen sein, davon hatte ich nie etwas mitbekommen!
Kurt Wirth
3.391
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 11.11.2014 um 20:12 Uhr
Ergänzend zu den Ausführungen zu VVN-BdA: Im Oktober dieses Jahres hat das Bayerische Verwaltungsgericht in München eine Klage der VVN-BdA gegen die Erwähnung im Verfassungsschutzbericht 2010-2013 abgewiesen. Mit Bezug auf diese Erwähnung sind Beiträge und Spenden an die VVN-BdA in Bayern steuerlich nicht anerkannt. In anderen Bundesländern hingegen sehr wohl.

Vor zwei Jahren war eine Klage der antifaschistischen Informationsstelle A.I.D.A. in München gegen die Erwähnung im Verfassungsschutzbericht hingegen erfolgreich. Was den Verfassungsschutz nicht daran hinderte, die A.I.D.A. danach erneut in den Bericht aufzunehmen.

Vollig richtig: Die Bundesrepublik war und ist ein Rechtsstaat. Die DDR war ein "Unrechtsstaat", nämlich ein Linksstaat.
Stefan Walther
4.957
Stefan Walther aus Linden schrieb am 11.11.2014 um 20:18 Uhr
Ach Kurt, so einfach ist die Welt? Ein "Linksstaat"? Da gibt es jede Menge Linker, die das ganz anders sehen....
Michael Beltz
7.779
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 12.11.2014 um 18:15 Uhr
Bei mir ist die Ironie von Kurt angekommen.
Kurt Wirth
3.391
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 12.11.2014 um 19:21 Uhr
Na ja, man sollte diesen kleinen Gag von mir nicht überbewerten. Aber, daß das Recht in der BRD jahrzehntelang auch rechts war, leuchtet wohl ein.
Michael Beltz
7.779
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 13.11.2014 um 09:27 Uhr
Es bleibt die Hoffnung, dass der Mahngang wieder ausschließlich dem Gedenken der gequälten und ermordeten Juden dient und wir uns alle, ohne Gruppeninteressen in den Vordergrund zu stellen, dem Gedenken unterordnen. Da gehören weder Parteifahnen noch Staatsfahnen dazu.
Was spricht übrigens gegen die Losung "Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg"? Man könnte ergänzen: "Nie wieder (industrielle) Vernichtung von Menschen."
Hermann Menger
2.373
Hermann Menger aus Gießen schrieb am 13.11.2014 um 12:29 Uhr
Ich hab´ nichts gegen die Israel-Flagge!
Auf der Facebook-Seite des "Bündnisses gegen Antisemitismus und Antizionismus" ist sie sogar als Profilbild zu sehen, was ich gut finde!
Wenn man wirklich gegen Antizionismus ist, sollte man auch nichts gegen die Flagge des Staates Israel haben. Das bedeutet nicht, dass man damit alles, was die Regierung des Staates Israel macht, gut heißt.
Kurt Wirth
3.391
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 13.11.2014 um 14:03 Uhr
Ich war nicht zum Gießener Mahngang anwesend und auch nicht in vorbereitende Diskussionen involviert. In Kempten, wo bis dieses Jahr stets verschiedenste Kräfte gemeinsam den Mahngang veranstalteten, wurde dieser in diesem Jahr von der "Stolpersteininitiative" organisiert, während die DIG (Deutsch-Israelische Gemeinschaft) eine separate Saalveranstaltung durchführte. Mitglieder von ihr nahmen aber auch am Mahngang teil, wie auch solche der "Allgäufreunde Israels", denen die DIG noch zu wenig israel-regierungsfromm ist. Am Ende der Abschlußveranstaltung des Mahngangs rief eine Israel-Fahnenträgerin emphatisch in die Runde: "Wir müssen Gott danken, daß es einen Staat Israel gibt!"

Ich sehe da keinen Zusammenhang mit der Reichsprogromnacht. In den USA leben mehr Juden als in Israel (siehe wikipedia "Juden in den Vereinigten Staaten"). Sollte man deshalb auch US-Fahnen am Mahngang mitführen?

Ich vermute, die Fahne soll doch einen besonderen Zusammenhang zwischen israelischer Religion und dem israelischen Staat zum Ausdruck bringen. Vielleicht spielt da auch noch der von den Nazis gebräuchliche Begriff "Rasse" hinein. Da wären wir aber, zu Ende gedacht, bei einem "Gottesstaat", nun einem jüdischen und nicht islamischen.

Ich kann mir nicht vorstellen, daß das in die Mahngänge in Deutschland paßt.
Stefan Walther
4.957
Stefan Walther aus Linden schrieb am 14.11.2014 um 00:35 Uhr
In Ordnung Kurt, der Gag war von mir zu ernst genommen!

Herr Menger, ich wehre mich - wie alle Teilnehmer des Mahngangs - gegen Antisemitismus! Ich werde aber nie den Zionismus verteidigen. Die Israel-Fahne? Sie ist eine Staatsfahne ( wie andere auch ), sie steht somit nicht für die ( verfolgten und ermordeten ) Juden sondern für den Staat ( und damit auch die Politik ) Israel. Und dies hat bei einem Mahngang nichts zu suchen... und die, die mit einer Staatsfahne laufen / demonstrieren stellen sich somit hinter die Politik des jeweiligen Staates. Das tun sie auch ganz bewusst. Da kann man nicht einfach sagen "Das bedeutet nicht, dass man damit alles, was die Regierung des Staates Israel macht, gut heißt."
Hermann Menger
2.373
Hermann Menger aus Gießen schrieb am 14.11.2014 um 22:01 Uhr
Wo ist die Grenze zwischen ihrem "Ich werde aber nie den Zionismus verteidigen" und offenem Antizionismus? Bin ich ein Zionist, wenn ich dem Staat Israel das Existenzrecht zuspreche? Die Juden haben in der Geschichte schon genug mitgemacht, da sollte man ihnen auch jetzt ihren Lebensraum nicht noch streitig machen. Das will ich Ihnen, Herr Walther, jetzt auch nicht unterstellen. Aber es gibt da im linken Spektrum eine Reihe von Beispielen von mehr oder weniger offenem Antizionismus, den ich für gefährlich halte. Lesen Sie mal den Artikel in der "Welt" qber Gysis Flucht in die Toilette - ach nee, das ist ja ein rechtes Blatt...
Hermann Menger
2.373
Hermann Menger aus Gießen schrieb am 14.11.2014 um 22:09 Uhr
http://m.welt.de/politik/deutschland/article134328086/Wo-die-Linke-ist-sind-Israelfeinde-nicht-weit.html
Hier noch der link zu dem oben genannten Artikel. Schon der Titel ist krass!
Stefan Walther
4.957
Stefan Walther aus Linden schrieb am 15.11.2014 um 23:19 Uhr
Herr Menger, und dies wäre eine Grundlage um wirklich über Zionismus zu diskutieren - egal wie man dazu steht -
= http://de.wikipedia.org/wiki/Resolution_3379_der_UN-Generalversammlung

und nicht so eine oberflächliche Aussage wie "Die Juden haben in der Geschichte schon genug mitgemacht...".
Es ist wichtig zu unterscheiden zwischen einem Staat und dessen Politik - hier Israel - und dem Volk. Sie reden doch auch nicht in einem Atemzug von der deutschen Regierung und dem deutschen Volk, geschweige denn von "den deutschen Christen"....
Hermann Menger
2.373
Hermann Menger aus Gießen schrieb am 15.11.2014 um 23:35 Uhr
Vielleicht sage ich am Montag noch mal etwas dazu, heute Abend in Anbetracht der Uhrzeit nicht mehr - okay?
Stefan Walther
4.957
Stefan Walther aus Linden schrieb am 16.11.2014 um 00:05 Uhr
Und ich habe fast die Antwort auf Ihren Link vergessen Herr Menger =
http://www.palaestina-portal.eu/Stimmen_deutsch/langer_felicia-Blessed-are-the-Peacemakers.htm

Klar okay, ich hatte gestern auch keine Zeit, es gibt halt auch noch das "richtige Leben"... bin gespannt auf Ihre ( konkreten ) Antworten Herr Menger.
Martin Wagner
2.745
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 16.11.2014 um 06:56 Uhr
Ich bin mir sicher, dass Stefan (von Chrsitentum hat er keine Ahnung) mit dem Hinweis "deutsche Christen" nicht die gleichnamige Gruppierung in der Nazizeit meinte, sondern er auf den Begriff aus dem Zusammenhang in der Kommentarkolonne gekommen ist.

Zumindest mir liegt es fern, in irgendeine Form die momentane staatliche Politik von Israel damit in Verbindung zu bringen.

"(...) Die Deutschen Christen (DC) waren eine rassistische, antisemitische und am Führerprinzip orientierte Strömung im deutschen Protestantismus, die diesen von 1932 bis 1945 an die Ideologie des Nationalsozialismus angleichen wollte. (...)

http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Christen
Stefan Walther
4.957
Stefan Walther aus Linden schrieb am 16.11.2014 um 20:05 Uhr
Natürlich ging es mir nicht(!) um diese - mir bisher nicht bekannte - Gruppierung! ( Schön, dass du darauf hingewiesen hast Martin, sonst hätte ich ggf. ein kleines Problem mit meinem Kommentar :-))
Hermann Menger
2.373
Hermann Menger aus Gießen schrieb am 17.11.2014 um 10:56 Uhr
Zu Ihrer Aussage, Herr Walter : Zit.: "Es ist wichtig zu unterscheiden zwischen einem Staat und dessen Politik - hier Israel - und dem Volk. Sie reden doch auch nicht in einem Atemzug von der deutschen Regierung und dem deutschen Volk, geschweige denn von "den deutschen Christen"...."(Zit. Ende)
kann ich nur sagen, dass ich da sehr wohl zu unterscheiden vermag, da rennen Sie bei mir offene Türen ein. Dieser Unterschied wird am deutlichsten bei den "Palästinensern", konkret z.B. bei den Bewohnern des Gaza-Streifens gegenüber den Hamas-Terroristen, die sie "regieren", besser gesagt tyrannisieren, morden, missbrauchen usw. Als im Sommer Transparente mit der Aufschrift "Free Gaza" zu sehen waren, hätte man überall ergänzen müssen: "Free Gaza from Hamas".
Das mit den "deutschen Christen" hat ja Herr Wagner dankenswerter Weise klargestellt, obwohl ich schon ein wenig erstaunt bin, dass Sie, Herr Walter, offen zugeben, dass Ihnen die "Deutschen Christen" bisher nicht bekannt waren. Aber das will ich Ihnen nicht nachtragen, bei diesen Themen habe ich wahrscheinlich ein wenig "Vorsprung". Wir haben vor Jahren mal ein Seminarwochenende in Berlin mit dem Jugendbildungswerk der Stadt Gießen veranstaltet, wo das Thema "Widerstand im dritten Reich" war. Da ginge es u.a. um Bonhoeffer, Stauffenberg und "Deutsche Christen".
Noch ein Wort zu der UN-Resolution:
Es ist kein Geheimnis, dass die Vereinten Nationen gegen Israel sind. Das liegt an deren Zusammensetzung. Die von Ihnen angeführte Resolution aus dem Jahre 1975 wurde aber später wieder aufgehoben und Kofi Annan hat nachträglich zugegeben, dass es sich um die dunkelste Stunde der UN gehandelt hat.
Stefan Walther
4.957
Stefan Walther aus Linden schrieb am 17.11.2014 um 17:43 Uhr
Nun gut Herr Menger, wenn das die - einzigen - Antworten sind, dann ist es halt so, ich kann es nicht ändern.
Soll ich jetzt auf Ihr "Palästinenser-Thema" eingehen ( mit dem Sie versucht haben vom eigentlichen Thema abzulenken )? Deutlich wird der Unterschied meines Wissens nach zwischen Regierung und Volk fast in jedem Staat der Erde, da ist Israel keineswegs eine Ausnahme, das Gegenteil ist der Fall ( auf meinen Link sind Sie ja leider nicht eingegangen ). Massenproteste gegen Sozialabbau sind genauso an der Tagesordnung wie Proteste ( oft gemeinsam mit Palästinensern! ) gegen die aggressive Außenpolitik der israelischen Regierung.
Richtig, die UN ist heute anders zusammengesetzt und wird heute von anderen Staaten dominiert. Darum geht es aber nicht, es ging mir darum anhand dieser Resolution inhaltlich ( nicht formal ) auf das Thema Zionismus einzugehen.
"Free Gaza"? = Sie denken doch nicht wirklich ernsthaft, dass das Hauptproblem der Palästinenser nicht die isarealische Besatzungsmacht sondern die Hamas ( die ich persönlich keineswegs unterstützen würde! ) sei? Da scheinen Sie sich nicht auszukennen Herr Menger! Doch, das trage ich jedem nach, jedem der sich zu diesem Thema äußert.
Nochmal zur Klarstellung = ist es wirklich hier - bei diesem Thema - wichtig, ob man weiss wer diese Gruppe "Deutsche Christen" war??? Danke für die Schließung meiner Bildungslücke, aber bitte beim Thema bleiben!?
Hermann Menger
2.373
Hermann Menger aus Gießen schrieb am 17.11.2014 um 23:22 Uhr
Doch, genau so sehe ich das: Die Hamas ist das Hauptproblem. Für mich sind das genauso Terroristen wie die IS-Leute in Syrien und im Irak. Mit denen kann man wirklich nicht verhandeln, weil sie den potentiellen Verhandlungspartner, nämlich den Staat Israel, von vornherein ablehnen und auslöschen wollen. Sie haben überhaupt keine Achtung vor dem Leben, weder dem ihrer eigenen Landsleute, ihrer Kinder, die sie als menschliche Schutzschilde gebrauchen, ganz zu schweigen vor dem Leben israelischer Zivilisten, die in ständiger Angst vor Raketen aus Gaza leben müssen. Auch der - vorher als eher gemäßigt betrachtete
Präsident Abbas hat sich jetzt ebenfalls völlig disqualifiziert, als er die Mörder beglückwünschte, die mit ihrem Auto Menschen überfahren haben.

So, ich verabschiede mich hiermit aus diesem Disput, es ist schon lang genug geworden. Beim Thema "Sterbehilfe" werde ich vielleicht morgen noch mal was schreiben.
Martin Wagner
2.745
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 18.11.2014 um 07:33 Uhr
Korrekt Herr Menger, die Kommentarkolonne hat sich vom Thema des Artikels weg bewegt.

Wie damit umgehen?

Es ist schon in meinen Augen in Ordnung, wenn ein Kommentator sagt: Nee, ich habe mich zu einem anderen Aspekt geäußert, als jetzt in der Kolonnen der Aktuelle. Da will ich Nichts zu schreiben.

Genauso in Ordnung finde ich, wenn jemand Anderes / genau umgekehrt argumentiert: Natürlich schreibe ich auch zu diesem Aspekt, denn der hängt doch unheimlich eng mit dem Thema des ursprünglichen Artikels zusammen.

Inhaltlich stellt sich mir schon die Frage: Was hat die Existenz der Hamas mit der Ideologie des Staates Israel zu tun?

Sicher eine komplizierte Frage. Die Einschätzung der Organisation Hamas, wie sie Herr Menger vornimmt ist nicht pauschal abzuweisen. Ich denke es wird sehr schwer werden hier in der Onlineausgabe der Giessener Zeitung jemanden zu finden, der sagt die Hamas das ist meine Organisation.

Mir stellt sich dabei aber zuerst eine andere Frage. Der Staat Israel hat (von mir aus auch musste) 1967 Krieg gegen seine Nachbarn geführt / führen. Dabei wurden größere Gebiete besetzt. Ein Großteil der dort lebenden Wohnenden flüchteten und kamen in Flüchtlingslagern kurz hinter der neuen Grenze unter, welche von internationalen Organisationen errichtet wurden (später gab es andere Formen der Hilfe).

Das ist jetzt bald 50 Jahre her. Ein Großteil der Jugendlichen der heutige Bewohner größerere Gebiete ausserhalb der offiziellen (damit meine ich nicht das faktische Staatsgebiet was ja auch aus annektierten Gebieten besteht) Staatsgrenzen haben also Großeltern, welche flüchten mussten und nicht zurück wollten oder konnten. Also Menschen, welche nichts anders in ihrem Leben erlebt haben, als - zumeist unter sehr widrigen Lebensbedingungen - in der Fremde leben zu müssen. Noch schlimmer - Jugendlichen die das selbe schon bei ihren Eltern und sogar bei ihren Großeltern erleben.

Herr Menger stellt die Hamas in eine Reihe mit Terroristen von dem IS. Als Freund des Staates Israel ist das verständlich. Auch ich verurteile die Methoden der Hamas. Aber was ich vermisse ist, dass er überlegt: Wie kommt es dazu, dass (überwiegend) junge Menschen in Gebieten rund um das offizielle Staatsgebiet Israels so etwas machen. Mich befriedigt keinesfalls die Antwort: Die werden von religiösen Fanatikern aufgehetzt. Sicher ist das auch der Fall, aber in einem solchen selbstzerstörischen Verhalten (die militärischen Machtverhältnissen sind allen Beteiligten doch klar) sehe ich in erster Linie den Endpunkt einer politschen Fehlentwicklung.

Ich frage mich: Warum ist (von mir aus auch konnte) es dem Staate Israel nicht gelungen / gelingen in all den Jahrzehnten die besetzten Gebiete wieder an ihre rechtmässigen Besitzer zurück zu geben? Nur damit besteht meiner Überzeugung nach eine Chance das ganze Gebiet auf Dauer zu befrieden. Die momentane militärische "Lösung" hat auf Dauer keine Zukunft. Spätestens, wenn die Schutzmacht USA ihre Vorrangstellung auf der Welt verliert, dann "wird es eng" für diesen Staat und ihren Bewohnern.

Ich kann nicht kompetent einschätzen was in den letzten Jahrzehnten bei den (durchaus unterschiedlichen) israelischen Regierungen im Vordergrund stand: Der Pragmatismus (Wie können wir auf unser erweiterten Staatsgebiet Frieden und Ordnung aufrecht erhalten?) oder die ideologische Ausrichtung der praktischen Politik (Können wir das Gebiet des heutigen Staats Israel auf das historisch überlieferte Gebiet der Israeliten vor ???? Jahren ausdehnen?).

Mein Eindruck ist: Der momentanen Regierung des Staates Israel steht ihre ideologische Ausrichtung bei der Einleitung von praktischen Schritten zur langfristigen Befriedung im Weg. Ich wiederhole: Zurück auf die völkerrechtlich abgesicherten Staatsgrenzen und vor allen Dingen keine jüdische Siedlungen auf den annektierten Gebieten. Wer glaubt etwas Anderes auf Dauer mit seiner Militärmacht durchsetzen zu können, der spielt mit dem Feuer.
Stefan Walther
4.957
Stefan Walther aus Linden schrieb am 19.11.2014 um 00:11 Uhr
Solche und ähnliche Gedanken macht sich aber Herr Menger ( und andere ) nicht Martin, genau das ist doch der Punkt den ich kritisiert hatte ( und den du jetzt nochmal mit anderen Worten verdeutlicht hast ). Da wird auf nichts konkret eingegangen und geantwortet... übrig bleibt, der gleiche Unsinn, den einige andere auch verbreiten: wer den Staat / die Regierung Israel kritisiert, der ist ein Antisemit, Punkt, basta. Eine inhaltliche Auseinandersetzung findet nicht statt, macht auch keinen Sinn, für solche Leute sind auch diese Kommentare hier nicht gedacht....
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