Bürgerreporter berichten aus: Gießen | Überall | Ort wählen...

3139 Kontrollen im Jahr für beste Lebensmittelhygiene

Mit einem digitalen Messgerät wird die Temperatur des Eises gemessen.
Mit einem digitalen Messgerät wird die Temperatur des Eises gemessen.
Gießen | Tag für Tag sind sie mit ihren Utensilien, Laptop und Drucker unterwegs durch den Landkreis. Horst Vogel und seine sechs Kollegen sind amtliche Lebensmittelkontrolleure beim Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz des Landkreises Gießen. 2475 kontrollpflichtige Betriebe gibt es in Stadt und Landkreis. Und alle bekommen regelmäßig unangekündigten Besuch von Vogel und seinen Kollegen. Dieser Tage begleitete Erster Kreisbeigeordneter Dirk Oßwald seinen Mitarbeiter bei einer besonders interessanten Kontrolle: der bekannten Eisdiele Venezia im City Center in der Gießener Bahnhofstraße. Anlass war die Vorstellung der Jahresbilanz 2013 des Sachgebiets Lebensmittelhygiene.

Maurizio Majer ist der Besitzer des Eiscafés Venezia, in der Horst Vogel um zehn Uhr eine seiner routinemäßigen Kontrollen startet. Seit 38 Jahren stellt der Italiener Eis her, seit 2009 in Gießen. Morgens um sieben Uhr beginnt er mit der Produktion des Speiseeises, bevor um halb neun die ersten Kunden in das Eiscafé kommen. Sind die Hände desinfiziert, die Arbeitskleidung angelegt und die Maschinen gereinigt, kann es mit der Eisproduktion losgehen. Nach jeder Produktion werden die Maschinen gereinigt, berichtet Maurizio Majer.
Mehr über...

Lebensmittelkontrolleur Vogel schaut sich die Maschinen genau an und findet keine Makel. Nicht nur die Maschinen werden begutachtet, sondern auch Arbeitsbedingungen und Hygiene. „Ein Heizkörper braucht demnächst einen neuen Anstrich und ein Kühlschrank ist teilweise vereist. Da muss nach geguckt werden“, stellt er bei seinem Rundgang fest. Außerdem untersucht er Lebensmittel nach dem Haltbarkeitsdatum und ermittelt bei Kühl- und Tiefkühlware mit einem digitalen Messgerät, ob die Temperatur stimmt.

Neben dem Produktionsbereich überprüft der Lebensmittelkontrolleur die Theke, das Lager, den Kühlraum und Personalbereiche. Er schaut sich die Dichtungen der Kühlgeräte sorgfältig an und kontrolliert, ob in Sozialräumen und WC die Hygienevorgaben beachtet werden. „Alles optimal hier“, sagt Vogel und berichtet, dass die Eisdiele Venezia seit Jahren ein Vorzeigebetrieb in Sachen Hygiene und Lebensmittel-Sicherheit ist.

Wäre das Gegenteil der Fall, gäbe es bei schwerwiegenden Problemen eine kostenpflichtige und zeitnahe Nachuntersuchung. Oder es würde ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet werden. Im Extremfall können die Kontrolleure auch Produktionen oder Betriebe sofort schließen.
Bei Routinekontrollen entstehen für den Betreiber keine Kosten und sie finden bei Gaststätten in der Regel ein Mal im Jahr statt. Jedoch entscheidet die abschließende Bewertung des Kontrollberichts anhand einer automatischen Kontrollfrequenzerrechnung, ob man in näherer Zeit einen Betrieb erneut und in geringeren Abständen kontrollieren muss.

Ein Mal im Jahr gibt es bei Eisdielen zudem zusätzlich eine mikrobiologische Kontrolle, bei der das Eis auf Keime untersucht wird. Gesundheitsdezernent Dirk Oßwald schaut dem Lebensmittelkontrolleur interessiert über die Schulter. „Was passiert, wenn in einem Supermarkt etwas Schwerwiegendes gefunden wird, wie beispielsweise Gift in Lebensmitteln?“, möchte er wissen. Horst Vogel antwortet: „Wir kontaktieren dann das Landeslabor, informieren den Hersteller über das Problem, der dann umgehend eine bundes- oder europaweite Rückrufaktion startet. Diese wird von uns in allen Schritten überwacht. Die Hersteller sind bei der Behebung der Probleme in der Regel sehr zuverlässig und schnell.“

Fachdienstleiter Dr. Bruno Scherm erläutert, dass die amtliche Lebensmittelüberwachung dazu beiträgt, den Verbraucher vor allem vor gesundheitlichen Gefahren zu schützen. Seit Januar 2013 führen sieben ausgebildete Lebensmittelkontrolleure im Landkreis Gießen die Überwachung durch. Bei den Inspektionen decken sie außerdem gezielt irreführende Werbung oder Täuschungen im Zusammenhang mit dem Kauf und Verzehr von Lebensmitteln, kosmetischen Mitteln und Bedarfsgegenständen auf. Die Kontrolleure achten darauf, ob in allen lebensmittelverarbeitenden Betrieben die einschlägigen Hygienevorschriften eingehalten werden.

Zusätzlich informieren und beraten die Mitarbeiter des Amtes Betriebe und Hersteller in Fragen der Hygiene und halten engen Kontakt zu Verbraucherverbänden. 898 Beratungen fanden 2013 hinsichtlich lebensmittelrechtlicher- und hygienischer Fragestellungen statt.

Auch bei größeren Festen sind die Lebensmittel-Kontrolleure des Landkreises präsent und überprüfen, ob auch hier die lebensmittel-hygienischen Vorschriften zum Schutz der Besucher eingehalten werden. „Begeistert über die Besuche sind vor allem die Vereine zwar nicht, aber ich bekomme seit Jahren positive Rückmeldungen über die kooperative und kompetente Art und Weise, wie die Lebensmittelkontrolleure ihre notwendige Arbeit machen, ob bei Festveranstaltung oder Restaurantkontrollen“, lobt Erster Kreisbeigeordneter Dirk Oßwald den amtlichen Lebensmittelkontrolleur Horst Vogel und seine Kollegen.

Behutsam weisen die Kontrolleure die Inhaber eines Betriebs oder eines Verkaufsstandes auf Festen auf hygienische Mankos hin und erklären, wie und bis wann diese behoben werden müssen. Richtig Ärger gibt es erst, wenn Auflagen nicht umgesetzt oder eingehalten werden.

Im Jahr 2013 wurden im Landkreis Gießen insgesamt 3139 Betriebskontrollen durchgeführt. Bei etwa 13 Prozent der kontrollierten Betriebe haben Prüfer Verstöße festgestellt. Häufige Mängel betreffen die Betriebshygiene und Schwächen in den Eigenkontrollmaßnahmen.

Im selbigen Jahr haben Inspekteure im Landkreis Gießen 999 Proben entnommen, wovon etwa sieben Prozent der Produkte beanstandet werden mussten. Häufige Beanstandungen waren: die Aufmachung der Produkte, Verunreinigungen und mikrobiologische Mängel. Zudem erfolgte der Nachweis von krankheitserregenden Mikroorganismen oder scharfkantigen Fremdkörpern (bspw. Glassplitter) in verzehrfertigen Produkten. „Der Anteil der Proben, die wegen gesundheitsschädlicher Beschaffenheit beanstandet wurden, lag in den letzten Jahren unter 0,5 Prozent. Die Beanstandungsquote aller kontrollierten Betriebe ist jedoch nicht repräsentativ für den Qualitätszustand aller Lebensmittelbetriebe oder Waren", sagt Scherm.

Hin und wieder finden die Kontrolleure aber auch Lebensmittel, von denen eine gesundheitliche Gefahr ausgeht (z.B. Ungezieferbefall oder Verdorbenheit). Wegen hygienischer Mängel wurden im vergangenen Jahr 156 kg Fleisch und Fleischerzeugnisse und 129 kg Milch und Milchprodukte sichergestellt. „Diese Lebensmittel mussten dann beseitigt werden, was auch vom Amt kontrolliert wird“, erläutert Scherm. Teilweise wurden sie auch unter Benachrichtigung der für den Hersteller zuständigen Überwachungsbehörde an die Hersteller zurückgeschickt.

„Nach EU-rechtlichen Bestimmungen hat die Lebensmittelwirtschaft die Hauptverantwortung für sichere Lebensmittel zu tragen. Hundertprozentige Sicherheit durch die amtliche Lebensmittelüberwachung gibt es nicht, jedoch ist das Kontrollnetz sehr dicht. Allerdings lassen sich kriminelle Machenschaften weder durch verschärfte Sanktionen, weitere Gesetzesvorschriften oder erhöhte Kontrollfrequenzen völlig ausschließen“, erklärt Oßwald.
Der weitaus größte Teil der Lebensmittelbetriebe arbeitet jedoch verantwortungsbewusst. Zu den Ausnahmen zählen die durch Lebensmittelüberwachungen aufgedeckten „Gammelfleischbetriebe“.

Um solche „schwarzen Schafe“ zu enttarnen, sind die Behörden auch auf Hinweise der Verbraucher angewiesen. Sie spielen eine entscheidende Rolle, denn „der Kunde ist König“. Durch Verbraucherbeschwerden können Bürger – auch anonym – kostenlos bei den örtlich zuständigen Lebensmittelüberwachungsbehörden auf Mängel hinweisen.

Fragen und Beschwerden besorgter Bürger werden beim Fachdienst Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz vertraulich behandelt. Hierzu können sich Bürgerinnen und Bürger unter der Telefonnummer 0641 9390-6200 oder der E-Mail-Adresse poststelle.avv@lkgi.de an das Amt wenden.

Kommentare zum Beitrag

Leider gibt es noch keine Kommentare zu diesem Artikel.
Schreiben Sie doch den ersten!

Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Landkreis Gießen

von:  Landkreis Gießen

offline
Interessensgebiet: Gießen
Landkreis Gießen
8.688
Nachricht senden
Aktuellste Beiträge des Autors:
Drei Tage lang setzten sich 25 engagierte Jugendliche intensiv mit dem Thema Schülervertretung auseinander. Veranstaltet wurde der Workshop in der Wetzlarer Jugendherberge vom Jugendbildungswerk des Landkreises Gießen. Bild: Landkreis Gießen
Landkreis stärkt Schülervertretung in ihrem Engagement durch dreitägiges Seminar des Jugendbildungswerks
Jugendliche mit politischem Interesse brauchen Hintergrundwissen, um...
v.l.: Larissa Albohn (TIG GmbH), Bürgermeister Stefan Bechthold, Landrätin Anita Schneider, Torsten Roth und Martin Neumeier (ZAUG gGmbH). Bild: Initiative ProAbschluss
Landrätin Schneider und Bürgermeister Bechthold unterstützen Einsatz mobiler Bildungsberatung im Gewerbegebiet Fernwald-Annerod – am 29. und 30. November jeweils von 11-14 Uhr
Die mobile Bildungsberatungsstelle bietet Unternehmen und...

Weitere Beiträge aus der Region

Lieber Sancho sucht sein Zuhause
Sancho ist ein ca. 2-3 Jahre junger, lieber Terrier Mischling mit...
Dieser Holzweg ist nicht das Ende
Er führt uns an einen ruhigen Fleck an dem man träumen, seinen...
Süßer Torrino sucht seine Familie
Der süße Torrino ist ein ca. 3 Jahre junger Dackel/Terrier...

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.