Bürgerreporter berichten aus: Gießen | Überall | Ort wählen...

Je später der Abend – umso besser die Losung.

Gießen | Aller guten Dinge sind drei. Noch einmal eine Kostprobe aus dem Losungsbüchlein der Herrnhuter Brüdergemeine. (Kein Tippfehler übrigens, dass hier scheinbar ein „d“ fehlt.) Leider etwas spät, weil heute so viel gelaufen ist, dass ich erst am Abend dazu komme, meine Gedanken niederzuschreiben.

Für den 15.8.2014 hatten die Herrnhuter diese Losung gezogen:
„Auf dich hoffen, die deinen Namen kennen; denn du verlässest nicht, die dich, HERR, suchen.“
Psalm 9,11
Der Lehrtext dazu: „Christus spricht: Ich kenne deine Werke und deine Mühsal und deine Geduld.“
Offenbarung 2,2

Manchmal ist es relativ einfach, diesen täglichen Impuls als kräftigen Schubser mit in den Tag zu nehmen. Ein andermal erweist er sich als spröde, die Stelle aus dem Alten will nicht so recht mit der aus dem Neuen Testament zusammenpassen. Und es gibt auch Tage, selten zwar, da kommt kein Impuls, kein Aha-Erlebnis. Da geht man an sein Tagewerk, und an glücklichen Tagen gibt es das Aha irgendwann später.
Unsere heutige Losung klingt nach 100% Sicherheit, die gläubige Leute bei ihrem Gott finden. „Denn DU verlässt NICHT!“ Wen? „Die DICH,
Mehr über...
HERR, suchen.“ Das klingt nicht nur nach tiefer Beziehung, das ist sie. Das Geheimnis des Glaubens besteht nicht darin, dass ich an irgend ein höheres Wesen glaube oder dass ich annehme, dass es eines gibt. Das Geheimnis tiefen Glaubens besteht in einer persönlichen Beziehung zu Gott.
„Denn DU verlässt NICHT!“ Es wird schwierig, dem so einfach zuzustimmen, wenn wir die Lage der Christen in Syrien, im Irak, in Ägypten oder in anderen arabischen Ländern kennen. Was ist mit denen, die sich auf Gott verlassen haben, und die nun verschleppt, gesteinigt, vergewaltigt oder im günstigsten Falle „nur“ vertrieben werden? Wenn auf Gott kein Verlass ist, könnte man doch auch konvertieren und sein Leben damit retten.
Denken wir es einmal anders herum. Offenbar haben diese Christen mit Gott schon sehr viel erlebt und diese Erfahrung des Nicht-Verlassen-Seins schon oft gemacht. Dadurch ist ihnen diese Beziehung mit Gott viel mehr wert, als ein elendiges Dahinvegetieren unter den Schergen der Scharia. Dafür zahlen diese Christen sogar mit einem sehr hohen Preis, mit ihrem Leben.

Warum repetieren die gläubigen Juden auch heute noch ihre alte Geschichte und ihre alten Geschichten? Immer und immer wieder setzen sie ihre Hoffnung auf den lebendigen Gott. Das ist eine Beziehungs- und Erfahrungssache. Da kann sie nicht einmal die Hölle von Auschwitz daran hindern oder tausende Jahre voller Pogrome, Leiden und Verfolgung.
Könnte es sein, dass den meisten deutschen bzw. europäischen Christen unserer Tage diese Dimension einfach fehlt? Das notvolles Erleben, dass ohne Gottes Hilfe menschen-gemachte Not nicht zu überwinden ist, ist bei uns rund siebzig Jahre her. Jetzt gibt’s keine Not – unser täglich Grillgut kaufen wir im Supermarkt, und für derlei Nöte braucht's keinen Gott. Da reicht ein bisschen Esoterik, weil für die erlahmte Seele der Supermarkt noch nichts zu bieten hat.

Aber wenn wir genau hinsehen – und auch mal genauer in uns hineinsehen – müssen wir zugeben, dass wir an allerhand Nöten leiden. Und wenn schon nicht selbst, so toben um uns herum so viele innere und äußere Kämpfe, dass einem schlecht werden könnte. Die heutige Losung bietet dafür aber eine echte Lösung – sich auf Gott einzulassen, der uns aus Ängsten und Nöten retten kann. Um das zu erfahren, muss man nicht irgendwo in der arabischen Welt auf der Flucht sein.


(Die Bibelzitate sind der Internetversion der Herrnhuter Losungen entnommen. http://www.losungen.de/)

Dies könnte Sie zum Thema auch interessieren

Weltweiter Gedenkgottesdienst auf jw.org
Weltweiter Gedenkgottesdienst auf jw.org Jehovas Zeugen erinnern...
Weltweiter Sommerkongress erstmals digital
Jedes Jahr laden Jehovas Zeugen weltweit zu ihren großen...

Kommentare zum Beitrag

Margrit Jacobsen
8.924
Margrit Jacobsen aus Laubach schrieb am 16.08.2014 um 16:25 Uhr
Diese Zeilen haben mich sehr "angesprochen", ich werde sie drucken und weitergeben. Danke.
Bernd Zeun
11.651
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 16.08.2014 um 17:58 Uhr
Vielleicht sehe ich es ja falsch, Herr Drechsel, aber ich empfinde es als zynisch, wenn man den Südsudan verlässt, wenn es dort brenzlig wird, und nach dem Umzug in ein sicheres Land das Gottvertrauen der Leute, die die Hölle von Auschwitz oder jetzt von durchgeknallten Islamisten erleiden mussten/müssen, preist. Ich kritisiere nicht, dass Sie Ihre Haut in Sicherheit gebracht haben, das hätte ich auch, aber dass Sie anscheinend glauben, der Welt gleich wieder den rechten Weg weisen zu müssen. Ich sehe da durchaus eine Verbindung, was "Blindheit" angeht, zwischen Ihnen und den Islamisten, auch wenn ich Sie natürlich nicht in denselben Topf werfe, die christliche Religionsgeschichte aber genügend Beispiele bereit hält, so eine Verbindung zu sehen. Sie empfinden das offenbar ja alles anders, und es sei Ihnen gegönnt, aber mir fällt bei dem hergestellten Bezug zu Losung nur die Bedeutung in der Jägersprache ein.
Florian Schmidt
4.883
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 16.08.2014 um 19:12 Uhr
Herr Zeun und Herr Arnheiter, was soll denn diese Hass durchseuchte Kritik?
Nicole Freeman
10.763
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 17.08.2014 um 10:26 Uhr
;-) die bedeutung aus der Jaegersprache entspricht ;-)
Margrit Jacobsen
8.924
Margrit Jacobsen aus Laubach schrieb am 17.08.2014 um 11:41 Uhr
Lisa, dann schau mal nach Wikipedia "Herrnhuter Losungen" bevor sich an dem Wort festgebissen wird. Gibt es nicht für Vieles mehrfache Bedeutung in der deutschen Sprache?
Hermann Menger
2.370
Hermann Menger aus Gießen schrieb am 17.08.2014 um 16:34 Uhr
Vielen Dank, lieber Ulli, vielleicht hättest Du für unsere lieben Zeitgenossen aus der GZ gleich am Anfang Deines Beitrages darauf hinweisen müssen, wie diese Losungen entstehen, nämlich dass sie für jeden Tag ausgelost werden.
Dann wäre uns allen diese Namensverwechslung erspart geblieben.
Margrit Jacobsen
8.924
Margrit Jacobsen aus Laubach schrieb am 17.08.2014 um 16:46 Uhr
Zudem gab es noch den Beitrag dazu am 13.8.2014 "Die tägliche Lösung: Die Losung"...
Ullrich Drechsel
1.786
Ullrich Drechsel aus Gießen schrieb am 18.08.2014 um 15:15 Uhr
Lieber Herr Zeun, Entwicklungshelfer werden auf Grund des deutschen Entwicklungshilfegesetzes ausgesandt. Das schreibt Verträge von bestimmter Dauer vor. Danach darf man nicht mehr im selben Projekt arbeiten. Unser zweiter Vertrag war abgelaufen, d.h. wir waren schon länger als üblich am selben Einsatzort im selben Projekt tätig. Das darauffolgende Projekt, das auf unser Profil passte, war in Albanien. Dass wir den Südsudan verlassen hätten, weil es dort "brenzlig" geworden sei, trifft also keinesfalls zu. Außerdem war es in der Gegend, wo wir gearbeitet haben, nie so gefährlich, dass wir dort freiwillig weggegangen wären. Wenn Entwicklungshelfer von ihrer Einsatzstelle abgerufen werden, dann entweder auf Anordnung ihrer Dienststelle oder des Auswärtigen Amtes. Dies nur zur Klärung, damit Sie nicht aus Unkenntnis noch mehr Schwachsinn verzapfen.
H. Peter Herold
29.029
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 20.08.2014 um 13:23 Uhr
Lieber Herr Menger, eventuell ging Herr Drechsel davon aus, dass das Wort zumindest Gläubigen bekannt ist. Mir war es auf jeden Fall bekannt, ich denke da an die Jahreslosung für 2014:
„Gott nahe zu sein ist mein Glück.“
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Ullrich Drechsel

von:  Ullrich Drechsel

offline
Interessensgebiet: Gießen
Ullrich Drechsel
1.786
Nachricht senden
Aktuellste Beiträge des Autors:
Mit 4 PS durch die Oberlausitz
Die stille Schönheit. Ohridsee, Halbinsel Lin, Albanien

Veröffentlicht in der Gruppe

FeG Gießen

FeG Gießen
Mitglieder: 18
Aktuellste Beiträge der Gruppe:
Manfred Siebald
Ein rundum gelungenes Konzert
Seit nunmehr 50 Jahren singt Manfred Siebald seine Lieder auf großen...
Benefizkonzert mit Manfred Siebald am 5.3.
Der Liedermacher Manfred Siebald ist seit 1970 national und...

Weitere Beiträge aus der Region

Tolle Fußballchronik im Fußballkreis Gießen
Der Fußballkreis Gießen wird in diesem Jahr 75 Jahre alt. Er war –...
Kreisfußballausschuss Gießen
Kreisfußballtag Gießen – Henry Mohr weiterhin an der Spitze
Der Kreisfußballtag, im März abgesagt, ging jetzt reibungslos über...
Auf der Streuobstwiese im Vitos Park Gießen gibt es viele verschiedene Apfelsorten. (Foto: Vitos)
Schulstunde unterm Apfelbaum
Grundschüler erkunden die Streuobstwiese im Vitos Park...

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.