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Die Vorboten des Altweibersommers: Die Natur übt schon mal kräftig für den „späten Frühling“ der betagten Damen

Die Sonne hat noch Mühe, den morgendlichen Dunst,  der die Natur wie ein Schleier durchwirkt, zu durchdringen. Im Gegenlicht funkeln  die vom Tau benetzten Kunstwerke von Thekla, Kankra und Co.  wie  Diamantenkolliers.
Die Sonne hat noch Mühe, den morgendlichen Dunst, der die Natur wie ein Schleier durchwirkt, zu durchdringen. Im Gegenlicht funkeln die vom Tau benetzten Kunstwerke von Thekla, Kankra und Co. wie Diamantenkolliers.
Gießen | Für den Sommer der alten Weiber ist es ja kalendarisch noch ein bisserl früh. Der mit rauschenden Farben bemalte Kehraus des Spätherbstes an der Schwelle zum Winter geht in der Regel mit einer längeren, stabilen, von sonnigen Tagen und kalten Nächten geprägten Schönwetterperiode zwischen Mitte September und Anfang Oktober einher. Ein letztes Aufbäumen eines Sommers, von dem in diesem Jahr ja keine Rede sein konnte. Trotzdem scheint die Natur derzeit im Vorgriff auf diese meteorologische, von den Kanadiern und Neuengländern „Indian Summer“ und den Japanern „später Frühling“ genannte Singularität schon etwas zu üben.
Zumindest sind die Zeichen unübersehbar. Morgendliche Nebelfelder in den Tälern und Flussniederungen, von glitzerndem, funkelndem Tau benetzte und mit Spinnweben dekorierte Gräser, Halme und Zweige in der dunstigen Frühe des Tages. Daher rührt auch der Name „Altweibersommer“. Mit „Weiben“ wurde im Altdeutschen das Knüpfen von Spinnweben bezeichnet. Einer von mehreren gängigen Erklärungen zufolge leitet sich die Bezeichnung von Fäden her, mit und auf denen junge Baldachinspinnen im Herbst durch die Luft segeln. Der zarte Flugfaden, den die Krabbeltierchen produzieren, erinnerte die Menschen an das graue Haar alter Frauen, das diese beim Kämmen verloren hatten.
1989 hatte, kein Scherz, eine 77-jährige Darmstädterin allen Ernstes gegen die Bezeichnung “Altweibersommer“ geklagt Der Name diskriminiere sie nicht nur als Frau, sondern auch wegen ihres Alters. Das zuständige Landgericht war jedoch anderer Meinung. Der “Altweibersommer“ durfte seinen Namen behalten, zumal er, so die Juristen, aus einer Zeit stamme, in der die beleidigte Klägerin noch gar nicht geboren war. Einer Zeit, als „altes Weib“ noch nicht als Schimpfwort für Damen jenseits von Gut und Böse gebräuchlich war.
Im Volksglauben wurden besagte Spinnweben auch Elfen, Zwergen oder den aus der nordischen Mythologie entstammenden Nornen (Schicksalsgöttinnen) zugeschrieben. Man nahm auch an, dass in Kürze eine Hochzeit ins Haus stünde, sofern sich fliegende Spinnfäden im Haar eines jungen Mädchens verfangen hatten. Christliche Legenden führten die weißen Spinnenfäden auf die heilige Maria zurück, die im Herbst mit zahlreichen Jungfrauen umher ziehe und das Land mit Seide überspanne. Wahlweise sollen die Fäden auch aus dem Mantel stammen, den Maria bei ihrer Himmelfahrt getragen habe. Darauf gehen die im Süddeutschen gebräuchlichen Bezeichnungen “Mariengarn“, “Marienhaar“ oder “Unserer Lieben Frauen Gespinnst“ zurück.
Zögerlich tauchen die Konturen der Landschaft und die Umrisse der Bäume aus dem Mogennebel auf. Der junge Tag entschädigt Frühaufsteher mit malerischen, atmosphärisch einzigartigen Impressionen.
Zögerlich tauchen die Konturen der Landschaft und die Umrisse der Bäume aus dem Mogennebel auf. Der junge Tag entschädigt Frühaufsteher mit malerischen, atmosphärisch einzigartigen Impressionen.
In Wort und Schrift ist der “Altweibersommer“ übrigens erst seit Anfang des 19. Jahrhunderts gebräuchlich, als die Menschen das Jahr noch in die Winter- und die Sommerhälfte einzuteilen pflegte. Damals wurde der Frühling “Junger Weibersommer“ genannt, der Herbst hieß “Alter Weibersommer“.
Dieser Wärmerückfall zwischen Mitte September und Anfang Oktober wird durch ein Festlandhoch über Osteuropa bestimmt, das trockene Luft nach Mitteleuropa bringt, sagen die Meteorologen. Wobei der Terminus „Wärmerückfall“ derzeit wie glatter Hohn anmutet. Schlechter Witz! Ganz schlechter Witz! Ein Blick aus dem Fenster genügt, und entsprechende disponierte und dafür anfällige Zeitgenossen bekommen Depressionen. Ihre Laune mag sich auch durch die auf der Hand liegende Antwort auf Rudi Carrells rhetorische, weiland in die Melodie von „City of New Orleans“ gekleidete Frage, wann es denn mal endlich wieder richtig Sommer würde, nicht sonderlich bessern: In diesem Jahr wohl nicht mehr! Wie trällerte der komische Holländer schon 1975?
Wir brauchten früher keine große Reise,
wir wurden braun auf Borkum und auf Sylt.
Doch heute sind die Braunen nur noch Weiße,
denn hier wird man ja doch nur tiefgekühlt.

Oh Greifenstein, Du edles Haus. Zu Füßen der Höhenburg schwappt die dunstige Gicht des Nebelmeers. Die Bäume haben begonnen, herbstliches Make-Up anzulegen.
Oh Greifenstein, Du edles Haus. Zu Füßen der Höhenburg schwappt die dunstige Gicht des Nebelmeers. Die Bäume haben begonnen, herbstliches Make-Up anzulegen.
Da hat es Rudolf Wijbrand Kesselaar, wie der beliebte Showmaster, Gott hab‘ ihn selig“, mit bürgerlichem Namen hieß, aber dermaßen auf den Punkt gebracht! Nun kann man in dieses Klagelied einstimmen, den germanischen Göttinnen Glauben schenken oder den meteorologischen Erklärungsversuchen vertrauen. Als gesichert gilt: Der Altweibersommer ist der einzige Sommer, auf den Verlass ist! Mal ist er länger, mal kürzer. Aber er kommt. Früher oder später. Das ist so sicher wie das „Hossa“ in Rex Gildos „Fiesta Mexicana“.
Und dann können die Fotografen wieder aus dem Vollen schöpfen. Noch überwiegt das Grün in Wald und Feld, doch die ersten zaghaften Kolorierungsversuche von Mutter Natur zeichnen sich bereits ab. Einhergehend mit den sanften, atmosphärisch stimmungsvollen Zeichnungen einer von der Sonne mühevoll durchdrungenen schleierhaften Dunstigkeit ergeben sich so Impressionen, Motive, An- Ein- und Durchblicke von traumhafter Einzigartigkeit und ästhetischem Überschwang. Der Daubhausener Naturfotograf Helmut Weller hat schon einmal damit begonnen, den Zauber, den die Schöpfung in diesen Tagen für uns bereithält, einzufangen.

Die Sonne hat noch Mühe, den morgendlichen Dunst,  der die Natur wie ein Schleier durchwirkt, zu durchdringen. Im Gegenlicht funkeln  die vom Tau benetzten Kunstwerke von Thekla, Kankra und Co.  wie  Diamantenkolliers.
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Perlentaucher: Pretiosen, wie sie kein Juwelier hinbekommt. Filigrane Goldschmiedearbeit der Natur.
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Schön, aber giftig: Auch die Herbst-Zeitlosen sind in diesem Jahr mit dem Blüte ihrer normalen Zeit etwas voraus.
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von:  Jürgen Heimann

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Jürgen Heimann
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