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"Nie wieder Krieg; 100 Jahre 1. Weltkrieg" - Kulturveranstaltung der SPD-Arbeitgemeinschaften 60plus und Frauen (ASF) zum Antikriegstag

Die linke Hälfte des Saales mit Michael Schell
Die linke Hälfte des Saales mit Michael Schell
Gießen | „Kriege kommen nicht über uns. Kriege werden gemacht." Dies sagte die Vorsitzende der SPD AG 60plus, Elke Immelt, in ihrer Begrüßung der rund 50 Anwesenden einer Kulturveranstaltung im Dachsaal des DGB-Hauses. Das Thema 1. Weltkrieg liege zwar 100 Jahre zurück, habe leider auch heute nichts von seiner Brisanz verloren. Zwischen 1914 und 1918 starben 10 Millionen Menschen in den Schützengräben. Etwa 20 Millionen kehrten traumatisiert und als Krüppel zurück, so Immelt. Sie zitierte den australischen Schriftsteller Christopher Clark, dessen Buch „Die Schlafwandler“ es in die Bestsellerlisten des deutschen Buchhandels geschafft habe. Die zentrale These des australischen Historikers laute, „die politisch verantwortlichen Staatsoberhäupter, Politiker und Diplomaten seien wie Schlafwandler in den Krieg hineingetappt. Clark interessiere das „Wie“ von Kriegen mehr als das „Warum“. Deshalb erwähne er nicht, dass auf den Schlachtfeldern nicht nur für Gott, Kaiser und Vaterland, sondern vor allen Dingen für die Milliardenprofite der großen Rüstungs-, Chemie- und Stahlkonzerne gestorben wurde. Gemacht wurde der 1. Weltkrieg
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Nie wieder Krieg (3)100 Jahre 1. Weltkrieg - Kulturveranstaltung der SPD zum Antikr (1)
von den Eliten in Berlin und Wien, um bei der Neuverteilung der „Filetstücke des Erdballs ihren Platz an der Sonne“ zu erstreiten. Die Thesen des „Hineinschlitterns“ und „Hineintaumelns“ in Kriege, bei denen es nur Opfer aber keine Täter gebe, stamme aus den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Sie passten aber auch sehr gut in unsere Zeit, in der von der deutschen Politik auch eine größere militärische Verantwortung eingefordert werde.
Den historischen Rahmen spannte Michael Schell mit einem kurzen geschichtlichen Streifzug über Ursachen und Wirkung von Fehlern im Umgang der Völker Europas miteinander. Er entlässt vor allem die politisch Mächtigen und Handelnden jener Zeit nicht aus ihrer Verantwortung. Unter anderem mit dem Plakat „Deutscher Flottenverein“ machte er den Kampf um die Macht und den Zugang zu den überseeischen Märkten deutlich. Deutschland wollte so stark werden wie die See- und Kolonialmacht England. Der 1. Weltkrieg war für ihn eine „Industrialisierung des Mordens“. Es kam darauf an, viele Menschen zu töten. Der U-Boot-Krieg habe noch mehr Elend und Leid gebracht und die Vereinigten Staaten von Amerika veranlasst, in den Krieg einzutreten. Cornelia Schell-Häbich ging es mit ihren Liedern und
Cornelia Schell-Häbich erhielt für ihre nachdenklichen Beiträge viel Beifall
Cornelia Schell-Häbich erhielt für ihre nachdenklichen Beiträge viel Beifall
Gedichten von Reinhard Mey, Kurt Tucholsky, Gerhard Brake sowie russischen und amerikanischen Lyrikern vor allem um die Befindlichkeiten der Menschen, die unter dem Krieg zu leiden hatten. Sie nahm sich in besonderer Weise dieses Themas an und erntete für ihre gelungenen Vorträge viel Beifall. Die musikalische Begleitung stammte von Werner Vetterer.
Vor dem Hintergrund der aktuellen kriegerischen Entwicklungen in aller Welt appellieren die Veranstalter in einer Resolution an die politisch Verantwortlichen und alle dem Frieden verpflichteten Menschen: 1. Die Bundesrepublik Deutschland bleibt den Grundsätzen der internationalen Gemeinschaft verpflichtet, die friedliche Konfliktlösungen anstrebt und Gewalt ächtet. Sie engagiert sich im Ausland mit Friedensmissionen und trägt durch eine faire Handels- und nachhaltige Entwicklungspolitik sowie restriktive Rüstungsexporte dazu bei, wirtschaftliche und soziale Verwerfungen der Globalisierung, die oft die Ursache für Konflikte sind, zu verringern.
2. Die Charta der Vereinten Nationen von 1949 legt ein Gewaltverbot fest. Eine Ausnahme als "humanitäre Intervention" wurde von der UN-Generalversammlung nicht anerkannt.
3. Die Bundeswehr bleibt eine Verteidigungsarmee.
4. Art. 26 des Grundgesetzes schützt das "friedliche Zusammenleben der Völker." Die Veranstalter bleiben bei dem bisherigen Konsens, dass Waffenlieferungen in Krisengebiete verfassungsrechtlich nicht zulässig sind. Damit befinden sie sich in Übereinstimmung mit den Richtlinien der Bundesregierung zu Waffenexporten.
5. Eine Diffamierung friedenspolitischer Bürgerinnen und Bürger durch politische Repräsentanten habe zu unterbleiben. Denn wer einen friedlichen Umgang der Völker anstrebe, führe keine "akademische Diskussion".

Die linke Hälfte des Saales mit Michael Schell
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Cornelia Schell-Häbich erhielt für ihre nachdenklichen Beiträge viel Beifall
Cornelia Schell-Häbich... 
AG 60plus-Vorsitzende Elke Immelt bei ihrer Begrüßung
AG 60plus-Vorsitzende... 

Kommentare zum Beitrag

Martin Wagner
2.705
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 01.09.2014 um 17:48 Uhr
Um es sehr vorsichtig zu formulieren:

Ich finde es schon sehr befremdlich, dass gerade eine Partei, welche in der Lage gewesen wäre den 1. Weltkrieg zu verhindern* heute versucht sich als "friedensbewegt-angehaucht" zu präsentieren.

Da wird doch bei der heutigen praktischen Politik dieser Partei niemals "ein Schuh" draus. Sollten es wirklich Friedensfreunde innerhalb dieser Partei geben - diesen rufe ich zu: Raus aus dieser Partei!

* Warum hat die Parteiführung und die Reichstagsfraktion nicht das gemacht, was sie auf mehreren internationalen Friedenskongressen in den Jahren vorher angekündigt hat, nämlich zum Generalstreik in allen Ländern gegen den Krieg aufzurufen?
Michael Beltz
7.760
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 01.09.2014 um 20:00 Uhr
Die SPD hat damals den Kriegskrediten zugestimmt.
Und heute? Hat der EX-Bundeskanzler Schröder recht, wenn er sagt, der Überfall auf Jugoslawien sei völkerrechtswidrig gewesen? Ich verweise auf meinen Beitrag "Todenhöfer an Gauck".
759
D. Theiß aus Lich schrieb am 01.09.2014 um 20:34 Uhr
Da lobe ich mir den Herrn Putin, der aus lauter Menschenfreundlichkeit an der Ukraine rumknabbert, um seinen Landsleuten die sich in der Ukraine aufhalten, zu Hilfe eilt, notfalls mit Waffengewalt.
Dadurch kann niemals ein Krieg entstehen, ich betone niiiieeeemals, ein Menschenfreund wie Herr Putin lässt nämlich nicht schießen, er lässt die Soldaten mit Rosa Wattebällchen werfen.
Stefan Walther
4.851
Stefan Walther aus Linden schrieb am 01.09.2014 um 23:06 Uhr
Ist das nur ein Schreibfehler oder waren Sie gar nicht dort Herr Döring? Meines Wissens fand die Veranstaltung im DGB-Haus statt!?

Ja, da muss ich Martin Wagner zustimmen, ja, und er formuliert es sehr, sehr vorsichtig: die SPD erinnert / gedenkt der Toten des 1. Weltkrieges? Schon mehr als befremdlich wenn die ( damalige? ) Partei der "Vaterlandsverteidigung" heute der Opfer gedenkt. Das wäre genauso als wenn die GRÜNEN der Toten des Jugoslawien-Krieges gedenken würden.

Andererseits sind die Analysen hier - über die Ursachen des 1. Weltkrieges und die Interessen, die sich dahinter verbargen - von Frau Immelt sehr gut gemacht worden. Ich hoffe du bist mir jetzt nicht böse Elke wenn ich sage = mit deiner Meinung, mit deinen Analysen wirst du nie mehrheitsfähig in der SPD werden. Freut mich aber, dass es auch in der heutigen SPD noch aufrechte Antimilitaristen gibt, die genau wissen wer die ( imperialistischen ) Kriege anzettelt und angezettelt hat!
Werner Döring
2.425
Werner Döring aus Gießen schrieb am 02.09.2014 um 09:06 Uhr
Stimmt Herr Walther: Auf meiner Einladung steht Frauen-Kultur-Zentrum. Die Veranstaltung, an der ich teilgenommen habe, fand aber im Dachsaal des DGB-Hauses statt. Versuche es im Text noch zu berichtigen.
Michael Beltz
7.760
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 02.09.2014 um 16:34 Uhr
Herr Theiß, Sie versuchen hier abzulenken von geschichtlichen Tatsachen. Putin hier ins Spel zu bringen wirkt albern und entspricht nicht Ihrem Niveau.
759
D. Theiß aus Lich schrieb am 02.09.2014 um 18:31 Uhr
Herr Beltz,
ich muss Ihnen ein bisschen recht geben und es war auch mehr ironisch gemeint, aber die Duplizität der Dinge sollte man auch sehen, ich sehe eine große Gefahr dass eventuell durch diese Eskapaden ein Krieg entstehen könnte, unsere Generation wurde Gott sei Dank damit verschont, ich habe aber sehr große Bedenken dass meine Söhne in diesen Sog mit hineingezogen werden.
Mit Duplizität meine ich 1. September 1939 wo auch durch gezielte Propaganda und Verbreitung durch Unwahrheiten ein Krieg entstand, damals leider von Deutschem Boden ausgehend.
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Werner Döring
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