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Ausstellung am 7.12.2014: "zero one" - "free art"-Bilder von Bruno W. Reimann

Ausstellungsposter
Ausstellungsposter
Gießen | Bruno W. Reimann stellt am Sonntag, den 7. Dezember 2014 von 10 bis 22 h im Bürgerhaus Rodheim in Biebertal, Mühlbergstr.9, Bilder aus den letzten vier Jahren aus.
Zum Titel der Ausstellung:
Jedes abstrakte Bild beginnt an einem Nullpunkt, "zero", und will die Position "eins", "one", erreichen, gleichsam erstes und einzigartiges Bild sein.

Meine Bilder als "free art"

Ich bin 1967 durch den action painter K.R.H. Sonderborg (1923-2008) in Stuttgart zum action painting, also zum abstrakten Expressionismus gekommen und habe mich in meinen frühen Arbeiten erst einmal in dieser Richtung bewegt.
Wenn ich heute meine Bilder, vor allem die der letzten Jahre, betrachte, stelle ich fest, daß sie überwiegend immer noch abstrakt sind, aber auch nicht nur abstrakt. Sie sind eindeutig nicht figurativ. Sie sind nicht real, aber auch nicht gänzlich unreal, bewegen sich vielfach im "dazwischen" der Stile und Richtungen. Ähnlich wie in der Musik gibt es in der Malerei Fusionen, Überschneidungen, Vermischungen. Entsprechend der postmodernen Losung des "anything goes" ist ein Ende des Stilpurismus zu beobachten. Das eröffneten neue Freiheiten.
Botschaften enthalten meine Bilder nicht und solche sind auch nicht intendiert. Bilder sind weder ein Medium des Missionierens noch des Politischen. Sie sind auch nicht eindeutig und wollen es nicht sein. Sie konstruieren einen ästhetischen Raum und dieser ist ein "künst"licher, virtueller. Jedes Bild ist zugleich mehr und weniger als die Sprache. Für mich liegt der Sinn eines Bildes und meiner Bilder darin, daß sie opak und enigmatisch, also mehrdeutig sind, und das heißt: in diese oder jene Richtung entschlüsselt, ausgedeutet, subjektiv und polyperspektivisch gesehen werden können. Ein verbindlicher Sinn, eine leitende Idee oder was auch immer existiert nicht.
Ich subsumiere meine Bilder insgesamt unter dem Begriff "free art", den ich, durchaus in einer gewissen Analogie zum "free jazz", als erster gebrauche. Er bezeichnet den anarchischen, durch keine Konventionen gebundenen Freiraum der "neuen" Kunst. Dieser Freiraum ist nicht auf Chaos und Auflösung abonniert; er schließt als mögliche ästhetische Fälle beide ein: das Chaos und die Ordnung durch Struktur. "Free art" bindet sich an überhaupt nichts, sie definiert ihre eigenen Gesetze und hebt sie wieder auf. Stimmigkeit eines Bildes bezieht sich nur auf das Bild selbst und nicht auf eine wie immer auch geartete Tradition. "Free art" will alle Tradition hinter sich lassen und aus dem "Noch-Nicht" (Bloch) das Unvordenkliche, das Neue, Überraschende entbergen.

Ausstellungen in Kelkheim, Gießen, Sondershausen, Weimar, Biebertal, Königstein, Ingolstadt, demnächst Bad Berka

Ausstellungsposter
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"the day after" (aus der Serie "battlefields")
run, baby, run!
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every thing is broken (Bob Dylan)
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sanctus
stairways to heaven - tribute to led zeppelin
Die letzte Zitadelle
ein Bild aus dem Jahr 1967/68
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Kommentare zum Beitrag

H. Peter Herold
29.023
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 14.10.2014 um 09:10 Uhr
Mal schauen ob es Zeit hat Malwerke anzuschauen.
H. Peter Herold
29.023
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 14.10.2014 um 09:11 Uhr
Das System ist derzeit etwas langsam, oder bin ich nur zu ungeduldig. Es kommt zu Doppelkommentaren, die dann sinnvoll? geändert werden.
Martin Wagner
2.705
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 14.10.2014 um 09:32 Uhr
Der Name des Artikeleinstellers kommt mir irgendwie bekannt vor. Ist das nicht der linke Professor von der Uni Giessen, der seit ein paar Jahren in Rente ist?

Bekommt der so wenig Rente, dass er noch sein Einkommen mit Kunst aufbessern muss?

Also - das gebe ich offen zu - mir sagen die Farbkleckse überhaupt Nichts. Das sieht doch so aus, als hätte ein/e Dreijährige/r mit seinem Pinsel Farbe auf das Blatt tropfen lassen, das Blatt entweder gekippt (damit die Farbe verläuft) oder mit Wasser die Kleckse etwas ausgezogen.

Vielleicht kann mir ja ein schlauer Mitbürger erklären, warum so etwas Kunst sein soll.

Im Prinzip ist mir das ja egal, aber wenn das wirklich Kunst ist, dann kann das auch verkauft werden. Und wenn Prof. Reimann eine gute Rente vom Staat bekommt kann er das Geld aus dem Verkauf ja spenden. So macht das dann auch für mich Sinn.

(Wer Spenden braucht? Einfach mal ein paar Artikel hier in der Onlineausgabe anschauen ....)
H. Peter Herold
29.023
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 14.10.2014 um 09:35 Uhr
Hallo Martin, schau Dir doch mal seine Bilder im Original an. Ich habe vor 2 Jahren glaube ich war es, zufällig eine Ausstellung von ihm besucht. Ist hier in der Zeitung auch gelandet.
Bei abstrakten Bildern lese ich den Titel aber ich sehe meist etwas anderes in den Bildern, als der Maler. Aber eventuell ist das so gewollt. Sich eigene Gedanken machen.
Bruno W. Reimann
424
Bruno W. Reimann aus Gießen schrieb am 14.10.2014 um 09:39 Uhr
zu Martin Wagner: 1. ein Banause, 2. das meiste, was er schreibt, ist - pardon - einfach nur dumm!
Bernd Zeun
11.646
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 14.10.2014 um 12:30 Uhr
Ha, ha, zwei Künstler streiten sich. Bezeichnet doch Banause ursprünglich u. a. auch den Kunsthandwerker im alten Griechenland, der im Gegensatz zum "wahren" Künstler mit seiner Arbeit seinen Lebensunterhalt verdienen musste.

Martin Wagner möchte ich sagen, allerdings nicht, weil ich mich für einen schlaueren Mitbürger halte, dass ich es für völlig unerheblich halte, was ein Künstler sonst noch war oder ist, viele Künstler sind auf mehreren Gebieten hintereinander oder gleichzeitig aktiv. Kunst muss auch nicht gegenständlich sein. Es gibt ästhetische Kriterien, die die meisten Menschen ansprechen und die sie deshalb als schön empfinden. Ich nenne nur den Goldenen Schnitt oder die Wirkung von Kontrastfarben, die auch in abstrakten Bildern eine Rolle spielen. Ein Künstler kann aber auch bewusst aus intellektuellen Erwägungen heraus dagegen verstoßen. Kunst ist also vielschichtig und manchmal muss man sich halt ein bisschen damit beschäftigen. Das heißt nicht, dass sie einem gefallen muss, da sollte durchaus jeder seinem eigenen Geschmack folgen, was er sich an die Wand hängt und leisten kann, wobei der Preis auch nur sehr bedingt etwas über die künstlerische Leistung aussagt.

Persönlich wäre mir der digitale Zweck der Bilder zwar auch nicht offensichtlich gewesen, trotzdem sprechen mich zumindest einige Bilder, vor allem 9 und zehn, ästhetisch an.

Allerdings finde ich es etwas albern, auf einer Plattform wie dieser, die sich zwar Zeitung nennt, aber lediglich ein Forum ist, in dem jeder sich darstellen kann, von sich selbst in der dritten Person zu schreiben, wenn der eigene Name als Autor am Anfang steht und offensichtlich ist, dass hier in eigenem Interesse berichtet wird.
2.463
Gertraud Barthel aus Gießen schrieb am 14.10.2014 um 12:44 Uhr
Herr Reimann ist der Mensch, der die Gießener immer mal wieder geärgert hat, indem er sie mit ihrer nicht ganz so schönen Vergangenheit konfrontierte.
Mit Sicherheit malt er nicht, um seine Pension aufzubessern,
sondern vielleicht, weil er sich auch auf diese Weise ausdrücken
kann und vielleicht auch etwas zu sagen hat.
H. Peter Herold
29.023
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 14.10.2014 um 14:01 Uhr
Mein Kommentar von 09:35 Frau Barthel
Martin Wagner
2.705
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 15.10.2014 um 08:59 Uhr
Peter H. verwies in seinem Beitrag darauf, dass die Bilder wohl irgendetwas Abstraktes darstellen (sollen).

Jemand – wie ich, der dazu keinen Zugang hat (bzw. ihn auch nicht sucht) – der Abstraktes in der Kunst nicht versteht, als dumm zu bezeichnen halte ich für etwas überzogen.

Ich reime mir das so zusammen, dass der Herr Professor Bruno W. Reimann als er noch an der Uni im Bereich Gesellschaftswissenschaften lehrte tagtäglich Umgang mit Menschen, welche zumindest über Abitur und öfters wohl auch einem Hochschulabschuss verfügten Umgang hatte. Also Menschen – gerade in seinem Teilbereich – welche seit vielen Jahren an das abstrakte Denken (in Kategorien von These, Antithese und Synthese) gewohnt waren und was – das weis ich nicht aber ich vermute das jetzt einmal – und deren Anwendung der Professor auch von den Studenten an der Uni abverlangte.

Aber das ist nur ein Teil der alltäglichen Realität. Wie hoch ist denn der Anteil dieser Menschen an der Gesamtbevölkerung? Sicher weit unter der Hälfte. Alle anderen Menschen „brauchen“ diese Form der Realitätswahrnehmung und –verarbeitung nicht. Warum sollten sie dann solche Bilder „lesen“ können (oder von mir aus auch warum sollen sie sich die Mühe machen diese Fertigkeit beizubringen)?

Ich finde es schon etwas gewagt von Herrn Professor Reimann mal so auf die Schnelle mich in die Kategorie „dummer Schwätzer“ zu schieben.

Lustigerweise trifft das – so meine Eigeneinschätzung - auch deswegen nicht zu, weil ich mich was technische Dinge betrifft als durchaus so einschätze, dass ich bestimmte Sachverhalte in abstrakter Form darzustellen in der Lage bin. In meinem Verwanden- und Freundeskreis ist es allgemein bekannt, dass ich seit Jahren keiner bezahlten Arbeit mehr nachgehen kann. Deswegen kommen ab und an Anrufe so nach dem Motto: Martin du hast doch Zeit, wir müssten bei uns …..! Ich also mit Zettel und Bleistift los und mir einmal anschauen, ob ich bei der Behebung des baulichen Problems helfen kann.

Schnell ist mittels einer Freihandskizze in Draufsicht, Seiten-, Vorderansicht und (2 bis 4) Schnitten „meine“ Lösung dargestellt. Immer wieder wundere ich mich dann, dass die Verwandte und Freunde mit den Skizzen wenig anfangen können. Sie * schaffen es nicht aus den verschiedenen Ebenen sich die von mir vorgeschlagene Lösung sich vorzustellen. Mit anderen Worten. Da fehlt die Fähigkeit technisch abstrakt zu denken. Treffe ich auf dieses Phänomen, dann wird es für mich schwierig, denn ich kann nicht so gut etwas dreidimensional zeichnerisch auf das Papier bekommen.

Für mich ist die Anfertigung der Skizzen kein Problem, das habe ich vor knapp 45 Jahren in der Berufsschule gelernt (und über die Jahre immer wieder das Wissen abgerufen). Den „Schlauen“ müsste das eigentlich auch keinerlei Probleme bereiten, da das ein Teilbereich der darstellende Geometrie ist und diese immer Bestandteil der Unterrichtspläne vor dem Abitur war und ist. Wahrscheinlich wurde das erworbene Wissen irgendwann vergessen, weil es nicht benötigt wurde.

Fazit:
Es ist nicht so einfach die Grenze zwischen jene, welche Abstraktes verstehen und denen die es nicht können mit der Grenze zwischen „dummen“ und „schlauen“ Menschen zu beschreiben.

Die Welt ist nun einmal nicht so eindimensional. Sie ist weitaus komplizierter.

* Und das sind dann Öfters Menschen mit Abitur und abgeschlossenem Hochschulstudium. Also wahrscheinlich gerade die Menschen, welche ohne Probleme die Bilder von Professor Reimann verstehen.
Bernd Zeun
11.646
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 15.10.2014 um 09:57 Uhr
Wie es in den Wald hineinruft, so schallt es heraus. Herr Wagner, wenn Sie die Bilder Herrn Reimanns wie in Ihrem ersten Kommentar als Gekleckse abtun, brauchen Sie sich über eine entsprechende Reaktion nicht zu wundern. Sie sagen, Sie haben keinen Zugang dazu, das ist in Ordnung. Warum haben Sie es nicht in Ihrem ersten Kommentar dabei belassen, statt sich auch noch in unsachlichen Spekulationen zur Person Herrn Reimanns zu ergehen?
H. Peter Herold
29.023
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 15.10.2014 um 11:23 Uhr
Ich habe auch kein Abitur und trotzdem schaue ich mir Bilder, Gemälde an. Abstraktes weniger, bin eher für Gegenständliches.
Aber jeder so wie er kann und will. Herr Reimann sieht das ev. anders. Mir egal.
Bruno W. Reimann
424
Bruno W. Reimann aus Gießen schrieb am 15.10.2014 um 14:12 Uhr
Ich will hier etwas klar- bzw. richtigstellen. Wenn einer die von mir produzierten Bilder nicht mag - okay, damit kann ich leben. Meine Reaktion bezog sich auf das "Renten"-Argument, ich würde Bilder malen, um meine "Rente" aufzubessern. Das ist schlicht "simple minded", die Vorstellung, daß Leute nur etwas machen, um Geld zu verdienen. Und ein "Banause" (nicht im griechischen, aber im Sinne des Alltagssprachgebrauchs) ist einer, der sich nicht die Mühe macht, irgendetwas zu verstehen, was außerhalb seines Horizonts liegt und einfach draufhaut.

Überhaupt: die ganze Bemerkung des Herrn Wagners ist in einem abfälligen Ton gehalten. Ich weiß nicht, welche Probleme der mir nicht bekannte Zeitgenosse mit mir hat!
Martin Wagner
2.705
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 16.10.2014 um 08:35 Uhr
Prof. Reimann schrieb:

„(…) Meine Reaktion bezog sich auf das "Renten"-Argument, ich würde Bilder malen, um meine "Rente" aufzubessern. Das ist schlicht "simple minded", die Vorstellung, daß Leute nur etwas machen, um Geld zu verdienen. (…)“

An dem Argument ist was dran.

Herr Zeun hat das so formuliert: „(…) Martin Wagner möchte ich sagen (…) dass ich es für völlig unerheblich halte, was ein Künstler sonst noch war oder ist, viele Künstler sind auf mehreren Gebieten hintereinander oder gleichzeitig aktiv. (…)“ und Frau Barthel schreibt dazu „ (…) Mit Sicherheit malt er nicht, um seine Pension aufzubessern, sondern vielleicht, weil er sich auch auf diese Weise ausdrücken
kann und vielleicht auch etwas zu sagen hat. (…)“

Ich denke ich habe beim Schreiben meines ersten Kommentars zu wenig bedacht, dass halt Professoren „in einer anderen Welt“ leben als wir Arbeiter. (Ich persönlich kenne keinen Arbeiter der ein Kunstwerk (was immer das auch ist) schafft um nur damit „sich auszudrücken“. Wer Zeit und Material investiert will auch dafür „Kohle sehen“.)

Professor Reimann, wenn ich ihnen mit der Renten - Geschichte zu nahe getreten bin möchte ich mich dafür entschuldigen.

Nachtrag: Aber vielleicht können sie doch meinen Vorschlag den Erlös des Verkaufs der beworbenen Kunstwerke zu spenden aufgreifen. Ich kann sie ja politisch nicht genau verorten. Aber es wird doch ein Spendenprojekt zwischen „Waffen für die bedrängten Kurden“ und „Eins mehr für die Giessener Tafel“ geben, was ihren Ansichten entspricht. Wenn sie von den ausgestellten Werken 10 verkaufen und so im Schnitt 80 Euro pro Bild bekommen (die Kosten für die Ausstellung dann abziehen), dann sind da doch 600 Flocken drin. Das dürfte dann für eine Knarre für die Kurden oder für 600 500gr.-Magarine-Becher für die Giessener Tafel reichen.

Prof. Reimann schrieb:

“(…) Überhaupt: die ganze Bemerkung des Herrn Wagners ist in einem abfälligen Ton gehalten. Ich weiß nicht, welche Probleme der mir nicht bekannte Zeitgenosse mit mir hat! (…)“

Verstehe ich nicht so ganz.

Bei Arbeitern wird Klartext geredet. Im Kommentar habe ich mich sprachmässig doch zurück gehalten. Unter uns Arbeitern reden wir ganz anders. Aber sicher haben sie Recht Herr Reimann, dass hier in der Online-Ausgabe der GZ jeder Bürgerreporter den anderen Reporter in angemessener Form gegenübertreten soll.

Professor Reimann, wenn ich ihnen mit dem Ton meines Kommentars zu nahe getreten bin möchte ich mich dafür entschuldigen.
2.463
Gertraud Barthel aus Gießen schrieb am 16.10.2014 um 09:54 Uhr
Schön, dass Sie sich entschuldigen, Herr Wagner. Sie sind ja auch nicht dumm, haben allerdings etwas sehr Dummes gesagt.
Und noch etwas: Was mich wirklich deprimiert, wenn ich einen
Beitrag von Ihnen lese, ist Ihre absolut eindimensionale Weltsicht, und Ihr Klassendenken von vorgestern.
Ob Akademiker oder Arbeiter, wir gehören alle nicht der "herrschenden" Klasse an, und jeder, ob mit oder Abitur, hat die
Chance, aus einem breiten Kulturangebot das auszusuchen, was
ihm gefällt. Sie wollen doch nicht etwa behaupten, Arbeiter hätten außer ihrer Arbeit keine Interessen ? Oder seien zwangsläufig ungebildet? Oder dass es nicht auch ungebildete
Akademiker gibt?
Bruno W. Reimann
424
Bruno W. Reimann aus Gießen schrieb am 16.10.2014 um 10:06 Uhr
Herr Wagner, das ist jetzt schon okay. Sie haben sich einfach ungeschickt verhalten! Lassen Sie mich etwas hinzufügen: Sie machen sich völlig falsche Vorstellungen über den Verkauf von Bildern in dem Kleinkunstbereich. Die meisten Leute kaufen sich, wenn überhaupt, Toscana-, Katzen-, Blumen-, Dorfidyllbilder, Bilder von Sonnenuntergängen an der Ost- und Nordsee etc. Zu verdienen gibt es bei nichtgegenständlichen Bildern fast überhaupt nichts. Ich zeige meine Bilder auch nicht aus ökonomischen Gründen, sondern weil mich die Reaktionen der Menschen interessieren. Den Kontakt mit Menschen ist das wichtige für mich. Kaum einer malt Bilder, um sie unters Bett zu legen!
Karl-Ludwig Büttel
3.855
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 16.10.2014 um 10:09 Uhr
Sehr schön geschrieben Frau Barthel. Ich kenne Zimmerleute und Schreiner die in ihrer Freizeit sich in Kunst üben. Eine Krankenschwester Kollegin malt auch und stellt aus. Nicht um Geld zu verdienen auch wenn sie es vielleicht gebrauchen könnten sondern um sich und ihre Gedanken mitzuteilen. Auch Arbeiter können kreativ sein. Ich bin auch ein absoluter Gegner dieses Klassenquatsches. Das ist wie sie richtig schreiben eine Denke von Vorgestern.
Michael Beltz
7.760
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 17.10.2014 um 13:17 Uhr
Ja, Herr Büttel, ich war sogar Klassenlehrer!
Karl-Ludwig Büttel
3.855
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 17.10.2014 um 14:24 Uhr
Das sind Sie doch heute auch noch, zumindest versuchen Sie es.
Stefan Walther
4.850
Stefan Walther aus Linden schrieb am 17.10.2014 um 23:25 Uhr
ich mach`s kurz Herr Reimann: dass Einer Ihre Bilder nicht mag, damit können Sie leben... ja, das müssen Sie wohl oder übel tun :-))

Ich kann auch wenig damit anfangen, mein Problem, werden Sie evt. antworten... trotzdem die Frage, für mich ist das auch bei der "Kunst" keine nebensächliche Sache = was wollen Sie uns / dem Betrachter mit Ihren Bildern sagen / vermitteln? Kunst / Bilder, nur "Geschmacksache"? Sehe ich anders, "Kunst um der Kunst willen", für mich völlig überflüssig... klar, auch wieder "mein Problem", mag sein ... :-))
Bruno W. Reimann
424
Bruno W. Reimann aus Gießen schrieb am 18.10.2014 um 08:35 Uhr
zu Herrn Stefan Walther: Ich kommuniziere in meinen Ausstellungen mit interessierten Besuchern über meine Bilder. Ansonsten interpretiere ich sie nicht! Warum auch?
2.463
Gertraud Barthel aus Gießen schrieb am 18.10.2014 um 12:31 Uhr
Kunst mit einer eindeutigen Aussage und einem ebensolchen Zweck wäre nicht mehr Kunst sondern Propaganda.
Wäre das nach Ihrem Geschmack, Herr Walther?
Stefan Walther
4.850
Stefan Walther aus Linden schrieb am 18.10.2014 um 19:32 Uhr
Mein Geschmack Frau Barthel? Ja, auch die Kunst sollte - meiner Meinung nach - eine klare Aussage haben.... und davon gibt es jede Menge... und trotzdem ist es "Kunst", für Sie vielleicht nicht, für die "Künstler" schon. Eine "neutrale" Kunst gibt es auch gar nicht...
Bernd Zeun
11.646
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 18.10.2014 um 21:34 Uhr
Eine klare Aussage hatten z.B. auch die antisemitischen Zeichnungen im "Stürmer", Stefan. Da wäre ich doch sehr vorsichtig, das zum Kunstkriterium zu machen.
Stefan Walther
4.850
Stefan Walther aus Linden schrieb am 18.10.2014 um 21:37 Uhr
Ach Bernd, was soll der Blödsinn? Habe ich geschrieben, dass ich jede Kunst für gut befinde wenn sie eine klare Aussage hat? Eine klare Aussage kann auch eine schlechte Aussage sein, das dürfte doch unstrittig sein!

Nur, eine Kunst / ein Bild ohne Aussage, damit kann ich nichts anfangen. Das war das Einzige was ich deutlich machen wollte!
Bernd Zeun
11.646
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 18.10.2014 um 21:55 Uhr
Das habe ich dir auch nicht unterstellt, dass du JEDE Kunst mit einer Aussage gut befindest. Aber du hast gesagt, jede Kunst SOLLTE eine Aussage haben, und ich finde, das muss sie nicht. Auch wenn mir John Heartfields Graphiken gefallen, um auch einen Gegenpol zum Stürmer zu setzen, für Kunst genügen meiner Meinung nach auch rein aesthetische Kriterien.
Stefan Walther
4.850
Stefan Walther aus Linden schrieb am 18.10.2014 um 22:07 Uhr
In Ordnung Bernd, danke für die Klarstellung!

Was den "Kunstbegriff" angeht, da sind wir dann halt unterschiedlicher Ansicht...
Bernd Zeun
11.646
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 18.10.2014 um 22:14 Uhr
@ Herr Reimann: Leider haben Sie die Bilder in der Galerie zu diesem Beitrag "umgehängt" bzw. Bilder ausgetauscht, deshalb, nur dass niemand einen falschen Eindruck von meinem Geschmack bekommt, gelten damit meine Bemerkung zu den Bildern 9 und 10 aus meinem ersten Kommentar nicht mehr und weitere Geschmacksäußerungen meinerseits unterlasse ich deshalb besser.
2.463
Gertraud Barthel aus Gießen schrieb am 18.10.2014 um 23:14 Uhr
Sie werden wahrscheinlich nie verstehen, was Kunst ist. Ist ja auch nicht weiter schlimm, nur, was Sie nicht verstehen, ist deshalb noch lange nicht überflüssig.
Martin Wagner
2.705
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 19.10.2014 um 07:00 Uhr
Werner Tübke zählt bei manchen Mitbürgern ja als Staatskünstler der DDR. Keine Ahnung, ob dessen Bauernkriegspanorama in Bad Frankenhausen bei Kunstkennern eher in die Rubrik Propaganda oder in die Rubrik Kunst oder in beide Rubriken einzuordnen ist. Eigentlich interessiert mich das wenig, denn – als ich vor ein paar Jahren in der Region von Bad Frankenhausen war – ich habe mir das Panorama angeschaut und die gegenständliche Malerei hat mir etwas gesagt. Ich bin schlauer aus dem Gebäude gekommen, als ich hinein gegangen bin. Der Eintritt hat sich gelohnt.

Wenn Menschen an ästhetischen Dingen Spaß und Freude haben dann ist das sicher (auch) gut, aber ich verstehe nicht was an Ästhetik lehrreich sein soll. Was mann / frau dabei doch lediglich lernen kann ist, dass der Arbeiter das für schön empfindet und der Bürgerliche das. Gut das ist auch eine Erkenntnisgewinn, aber doch eher ein banaler.

Beim Panorama – daran kann ich mich heute noch erinnern, aber es gab noch mehr Erkenntnisse – habe ich zum Bespiel gelernt, dass Müntzer nicht als ein einzelnes aus seine Zeit zu verstehendes geschichtliches Phänomen zu sehen ist, sondern so etwas wie eine Ahnenreihe der revolutionären geschichtlichen Gestalten aufstellbar ist, weil nur derjenige im Gedächtnis der Unterdrückten Bestand haben kann, der es versteht die (teilweise diffusen) Stimmung der Massen der Unterdrückten zu formulieren. (Das dürfte Stefans Ansatz: Von den Massen lernen ... recht nahe kommen ...).

Details zu Tübke:

„1976 wurde Werner Tübke vom Kulturministerium der DDR mit einem der größten Kunstprojekte des 20. Jahrhunderts beauftragt. Zu Ehren von Thomas Müntzer und in Erinnerung an die Schlacht bei Frankenhausen sollte unter seiner Leitung ein monumentales Panoramagemälde für eine Gedenkstätte auf dem Schlachtberg bei Bad Frankenhausen entstehen. Dort wurden Müntzers letzte Mitstreiter endgültig von einem Adels- und Landsknechtsheer niedergeschlagen, und dort sollte auch an das Vermächtnis der Aufständischen erinnert werden. Allerdings konnte er seine Vorstellungen gegen den Auftraggeber durchsetzen. Er schuf kein herkömmliches Schlachtengemälde, sondern einen historisch-philosophischen Bilderreigen für eine ganze Epoche.“

Quelle:
http://de.wikipedia.org/wiki/Werner_T%C3%BCbke
Bruno W. Reimann
424
Bruno W. Reimann aus Gießen schrieb am 19.10.2014 um 08:24 Uhr
Da bei einem Diskutanten (Herrn Wagner als Vertreter der Arbeiterklasse, aber nicht nur bei diesem) im Hintergrund eine Supertheorie virulent ist, die meint, alles erklären und den richtigen Weg weisen zu können, habe ich mich doch entschlossen, den Anfang eines Essays zu posten, den ich in den 70er Jahren geschrieben habe und in dem es um den Terror der Vernunft geht. Meine These war und ist: der Terror, der in allen Gesellschaften, die sich unter das Banner von Marx stellten, gründet in Schwachstellen der Theorie von Marx selbst. Nicht leicht lesbar der Essay "Sein als Sollen". Wer will, dem schicke ich den ganzen Essay zu. Man kann heute auf der linken Seite nicht so tun, als sei nichts gewesen und der Terror von Stalin, Mao, den Roten Khmer u.a. gründe nur in Akzidientien, historischen Zufälligkeiten.
Bruno W. Reimann
424
Bruno W. Reimann aus Gießen schrieb am 19.10.2014 um 08:43 Uhr
erratum: es muß im zweiten Satz heißen: "der Terror, der in allen Gesellschaften, die sich unter das Banner von Marx stellten, zu beobachten ist, gründet (usw.)"
Michael Beltz
7.760
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 19.10.2014 um 10:47 Uhr
Kunst hatte in früheren Zeiten schon zu klaren Aussagen gefunden. Erlebnisse/Erfahrungen, Im Mittelalter religiöse Motive/Hinwendung zu Gott (Musik J.S. Bach), in der Zeit der Aufklärung wurde nach Fortschritt oder Unabhängigkeit gesucht, Picasso hat neben seinen Spaßbildern Position bezogen zum Bürgerkrieg in Spanien usw.
Wenn heute individuelle Empfindungen durch Kunst ausgedrückt werden sollen, die schließlich ebenso nicht vom gesellschaftlichen Zustand zu trennen sind, dann ist das "zeitgemäß" und jedem überlassen, was er empfindet.
Ich verstehe manches auch nicht und halte dann den Mund. Man könnte mal über die DOKUMENTA diskutieren. Was dort ist Kunst, was dient völlig anderen Zwecken?
Herr Prof. Reimann, wenn ich Zeit finde, komme ich nach Biebertal. Wo das Bürgerhaus steht, weiß ich noch.
Bruno W. Reimann
424
Bruno W. Reimann aus Gießen schrieb am 19.10.2014 um 12:22 Uhr
Ad Reinhardt (amerikanischer Maler und Kunsttheoretiker, 1913-1967):
„Das eine, was sich über Kunst sagen läßt, ist, daß sie eines ist. Kunst ist Kunst-als-Kunst, und alles andere ist alles andere. Kunst-als-Kunst ist nichts als Kunst. Kunst ist nicht, was nicht Kunst ist. Der eine Gegenstand von fünfzig Jahren abstrakter Kunst, ist Kunst-als Kunst vorzustellen, und als nichts anderes, aus ihr nur das eine zu machen, das sie ist, indem man sie mehr und mehr absondert und definiert, sie reiner und leerer macht, absoluter und ausschließlicher – nicht-gegenständlich, nicht-darstellend, nicht-figurativ, nicht-imagistisch, nicht-expressionistisch, nicht-subjektiv. Der einzige und eine Weg, zu sagen, was abstrakte Kunst ist, liegt darin zu sagen, was sie nicht ist.“
Michael Beltz
7.760
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 19.10.2014 um 15:20 Uhr
Also, Herr Prof Reimann, was dieser Ad Reinhardt sagt, kann mich nicht überzeugen. Mir erscheinen derartige "Gedanken" als intellektuelle Wortspielerien, die sich der Sinnentleerung hingeben. L´art pour l´art ist ein nicht ganz neuer Standpunkt. Dieses "Kunst ist Kunst" wird auch gerne auf der Documenta verwendet.
"Ästhetik der Unterwerfung" von Werner Seppmann ist ein sehr interessantes Buch zum Thema. Allerdings aus marxistischer Sicht. Für mich ist die Sprache ein wenig zu anspruchsvoll. Trotzdem empfehlenswert.
Stefan Walther
4.850
Stefan Walther aus Linden schrieb am 19.10.2014 um 22:15 Uhr
Wie Sie meinen Frau Barthel, Hauptsache Sie glauben verstanden zu haben was Kunst ist... ist auch nicht weiter schlimm, kann ja jede(r) glauben, dass er/sie recht hat :-))
Das "sterbenslangweiligste" Frau Back? Nichts ist weniger langweilig als das reale Leben, als eine Kunst, die sich daran orientiert... "sterbenslangweilig" ist für mich nichtsaussagende, so genannte "Kunst"! So sind die Ansichten verschieden...

Herr Reimann was hat Sie denn geritten? Um was geht es Ihnen hier eigentlich? Wollen Sie den strammen Antikommunisten spielen? "Der Terror der Vernunft" in allen ehemals sozialistischen Staaten ?
Ad Reinhard ist doch gar nicht so schlecht = Kunst zum Selbstzweck, Kunst der Herrschenden, Kunst zur Erhaltung des Status quo.... und was sie nicht ist = von Nutzen!
Stefan Walther
4.850
Stefan Walther aus Linden schrieb am 19.10.2014 um 23:01 Uhr
Sie haben mir doch schon Ihre Antwort auf meine Meinung gegeben Frau Back, auf was wollen Sie denn jetzt noch gespannt sein?
Im Gegensatz dazu haben Sie noch nicht dargestellt was Sie unter Kunst verstehen, nur zu verstehen gegeben was Sie "sterbenslangweilig" finden ( das was für mich "Kunst" ist ). Okay? Und bitte nicht nur Fragen/Gegenfragen stellen, Sie wissen doch, dass ich dann relativ schnell nicht mehr reagiere :-))
Stefan Walther
4.850
Stefan Walther aus Linden schrieb am 19.10.2014 um 23:43 Uhr
"Ich verstehe unter Kunst die Auseinandersetzung mit einem Thema auf bildnerischer, textlicher oder darstellerischer Ebene, gekoppelt mit einer wie auch immer gearteten Vision und einem eigenen Stil, den Willen zum Ausdruck, einem sich-selbst-in-Beziehung-setzen zum eigenen Werk, einer ästhetischen Idee und den praktischen Fähigkeiten zur Umsetzung derselben."
Etwas kompliziert für mich ausgedrückt... aber gar nicht so weit weg von meiner Sichtweise = die Auseinandersetzung mit einem Thema, das wäre z.B. ein wichtiger Punkt für mich. Dass der Künstler sich mit dem eigenen Werk identifiziert, das versteht sich doch von selbst!? Nun, die ästhetische "Idee", das ist mir etwas theoretisch, aber sicher, man sollte auch wissen was man vorhat.... über die praktischen Fähigkeiten zur Umsetzung, da gehen evt. die Meinungen dann manchmal auseinander.
Darüber hinaus? = "die wie auch immer geartete Vision" muss aus meiner Sicht für den Betrachter/Leser/Zuschauer... klar ersichtlich sein, es sollte keine unterschiedlichen Interpretationsmöglichkeiten geben. Ja, diesen Anspruch stelle ich an "Kunst", dies dürfte auch im Interesse des Künstlers sein, er sollte doch ein Interesse daran haben, dass seine Vision auch verstanden wird und er mit seinem Werk Überzeugungsarbeit leisten kann...
( besser kann ich es nicht ausdrücken, ich denke Sie verstehen was ich meine und auf was ich damit hinaus will )
Bernd Zeun
11.646
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 20.10.2014 um 00:06 Uhr
Da würde ich jetzt gern mal wissen, Stefan, wo du z.B. surreale Kunst einordnest. Sie ist weder abstrakt noch "real", über die Vision ist sich der Künstler evtl. nicht mal selbst im klaren, handwerklich aber u.U. meisterhaft.

Der Definition Frau Backs stimme ich im Prinzip zu, allerdings stehen wir damit wieder am Anfang, da das Ergebnis dieser Auseinandersetzung ja wieder die Frage zulässt, ist das nun Kunst oder nicht?

Ich kann mir nicht helfen und muss mal wieder den alten Augustinus rauskramen. Wenn mich keiner danach fragt, weiß ich es, wenn ich es erklären soll, weiß ich es nicht, auch wenn der es nicht auf die Kunst angewandt hatte.
Martin Wagner
2.705
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 20.10.2014 um 09:53 Uhr
Mir sei kurz erlaubt auf das in meinem letzten Kommentar gebrachte Beispiel (Bauernkriegpanorama von Tübke) zurück zu kommen.

Auch wen zu erwarten ist, dass der Auftraggeber (wer bestellt - der bezahlt auch und will für sein Geld das bekommen was er bestellt hat ...) hier eindeutig Interesse daran hatte, dass seine Sicht der Dinge zum Ausdruck kommt (mir egal, ob das mit Propaganda oder Werbung zu bezeichnen ist ...) so hat der Künstler wohl sich bei Auftragsannahme den Freiraum garantieren lassen, dass ihm die Deutungshoheit seines Werkes erhalten bleibt (er will ja nicht, dass seine Botschaft missverstanden wird).

Ja Deutungshoheit mag vielleicht etwas wohlwollend klingen, aber Tübke war clever genug seine Vorstellungen so auf die Leinwand zu bekommen, dass eine Umdeutung seines Werkes (in diesem Falle durch den Staat / dem Auftraggeber dem die ganze Richtung nicht passte ...) nicht möglich war.

Hier wird nach einer Definiton von Kunst gefragt. Sicher ist es viel zu kurz gegriffen, aber bei mir im Vordergrund steht da eher ein recht eingeschränkte Definition: Kunst ist Alles das was der Künstler versteht als solche auf einem Markt zu verkaufen*. Inhaltliche, ästhetische und andere Kriterien gibt es sicher, sind aber so diffus, dass sie nicht benannt werden können.

* Ich halte es für ein Märchen, dass Menschen nur aus Sendungsbewusstsein heraus handeln. Jeder Mensch hat (zumindest immer mit dabei) das Interesse seine "Schäfchen ins Trockene zu bringen". Dabei meine ich nicht nur Geld zu verdienen, sondern auch immaterielle Werte (wie zum Beispiel lokal bekannt zu werden .... oder in die Lokalgeschichte einzugehen ....) zu realisieren. Ich will das keinesfalls verteufeln, aber es nervt mich, wenn so getan wird, als wären nur "edle Beweggründe" am Werk.
Michael Beltz
7.760
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 20.10.2014 um 10:04 Uhr
Es gibt "Künstler", die haben 10 bis 20 Angestellte/Helfer/Handwerker hinter sich, die nach einigen Srtichworten das "Meisterwerk" ausführen. Der Iniator, der von Geldgebern über die Medien bekannt gemacht wurde, stellt sein "Werk" der Öffentlichkeit vor. Sandhaufen, Honigleitung, aufeinandergestapelte Stühle, rostige Metallteile bis hin zur Umhüllung des Reichstages.
Das alles hat nichts mit Emotionalität, persönlichen Empfindungen, Darstellung des Lebens, Entwicklung von Mensch und Materie zu tun. Was also soll das? Ich denke, damit soll abgelenkt werden vom Dasein der Menschen, ihren Hoffnungen und Ängsten, ihrer Erfahrung, ihren Auseinandersetzungen eben mit dem Leben.
Meine Kritik zielt hier nicht auf Prof. Reimann ab, dem ich einfach mal zuhören werde.
Bruno W. Reimann
424
Bruno W. Reimann aus Gießen schrieb am 20.10.2014 um 10:05 Uhr
Danke, Herr Wagner, für die psychologische Aufklärung, daß Menschen, die etwas machen, Motive und Motivationen haben. Das hat bisher noch keiner gewußt! Ich sage aber: es ist toll, daß Menschen überhaupt etwas machen, was zu einer Form, sei es Bild, sei es Essay, sei es Buch führt, als daß sie nichts anderes machen als ewig naseweis rumzuschwätzen!!
2.463
Gertraud Barthel aus Gießen schrieb am 20.10.2014 um 10:06 Uhr
Ein Vorschlag: Fahren Sie doch mal nach Köln und sehen sich das Fenster von Gerhard Richter an.
Übrigens, Herr Merz: Auch die sakrale Kunst kann vieldeutig sein.
Es gibt ja auch recht erotisch wirkende Madonnen.
Aber vor Allem: Es kommt auf die Perspektive des Betrachters an.
Wer nicht in einer christlich geprägten Gesellschaft aufgewachsen ist, wird vieles ganz anders interpretieren.
Beispiel: Die Studie von Navid Kermani zu einer Darstellung der Kreuzigung von Guido Reni.
Martin Wagner
2.705
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 20.10.2014 um 10:40 Uhr
Herr Reimann sie schrieben: "(...) .... als daß sie nichts anderes machen als ewig naseweis rumzuschwätzen!! (...)"

Ich denke ihr Halbsatz hat vier zentrale Aussagen.

1.
... Schwätzen anstatt etwas Substanzielles zu sagen ...

Ansichtssache - darüber lässt sich schwer streiten

2.
... der Wagner wiederholt sich ...

okay - bitte im Detail darauf hinweisen - kann schon mal vorkommen

3.
... naseweis = vorwitzig ...

Werturteil - darüber lässt sich schwer streiten

4.
... ewig ...

Diese Einschätzung hat etwas für sich und zwar in dem Sinne, dass meine Kommentare im Gegensatz zu den anderen in der Kolonne umfänglicher sind. Gegebenenfalls ohne damit "mehr" zu sagen. Ich finde das etwas frech mir das "unter die Nase zu reiben". Wer ist denn jahrzehntelang an der Universität gewesen (und beherrscht die Kunst sich kurz zu fassen) und wer nicht?
2.463
Gertraud Barthel aus Gießen schrieb am 21.10.2014 um 14:11 Uhr
Was die bildende Kunst betrifft, ist es so, das es zwar eine kleine Minderheit von Künstlern sehr viel Geld verdient, eine weitaus größere Anzahl kommt mehr oder weniger gut über die Runden,
und eine große Mehrheit ist gezwungen, noch einen "Brotberuf" auszuüben. Wer Kunst macht, tut es, bis auf wenige Ausnahmen, aus innerem Bedürfnis und aus Überzeugung heraus.
Dennis Schumann
6
Dennis Schumann aus Wettenberg schrieb am 07.12.2014 um 19:07 Uhr
Also ich war heute mit Frau und Tochter auf dieser Ausstellung, uns haben die Kunstwerke sehr gut gefallen. Noch mehr hat uns gefallen, daß wir mit dem Künstler auch mal ins Gespräch gekommen sind, das ist ja leider nicht der Normalfall.

Daß Herr Reimann ein streitbarer Mensch ist, macht ihn in meinen Augen noch sympathischer.
Michael Beltz
7.760
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 08.12.2014 um 10:27 Uhr
Ich war ebenfalls dort. Wichtig für mich waren zusätzlich die Gespräche, vor allem mir Prof. Reimann.
Stefan Walther
4.850
Stefan Walther aus Linden schrieb am 08.12.2014 um 21:00 Uhr
Vielleicht bin ich jetzt ja zu neugierig? = um was ging es denn in den Gesprächen, und was war da "wichtig" ( ich will keineswegs sagen, dass die Gespräche unwichtig gewesen seien - ich war ja nicht dabei..., aber so wie die letzten beiden Kommentare hier stehen, so sagt das nichts aus )
Michael Beltz
7.760
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 09.12.2014 um 12:24 Uhr
Es waren Gespräche über seine Bilder, politische Bezüge und über andere politische Fragen. Es gab Übereinstimmungen und unterschiedliche Auffassungen, die ich hier aus Gründen der Fairnes nicht benennen will. Sonst hätte ich in allen Fragen recht.
Bruno W. Reimann
424
Bruno W. Reimann aus Gießen schrieb am 22.02.2015 um 10:33 Uhr
eine Freundin schrieb nach dem Besuch der Ausstellung am 14.12.2014: "Deine neuen Bilder haben uns sehr berührt! Habe heute die Fotos davon E. gezeigt. Er fand sie auch sehr gut, leider kommen sie natürlich live besser zur Geltung. Ihn hat auch Dein Text beeindruckt. Es war also eine Bereicherung für uns. Danke Dir!"
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von:  Bruno W. Reimann

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Bruno W. Reimann
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