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Die GdL und der Streik bei der Bahn . . .

Gießen | die Forderung nach 5% mehr Lohn und 2 Stunden weniger Wochenarbeitszeit unterschreibe ich sofort!
Aber dann für alle . . . !

Es ist u.a. der politischen und strategischen Ahnungslosigkeit des DGB und seiner Einzelgewerkschaften mitzuverdanken,
dass die Phänomene GdL, UfO, Cockpit und Marburger Bund aufkamen und sich bis heute halten konnten.
Im Zuge der Fusionen und Neustrukturierungen von einigen DGB Einzelgewerkschaften in den 90ziger Jahren, wurden
Fachbereiche personell und organisatorisch ausgedünnt. Von Selbstkritik, geschweige denn Umkehrungen ist in den
Gewerkschaftführungen bis heute nichts zu hören. Im Falle der GdL ist es ärgerlich, dass weder die Transnet, noch ihr Nachfolger EVG,
sich mal systematisch und politisch die GdL vorgeknüpft haben . . . Ein Standesverband wie die GdL, die zur Leiharbeit nichts zu sagen
hat, die selbst auf ihrer Homepage Werbung für die "private Altersvorsorge" betreibt und deren Führer traditionell ein CDU Parteibuch haben,
schreit doch gerade nach politischer Gegenwehr. . . Statt desen wechselt ein gewisser Norbert Hansen die Seiten und geht in den Personalvorstand
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der Bahn. Man kennt sowas ja von Thyssen-Krupp und Volkswagen . . . Nicht gerade vorteilhaft für die damalige Transnet und auch ein Grund dafür, dass sich
die Transnet in EVG umbenannte.

Wer die aktuelle Streikpolitik der GdL beurteilen will, muss sich wieder mit der Vergangenheit vertraut machen. 2002 stieg die GdL ihrerseits aus der damaligen
Tarifgemeinschaft bei der Bahn aus, die damals aus Transnet, GdL und zwei nicht mehr exestierenden Gewerkschaften bzw. Verbänden bestand.
Im laufe der Zeit merkte aber die Führung der GdL, dass diese Maßnahme ein grandioses Eigentor war, weil die GdL organisatorisch ausblutete und sich der Einfluss
der GdL selbst auf lokaler Ebene marginalisiert hatte. Was blieb, war dann die Flucht nach vorne . . . Dies geschah dann 2007. Mit der der hartnäckigen Forderung
nach 31% Lohnerhöhung, konnte die GdL bewirken, dass sie bundesweit wieder wahrgenommen wurde und ein regelrechter Run auf die Mitgliedschaft in der GdL
folgte. Da störte es auch nur nebenbei, dass der Streik 2007/2008 zum persönlichen High Noon zweier Alphatiere in Person von Manfred Schell (GdL) und
Fastbahnkaputtmacher Hartmut Mehdorn ( Bahnchef ) mutierte . . . Das Ergebnis 2008 aus Sicht der Lokführer war dann eher bescheiden. 11% Lohnerhöhung,
bei gleichzeitigen Verzicht von Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Wenn das ganze nicht bitterer Ernst wäre, würde sich dieses Stück durchaus für die Muppet Show eignen.
Und heute . . . ? Wieder flüchtet die GdL nach vorne, indem sie auf die Zugbegleiter pocht und sie als ihre Verhandlungsmasse ansieht. Ein Schelm der da böses denkt,
denn seit gut 18 Monaten rumort es gewaltig nicht nur an der Basis der GdL, sondern auch innerhalb ihrer Führung. Noch vor einem Jahr war von Abspaltungstendenzen
zu hören und der Führungsstill von Weselsky ( GdL Chef und CDU Mitglied ) wurde teils offen teils hinter verschlossenen Türen scharf kritisiert. Aber es geht mit den Widersprüchen der GdL noch weiter . . .
Auf der einen Seite prangert sie zwar zurecht die Überstunden Problematik der Lokführer an, aber auf der anderen Seite versperrt sie vielen jungen Menschen den Weg zum Beruf des Lokführers, in dem sie sich bis dato beharrlich weigert, dass auch ein guter Hauptschulabschluss als Vorqualifikation ausreicht. Sie möchte, ganz im elitären Still, aber ohne fachliche Beweise/Grundlage mindestens einen Realschulabschluss als Vorqualifikation. So ist es mit der Bahn auch fixiert worden
Dass die EVG Führung diese Tatsachen bzw. Widersprüche der GdL nicht aufgreift und bekämpft, ist ärmlich! Dass aber durch diesen ganzen Zirkus, einige
Arbeiteraristokraten, pardon Vorstände der DGB Gewerkschaften, sich entweder offen oder aber klammheimlich für die Option eines Tarifeinheitsgesetzes der
Bundesregierung freuen, ist nicht ärmlich, sondern erbärmlich!!!

Kommentare zum Beitrag

Martin Wagner
2.705
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 26.10.2014 um 19:52 Uhr
Dem Artikeleinsteller ist in Vielem zu zustimmen.

Den Schlusssatz würde ich etwas schärfer formulieren.

Er lautet: "(...) Dass aber durch diesen ganzen Zirkus, einige
Arbeiteraristokraten, pardon Vorstände der DGB Gewerkschaften, sich entweder offen oder aber klammheimlich für die Option eines Tarifeinheitsgesetzes der Bundesregierung freuen, ist nicht ärmlich, sondern erbärmlich!!!"

Mein Vorschlag für eine Ergänzung: Ein etwaiges "Tarifeinheitsgesetzes der Bundesregierung" ist für die Arbeiter gefährlich. Zumindest so lange, wie Parteien, welcher der Regierung tragen bzw. ihr nahe stehen die Gewerkschaften beherrschen.
Stefan Walther
4.850
Stefan Walther aus Linden schrieb am 26.10.2014 um 21:29 Uhr
Viele wichtige Informationen Mirko, die ich zum Teil auch nicht kannte!
Trotzdem sollte man aus meiner Sicht die Forderungen der GdL UND die Kampfbereitschaft der in ihr organisierten Kollegen nicht kleinreden und als reine Taktik darstellen. Ob nun der Vorsitzende CDU-Mitglied ist oder nicht, das ist auch für mich nicht so entscheidend. Entscheidend ist, dass sich die GdL als eine kämpferische Gewerkschaft zeigt, gegen die massiv gehetzt wird, nicht nur in den bürgerlichen Medien... würde sich z.B. eine EVG genauso kämpferisch zeigen, dann wäre man dem Ziel einer kämpferischen Einheitsgewerkschaft ( bei der Bahn ) meiner Ansicht nach ein gutes Stück näher gekommen... im Endeffekt werden die Kolleginnen und Kollegen ( nicht nur bei der Bahn ) selbst entscheiden, selbst erkennen müssen wer wirklich an ihrer Seite steht und mit ihnen für ihre berechtigten(!) Interessen kämpft, am besten in einer starken Einheitsgewerkschaft, wie auch immer diese dann aussehen wird... und das sollten wir alle dann auch akzeptieren, denn entscheiden sollen nicht irgendwelche "Führer" sondern die Masse der KollegInnen.
Mirko Düsterdieck
338
Mirko Düsterdieck aus Gießen schrieb am 27.10.2014 um 13:12 Uhr
Die GdL besetzt eine Nische, die die EVG wie auch andere DGB Gewerkschaften längst aufgegeben haben. Das ist das eine. Das andere ist aber, dass die GdL bis dato auch keine wirklichen Verbesserungen für die Lokführer erkämpfen konnte. Es ist zu erwarten, dass die Bahn trotz Umsatzverluste an Streiktagen, als eigentlicher Sieger hervor gehen wird. Das kann weder im Interesse der Bahnmitarbeiter, noch der vielen Bahnkunden sein. Im übrigen müsste das gesamte Konstrukt "Deutsche Bahn" viel transparenter sein. Daran hat aber weder die Bahn Holding mit ihren irre vielen GmbH's und Tochterfirmen, noch der Bund als 100%tiger Anteilseigner ein Interesse! Was die EVG angeht, ist zu sagen, dass die jahrzehntelange "Sozialpartnerschaft" der Gewerkschaften letzlich immer zu Lasten der lohnabhängigen Beschäftigten gegangen ist, auch wenn temporär einige Zugeständnisse den Arbeitgebern ( Kapitalisten ) abgerungen wurden sind. Diese Zugeständnisse sind aber in der Praxis wieder schneller vom Tisch, als sie überhaupt erkämpft worden sind.
Martin Wagner
2.705
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 29.10.2014 um 08:48 Uhr
Herr Düsterdieck, dem interessierten Mitleser / Mitbürgerreporter ergibt sich die Gelegenheit, bei dem Aspekt "Tarifeinheitsgesetzes der Bundesregierung" sich zusätzlich in den aktuellen Medien zu informieren.

Gestern hat die aktuelle Arbeitsministerin dazu die Vorlage eines Gesetzentwurfes öffentlich angekündigt.

Mit anderen Worten: Ich gratuliere zu der "passgenauen" Einstellung ihres Artikels.
Mirko Düsterdieck
338
Mirko Düsterdieck aus Gießen schrieb am 29.10.2014 um 09:11 Uhr
Guten Morgen Herr Wagner,

danke fürs Kompliment.
Ein jeweiliges Tarifeinheitsgesetz könnte unter Umständen mit dem Art. 9 Absatz 3 des GG kollidieren. Ebenso wird in dem Kontext nicht der Sachverhalt von konkurierenden Gewerkschaften bzw. alternativen Listen bei BR-Wahlen Rechnung getragen. Hier ist der DGB mit seinen Einzelgewerkschaften gefragt und nicht der Gesetzgeber. Der DGB und einige seiner Einzelgewerkschaften verwechseln in der Frage sehr gerne Ursache und Wirkung. Wenn es dem DGB um "gute Arbeit" tatsächlich geht, müsste er seine Strategie, die auf Co-Management und "Sozialpartnerschaft" beruht mal überdenken . . . ! Dann löst sich auch das Problem mit den kleineren Gewerkschaften, bzw. Berufsverbänden die in Konkurenz zum DGB stehen.
Allerdings ist da der Wunsch der Vater des Gedanken . . .
Die Hegemonie von SPD Leuten in den Führungen des DGB und seinen Einzelgewerkschaften ist das Hauptproblem!!!
Stefan Walther
4.850
Stefan Walther aus Linden schrieb am 29.10.2014 um 19:07 Uhr
Was ist "der" DGB Mirko? Wir werden die "Gewerkschaftsführung" des DGB nicht ändern können, sie ist in erster Linie Ordnungsfaktor im System, also hat genau die Aufgaben die du genannt hast = Co.Management des Kapitals, Verteidigung des Sozialpartnerschaftsprinzips usw.
Die Frage muss aus meiner Sicht anders gestellt werden = was ist im Interesse der abhängig Beschäftigten? Da kann es für mich nur die Antwort geben = eine ( möglichst ) große, schlagkräftige und kämpferische Gewerkschaft. Dies kann man erreichen und durchsetzen auch mit ( und gegen ) eine(r) angepassten Führung, zahlreiche gewerkschaftliche ( und selbständige ) betriebliche Kämpfe beweisen dies Tag für Tag ( und da meine ich jetzt nicht die Bahn! ).
Martin Wagner
2.705
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 30.10.2014 um 08:38 Uhr
Stefan, kleiner Widerspruch zu deinen insgesamt sicher recht guten Ausführungen.

Wir Arbeiter kommen nicht darum die Partei der Arbeiterverräter zu bekämpfen, damit sie endlich dort hingehört, wo sie schon (mindestens) 100 Jahre lang hin gehört (auf den Misthaufen der Geschichte). Dabei kann gerade nicht die Gewerkschaftsspitzen "geschont" werden. Die Führungsebene der Gewerkschaften, welche von diesen akpitlahörigen Kreisen total beherrscht werden lediglich anzugreifen und dann zu hoffen, dass die Masse der Arbeiter im Rahmen der Gewerkschaften schon richtige Politik machen kann ist an der Realität vorbei.

Sicher kennst du aus den letzten Jahrzehnten genug Beispiele an denen nachweisbar ist, dass in dem Moment, wo die Gefahr drohte, dass die Arbeiterverräter aus ihren Positionen rausgekippt werden, die sonst eher schnarschkasperlischen Funktionäre urplötzlich hellwach wurden und Massnahmen ergriffen, damit sie ihren A.... retteten.

Stefan das ist natürlich kein Argument gegen "(...) ... zahlreiche gewerkschaftliche ( und selbständige ) betriebliche Kämpfe ... (...)" die müssen der Sache wegen geführt werden. Aber zu hoffen, dass dieses G...... damit entmachtet wird halte ich für illusorisch. Z.B. die Erfahrungen aus 18/19 haben uns doch gelernt, dass - wenn es für die Arbeiterverräter "eng wird" - dass sie sich dann rotzfresch an die Spitze der neuen Entwicklungen setzen (immer nach dem Motto: ... was interessiert uns das Geschwätz vor ein paar Tagen ...) eine zeitlang "einen auf radikal machen" um dann die fortschrittlichen Bewegungen von der Spitze abzuwürgen.

Stefan ich denke du erklärst mich zu einem Utopist. Vielleicht hast du in dem Sinne damit sogar recht, dass das Entfernen von den Arbeiterverrätern aus den Chefsesseln der Gewerkschaften nicht von heute auf morgen erfolgen wird. Aber es wird kommen oder (diese) Gewerkschaften verlieren für die Arbeiter ihre herausragende Funktion (und die klassenbewusste Arbeiter müssen überlegen über welche andere "Kanäle" sie ihre Ansprüche durchsetzen können).

Eigentlich müßte ich das nicht schreiben, denn du kennst ja meine Ansichten. Aber ich hoffe es lesen noch mehr Mitbürger mit. Vielleicht auch ein Mitleser, der hier ein paar Zeilen schreibt.
Stefan Walther
4.850
Stefan Walther aus Linden schrieb am 30.10.2014 um 17:17 Uhr
Ist vollkommen in Ordnung - auch für mich -, dass du das schreibst Martin!
Sicher können und sollten wir nicht die "Glaskugel" befragen wenn es um zukünftige Entwicklungen geht ( auch die historischen Erfahrungen dürfen nicht - dogmatisch - einfach so auf jede Situation übertragen werden, natürlich muss man daraus lernen... ).
Wie ist die aktuelle Lage, wie sieht die konkrete Analyse der konkreten Situation aus? Ja, man muss - ideologisch - die Partei der Arbeiterverräter bekämpfen, die ihr zugedachte Rolle entlarven usw. usw. Man darf sich aber nicht isolieren, auch nicht die ( zahlreichen ) Anhänger dieser Partei ( auch und gerade unter der Arbeiterschaft ) damit gleichsetzen... Es ist Aufgabe - auch innerhalb der (Einheits-)Gewerkschaften harte Klein- und Überzeugungsarbeit zu leisten, den Kolleginnen und Kollegen immer wieder deutlich zu machen "wer an ihrer Seite steht und wer nicht"... und das geht in erster Linie durch eigene gemachte praktische ( und auch notwendige ) Erfahrungen...
Ob es dann - irgendwann - zu einem Taktikwechsel kommen wird und muss, dass man sich - wenn es die Masse der Kolleginnen und Kollegen so möchte! - von der derzeitigen Massenorganisation DGB "lossagt" und andere Formen der gewerkschaftlichen Organisiertheit wählen wird ( die Notwendigkeit der gewerkschaftlichen Organisierung steht für mich ausser Frage! ), das können wir heute nicht beurteilen und vorhersehen... darum geht es auch heute nicht!
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Mirko Düsterdieck

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