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Jugendamt muss immer mehr Kinder in Obhut nehmen

Gibt es akute Gefahren, dann zieht das Jugendamt im Landkreis Gießen die Notbremse: 68 Mal mussten die Mitarbeiter Kinder aus ihren Familien nehmen, um sie zu schützen. Foto: Landkreis Gießen
Gibt es akute Gefahren, dann zieht das Jugendamt im Landkreis Gießen die Notbremse: 68 Mal mussten die Mitarbeiter Kinder aus ihren Familien nehmen, um sie zu schützen. Foto: Landkreis Gießen
Gießen | Landkreis Gießen. 42.100 Kinder und Jugendliche haben die Jugendämter in Deutschland im Jahr 2013 in Obhut genommen. Das Jugendamt des Landkreises Gießen musste in 68 Fällen die Notbremse ziehen und ein Kind aus einer Familie nehmen: „Kinder von ihren Eltern zu trennen, ist immer das äußerste Mittel. Unsere Aufgabe ist es, die Kinder zu schützen. Unser Ziel ist es, dies zu erreichen, ohne die Mädchen und Jungen in Obhut nehmen zu müssen“, sagt Dirk Oßwald, Erster Kreisbeigeordneter und Jugenddezernent im Landkreis Gießen, „leider ist das nicht immer möglich.“

Auch Jugendamtsleiterin Claudia Warnat unterstreicht, wie schwer es sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom Jugendamt machen: „Leicht fällt dieser Schritt nie. Diese schwerwiegende Entscheidung fällt auch niemals am Schreibtisch“, erläutert sie. „Wir gehen raus und machen Hausbesuche. Schließlich müssen wir uns ein genaues Bild verschaffen, um zum Wohl des jeweiligen Kindes entscheiden zu können.

Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass immer mehr Kinder diese Hilfe brauchen. Im Jahr 2012 verzeichnete das Jugendamt des Landkreises Gießen 43 Inobhutnahmen,
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ein Jahr zuvor waren es 34. Allerdings steigt seit den vergangenen Jahren nicht nur die absolute Zahl, sondern auch der Gießener Anteil der Inobhutnahmen in der deutschlandweit geführten Statistik. Während er im Jahr 2011 noch bei unter 0,1 Prozent lag, machen die Inobhutnahmen im heimischen Landkreis mittlerweile 0,16 Prozent der Fälle in Deutschland aus.

Dabei steigen die Zahlen auch in der Bundesrepublik seit Jahren an. 2011 wurden deutschlandweit 37.675 Fälle registriert, die Steigerungsrate war in den Jahren zuvor moderat geblieben. Ein Jahr später betrug sie zunächst 4,5 Prozent, ein weiteres Jahr später lag sie bei rund 7 Prozent. Zum ersten Halbjahr 2014 liegen noch keine belastbaren Statistiken vor, in mindesten 30 Fällen mussten die Mitarbeiter des Jugendamts beim Landkreis Gießen bislang einschreiten und ein Kind in Sicherheit bringen.

Hinweise auf mögliche Misshandlungen von Kindern und Jugendlichen bekommt das Jugendamt von aufmerksamen Nachbarn, Bekannten, Kinderärzten, Schulen und Kindertagesstätten. Einige Kinder und Jugendliche melden sich aber auch selbst. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jugendamts kümmern sich um jeden einzelnen Fall. 68 Fälle stuften sie im vergangenen Jahr nach reiflicher Überlegung als so schwerwiegend ein, dass sie die Mädchen und Jungen aus ihren Familien herausholen mussten – vorübergehend jedenfalls.

In solchen Fällen leiden Kinder und Jugendliche unter akuten Gefahren. Sie erleben schwere Konflikte in der Familie, Misshandlungen, sexuelle Gewalt. Dann ist die Inobhutnahme der letzte Ausweg – der „Rettungsring“, den das Jugendamt werfen muss, macht Dirk Oßwald deutlich.

Kontakt zum Jugendamt des Landkreises Gießen, Telefon: 0641 9390-9002, Außenstelle Lich: 0641 9390-6410, Außenstelle Grünberg: 0641 9390-6120, E-Mail: jugendamt@lkgi.de.

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Kommentare zum Beitrag

Birgit Hofmann-Scharf
10.362
Birgit Hofmann-Scharf aus Gießen schrieb am 19.08.2014 um 20:08 Uhr
SEHR TRAURIG, denn jedes misshandeltes Kind ist eins zu viel - für mich absolut nicht entschuldbar.
Jörg Jungbluth
5.108
Jörg Jungbluth aus Lollar schrieb am 19.08.2014 um 22:32 Uhr
Manche Menschen müssten schon in der Pupertät sterilisiert werden, damit sie keine Kinder bekommen. Die können sie dann auch nicht schlagen, missbrauchen, misshandeln oder einfach nur vernachlässigen.
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von:  Landkreis Gießen

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