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Appell an alle Männer - Sexuelle Belästigung ist auch Ihre Angelegenheit

von Ladies´ Teamam 25.10.20141131 mal gelesen4 Kommentare
Gießen | Egal, ob junge oder ältere Frauen, egal ob am Arbeitsplatz, an der Universität oder auf der Straße - jede Frau hat bereits sexuelle Belästigung erlebt. Die meisten Frauen schweigen darüber, denn sexuelle Belästigung gilt als normal, so dass die Begebenheit gerne heruntergespielt und die Frau aufgefordert wird, die Angelegenheit nicht so eng zu sehen.

Als Laura Bates, eine britische Journalistin, sich dazu entschied, ihre vielen Erlebnisse von sexueller Belästigung öffentlich zu machen, andere Menschen einlud, dies ebenfalls zu tun und dafür einen Twitter-Hashtag mit dem Titel #everydaysexism einrichtete, erhielt ihr Hashtag innerhalb einer kurzen Zeit über 50.000 Erlebnisberichte von Frauen, die- wie sie- Alltagssexismus ausgesetzt waren und sind. Dies zeigt, die Relevanz dieses Problems, das für Frauen im Jahre 2014 immer noch besteht.

Sexuelle Belästigung jedoch als eine reine Frauenangelegenheit zu begreifen ist Teil des Problems, das Frauen das Leben so schwer macht. Mit der Aussage, dass sexuelle Belästigung ein Frauenthema ist, aus dem Männer sich lieber heraushalten, wird der Fokus von den Männern weg und auf die Frauen gelenkt.

Meine Arbeit als Gründerin der Frauenrechtsorganisation Ladies´ Team e. V. sehe ich daher u. a. in dem Bestreben, Sie, meine Herren, in die aktive Arbeit und den engagierten Kampf gegen sexuelle Belästigung von und sexuelle Gewalt an Frauen einzubeziehen. Dass Sie neben den Frauen die volle Verantwortung beim Thema sexuelle Belästigung übernehmen, meine Herren, ist nicht nur etwas, was schön zu wissen ist, sondern Ihre Verantwortung ist die fundamentale Voraussetzung für eine langfristige Reduzierung, Beendung oder Prävention von sexueller Belästigung von Frauen sowie Mädchen.

Es ist dringend an der Zeit, dass wir sexuelle Belästigung als Angelegenheit sehen, die Männer mindestens genausoviel angeht, wie Frauen. Indem man sexuelle Belästigung endlich als Männerangelegenheit begreift, was sie im Grunde genommen schon immer war, nimmt man Männern die Gelegenheit, sich "vornehm aus der Affäre zu ziehen", etwa mit Sprüchen wie: "Das ist doch nicht mein Problem" oder "Ich befasse mich mit so etwas nicht". Mein großes Anliegen ist es, ein Klima zu schaffen, das Männer dazu ermuntert, sexuelle Belästigung, als ihr ureigenes Thema zu betrachten und entsprechend zu handeln.

Dabei gilt: Je mehr Einfluss, Macht und Führungsposition Sie als Mann innehaben, desto mehr Verantwortung tragen Sie. Ob in der Familie, im Bekanntenkreis oder im Berufsleben, ob in den Medien, in der Politik oder im Sport, auf welcher Ebene Sie als Mann beruflich auch tätig sind, ich ermutige Sie dazu, Ideen zu sammeln, wie Sie Ihre Plattform dazu nutzen können, sexuelle Belästigung an Frauen / Mädchen zu thematisieren, und zwar mit dem Ziel, sie zu beenden oder zu vermeiden, z. B. durch Ansprechen von Männern und männlichen Jugendlichen und Kindern oder die Zusammenarbeit mit Frauen sowie Frauenrechtsorganisationen.

Um effektiv handeln zu können, ist es auch notwendig, dass Sie sich Wissen aneignen. Bitte setzen Sie sich mit dem Thema auseinander. Lernen Sie von Frauen, was sexuelle Belästigung konkret für diese bedeutet, welche Erfahrungen sie damit gemacht haben, wie häufig das Problem in ihrem Leben vorkommt und wo die Dynamiken und die Verhaltenmuster liegen, die zu sexueller Belästigung führen können.

Nachdem Sie sich über das Thema bewusst geworden sind und entsprechendes Wissen gesammelt haben, ist es unabdingbar, umgehend aktiv zu werden. Die Frage ist hier: Was können wir gegen sexuelle Belästigung tun? Eine Möglichkeit der Unterstützung ist es, dass Sie beginnen, sexistische Verhaltensweisen und Haltungen Ihrer Geschlechtsgenossen zu hinterfragen, anstatt bequem abzuwarten, bis Frauen dies selbst "erledigen". Es ist notwendig, frauenverachtende Aussagen zu unterbrechen und die Urheber dieser Aussagen zur Rede zu stellen und gegen solche Aussagen zu rebellieren.

Darüber hinaus ist es notwendig, dass Väter in der Erziehung ihrer Söhne, dafür Sorge tragen, dass folgende Punkte gelebt werden: sexuelle, psychische oder physische Gewalt an Frauen ist verachtenswert, unmännlich, unmenschlich sowie unakzeptabel und darf niemals toleriert, geschweige denn begangen werden. Eine rigorose Ablehnung sowie vehemente Bekämpfung von sexueller Gewalt gehört in jede angemessene männliche Haltung. Es gilt hier außerdem, die Frage zu beantworten, wie wir es schaffen, die gesellschaftlichen Normen dahingehend zu verändern, dass sie keine sexuelle Belästigung mehr produzieren können.

Sie sind gefragt beim Thema sexuelle Belästigung, meine Herren, denn vor jeder sexuellen Belästigung einer Frau steht immer die Entscheidung eines sexuell belästigenden Mannes. Bitte nehmen Sie Ihre Pflicht wahr - in der Familie, im Beruf, in ihrem Freundeskreis, ihrem Umfeld sowie in ihrem alltäglichen Leben.
Abschließend danke ich Ihnen, meine Herren, im Voraus dafür, dass Sie das Thema sexuelle Belästigung von Frauen bewusst zu Ihrem Thema machen und aktiv an der Abschaffung von Alltagssexismus mitwirken.

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Kommentare zum Beitrag

Martin Wagner
2.568
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 25.10.2014 um 09:42 Uhr
Danke für den informativen Artikel.

Im Großen und Ganzen klärt er nicht nur auf, sondern appelliert auch an die Männer.

Ich bin - wer öfters meine Kommentare liest wird sich daran erinnern - nicht so der Freund von Appellen. Genauer ich lehne sie nicht ab, aber ich halte diese bei der heutzutage sehr weit verbreiteten Ansicht "erlaubt ist Alles was nicht verboten ist" * bei vielen Zeitgenossen für rausgeschmissene Zeit.

Vor etwa 20 bis 15 Jahren (da war das Thema noch recht exotisch) kam ich auf eine neue Baustelle. Ein paar Kollegen pfiffen auf dem Bürgersteig vor der Baustelle vorüber gehenden Frauen nach. (Dürfte heutzutage nicht mehr so vorkommen.) Das bekam der Polier mit. Der kam sofort zu der Stelle brüllte die Kollegen an, dass sie das zu unterlassen haben. Nach ein paar Widerworten beendete er die aufkommenden Diskussion (er war gerade auf einem Rundgang mit der Bauleitung und hatte es deswegen eilig) dadurch, dass er darauf hinwies, dass dieses Verhalten zu einer Abmahnung (und bei mehrmalgiem Vorfall zu einer Kündigung führen kann).

Das ist mir sehr gut in Erinnerung geblieben, denn das war damals schon sehr ungewöhnlich. Ich habe mir das so zusammen gereimt, dass der Polier der Bauleitung gegenüber "etwas zu beweisen hatte". Aber egal, die Botschaft saß: Es wurde nicht mehr gepfiffen.

Liebe Artikeleinsteller: Auf dem Bau ging und geht es etwas rauher zu. Wer etwas erreichen will darf nicht bei Appellen stehen bleiben, sondern muss dafür Sorge tragen, dass nicht gewolltes Verhalten Strafe nach sich zieht.

* Beispiel dafür: Ich brauche nur kurz aus dem Fenster zu schauen und nach den vor dem Haus geparkten Autos schauen. Da wird nicht nur regelwidrig geparkt, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer gefährdend.

Die Stadt Giessen ist doch pleite. Sie sollte einmal überprüfen lassen, ob nicht ein paar Arbeitsstellen von Parküberprüfern sich lohnen (die nehmen mehr Ordnungsgelder ein - als die Leutchen kosten). Ist zwar sehr schade, aber anders ist wohl vielen Zeitgenossen nicht beizubringen, dass ihr handeln sozialverträglich sein muss.
Bernd Zeun
11.345
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 25.10.2014 um 10:40 Uhr
Ihr Kommentar, Herr Wagner, bringt etwas Leben in den abstrakt theoretisch gehaltenen Appell. Allerdings dürfte der Hinweis auf die regelwidrig geparkten Autos geeignet sein, gleich zu Anfang die Diskussion vom Thema abzubringen.

Was den Verein angeht, habe ich Zweifel, ob man viel von ihm hören wird, da er sich noch nicht mal im Profil mit ein paar Details zu seiner Arbeit und Zielen vorstellt und es reichlich Konkurrenz auf dem Gebiet Frauenrechte gibt.
100
Ladies´ Team aus Gießen schrieb am 25.10.2014 um 10:50 Uhr
Danke, meine Herren, für Ihre wertvollen und interessanten Kommentare. Ich werde mir beides zu Herzen nehmen, d. h. Ladies´ Team bei Gelegenheit auf dieser Plattform vorstellen, sowie Beispiele sexueller Belästigung beschreiben, die teilweise unfassbar sind. Hierzu reicht schon das, was ich erlebt habe und erlebe. Danke für Ihr Interesse.
Martin Wagner
2.568
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 26.10.2014 um 18:56 Uhr
Herr Zeun, vielleicht haben sie doch recht, wenn sie bezweifeln - so lese ich das heraus - dass mein Beispiel "Parkverhalten" ganz nahe am Thema ist.

Weil

1. ... das Beispiel vom Thema zu weit weg ist. Da habe ich nicht lang genug nachgedacht. Sicher wäre mir für meine Einschätzung ein thematisch näheres Beispiel eingefallen. (War halt für mich so einfach nur aus dem Fenster zu schauen.)

2. .... so ein Sternchen (als Fussnotenzeichen) offenbar zu einfach übersehen werden kann.
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