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Proteste gegen Zwangspsychiatrie in Hessen: Sechste Demo am 20.9. um 16 Uhr an der Vitos Klinik Gießen

Demo an der Vitos Klinik in Gießen am 19.7.2014, hier direkt an der Forensik
Demo an der Vitos Klinik in Gießen am 19.7.2014, hier direkt an der Forensik
Gießen | Die Zwangspsychiatrien wollen Ruhe. Niemand soll hinschauen, wie sie Menschen fixieren, niederspritzen, einsperren, isolieren, wie Dreck behandeln, auch für Bagatellen Jahrzehnte festhalten. Doch diese Ruhe scheinen sie nicht zu bekommen. Bereits fünfmal wurde in Gießen an den Psychiatrien demonstriert, erstmal am 23. Juli auch in Limburg und Hadamar. In mehreren Rückmeldungen haben Inhaftierte mitteilen lassen, dass sie - vor allem in Gießen - von schweren Sanktionen betroffen sind. Die Forensiken zeigen hier, was sie drauf haben: Druck, Rechtsbrüche, Unmenschlichkeiten. Doch ebenso deutlich haben alle, die sich meldeten, bisher gesagt, wie froh sie sind, dass endlich Menschen sich kümmern, Öffentlichkeit herstellen, Missstände anprangern und das Ende der Zwangspsychiatrien einfordern.

Neu bei der Demonstration am 19. Juli in Gießen war, dass das Gelände umgestaltet war, bevor die Kundgebung begann und mit Transparenten, Kreide und Lautsprecher ihre eigenen politischen Duftmarken hinterließ. Unbekannte hatten in den Tagen zuvor (Genaueres nicht bekannt) psychiatriekritische Sprüche auf Mauern und Straßen des
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Vitosgeländes gemalt. Die waren bei der Demo noch gut erhalten und gaben dem Geschehen ein passendes Ambiente. Wie später in der Tagespresse zu lesen war, gab es zudem psychiatriekritische Sprüche auf den Wänden der Landkreisverwaltung. Wie zu lesen und noch zu fotografieren war, ist der Landkreis als regionales Mitglied im Landeswohlfahrtsverband mitverantwortlich, denn dessen Tochterfirma ist die Vitos Klinik. In den entsprechenden Beiräten sitzen Vertreter_innen aller Parteien ... und gucken weg bzw. schweigen.


Neue Demo geplant: Sa., 20.9.2014, Gießen

Nun ist sechste Protestgang unter dem Motto „Zwangsanstalten abschaffen!“ geplant. Beginn ist am Samstag, den 20. September, um 16 Uhr am Eingang der Vitos Klinik in der Licherstraße von Gießen. Vor dort geht es dann in das parkähnliche Gelände zwecks Inspektion und Kundgebungen auf dem Gelände der Psychiatrie.
Bitte werbt bei Betroffenen und allen Menschen mit Psychiatrieerfahrung um Beteiligung an der Demonstration.

Interview dazu unter http://www.jungewelt.de/2014/09-17/043.php.

Anschließend bis Sonntagmittag in der Projektwerkstatt (Ludwigstr. 11, 35447 Reiskirchen-Saasen ... von der Bahnhaltestelle "Licher Straße" direkt per Zug erreichbar): Möglichkeiten zum Austausch, Planen neuer Aktionen usw. (Übernachtung möglich!)



14.-16.11. in der Projektwerkstatt (nahe Gießen)
Seminar „Anti-Knast und Anti-Psychiatrie“
Knast und Zwangspsychiatrie sind die härtesten Unterdrückungsformen des Staates und die letzte Drohung der Verhaltensnormierung. Es geht um Ziele und Wirkung, Unterschiede und Ähnlichkeiten sowie Protestmöglichkeiten.

Mehr Seminare in Planung, unter anderem:
19.-21.12.: Sich einmischen – Akten und Pläne studieren, mitreden und protestieren vor Ort
7.-11.1.: Theorie der Herrschaftsfreiheit
Mehr auf www.projektwerkstatt.de/termine!

Demo an der Vitos Klinik in Gießen am 19.7.2014, hier direkt an der Forensik
Demo an der Vitos Klinik... 
Vor der Verwaltung der Forensik: Demo und die schon vorhandenen Protestsprüche auf Straße und Wand
Vor der Verwaltung der... 
Front des Gießener Landratsamtes mit Sprühparole gegen Vitos-Klinik
Front des Gießener... 
Ergänzter Wegweiser beim Landratsamt Gießen
Ergänzter Wegweiser beim... 
Demo am 23.8.2014 in Limburg (Gang durch Fußgänger_innenzone)
Demo am 23.8.2014 in... 
Zweiter Teil der Demo am 23.8. in Hadamar: Protest vor dem Forensik-Neubau
Zweiter Teil der Demo am... 

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Kommentare zum Beitrag

Jenny Burger
1.777
Jenny Burger aus Buseck schrieb am 08.09.2014 um 21:10 Uhr
Sorry, die Forensik hat ihren Sinn und ich bin froh, dass es solch eine Einrichtung gibt.
Natürlich bin auch ich gegen Gewalt, Folter und Unrecht. Aber dieses Unrecht passiert überall auf der Welt. Schon immer. Und dennoch sind diese Einrichtungen nicht entehrlich.
Jörg Bergstedt
643
Jörg Bergstedt aus Gießen schrieb am 08.09.2014 um 21:21 Uhr
Danke für den Kommentar - andererseits auch etwas traurig. Das ist das Übliche. Völlig frei jeglicher Begründung wird einfach behauptet, dass mensch die Forensik braucht. Sie sagen nicht einmal, wofür. Das klingt wie ein Naturgesetz: Die Forensik ist wie die Schwerkraft. Wofür sollen Knäste und Psychoknäste sinnvoll sein? Und was soll das Argument "passiert überall auf der Welt"? Ist es deshalb weniger schlimm? Und kann es sein, dass die Existenz von (Psycho-)Knästen, Gerichten, Armeen, Polizei usw. etwas damit zu tun hat, dass es überall auf der Welt Gewalt, Folter und (Un-)Recht gibt? Argumente gegen Einsperren und Zwang gibt es unter www.welt-ohne-strafe.de.vu.
Jenny Burger
1.777
Jenny Burger aus Buseck schrieb am 08.09.2014 um 23:07 Uhr
Sie haben Recht, Herr Bergstedt, ich habe nicht ausreichend argumentiert. Das wollte ich auch nicht, da dies kein einfaches Thema ist, über das kurz geplaudert werden kann. Dies ist ein sehr komplexes Thema mit dem ich mich sowohl privat als auch dienstlich schon beschäftigt habe.
Ich weiß, dass auch in der Forensik Unrecht geschieht. Einfach weil dort Menschen arbeiten. Für mich bedeutet das ein Missstand, der beobachtet, festgehalten, definiert und geändert werden muss.
Deswegen sollte aber auf keinen Fall die Gesamtheit dieser Einrichtungen verneint werden.

Meine persönliche MEinung dazu würde hier ausufern, Sie wissen sicher selbst zu genüge, aus welchen Gründen Menschen krank und in der Folge gewalttätig werden können. Diese Menschen gilt es nach Möglichkeit zu resozialisieren, aber man darf nicht dabei vergessen, aus welchem Grund sie in die Forensik gerieten.

Unrecht wird dadurch nicht wieder gut gemacht. Aber die Gesellschaft oder besser die Menschen müssen einfach vor möglichem Schaden bewahrt werden. Es gibt sie nun mal, die armen Seelen, die aus welchen Gründen auch immer, völlig aus der eigenen Kontrolle geraten. Wohin mit diesen Menschen, damit sie keinen weiteren Schaden anrichten ?
Wieder verbrennen oder aufhängen ?

Ich selbst verurteile Forensiker nicht. Aber ich möchte, dass sie sicher verwahrt bleiben.
Ich möchte sie nicht unter uns auf freiem Fuss wissen. Nein.

In Hinblick auf das weiltweite Unrecht, das gerade derzeit bestialisch verbreitet ist, sind Zwangsanstalten das geringere Übel. Sicher nicht für den einen oder anderen Insassen, das ist möglich. Aber das Abschaffen von Zwangsanstalten ist meiner Meinung nach verantwortungslos gegenüber aller unserer Mitmenschen.

Und wenn ich ganz ehrlich bin und es nach mir ginge, dann gäbe es noch ganz andere Menschen in der Forensik.
Jenny Burger
1.777
Jenny Burger aus Buseck schrieb am 08.09.2014 um 23:21 Uhr
Des weiteren bin ich der Meinung, dass es Gewalt, Folter und Unrecht nicht aufgrund staatlicher Rechtsstäbe gibt. Sondern weil der Mensch so ist wie er ist.
Die größten Verbrecher sitzen ganz oben.
Politik, Banken, Weltmachten.
Die Macht, die Gier, das Geld sind schon seit Menschengedenken Schuld an Unrecht und Gewalt. Unsere Milizen sind zur Eindämmung gedacht, aber auch hier sind immer nur Menschen am Werk.

Solange Frauen auf ein Wort ihrer Männer hin in die Erde gebuddelt und bei lebendigem Leib gesteinigt werden, solange Kinder, alte Menschen und Tiere geschunden und gequält werden von Menschen, die aus unserer insgesamt kranken Gesellschaft aus dem Rahmen fallen, solange Kriege im Namen Gottes geführt werden, solange ist vereinzeltes Unrecht in der Forensik nebensächlich.

Ich persönlich hatte einen Bekannten, der zwei meiner Freunde tötete. Mord und Totschlag. Er hatte zuvor schon einmal getötet.
Der Werdegang meines Bekannten ist sehr traurig. Dennoch bin ich der Meinung, dass dieser Bekannter für immer gesichert bleiben sollte. Seine Jahre sind nun bald vorüber, der Gedanke, ihn in Freiheit zu wissen, behagt mir gar nicht und widerstrebt meinem Gerechtigkeitssinn.

Gäbe es diese Einrichtungen nicht, würde meiner Meinung nach die Selbstjustiz und Gewalt enorm steigen. EIn jeder würde meinen, sich selbst verteidigen zu müssen. Wohin würde das führen ? Nicht auszudenken.
Jenny Burger
1.777
Jenny Burger aus Buseck schrieb am 08.09.2014 um 23:50 Uhr
Lange Rede, kurzer Sinn :

Das Geschehen in den Zwangsanstalten muss sich unbedingt ändern ! Qual und Folter haben auch dort nichts zu suchen !

Aber Abschaffung dieser EInrichtungen, ganz klar ein "Nein".
Michael Beltz
7.760
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 10.09.2014 um 17:14 Uhr
Der 20.6. könnte schon vorüber sein.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Jörg Bergstedt

von:  Jörg Bergstedt

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Interessensgebiet: Gießen
Jörg Bergstedt
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