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Wecker klingelt acht Minuten zu spät

Marburgs Finja Schaake (rechts, hier gegen Stina Barnert) bestritt in Saarlouis ihr 100. Bundesliga-Hauptrundenspiel. (Foto: M. Schneider / op-marburg.de)
Marburgs Finja Schaake (rechts, hier gegen Stina Barnert) bestritt in Saarlouis ihr 100. Bundesliga-Hauptrundenspiel. (Foto: M. Schneider / op-marburg.de)
Gießen | 1. Damen Basketball Bundesliga:
TV Saarlouis Royals – BC Pharmaserv Marburg 70:63.


Drei gute Viertel reichten dem Pharmaserv-Team nicht. Nach völlig verschlafenem Beginn mussten sich die Marburger Erstliga-Basketballerinnen am dritten Spieltag zum zweiten Mal geschlagen geben.

Die rund 700 Zuschauer sahen zwei unterschiedliche Halbzeiten. Den allermeisten unter ihnen gefiel dabei das Auftaktviertel am besten. Die etwa 35 mitgereisten BC-Fans schwärmten dagegen für den dritten Durchgang. Doch der Reihe nach.

Die Gäste verschliefen den Start in die Partie völlig. „Wir waren immer einen Schritt zu spät, haben viel zu viele offene Würfe zugelassen“, ärgerte sich BC-Trainer Patrick Unger über die Fortsetzung der Schwächen aus dem Rotenburg-Spiel zwei Tage zuvor.

Der BC brauchte zu lange, um in Wurfposition zu kommen. Und die wenigen wirklich freien Chancen wurden nicht konsequent genug genutzt. Die Royals dagegen nahmen die Marburger Verteidigung immer wieder spielerisch leicht auseinander. Im Rebound überlegen und im Abschluss fast fehlerlos lag der Pokalfinalist nach acht Minuten mit 18:4 vorn.

Als hätte jetzt erst ein Wecker auf der Bank geklingelt, wachten die Marburgerinnen endlich auf. Der Rückstand wurde langsam kleiner. Doch für die Royals behielten Levke Brodersen, Kayla Tetschlag und vor allem Stefanie Gilbreath kühlen Kopf. 37:22 führten die Gastgeberinnen nach 15 Minuten. Mit 19 Punkten war Gilbreath die herausragende Akteurin in der ersten Halbzeit. Die endete mit 48:34 aus Saarlouiser Sicht.

In der Kabine sagte der BC-Coach seinen Schützlingen dann, „dass wir nicht auseinanderfallen dürfen und bis zum Schluss fighten müssen“. Das nahmen sich Koop und Co. zu Herzen. Endlich boxten sie richtig aus und gingen energisch zum Rebound. Auch das Spiel nach vorne wirkte plötzlich viel inspirierter. Das Wurfglück kehrte zurück und damit auch das Selbstvertrauen.

Zehn Zähler in Folge und Marburg war auf 44:48 dran, die eigenen Fans begeistert. Lediglich Jamailah Adams hielt mit acht Zählern die Gastgeberinnen vorn. Der BC zeichnete sich in dieser Phase durch mannschaftliche Geschlossenheit aus: Sieben Spielerinnen punkteten im dritten Durchgang. Mit 51:58 gingen die Hessinnen in den Schlussakt.

Zwischen dem 55:60 (32.) und dem 59:64 (37.) handelten sich dann gleich drei Große im BC-Trikot ihre vierten Fouls ein. Vorteil Saarlouis. Dennoch hatte das Pharmaserv-Team unterm Korb mehrere sehr gute Möglichkeiten. Doch die blieben ungenutzt und so behalten die Royals völlig verdient ihre weiße Weste.

„Nach dem deprimierenden Freitagspiel haben wir bewiesen, dass wir guten Basketball spielen können – leider erst ab dem zweiten Viertel“, sah Unger das Positive und machte seinem Gegenüber Komplimente: „René hat uns gut gescoutet und uns viele Optionen weggenommen. Und er hat eins der fittesten Teams der Liga.“

Statistik:
Viertel:
25:11, 23:23, 10:17, 12:12.
Saarlouis: Adams 14 Punkte, Barnert 4 (5 Assists), Brodersen 11/2 Dreier, Gilbreath 19/3 (11 Rebounds, 3 Steals), Groß, Manakova 1, Mauldin, Meyer, Pohlmann 2, Tetschlag 19/1 (19 Reb., 5 Ass.); n.e.: Belzer, Wimmer. Feldwürfe 44 Prozent (23/52), Freiw. 69 Prozent (18/26), Reb. 28 (def. 24), Turnover 10, Ass. 13, St. 9, Fouls 18.
Marburg: Crowder (4 Ass.), Köppl 1, Koop 12 (4 Reb.), Masek 2, Pierce 9, Reaves 13/2 (6 Reb., 3 Ass.), Schaake 8, Thimm 9 (4 Reb.), Zackery 9 (4 Reb.); n.e.: Winterhoff. Feldw. 41 Prozent (25/61), Freiw. 61 Prozent (11/18), Reb. 29 (d. 22), TO 13, Ass. 10, St. 4, Blocks 1, Fo. 23.
SR: Lehnen, Rey. Z: 700.


Randnotiz:
Als 13. Spielerin in der Marburger Bundesliga-Geschichte seit 1992 hat Finja Schaake die 100er-Marke bei der Zahl der Hauptrundenspiele geknackt.

Kommentar:
Über das Hallenmikrofon bereits nach dem ersten Viertel den Sieger zu küren („Wir können uns schon langsam einstellen auf einen dritten Erfolg“), erscheint im Hinblick auf echten Sportsgeist zumindest fragwürdig. Und wer als Offizieller kurz danach den Unwillen der Gästefans, die vorgezogene Siegesfeier in Form von La Ola zu unterstützen, mit abfälligen Gesten quittiert, zeigt sich nicht gerade als guter Gastgeber.


Reaktion:
„Dass einigen Marburger Fans Aussagen oder Gesten unseres Hallensprechers missfallen haben, tut uns leid. Sicherlich war es auch nicht die Absicht unsere Hallensprechers, eure Fans zu verärgern, aber Emotionen gehören im Sport dazu und diese haben ihn wohl zu den Aussagen und Gesten verleitet, was uns sehr leid tut. Wir möchten betonen, dass wir stets bemüht sind, gute Gastgeber zu sein und der Fair Play Gedanke ganz oben auf unserer Agenda steht. Die Freundschaft zu eurem Verein und die beispielhafte Fanfreundschaft sind uns sehr wichtig.“
(Sascha Schmidt, Saarlouis)

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