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Der Graf von Motta: Eine Lesung mit Teshome Damtew

von Lea Meisteram 07.11.20141390 mal gelesen1 Kommentar
Der Autor während der Lesung.
Der Autor während der Lesung.
Gießen | Der äthiopische Schriftsteller Teshome Damtew musste 1991 aus seinem Heimatland fliehen und ersuchte in Deutschland Asyl. Grund für die Flucht war sein Roman "Der Graf von Motta". Als dieser der staatlichen Zensur vorgelegt wurde, wurde Damtew von einem Insider gewarnt: "Du verschwindest – freiwillig oder unfreiwillig!". Der Roman hätte Damtew das Leben kosten können. Aber mit der Hilfe deutscher Bekannter konnte Damtew das Land noch rechtzeitig verlassen. Am Mittwoch las Damtew, der inzwischen in Lahnau lebt, im KiZ Gießen aus seinem Roman vor. Die Stuhlreihen vor dem Pult des Autoren waren voll besetzt, und Damtew freute sich, sein Buch vielen interessierten Zuhörern vorstellen zu können.
Der Roman dreht sich um Ben, einen jungen Mann, der in den 70er Jahren in die Kleinstadt Motta zieht. In der Stadt herrschte jahrelang Trinkwassermangel - Ben aber findet dort Grundwasser. Das bringt ihm bei den Stadtbewohnern Anerkennung ein, bringt aber auch Konflikte mit Investoren mit sich. In den Szenen, die er vorliest, probiert Ben zum ersten Mal den sagenumwobenen Ouzo der Europäer, er trifft auf Geschäftsmänner und Menschen, die ihm seinen Erfolg nicht gönnen. Die Geschichte selbst birgt keine offensichtliche politische Brisanz. Damtew betonte, er habe alltägliche Szenen beschrieben, ohne offene Kritik an dem System zu äußern. Die Zensoren aber hätten viel herauslesen können, was gefährlich für ihn hätte werden können.
Er erzählte viel von seinem Leben in Äthiopien, davon, wie er im Alter von 11 Jahren die Revolution miterlebt und noch immer beim Anblick einer Uniform ein mulmiges Gefühl habe. In der Militärdiktatur, die ab Mitte der 70er Jahre in Äthiopien herrschte, wurde die Meinungsfreiheit stark eingeschränkt. "Die meisten Schriftsteller hatten sich schon zurückgezogen", erzählte Damtew. Einige hätten ihn kontaktiert und ihm gesagt, er solle schreiben, denn er sei die einzige Hoffnung für die Literatur im Land. "Das hat mir natürlich Aufschwung gegeben", sagte der Autor lächelnd. Er habe zuvor "Der Graf von Monte Christo" übersetzt und wollte dann eine afrikanische Version des Romans erschaffen. Er musste Äthiopien verlassen, bevor er den Roman überhaupt veröffentlichen konnte, erst Jahre später schrieb er ihn neu und brachte ihn im Eigenverlag heraus.
Die Lesung wurde vom Verein "Gefangenes Wort e.V." in Kooperation mit dem Literarischen Zentrum Gießen organisiert. Es war die dritte Veranstaltung der Reihe "W.I.E. (Writers in Exile) erzählt..", die eine Plattform für Autoren schafft, die im Exil in Deutschland leben. Der "Gefangenes Wort e.V." setzt sich für die Meinungsfreiheit weltweit ein und unterstützt Autoren, die aus ihren Heimatländern vertrieben oder für ihre Meinung inhaftiert wurden. Zurzeit findet in den Ausstellungsräumen der Universitätsbibliothek Gießen eine Ausstellung zu dem Thema statt: "Von Rebellen und Ketzern, Träumern und Tollköpfen. Zensur und Meinungsfreiheit weltweit" ist noch bis zum 13. November zu sehen. Dort wird von vielen Autorenschicksalen erzählt, die ähnlich verlaufen sind wie das von Teshome Damtew.

Der Autor während der Lesung.
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Großes Interesse an der Lesung: Es gab kaum mehr einen freien Platz.
Großes Interesse an der... 

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Kommentare zum Beitrag

Hermann Menger
2.334
Hermann Menger aus Gießen schrieb am 07.11.2014 um 11:41 Uhr
Vielen Dank für den Beitrag!
Ich wäre gerne auch gekommen, hatte aber leider einen anderen Termin.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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von:  Lea Meister

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Interessensgebiet: Gießen
Lea Meister
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