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Landkreis Gießen: Der Krankenstand steigt an

von Lea Meisteram 30.10.20142314 mal gelesenkein Kommentar
(v.li.): Dirk Oßwald und Ottmar Hönig (vorne) sowie Burkhard Schlinke und Iskender Schütte stellen den Gesundheitsreport vor.
(v.li.): Dirk Oßwald und Ottmar Hönig (vorne) sowie Burkhard Schlinke und Iskender Schütte stellen den Gesundheitsreport vor.
Gießen | Der Landkreis Gießen hatte 2013 den zweithöchsten Krankenstand in ganz Hessen: das geht aus Zahlen der DAK hervor, die am Dienstag ihren „Gesundheitsreport 2014“ vorstellte. Damit waren an jedem Tag des Jahres 49 von 1.000 DAK-Versicherten krankgeschrieben. Im Vergleich zu 2012 ist die Zahl krankheitsbedingter Ausfalltage damit um 0,1 Prozent auf 4,9 Prozent gestiegen.

Auf Landes- und Bundesebene stieg die Arbeitsunfähigkeitsquote etwas stärker an als im Landkreis: Jeweils um 0,2 Prozent in Hessen auf 4,2 Prozent und im Bund auf 4,0 Prozent. „Die Tendenz ist in den letzten zwei Jahren für den Landkreis positiv", kommentiert Ottmar Hönig von der DAK.

Was aber macht die Giessener krank? Auf Platz eins liegen Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems, auf Platz zwei des Atemwegsystems, auf Platz drei psychische Erkankungen.

Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Bandscheibenvorfälle oder Knieprobleme waren auch 2012 die häufigsten Verursacher von Fehltagen. "Im Bereich Ergonomie besteht im Landkreis noch Nachholbedarf", kommentiert Burkhard Schlinke, Facharzt für Arbeitsmedizin vom Medical-Airport-Service. Die rückenfreundliche
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Ausstattung von Büroräumen sei zwar auch immer eine Kostenfrage, würde sich auf Dauer für den Arbeitgeber aber lohnen und sei sukzessive durchaus machbar. Doch nicht nur am Arbeitsplatz muss man auf die Rückengesundheit achten, sondern auch in der Freizeit: "Wir bewegen uns viel zu wenig. Durchschnittlich kommt man heute noch auf 800 Meter am Tag", so Schlinke.

Der erhöhte Prozentsatz an Atemwegserkankungen lässt sich durch eine Grippewelle Anfang 2013 erklären. Dirk Oßwald, Gesundheitsdezernent der Kreisverwaltung Gießen, appelliert an die Unternehmen, über Förderungen von Impfungen der Mitarbeiter am Arbeitsplatz nachzudenken. Eventuell könne man auch "Impftage" einführen. Auch Schlinke betonte, dass die jährliche Influenzaimpfung am Arbeitsplatz zu empfehlen sei. "Ein krankheitsbedingter Arbeitstag kostet ein Unternehmen zurzeit zwischen 500 und 800 Euro", sagte er. Die Kosten für eine Grippeimpfung würden nur einen Bruchteil davon betragen.

Im Vergleich zu 2012 nahm die Anzahl der psychischen Erkankungen im Landkreis nochmals um 4 Prozent zu. Insgesamt sind die Fehltage bei psychischen Erkrankungen in Hessen sind seit dem Jahr 2000 um ganze 90 Prozent angestiegen. Das lässt sich laut Ottmar Hönig mit der erhöhten Sensibilität für das Thema, aber auch mit größeren Belastungen nicht nur am Arbeitsplatz, sondern auch in der Familie und im Umfeld erklären.

Im Rahmen des Gesundheitsreports nahm die DAK dieses Jahr noch einmal verstärkt eine Zielgruppe unter die Lupe, die sowohl im Berufsleben als auch im Privaten stark gefordert wird. Dafür wurden bundesweit 3.100 25- bis 40-Jährige befragt, die in der "Rushhour des Lebens" stehen. „Eine große Mehrheit spricht sich für Kinder und Karriere aus", so Hönig.

Aus den Zahlen ergibt sich, dass die 25- bis 40-Jährigen trotz Mehrfachbelastung nicht häufiger ausfallen als andere Altersgruppen. Hönig aber warnt: „Der in dieser Gruppe niedrigere Krankenstand darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich in diesem Alter bereits erste Ansätze für chronische Krankheiten bilden.“ Deshalb müssten die Unternehmen auch hier nachhaltig in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter investieren.

Nach den Ergebnissen der Umfrage leiden Eltern nicht häufiger als Kinderlose an chronischem Stress. Trotzdem wirkt sich der Nachwuchs auf das Arbeitsleben aus. „Jede zweite Mutter in Hessen fühlt sich benachteiligt", so Hönig. Gewünscht würden von den Unternehmen mehr Angebote zur Familienfreundlichkeit wie Gleitzeit, Home Office oder ein Betriebskindergarten. Dirk Oßwald betonte: „Ich appelliere an Arbeitgeber, sich dem Thema Familienfreundlichkeit zu widmen, wenn sie das noch nicht getan haben.“ Er machte aber auch auf einen anderen Aspekt aufmerksam: „Zunehmend spielt nicht nur die Vereinbarkeit von Arbeit und Kindern, sondern auch die von Arbeit und Pflege eine Rolle". Dies sei vor allem für ältere Arbeitnehmer ein wichtiges Thema.

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