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Die Landesgartenschau der Mysterien

Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus)
Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus)
Gießen | Es ist schon kurios - nein, eher eigenartig.

Sorgten im August 2011 noch ein versunkener Bagger und reihenweise verendende Schwäne für Aufregung, so war es in 2013 am ersten Wochenende im August die nächtens spurlos vom Schwanenteich verschwun­dene Schwanenfamilie, die Rätsel aufgab.

Und just erneut im August, konkret am Morgen des 20. August 2014, wurden Anwohner rund um das Bezahlgelände der Landesgartenschau aus dem nächtlichen Schlaf gerissen.

Was ist geschehen?

Am Mittwoch, den 20. August wurden die Anwohner von Ringallee, Eichgärtenallee und einiger Neben­straßen kurz nach 6 Uhr ihrer Nachtruhe beraubt. Sie wurden "Ohrenzeugen" einer ganz beachtlichen Anzahl von Schüssen, die aufgrund der teils schnellen Schussfolge zweifellos aus mehreren Waffen abge­feuert wurden. Auch die Wahrnehmung der Personen lässt darauf schließen, dass das Szenario sich am östlichen Rand der Innenstadt ereignete. Mehrere der Ohrenzeugen verorteten die Schüsse auf das Landes­gartenschaugelände. Gegen 7 Uhr war dann der "Spuk" beendet, nachdem weit über 100 Schuss in dieser knappen Stunde abgefeuert wurden. Dies
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lässt nun eigentlich nur einen Schluss zu: Es wurde erneut eine Jagd auf die in der Wieseckaue beheimateten Wildkaninchen durchgeführt. Wurde die geplante Bejagung im zeitigen Frühjahr (noch vor der offiziellen Eröffnung der Schau am 26.4.) noch im Vorfeld öffentlich ange­kündigt, war dies zum jetzigen Zeitpunkt natürlich nicht notwendig, da das Areal hermetisch abgeschirmt ist und somit ein unberechtigter Zutritt von nicht autorisierten Personen ausgeschlossen werden konnte. Folg­lich war eine störungsfreie Jagd auf die Nachkommen der im Frühjahr im Visier stehenden Wildkaninchen gewährleistet.
Noch im Frühjahr wurde die Aktion mehrfach verschoben, als Grund wurde die Erkrankung des Jägers ange­führt. Just zu dem Zeitpunkt, als auf dem Schwimmbadparkplatz die Frühjahrsmesse ihren Betrieb aufgenommen hatte, begann dann auch das 'fröhliche Jagdtreiben' jenseits des Gartenschau-Zaunes. Da kam dann die plötzliche Genesung des Jagd-Ausübenden gerade recht, damit die Kaninchenhatz durch die akustische Übertönung der Fahrgeschäfte auf dem provisorischen Messeplatz den umliegenden Anwohnern nicht so 'ins Ohr' tönte.

Der Vorfall, der sich nun am letzten Mittwoch in den frühen Morgenstunden ereignete, reiht sich ein in die vielen Mysterien, welche sich im Umfeld der Austragung der Landesgartenschau bisher zugetragen haben.
Wildkaninchen
Wildkaninchen
Die Lokalpresse meldete am folgenden Tag, die Schüsse seien auf ein Jagdereignis zurückzuführen, welches sich an der westlichen Stadtgrenze (jenseits der Lahn) abgespielt hat. Untermauert wird dies durch die Ausführungen der Sprecher von Polizei und Stadt. Beide lassen aber offen, wieso die "wilde Schießerei" dann nur von der Ringallee bis zum Philosophenwald zu vernehmen war. Der Sprecher der Polizei schloss später sogar aus, dass man den 'rechtlich ordnungsgemäß' abgehaltenen Ansitz zweier Jäger an der Lahn bis an die Eichgärtenallee und darüber hinaus hätte hören können. Dies sei schon aufgrund der topografi­schen Gegebenheiten eher auszuschließen.

Ebenso unwahrscheinlich dürfte das Szenario sein, welches am gestrigen Samstag in einer der beiden Lokalzeitungen vom Stadt-Redakteur in der Wochen-Kolumne als mögliche Erklärung in die Diskussion eingebracht wurde, 'Nichtjäger' hätten im an das LGS-Gelände angrenzenden Pappelwäldchen ihre Schießwut befriedigt. Ich selbst befuhr wenige Minuten, bevor die letzten Schüsse verhallten, den Radweg entlang der Wieseck von der Philosophenstraße her kommend in Richtung Innen­stadt und konnte noch
Wildkaninchen in der Blumenwiese
Wildkaninchen in der Blumenwiese
kurz vor Erreichen des Waldbrunnenweges noch einzelne Schüsse hören, die definitiv nicht aus dem Pappelwäldchen kamen, ganz davon abgesehen, dass 'Nichtjäger' sicher nicht das Risiko eingehen würden, in einem so dichtbesiedelten Umfeld ihre Schieß-Gelüste oder gar ihren Jagdtrieb zu stillen.

Fazit:
Da die Wieseckaue, wie auch das gesamte restliche bebaute Stadtgebiet als sogenannter "befriedeter Bezirk" deklariert ist, in dem die Jagd ruht, ist eine Jagdausübung in diesem Bereich nur mit einer Sonderge­nehmigung der unteren, ggf. sogar der oberen Jagdbehörde möglich und zulässig. Da die Landesgartenschau-GmbH durch ihre Pressesprecherin verkünden ließ, »dass auf 'ihrem Gelände' nicht geschossen wurde und sie auch gar keine Genehmigung hätten«, bleiben den Anwohnern erneut nur Spe­kulationen. Aber vielleicht befindet sich unter der Leserschaft jemand, der 'Erhellendes' zu den offenen Fragen beisteuern kann.

Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus)
Wildkaninchen... 
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Kommentare zum Beitrag

Birgit Hofmann-Scharf
10.314
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 24.08.2014 um 20:00 Uhr
Ja,ja, die mystische LaGa in Giessen !

Ich las von den ominösen Schüssen am frühen Morgen. Von den Ohrenzeugen, unter denen sich wohl auch ein Jäger ( Anwohner ) befindet, eindeutig zugeordnet.

Siehe Beipackzettel der LaGa :
Bei Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren ...........
( ja, wen denn nur ?)
Peter Baier
10.320
Peter Baier aus Gießen schrieb am 24.08.2014 um 21:01 Uhr
Hallo Uli, vielleicht hatte sich ein Mitarbeiter der LGS
am Morgen seinen Lieblingsfilm
“ Der Förster im Silberwald” angesehen und hatte nicht
bemerkt das die Lautstärke so hoch eingestellt war
das die Schüsse in der Eichgärtenallee noch zu
hören waren.

An der Lahn wird gejagt und scheinbar nur in der
Wieseckaue hört man die Schüsse,
und morgen kommt der Weihnachtsmann.
Hermann Menger
2.342
Hermann Menger aus Gießen schrieb am 24.08.2014 um 21:35 Uhr
Wir haben die Schüsse (zuhause in der Nordstadt) auch gehört, konnten sie aber nicht "verorten".
H. Peter Herold
28.194
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 24.08.2014 um 23:07 Uhr
Warum muss das alles im Dunkeln bleiben? Um den Bürgern die Möglichkeit zum Spekulieren zu geben, sie etwa von anderen Dingen die so in der Stadt geschehen könnten abzulenken.
Hier wären die Verursacher/Genehmiger der Schießerei gut beraten, offen darüber zu berichten. Oder könnte das Aufgabe der Medien sein, die Bürger zu informieren. Wäre doch eine Aufgabe für ein paar gewitzte Reporter.
Dann brauchte Frau Back an Herrn Baier auch keine Fragen mehr in der Angelegenheit stellen und könnte Ihr Lustiges für sich behalten. Ich zumindest bin darauf nicht scharf es zu erfahren.
H. Peter Herold
28.194
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 24.08.2014 um 23:20 Uhr
Die ... nicht mit der Beißzange sagten wir da wo ich herkomme. Im übrigen mit 1,77 bin ich nicht so klein, dass das unbedingt erwähnt werden müsste.
Im übrigen wäre ich schon sehr interessiert daran zu erfahren wer morgens um 6 Uhr in der Stadt rumballert. Stadt und Polizei sollten hier die Bürger nicht im unklaren lassen, eventuell zugeben, dass sie es auch nicht wissen.
H. Peter Herold
28.194
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 24.08.2014 um 23:52 Uhr
Ihre Nachweise, sofern Sie solche besitzen sagen noch lange nichts über Sie als Person aus. Ich habe so was nicht, aber es geht mir auch ohne gut. Sicher besser als Ihnen je gehen wird.
Karl-Ludwig Büttel
3.728
Karl-Ludwig Büttel aus Hungen schrieb am 25.08.2014 um 08:43 Uhr
Die Herren lassen nach, ich hatte mit dieser Story schon früher gerechnet. Jetzt kann wieder spekuliert und unterstellt werden was dass Zeug hält. Ich freue mich schon auf die Lach und Sachgeschichten.
49
Michael Hille aus Gießen schrieb am 25.08.2014 um 10:47 Uhr
Zitat:
"Mehrere der Ohrenzeugen verorteten die Schüsse auf das Landes­gartenschaugelände."

Vielleicht wütende Gegner der Landesgartenschau? Wäre meine erste Spekulation...
Birgit Hofmann-Scharf
10.314
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 25.08.2014 um 18:30 Uhr
"Stadt und Polizei haben ja schon gesagt, was sie wissen und was nicht "

Seit wann sagt der Magistrat denn die reine Wahrheit - und nichts als die Wahrheit ??
Die Erfahrung lehrt den Bürgern ( der Kommunen, des Landes, des Staates ) leider das Gegenteil.
Darin sind " unsere Damen " und deren Sprecherin keinen Funken besser !

Das sollte auf jeden Fall aufgeklärt werden !!!
Uli Kraft
2.183
Uli Kraft aus Gießen schrieb am 25.08.2014 um 19:38 Uhr
Wenn man die Verlautbarungen liest, kann man herauslesen, dass sie 'mehr od. weniger' nichts wissen - und wenn dann der Sprecher der Polizei in einem persönl. Gespräch mit einem Anwohner sogar ausräumt,
...dass man den 'rechtlich ordnungsgemäß' abgehaltenen Ansitz zweier Jäger an der Lahn bis an die Eichgärtenallee und darüber hinaus hätte hören können. ...
Wenn man dieses Jagdereignis als Quelle der Knallerei annehmen würde, wieso gab es da nicht noch mehr Beschwerden verteilt über die Weststadt sowie die Innenstadt?

@ Herrn Hille: guter Versuch - allerdings muss ich sie da enttäuschen, bei dem Personenkreis handelt es sich um 'normale' Anwohner von Ring- und Eichgärtenallee!
Selbst Bewohner des Seniorenwohnheims am Philosophenwald zählen dazu, die möglicherweise auch ein gewisses Maß an Wut gegen die Blumenschau hegen, aber sicher deswegen nicht irgendwelche 'Schauermärchen' vom bösen Jäger erfinden, zumal deren Aussagen alle noch vom gleichen Tag stammen, bevor es am darauffolgenden Tag durch die Lokalpresse ging.
Bernd Zeun
11.292
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 25.08.2014 um 21:46 Uhr
Es wird wohl als die "Wilde Jagd von Gießen" in den deutschen Mythen- und Sagenschatz eingehen, vielleicht kann man es ja jetzt schon in Wikipedia aufnehmen http://de.wikipedia.org/wiki/Wilde_Jagd
Birgit Hofmann-Scharf
10.314
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 26.08.2014 um 13:40 Uhr
Bernd, gute Idee,
dazu hätte uns Ulrike Schepp sicher noch Erklärungen abgeben können, besonders für die, die den link evtl. nicht verstehen.
Uli Kraft
2.183
Uli Kraft aus Gießen schrieb am 26.08.2014 um 19:35 Uhr
;-)
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Uli Kraft
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